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BERLIN Sonnabend

7. November

1931

19 madri, Undvi

Complim ale

10 Pf.

524

Der Abend

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Spätausgabe des Vorwärts

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262 48. Jahrgang

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Osthilfe= Agrarierhilfe!

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Treviranus verteidigt die Unzulänglichkeiten seines Amts

Reichsminifter Treviranus übergibt am tommenden Mon­fag die Leitung der Osthilfe dem neuernannten Minister Schlange- Schöningen . Vorher noch hat Herr Treviranus vor der Presse die Osthilfe gegen die Kritik verteidigt, besonders auch dahin, daß das Verfahren mit aller nur möglichen Schnelligkeit ge­führt werde.

Treviranus wiederholte die bereits veröffentlichte Erklärung, daß im vollen Einvernehmen mit der preußischen Regierung die

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Schlange- Schöningen,

der früher deutschnationale jetzige Landvolkabgeordnete, wurde zum Osthilfe- Kommissar und gleichzeitig zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich ernannt.

Leitung allein auf die Reichsregierung übergegangen sei. Das Nebeneinander beider Regierungen in dieser Ver­waltung habe zu Verschleppungen geführt. Die Hauptmasse der Beschwerden treffe nur die Treuhandstellen für die Umschuldung, die aber vollkommen selbständig feien, so daß die Reichsregierung nicht für die Entscheidungen der Treuhandstellen verantwortlich gemacht werden könnte.

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Die Angabe des Vorwärts", daß 17 Millionen ver pulvert worden seien, gehe durchaus fehl, denn auch diese 17 Millionen feien zugunsten der Gläubiger der Land= wirtschaft verwendet worden, denen zu helfen ebenso ein 3wed der Osthilfe sei wie die Hilfe für die Landwirtschaft selbst. Diese 17 Millionen feien lediglich zur Auftauung eingefrorener Kredite verwendet worden.

Zu einer sozialdemokratischen Anfrage im Preußi­schen Landtag erklärte Herr Treviranus , mit dem Besiz des Herrn von Plehwe in Frauwitschten, diesem nördlichsten landwirtschaftlichen Besitz im ganzen Reiche, seien vierzig Land­arbeiterfamilien auf Gedeih und Verderb verbunden. Die Ent scheidung, wodurch eine Umschuldungshypothek von 86 000 m. ge­währt wurde, sei auch von den preußischen Mitzeichnern gebiiligt­worden und die preußische Regierung werde wohl die Anfrage auch nicht anders beantworten können.

Neben verschiedenen Andeutungen über unsachliche Einwirtungs­versuche und dgl., Andeutungen, die gegen die preußische Beteili gung an der Verwaltung der. Ofthilfe fich zu richten scheinen, erklärte Herr Treviranus unter anderem auch, daß die Preußenkasse zuerst 50 Millionen zur Verfügung stellen wollte und schließlich nur 3 Millionen hergegeben hat.

Doch waren diese Worte in ausführliche Betrachtungen über die allgemeine Wirtschaftslage so eingewidelt, daß es nicht schwer sein dürfte, jede Absicht einer Kritit entrüstet zurückzuweisen. Auch Herr Treviranus sagte, daß 94,5 Prozent der bewilligten Darlehns. anträge auf bäuerliche Betriebe entfallen, aber nur 59,5 Pro zent der bemilligten Darlehnsbeträge, m

Helldorf- Prozeß vor dem Ende

Drohungen der Verteidiger- Der Vorsitzende bleibt milde

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und Rechtsanwalt Dr. Frant München die sogenannten Ber­Im Helldorf- Prozeß begann heute morgen der Naziabgeordnete teidigungsreden für Helldorf und seine Führergesellen. Da Frank aber dem ganzen Prozeß nicht beigewohnt hat, so war seine Rede eine einzige politische Schaumschlägerei.

Man habe monatelang Stimmung gemacht, fagte er, um die Angeklagten zu Verbrechern zu stempeln. Gewisse Kreise setzen ja bei der SA. ohne weiteres die Neigung zum Verbrechen voraus. Der Berliner Polizeipräsident hat es sogar gewagt, die Nationalsozialisten als Staatsfeinde zu bezeichnen; er habe dadurch den Reichspräsidenten v. Hindenburg beleidigt, der den Führer der Nationalsozialisten, Hitler, empfangen hat! Lediglich die Presse war es, die die S2. Führer als Verbrecher hingestellt hat. Ebensogut wie Graf Hell dorf könnte irgendein Flieger, der aus Neugierde sich in der Höhe pon 10 000 Meter die Vorfälle, auf dem Kurfürstendamm angesehen hat, wegen Land- resp. Luftfriedensbruch angeflagt

werden.

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Mit solchen Mäßchen sucht Frant, der eben von der Verteidi­gung der nationalsozialistischen Meuchelmörder in Hamburg tam, den Ernst der Berhandlung ins Lächerliche zu ziehen. Frank schließt mit einem pathetischen Appell an das Ges richt: Ist das heutige System nicht imstande, den Landfrieden auf­rechtzuerhalten, so hat es auch nicht das Recht, Leute wie diese hier auf die Anflagebant zu sezen. Der Boden, auf dem Sie sigen, meine Herren Richter, ist derart aufgelödert, daß deutsche Sitte und deutsche Kultur in höchstem Maße gefährdet sind. Der Nationalsozialismus ist der letzte Bersuch, deutsches Menschentum zu retten. Wenn wir wollten, so könnte schon jetzt ein Sturm Deutschland durchsausen. Wir hoffen aber, daß das vermieden werden kann und daß wir auf legalem Wege unser Ziel erreichen.

Staatsanwaltschaftsrat Dr. Stehnig: Der Verteidiger hat, als er darüber sprach, wie die Staatsanwaltschaft die einzelnen Bor gänge auf dem Kurfürstendamm mit den Angeklagten Helldorf und Ernst in Verbindung gebracht hat, die Darstellung der Staatsan­waltschaft als Stimmungsmache bezeichnet und dieses Ver­halten ungewöhnlich und ungebührlich genannt. Diese Charakterisie­rung ist beleidigend und an dieser Stelle unzulässig. Ich ver­wahre mich gegen den Vorwurf erstens wegen seiner beleidigenden Form, zweitens weil er fachlich unberechtigt ist. Wenn der Ver­

Unglückliche Liebe.

HITLER

Gretchen Hitler: Er liebt mich- liebt mich nicht..."

diese Charakterisierung unterlassen. | teidiger die Reichsgerichtsentscheidungen kennen würde, so hätte er

Frank erklärt, daß er nicht die Absicht gehabt habe, die Staats­anwälte persönlich zu verletzen.

Der Vorsitzende ist der Ansicht, daß der Verteidiger sich nichts Ungebührliches habe zuschulden kommen lassen.

Kassel . Er spricht nicht nur mit den Händen, sondern auch mit Als zweiter Verteidiger spricht R.-A. Dr. Freißler­großem Stimmaufwand, zerrungen, so daß man zuweilen den Eindruck hat, er befomme einen mit Augenrollen und Gesichtsver­Tobsuchtsanfall. Seine Rede beginnt er mit: Deutsches und dese halb hohes Gericht!" Er habe eigentlich nach dem maßlosen Un­maß der staatsanwaltlichen Anträge überhaupt nicht prechen wollen; dann sei ihm aber eingefallen, daß sich revolte" jähre, die die Grundlage zu dem heutigen System ge­in diesen Tagen der Tag der fluch würdigen Bonzen= legt habe. Es sei schon gerechtfertigt, daß der eine oder andere Semit auf dem Kurfürstendamm eine Ohrfeige bekommen habe. lizei sehr gelegen gekommen; sie habe hiermit ihren od spiteln Die Ereignisse auf dem Kurfürstendamm seien der preußischen Po­nachgeholfen. Die SA.- Führer wissen, daß ihre Organisationen die diszipliniertesten im ganzen Deutschen Reiche sind.

deinden Kasselaner hätte von den Nazimordbuben aus Hamburg Das alles, trotzdem der Mitverteidiger Dr. Frant diesem sprue einiges erzählen fönnen!

lich, gegen die maßlosen Ausführungen des Verteidigers ein­Der Vorsitzende hielt es auch diesmal nicht für erforder=

zugreifen!

feiner Replit gegen gewisse Behauptungen des Verteidigers Ver­Statt feiner legte der Staatsanwaltschaftsrat Dr. Stehnig in wahrung ein. Es sei zwar Recht jedes Bürgers, an den staatlichen Institutionen Kritit zu üben, es sei aber unstatthaft, die Lage des einen Prozeßbeteiligten dazu zu mißbrauchen, um über staat= iche Organe unwahre Behauptungen aufzustellen. unwahr fei aber die Behauptung, daß die Polizei mit Lodspiteln arbeite. Ebenso unbegründet sei die andere Behauptung, daß die SA. die dissziplinierteste Organisation" innerhalb Deutschlands sei.

Es sei auch bekannt, in welch hohem Maße die SA.- Leute das Verbot, Waffen zu tragen, übertreten. Die Gereizt­heit in der SA. sei so groß gewesen, daß die Angeklagten mit der Möglichkeit einer Explosion hätten rechnen müssen.

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RA. Dr. Freißler erklärt, die Behauptung des Staats­anwalts von dem Uebertreten des Waffenverbots durch die SA.­Leute stelle eine Beleidigung der SA. Arbeiter dar. Der deutsche erwachende Arbeiter, droht der Verteidiger, merfe sich die Beleidigung, er werde sie nicht vergessen und er folie fie nicht vergessen.

Nach dem Schlußwort der Angeklagten zog sich das Gericht zur Beratung zurück; das Urteil wird im Laufe des Nachmittags gefällt werden.

Schönes Sonntagswetter.

Größtenteils heiter und etwas wärmer.

Unser Gebiet ist von dem Schlechtwettergebiet, das seit Tagen drohend im Westen Europas lagert, bisher verschont geblieben. Während an der französischen und englischen Küste schwere Unwetter mit orfanartigen Stürmen zu verzeichnen waren, hat sich das Wetter im ganzen Reich, entgegen den Voraussagen des Wetterdienstes, ausgezeichnet gehalten. Das Tiefdruckgebiet, das sich über ganz Westeuropa erstreckt, ist nicht westmärts weitergewandert, sondern stabil geblieben. Im Often hat sich das bestehende Hoch drud gebiet noch weiter verstärkt, so daß für morgen berechtigte Hoff­mungen auf einen schönen Herbstsonntag bestehen. Schlimmstenfalls ist, nach der Boraussage des Amtlichen Wetter­dienstes, mit zeitweiliger Wolfenbildung zu rechnen. Die Ursache fonnte darin liegen, daß unser Gebiet von fleineren Randstörungen, die aus dem Westen heranziehen, gestreift wird

Die Prognose für Sonntag lautet: Teils heiter, teils leicht be­mölft, feine Riederschläge und ansteigende Temperaturen. Heute mittag herrschten in Berlin 12 Grad Wärme, die morgige Tem­perahur dürfte um dieselbe Zeit etwas höher liegen.