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Morgenausgabe

Nr. 501

A 252

48.Jahrgang

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Der Vorwärts" erscheint wochentäg lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel Der Abend", Jalustrierte Sonntagsbeilage Bolt und Zeit.

Vorwärts

Berliner Bolksblatt

Sonntag

25. Oftober 1931

Groß- Berlin 15 Pf.

Auswärts 20 Pf.

Die einspalt. Nonpareillezeile 80 1. Reflamezeile 5,- RR. ,, Kleine An­zeigen" das fettgedruckte Bort 25 Pf. ( zulässig zwei fettgebrudte Borte), jedes weitere Bort 12 Bf. Rabatt It. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf., jebes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pi. Familien­anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochen. täglich von 8 bis 17 lihr. Der Berlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor!

Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

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Die Fahnen hoch- trotz alledem!

Raum

Braunschweig ist und bleibt rot!

Braunschweig , 24. Offober.( Eigenbericht.) Der Hakenkreuzinvasion des verigen Sonntag stellten am heutigen Sonnabend die Sozialdemokratie, die Gewerkt. schaften und das Reichsbanner im größten gefchloffenen Raum Braunschweigs, in der Stadthalle, eine gewaltige kundgebung gegenüber. Der etwa 6000 personen faffende war wegen Ueberfüllung polizeilich geschloffen, viele Hunderte fanden keinen Einlaß. Trotz des schlechten Wetters hatte schon in den frühen Abendstunden aus allen Stadtteilen eine große Völkerwanderung nach der Stadthalle ein­gefeht. Das tampferprobte und disziplinierte Proletariat der alten unerschütterten jozialistischen Hochburg Braun­ schweig war zur Stelle, um dem Führer der deutschen Sozialdemo­fratie, Otto Wels , die Treue zur Partei zu geloben und neuen Kampfesmut zu empfangen.

Genosse Wels, bereits am Bahnhof vom Jungbanner würdig begrüßt, wurde beim Einmarsch an der Spize der Jugend von den Tausenden stürmisch gefeiert. In seiner wieder­holt durch braufenden Beifall unterbrochenen wuchtigen Rede führte

er u. a. aus:

Ihr, Braunschweiger, habt die Morgenröte des Dritten Reiches" gesehen von Harzburg nach Braunschweig . In Harzburg dos faschistische Parlament zum Sturz der Regierung Brüning", hier der Aufmarsch von sittlichen Erneuerern des fommenden Deutschland Adolf des Ersten", der durch Partisanentruppen der Arbeiterbevölkerung den Sozialismus einbläuen" und einschießen laffen wollte. Hitler , der einst erklärte, daß seine Sturmabteilungen

zur Sicherung der geistigen Aufklärung geworben seien, hat hier in Braunschweig Feldstandarten geweiht mit dem Versprechen, es mürde die letzte Weihe vor dem Siege sein. Er glaubte wieder einmal, feinem unvernünftigen Gefolge Versprechungen machen zu können, die er nicht erfüllen tann.

Als Borsitzender der Sozialdemokratischen Partei ist es mir ein Herzensbedürfnis, Euch, Braunschweigern, den Dank für Eure vorbildliche Haltung auszusprechen, die Ihr gegenüber den Bürgerkriegshorden gewahrt habt.

Diesen Dant übermittle ich Euch zugleich für die Gewerkschaften und die anderen Arbeiterorganisationen, vor allem aber auch im Namen der Sozialistischen Arbeiterinternationale, die euren Kampf um Rett und Freiheit mit ihren ganzen Wünschen verfolgen.( Stürmischer Beifall.) Der Name Braunschweig hebt sich heute wie ein Leuchtendes Fanal am politischen Himmel ab, auf euch sieht die internationale Arbeiterschaft!

Wels unterzieht die Wandlung der Nationalsozialistischen Partei unter dem Kommando ihrer Geldgeber einer Kritit, um dann fortzufahren:

,, Hitler , der einst auszog, das Kapital zu besiegen, beugt sich heute den Börsenfürsten. Nationalsozialistische Deutsche Ar­ beiterpartei so viele Worte, so viele Lügen!

innerung, da diese Leute, die heute das Wort von dem ,, margistischen Mob" sprechen, in Wahrheit in den Schlupfwinteln faßen.( Sehr wahr!)

werfen, so deshalb, weil sie Dumme fangen wollen, die Wenn diese Kreise heute uns Sozialdemokraten Verrat vor­ihnen zur Wiedererlangung 1918 verlorengegangener Rechte gut genug sind. Nein, die Sozialdemokratie hat gewußt, warum fie nicht ihre Hand zum Sturze der Regierung Brüning geboten hat; deren Beseitigung zugunsten der hierauf lauernden Konter­revolution hätte den Bürgerkrieg für Deutschland bedeutet. Braunschweig sollte der Siegestag des Faschismus werden. Darum die Riesenvorbereitungen. Schon fiegestrunten fetzten sich die Braunhemden in Bewegung. Wehe, wenn sie ihren Sieg über Dann hätten zwar die Glaser hier noch bessere Geschäfte gemacht die deutsche Arbeiterschaft in Braunschweig hätten feiern fönnen! aber wieviel Proletarier hätten dann wohl strad und starr gelegen! Jetzt wird vielleicht manch, einer die Richtigkeit unserer Taktik erkennen,

dem Faschismus den legalen Weg zur Staatsmacht zu ver­Sperren.

Nicht aus Vertrauen zu Brüning, sondern aus schärfstem Mißtrauen gegen das nach ihm Kommende tolerieren wir die gegenwärtige Reichsregierung. Wir müssen uns bis zu jenem Tage durchschla­gen, an dem die politische Vernunft in Deutschland wieder eingefehrt Sitter hat in Braunschweig an feine Mannen die Mahnung gerichtet, nicht die Nerven zu verlieren. Die Hakenkreuzler werden ihre Nerven bestimmt verlieren, wenn wir unsere Nerven behalten! Und wir werden sie behalten, weil wir auf jahrzehntelanger politischer Schulung und auf feste gefügte Organisationen fußen.

Wir sind zusammengegangen durch Not und Elend, wir haben ils Partzi eine Kulforarbeit geleistet wie faum eine zweite in der ganzen Welt. Nicht Löhnung hat uns zusammengetrieben, nicht Abenteuersucht, sondern der felfenfefte Glaube an den So­zialismus. In zäher Energie werden wir den fampferprobten Weg weiterschreiten, wir werden die deutsche Arbeiterklasse über alle ihre Feinde zum Siege führen!

der

Nicht endenwollender Jubel unterstrich den letzten Appell des Führers der Sozialdemokratie. Nach Wels sprachen noch für den Bundesvorstand des Reichsbanners Höltermann aus Magde­ burg , Führer der braunschweigischen Sozialdemokratie Dr. Jasper, der scharf mit dem Minister Klagges ins Gericht ging. Dr. Jasper teilte unter anderem mit, daß am Sonnabend der hafen­freuzlerische Landtagspräsident 3örner die sozialdemo­fratische Fraktion gewaltsam aus einem ihr zustehen den Zimmer im Landtagsgebäude entfernt habe. ( Stürmische Pfuirufe.) Als letzter Redner sprach der Borsigende der Berliner Organisation, Genosse Künstler, der auf die be­sondere Verbundenheit der Berliner Genossen mit den Braun schweiger Sozialdemokraten im Kampf gegen die braune Best hinwies.

Die Versammlung schloß mit einem brausenden Hoch auf die

In dieser Partei machen sich gedungene Heerhaufen von Lands­fnechten breit, die gegen die Freiheit und gegen Sozialrechte ge­führt werden sollen. Wir haben die Zeit noch sehr wohl in Er-| Sozialdemokratische Partei .

Lavals Gespräche in USA .

Wochenend mit Stimson .

New Bort, 24. Oftober.( Eigenbericht.) Laval hat am Sonnabendvormittag eine letzte Unter­redung mit Hoover gehabt. Am Mittag war Laval Gast des Schazsekretärs Mellon, mit dem er anschließend eine längere Besprechung über finanzielle Fragen hatte. Nach der Unterredung mit Borah ist Laval nach dem Landhause Stimsons in Wood­len gereift, wo er den Sonntag verbringen wird.

Laval gegen Borah.

Washington , 24. Oftober. Ministerpräsident Laval hat gestern bis Mitternacht mit Bräfident Hoover und Staatssekretär Stimson verhandelt. Heute morgen 8 Uhr( Ortszeit) verließ er das Weiße Haus , um in seinem eigenen Büro mit seinen Ratgebern zu sprechen und um nach Paris zu telephonieren. Um 11 Uhr( Ortszeit) wollte Laval zu weiteren Verhandlungen mit Hoover ins Weiße Haus zurückkehren. Den französischen Pressevertretern, die Laval megen Borahs Aeußerungen befragten, antwortete er: Ich bin nicht nach Washington gekommen, um mich mit Senator Borah in eine Polemit einzulassen oder um die Revision des Bersailler Ver­frags zu disfufieren. Regen Sie sich nicht über Aeußerungen eines Senators auf, die nur dessen persönliche Meinung darstellen.*

Diese Aeußerung war nicht für die Veröffentlichung beftimmt, troydem erschien sie heute in der Baltimore

Sun".

Staatssekretär Stimson erklärte auf Befragen, er glaube, daß die für heute abend in seiner Billa angesetzte Unterredung zwischen Lavad und Borah stattfinden werde; trotz des gestrigen Interviews, das Borah den französischen Pressevertretern gegeben hat.

Fortschritte, aber noch Schwierigkeiten. New York , 24. Oktober.

Wie die Associated Preß " aus Washington meldet, haben Prä­fident Hoover und Ministerpräsident Laval eine Vereinbarung über die Koordinierung der Hilfsmittel französischer und amerikanischer Banken zur Stabilisierung der Weltlage erzielt. In der Besprechung der Kriegsschulden und der Reparations frage tam man ebenfalls zu Fortschritten, jedoch sind Einzelheiten darüber noch nicht bestimmt. Die ursprünglich für heute nachmittag 3 Uhr( Ortszeit) erwartete gemeinschaftliche Er­tlärung Soopers und Lavals über das Ergebnis ihrer Besprechun­gen ist auf morgen verschoben worden, da die Formulierung bes Tertes gemisse Schwierigteiten bereitete

Gößendämmerung.

Schwarze Tage für Banffürsten.

Quidquid delirant reges, plectuntur Achivi.

Freie Uebersetzung: Was immer die Wirtschaftsführer fehldisponieren, das Volk muß es bezahlen.

Das Kapital führt eine heftige internationale Agitation gegen den Sozialismus. An allen Ecken und Enden der Welt Diese Propaganda geht von Deutschland aus. hört man predigen: an der Krise ist der Sozialismus schuld! Sie stammt aus denselben Quellen, aus denen die innerdeutsche kapita­liftische Propaganda fließt.

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Es ist die Methode: haltet den Dieb! Die deutschen Kapi­talisten und Wirtschaftsführerin feinem Lande der Welt gibt es den Typ dieses Wirtschaftsführers" nach deutschen Begriffen sonst haben es sehr nötig, Sündenböcke zu suchen. Der große Wirtschaftskladderadatsch hat vieles ans Tageslicht gebracht, er hat selbst in die Geheimnisse der deutschen Schwer­industrie und der deutschen Banken hineingeleuchtet. Da muß

gelogen werden!

=

Herr Frizz Thyssen versteht sich ausgezeichnet auf diese Methode. Er hat an der Columbia Universität in New Yorf einen Vortrag gehalten, der eine Verteidi­gungsrede für die bankrotten Wirtschaftsführer in Deutsch­ land war. Nach ihm sind die Gewerkschaften schuld an der Krise. Sie haben den Arbeitern zu viel Lohn ver­schafft und zu hohe Sozialleistungen. Herr Thyssen geht aufs ganze: die deutschen Arbeiter sind überhaupt an allem schuld! leitung des Kapitals. Hört man Herrn Thyssen, so müßte Sie sind schuld an der Fehlrationalisierung, an der Fehl­leitung des Kapitals. Hört man Herrn Thyssen, so müßte man meinen, daß an der Spize der deutschen Großbanken Gewerkschaftssekretäre stünden und daß die deutschen Arbeiter nur Wünsche auszusprechen brauchten, damit sie in Erfüllung gingen mit Hilfe eines sozialistisch regierten Staates!

Die Dreiftigkeit dieser Propaganda ist eine Spekulation auf die Bergeßlichkeit. Die Herrschaften sagen sich: wer redet noch von Nordwolle , mer redet noch von Danatbank ? Herr Thyssen deklamiert in New York : Deutschland muß dem Sozialismus abschwören." Deutschland muß etwas ganz ande­rem abschwören und der Gang der Krise sorgt dafür, daß die Lügen der kapitalistischen Propaganda nicht in den Himmel wachsen können.

Der Fall Schultheiß- Bazenhofer Ost= werke schlägt diesen ganzen Schwindel zu Boden. In der Musterkarte der kapitalistischen Wirtschaftsstandale hat er seine besondere Nuance. Im Mittelpunkt steht ein typischer Gründer, Herr Kazenellenbogen, der in der In­flation den Ostwerkefonzern zusammengebracht hat, ein gänz­lich unorganisches Nebeneinander von Werken, die unter feinem Gesichtspunkt etwas miteinander zu tun haben, ein Warenhaus, wie in der Inflation viele entstanden und dann vergangen sind. Herr Kazenellenbogen, dessen finanzielle Transaktionen in der Eroberung des Schultheiß - Konzerns gipfelte, hält sich natürlich auch für einen Wirtschaftsführer. Seine Kunst der Schiebung und Verschachtelung hat ihn unter den Generaldirektoren zum großen Mann gemacht, bis der Schwindel zerplagt ist. Daß dieser Mann stärker als andere den Inflationsbazillus im Leibe hat, daß er stärker als andere den Gründungsschwindel und das Gründungsfieber zeigt, daß zur Fehlleitung von Rapital in den Jahren 1925 bis 1929 ge­führt hat, das ist die besondere Nuance.

Das Wiederkehrende, Allgemeine an diesem Falle ist jedoch das Folgende: Herr Katzenellenbogen hätte niemals seine Transaktionen vornehmen können, wenn er dabei nicht Bankhilfe gehabt hätte. Hier wiederholt sich, was im Falle Nordwolle- Lahusen ganz ähnlich hervorgetreten ist. Auch dieser Fall ist wieder ein Fall Danat­bant, auch in diesem Fall tauchen die aus dem Fall Nord­wolle bekannten Namen auf. Auch in diesem Falle zeigt sich ein Bündnis der Banken mit kapitalistischem Raubrittertum. Wie Herr Kazenellenbogen den Schultheiß- Bazenhofer­Konzern erobert hat, das ist ein Stück kapitalistischer Piraterie, zu dem die Banken die Kriegskosten vorge­schossen haben, um sie dann von dem Unterlegenen wieder einzuziehen.

Auch in diesem Fall zeigt es sich wieder, daß die Auf­fichtsräte bloße Dekorationsstücke, Körperschaften sind, deren Funktion lediglich im Bezug von Tantieme und Sizungs­geldern besteht.

In diesem Falle sind zwei Banken hervorragend be­teiligt, die Commerz und Privatbank und die Danatbant. Beide haben gemeinsam den großen Aktien­