1931
Der Abend
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Nr. 600
B 300 48. Jahrgang
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Amtlich wird mitgeteilt:
Die am 14. November von dem Reichswirtschaftsminister Professor Warmbold mit dem Führer der Delegation der USSR. , Botschafter Chintchuk, eröffneten Wirtschaftsverhandlungen, die dem Zwecke dienten, den gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen eine festere Grundlage und Möglichkeiten für eine weitere Ausgestaltung zu schaffen, sind am 22. Dezember durch Unterzeichnung eines Protokolls zum Abschluß gebracht worden.
Die Beschlüsse dieses Protokolls, die der Genehmi gung der beiden Regierungen unterliegen, dienen besonders der Beseitigung von Schwierig. teiten, die infolge der Weltwirtschaftskrise auf allen Absatzmärkten und somit auch im deutsch - russischen Waren verkehr in der letzten Zeit entstanden waren.
Der Verlauf der Besprechungen, die unter Hinzu ziehung der beiderseitigen beteiligten Wirtschaftskreise geführt worden sind, läßt erwarten, daß das den Ver handlungen gesteckte Ziel erreicht werden wird.
Das Feierjahr gebilligt.
Parlamentsausschaltung fünftig verbeten.
Washington, 23. Dezember.
Der Senat hat das Hoover- Moratorium mit 69 gegen 12 Stim
men ratifiziert. Die vom Repräsentantenhaus beschlossene Zusazerklärung gegen fünftige Revision oder Annullierung der Kriegsschulden wurde vom Senat ohne jede Erörterung ge billigt. Die Moratoriumsvorlage hat damit Gefeßestraft erhalten. Im Verlauf der Sizung wurde ein Ergänzungsantrag, in dem die Revision des Bersailler Vertrages als Borbedin gung des Schuldenfeierjahres gefordert wurde, abgelehnt.
Die Annahme des Hoover- Moratoriums erfolgte nach elfftündiger Debatte. Fast alle progressistischen Senatoren stimmten da gegen, und sie waren fast die einzigen, die vor mehr oder weniger leeren Bänken die angegebene Zeit hindurch sprachen. Ihre Angriffe richteten sich nicht gegen Deutschland oder gegen die dem Moratorium zugrunde liegende seinerzeitige Abwehr einer deutschen Finanzkatastrophe, sondern gegen Frankreich , das unverdient von dem Moratorium profitiere, und gegen Hopper, der verfassungswidrig über die Finanzen der Union im Interesse des Auslandes verfüge, sich aber geweigert habe, die gleiche Hilfe den bedrängten eigenen Landsleuten durch Einberufung einer außerordentlichen Seffion des Kongresses zu verschaffen. Sie beantragten 3Zufäße, die alle ab= gelehnt wurden.
Goerdelers Weihnachtsgeschenke
Der Preisdiftator berichtet über seine Arbeit
Der Reichskommissar Dr. Goerdeler machte heute mittag| Buchhandels verhandelt werden. Es gibt da gewiffe Schwierigkeiten einige Mitteilungen über den Stand der Preissenkungs. wegen der Verrechnung mit den Sortimentsbuchhändlern.
attion.
fabriten bereits zugesagt, den Preis ab 28. Dezember von 52 Was den Brofpreis anbelangt, so haben die Brotauf 48, vielleicht fogar auf 47 Pfennig zu senken.
Die Berliner Bädereien werden ab 1. Januar eine zehnprozentige Senfung des Brotpreises vornehmen. Die Höchstspanne soll fünftig 14 Pf. befragen, so daß sich der Preis von 50 Pf. auf 45 Pf. pro Kilo ermäßigen würde.
Im Einverständnis mit der bayerischen Regierung ist dem Reichskommissar Goerdeler der Präsident des bayerischen statistischen Landesamtes, von Zahn, als bevollmächtigter Vertreter für Bayern zugeteilt worden. Ob auch für die anderen Länder ähnliche Bevollmächtigte ernannt werden, steht noch nicht fest. Darüber wird noch mit einzelnen Länderregierungen verhandelt.
Bei Fleisch ist die Handelsspanne gefenti Die Wirrungen in der Handelspolitik.
Vorwärts" 10 Proz. billiger!
Der Vorwärts"-Verlag hat eine Ermäßigung seines Abonnementspreises ab 1. Januar um 10 Prozent beschlossen.
worden. Sie betrug bisher pro Pfund: bei Schweinefleisch 16,5 Pf., fünftig 15 Pf., bei Rindfleisch 24 Pf.( 20 Pf.), bei Kalbfleisch
29 Pf.( 25 Pf.), bei Hammelfleisch 26,4 Pf.( 25 Pf.).
Den städtischen Berkehrsunternehmungen wird die Beförderungssteuer generell erlassen, aber nur insofern sie die ersparten Beträge zur Senfung ihrer Tarife verwenden.
Die Gemeinden Leipzig und Dresden haben gleichartige Ermäßigungen wie Berlin beschlossen.
Die Gaswerte müssen bis zum 31. Dezember dem Reichskommissar ihre Vorschläge über Tariffenkungen berichten, der dann Beschluß faffen wird. Bei den Elektrizitätswerten wird diese Frist am 10. Januar ablaufen. Für Berlin schweben gegenwärtig noch die Verhandlungen zwischen dem Reichskommissar und der Bewag.
Die meisten Zeitungsverlage haben eine zehn pro3enfi ge Herabsehung des Abonnementspreises bereits befchloffen. Ueber Preissenkungen im Buchhandel wird morgen zwischen dem Kommiffar und der Leipziger Börsenvereinigung des
Drei verheiratete Angeklagte entlaffen.
Das Ergebnis des Haftprüfungstermins wurde heute morgen von dem Gericht nicht in öffentlicher Sihung mitgeteilt, sondern als schriftlicher Beschluß den Parteien zugestellt. Aus der Haft entlassen wurden nur die Angeklagten Friske, Kuhn und Barh mit der Begründung, daß sie verheiratet seien. Die Entlassung der übrigen in Haft befindlichen Angeklagten wurde abgelehnt.
Sicherung der Lohnzahlung bei Borsig. Um das Schicksal der Werksparkaffe.
Die Firma Borfig war heute in erster Linie bemüht, die Auszahlung der am morgigen Donnerstag fällig werdenden Löhne in Höhe von 150 000 Mart zu sichern. Nach Mitteilung der Wertleitung bestand heute vormittag alle Aussicht dafür, daß die Lohnzahlung morgen ohne Schwierigkeiten erfolgen würde, Man hofft besonders noch auf das Hereinkommen größerer Beträge aus den erheblichen Außenständen der Firma, die man dann auch in acht Tagen, wenn Gehälter und Löhne in Höhe von 300 000 Mart fällig werden, dringend benötigt. Was das Schicksal der Werkspartaffe betrifft, so wird heute abend eine vom Betriebsrat im Einvernehmen mit der Betriebsleitung einberufene Versammlung sich mit dieser Frage beschäftigen. Es. wird voraussichtlich ein Ausschuß gebildet werden, der die Jntereffen der Werksparer im weiteren Berlauf der Angelegenheit wahrnehmen soll.
100 lis Spritt
Für je 100 Liter Spiritus will die pommersche Spiritus Verwertungsgesellschaft einen Groschen an die deuifnationale Parteitasse zahlen.
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Der Schnaps dient der Berdummung; warum foll nicht auch der Erlös der Bolksverdummung dienen?!
Die Schweiz erhöht den Butterzoll.
Der Schweizerische Nationalrat hat mit 88 gegen 30 Stimmen den Bundesrat ermächtigt, zum Schuße der in ihren Lebensbedingungen bedrohten nationalen Produktion" und zur Befämpfung der Arbeitslosigkeit vorübergehend die Einfuhr bestimmter Bolkswirtschafts- Departements von der Kündigung des deutschWaren zu beschränken. In der Aussprache sagte der Vorsteher best schweizerischen Handelsvertrages, daß diese nicht den Zollfrieg be= deuten solle, sondern weitere Berhandlungen durchaus ermögliche.
hen 301l für alle Butterforten vorübergehend, und zwar bis längstens 31. März 1932 um einen weiteren Zuschlag von 60 Franken je 100 Kilogramm zu erhöhen. Bisher betrug der Zoll 20 bis 30 Franken( gegenüber einem 50- Mark- Zoll in Deutschland ). in der Schweiz , dem Viehzüchter- und Butterland, soll sich gegenwärtig die Einfuhr der nordischen Butterländer, deren Währungen gestürzt sind, fühlbar auswirken.
Als erste Einschränkungsmaßnahme beschloß der Bundesrat,
Die Ruhrzechen verlangen einen Kohlenzoll. In der Mitgliederversammlung des Rheinisch- Westfäli schen Kohlensyndikats wurde über die schlechte Entwicklung des Kohlenabsages im Dezember berichtet und gesagt, daß man für Januar noch ungünstigere Mengen- und Erlösergebnisse erwarte. In der nächsten Zeit sei infolge der Absazentwicklung und des Pfundsturzes ein weiterer Belegschaftsabbau möglich in der Höhe von vielleicht 20 000 Mann. Bei dieser Sachlage sei die sofortige Senkung der Küstentarife, eine Verschärfung der Kontingents= politik und ein Kohlenzoll gegen englische Kohle notwendig.
Man soll mit dem Rohlenzoll vorsichtig sein. Noch läßt sich nicht übersehen, wie die bisherigen Frachten- und übrigen Kostensenkungen sich auswirken, die bei der Kohle besonders weitgreifend waren. In der Kontingentierung sind ebenfalls noch Möglichkeiten vorhanden. So sehr auf Deutschlands Gesamtinteresse zu achten ist bei den gegenwärtigen handelspolitischen Wirren in der Welt, so hat Deutschland doch selbst das größte Interesse daran, nicht von sich aus das weltwirtschaftliche Tollhaus vollkommen zu machen.
Anwalt springt in die Spree. Nervenüberreizung durch Nikotinvergiftung.
In der letzten Nacht sprang am Gröbenufer ein älterer Herr in die Spree, fonnte aber von Droschkenchauffeuren, die den Vorfall beobachtet hatten und sofort zu Hilfe eilten, noch lebend aus dem Wasser gezogen und nach dem Urban- Krankenhaus gebracht werden. Hier stellte sich dann heraus daß es sich um einen 54jährigen Rechtsanwalt und Notar Dr. H. aus Berlin handelte.
Der Anwalt, der sich großer Wertschäzung in Kollegenkreisen erfreut, litt seit einiger Zeit infolge einer Nikotinvergiftung, die er sich durch übermäßigen Tabatgemuß zugezogen hatte, an einer Nervenüberreizung. Gestern abend hatte er sein Büro im Zentrum der Stadt wie gewöhnlich verlassen, war aber in seine in Wilmersdorf gelegene Wohnung nicht zurückgekehrt, sondern ist anscheinend in seinem frankhaften Zustande in Berlin umhergeirrt, um sich schließlich in selbstmörderischer Absicht in die Spree zu stürzen.