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Der Abend™
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Spätausgabe des„ Vorwärts"
49. Jahrgang
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Paris , 4. Januar. ( Eigenbericht.)
Die größte und sehr angesehene französische Provinzzeitung, die in Toulouse erscheinende radikale ,, Dépèche", hat einen Artikel über die Reparationsfrage veröffentlicht, der großes Aufsehen erregen dürfte. In diesem Artikel verlangt der politische Direktor der Zeitung von der französischen Regierung den ,, vollständigen und endgültigen Verzicht auf die deutschen Reparationszahlungen".
Es heißt dann weiter: ,, Wir würden dabei nicht nur nichts verlieren, sondern ohne Zweifel damit erreichen, daß mir die Anflagen der Mehrheit des deutschen Volkes entwaffnen und auf diese Weise das Wahlsprungbrett Hitlers zertrümmern. Deutsch land macht in der Tat eine Periode unbestreitbarer Not durch, aber Deutschland hat nicht, wie man oft behauptet, sein Elend organisiert. Die Hitlerianer erzählen den Deutschen Schauermärchen über die Ursachen der Not, und sie haben schließlich große Massen davon überzeugt, daß
Sie Reparationen, die nur 12 Proz. der Ausgaben des Reiches ausmachen,
die einzige Ursache des Zusammenbruchs sind. Wenn man Hitler diefes Argument nimmt, wird man ihm drei Viertel feiner Rundschaft nehmen und Deutschland eine Revolution ersparen, deren Folgen und Rückschläge niemand voraussehen fann. Wir haben oft behauptet, daß es zwei Deutschland gibt, ein rachsüchtiges und friegerisches, und ein anderes, das sich flar darüber geworden ist, daß der Krieg nichts einbringt und ein neuer Konflikt vielleicht das Ende der europäischen 3ivilisation bedeuten würde, statt daß eine Annäherung zwischen unseren beiden Ländern eine Aera des Friedens und des Wohlstandes eröffnen würde."
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In dem Borrangstreit der beiden jetzt unbestreitlichen reichsdeut. schen Großschulden nämlich der Reparationen und der WirtschaftsTredite ist eine Schwentung der französischen Presse zu verzeichnen; sie gibt zu, daß man über die Reparationen nicht verhandeln könne, ehe nicht die Bankiers über die Kredite einig geworden sind. Dies wird sogar als Meinung der Regierung ausgegeben, die bisher jeden Zusammenhang zwischen beiderlei Schulden bestritten hat.
Was Laytons Berichtsentwurf forderte. London , 4. Januar.
Der Berichtsentwurf Sir Walter Laytons, der von dem Baseler Sonderausschuß nicht veröffentlicht wurde, betont, wie„ Daily Herald" erfährt, der Young- Plan sei völlig unbrauchbar geworden und könne nicht durchgeführt werden. Die Verlängerung des Moratoriums genüge nicht, sondern es sei eine voll. ständige Außertraftjehung und radikale Aende. rung des Young Plans notwendig. Die Wiederaufnahme ter Young- Plan- Zahlungen sei in absehbarer Zeit ganz unmög11 ch. Deutschland fönne nicht einmal die geschüßten Zahlungen aufbringen und von einem Transfer feine Rede sein. Der Layton- Bericht fordert ferner eine dauernde Regelung, so daß die freie Rapitalsverwendung wieder einsehen und die Frage einer internationalen Währungsreform bearbeitet werden
tönne.
In dem großen Parijer 3irtus Medrano ereignete fich am Sonnabend während der Vorstellung ein Unglücksfall, durch den elf Zuschauer mehr oder weniger schwer ver. leht wurden. Ein großer Scheinwerfer, der an der Dede des Gebäudes angebracht war, löfte sich aus bisher unbefannter Urjade und stürzte mitten in die Zuschauer. menge. Ein schwer verlettes junges Mädchen schwebt in Lebensgefahr.
Neuer Kurs in Indien - Protest der Arbeiterpartei
London , 4. Januar. ( Eigenbericht.) Gandhi ist am Sonntag in Bombay verhaftet worden, ebenso der Kongreßpräsident Patel. Diese Verhaftungen sind in erster Linie auf den neuen Boykottbeschluß der Kongreßpartei gegen englische Waren und auf passive Resistenz gegenüber den Anordnungen der Regierung zurückzuführen. Hierdurch sollte England nach dem Scheitern der Londoner Konferenz zur Beschleunigung der seinerzeit von der Arbeiterregierung angekündigten Berfassungsreform gezwungen werden. Bizefönig Lord Willington hat jedoch in Uebereinstimmung mit der eng lischen Regierung jede Unterredung mit Gandhi über die Regierungsmaßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung abgelehnt. Die englische Regierung hat in Ichter Zeit wiederholt erklären lassen, daß die Verfassungsreform beschleunigt werde, aber keine Regierung könne zulassen, daß man ihr Bedingungen durch Drohun gen aufzwinge.
Angesichts der Verhaftung Gandhis erwartet man in ftrationen und sofortige Durchführung des Boykotts. allen größeren Städten Indiens bereits heute Demon
London, 4. Januar. ( Eigenbericht.)
Abg. George Lansbury als Führer der Labour Party im Unterhaus, hat die indische Regierung vor der Verhaftung Gandhis dringend um eine versöhnliche Haltung gegenüber der Kongreß
Weltpolitiker Hitler
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.Den Indern habe ich den Rat erteilt, nichts gegen die englische Herrschaft zu unternehmen Jetzt werde ich den Chinesen mal flar machen, daß die japanische Invasion für sie ein Gegen ift."
partei ersucht. 11. a. forderte er, daß in einer Unterredung zwischen Gandhi und dem Vizekönig auch die umstrittenen Berordmungen besprochen werden.
Bei Nacht und Nebel verhaftet.
Bombay, 4. Januar. Gandhi ist früh, 3 Uhr, in seinem Wohnsitz ,, Manibhuwan" verhaftet worden. Als der Kraftwagen der Polizei erschien, entstand unter den Schülern und Schülerinnen Gandhis allgemeine Bewe gung, und alle juchten zum Zeit des Mahatma zu drängen, wurden britischen Polizeikommissar, einem indischen stellvertretenden Polizeiaber daran verhindert. Die Verhaftung selbst wurde von einem kommissar und vier Beamten durchgeführt.
Gandhi wurde fofort gewedt und, da Montag sein Tag des Schweigens ist, begnügte er sich damit, dem Polizeifommiffar freundlich zuzulächeln.
durchlas und zurüdgab. Es heißt darin lediglich, die Verhaftung
Dieser überreichte ihm den Haftbefehl, den Gandhi, schnell
,, fer aus guten und ausreichenden Gründen" angeordnet worden. Der Kommissar gab dem Mahatma eine halbe Stunde Zeit, um von seinen Anhängern Abschied zu nehmen und sich fertig zu machen. Einige Minuten, bevor er ins Auto geführt wurde, schrieb Gandhi an den Kongreßpräsidenten Patel, von dessen Verhaftung er feine Kenntnis hatte: Lieber Ballabhai, unermeßlich ist Gottes
Bitte ermahne das Bolt, niemals den Weg der Wahrheit und der Gewaltlosigkeit zu verlassen und stets bereit zu sein, das Leben und alles hinzugeben, um die Selbständigkeit zu gewinnen."
Außer den sechs Polizeibeamten war im Augenblick der Ver haftung kein Polizist sichtbar. Aber unmittelbar darauf erschienen an allen wichtigen Berkehrspunkten von Bombay Abteilungen von Beamten mit Bambustnüppeln, um eventuelle Kundgebungen zu verhindern. Um 3.50 Uhr fuhr Gandhi , begleitet von zwei Polizeioffizieren und einem Arzt, im Automobil nach dem Yerwada- Gefängnis bei Puna ab, unter den Rufen seiner Anhänger Heil Gandhi!" Das Auto verschwand schnell in der Duntelheit. Die meisten von Gandhis Schülerinnen weinten, und seine Frau bat unter Tränen die Polizisten, ie auch gefangen zu nehmen. Gandhi strahlte por heiterteit. Er trug ſeine übliche Kleidung, ein Lendentuch und eine um die Schulter ge schlagene Dede. Eine seiner legten Handlungen war, den Vertreter der Associated Preß " Mills zu umarmen, der sich seit Gandhis vor einem halben Jahr erfolgten Freilassung in seiner Nähe aufgehalten hat.
Der verhaftete Kongreß- Präsident Ballabhai Patel, der schon vor Gandhi im Yerwada- Gefängnis eingetroffen war, hat das Mitglied des Vollzugsausschusses des Nationalfongresses Babu Rajendra Prasad aus Behar zu seinem Nachfolger ernannt.
Der verhaftete Präsident Patel erließ folgende Botschaft an die Nation: Diesmal wird es einen schweren Krieg bis zum Ende geben. Ich hoffe, die Nation wird bereit sein, die äußersten Opfer zu bringen, aber den Weg der Gewalt= losigkeit niemals verlassen."
Unglück auf der Drahtseilbahn. Zehn Verletzte in Lyon .
Paris , 4. Januar. In Lyon riß am Sonntag das Seil einer voll befehlen Drahtseilbahn in dem Augenblid, als der Wagen fich auf halbem Wege in einem Tunnel befand. Dem Führer gelang es zwar, den herabgleitenden Bagen zum Stehen zu bringen, doch wurden die Insassen durch den heftigen Stoß derart durcheinandergeworfen, daß zehn von ihnen zum Teil schwere Berletzungen davonfrugen. Drei der Berlegten erlitten gefährliche Schnittwunden und mußten in ein Krantenhaus übergeführt werden.