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BERLIN Dienstag 12. Januar

1932

Der Abend

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Spätausgabe des Vorwärts"

10 Pf.

Nr. 18

B9 49. Jahrgang

Anzeigenpreis: Die einfaltige Nonpareillezeile 80 Bf.. Reklamezelle 5 M. Ermäßigungen nach Zarif. Vo ft fched tonto: Borwärts- Berlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536.- Der Berlas behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Redaktion und Expedition: Berlin G 68, Lindenstr. 3 Gernsprecher: Dönhoff( A 7) 292-297.

Hugenberg schlägt auf Brüning

Die Gründe für die Ablehnung

Der Reichskanzler hat von Hugenberg und Hitler Ant­worten erhalten, die eine neue Kriegserklärung der Rechten gegen ihn darstellen. Oder vielmehr- er hat sie bisher nur zum Teil erhalten; denn Hitler ist bisher mit der Redigierung seiner Antwort noch nicht fertig ge­worden.

Das Antwortschreiben Hugenbergs ist in Gift getränkt. Es spricht daraus die maßloje Erbitterung über den Plan der Reichsregierung, aber auch der Zorn darüber, daß die Harzburger Front gezwungen worden ist, Farbe zu bekennen. Die Polemik Hugenbergs ist wie immer nicht nur vergiftet, sondern auch unwahrhaftig. Er behauptet, daß Brüning für feinen Plan Rückendeckung bei der Sozialdemokratie gehabt habe. Das ist unwahr; denn die sozialdemokratischen Unter­händler haben bekanntlich ausdrücklich festgestellt, daß eine Entscheidung der sozialdemokratischen Fraktion vorbehalten bleiben müsse.

Brüning muß fort das ist die Antwort Hugen­bergs auf den Ruf der Reichsregierung: Hindenburg muß bleiben! Das ist eine lehrreiche Antwort, vor allem für die Reichsregierung selbst, die sie sich zugezogen hat. Sie muß daraus erkennen, daß sie bei ihren außen­politischen Verhandlungen nicht auf Rüdendeckung durch Hugenberg und Genossen rechnen fann, daß sie vielmehr ge­märtig fein muß, in entscheidenden Stunden von hinten an­gegriffen zu werden. Der Antwortbrief Hugenbergs fezt unmittelbar vor dem Beginn der Verhandlungen die Taftit fort, der vom Reichspräsidenten Hindenburg ernannten Reichsregierung die Aktivlegitimation zu Verhandlungen zu bestreiten.

Daß dies wiederum im Namen der Demokratie geschieht, ist charakteristisch für die Unwahrhaftigkeit der deutschnatio­nalen Haltung. Hugenberg als Schüßer der Berfassung gegen Brüning und Hindenburg -wer lacht da nicht?

Die Reichsregierung weiß nun, was sie von der Rechten zu erwarten hat. Wird sie daraus endlich die Folgerung ziehen, daß sie sich nur behaupten und ihre Verhandlungs­

Gundis Das Gesicht der Krise

Unabsehbare Reihen leerer Waggons im Ruhrgebiet sala

Berliner Nordhajen als Schiffsfriedhof

Neues Bergwerksunglück!

Wieder drei Bergleute eingeschlossen

Kassel , 12. Januar. wünsche auszusprechen und jedem als Beihilfe für die völlige Wiederherstellung der Gesundheit ein Gelbgeschent von auftragt, nach Abschluß der Rettungsarbeiten baldmöglichst Vor­200 Mart zu überbringen. Er hat ferner den Berghauptmann be­schläge für eine würdige Auszeichnung der tapferen Rettungs­mannschaften zu machen.

Auf der Zeche, Roter Stollen" im Habichtswald bei Kaffel wurden heute früh drei Berglente durch eine einstürzende Wand abgeschnitten. Die Bergungsarbeiten wurden sofort eingeleitet, jedoch ist es bisher noch nicht gelungen, die drei eingeschlossenen Bergleute zu befreien. Das Revieramt hofft binnen Bergleute unverleht bergen zu können.

fähigkeit aufrechterhalten kann, wenn sie entschlossen den kurzem die Sindernisse beseitigen und die abgeschlossenen Keine Reichstagseinberufung.

Kampf gegen die Harzburger aufnimmt?

Sugenbergs Antwort.

Der Borsigende der Deutschnationalen Volkspartei , Dr. Hugen­berg, hat dem Reichstanzler folgendes Schreiben übermittelt:

Sehr geehrter Herr Reichstanzler!

Sie legten mir gestern die Frage vor, wie sich die Deutsch­ nationale Volkspartei zu Ihrem Vorschlage der parlamentarischen Verlängerung der Amtszeit des Herrn Reichspräsidenten , General­feldmarschalls von Hindenburg , stelle. Sie, Herr Reichskanzler, fonnten diese Frage nicht aufgerollt haben, wenn Sie dabei nicht des Einverständnisses des Zentrums und der SPD . sicher gewesen wären. Es sind dies die Parteien, die seinerzeit die Wahl des Reichspräsidenten auf das schärffte bekämpft haben. Mit dem Rück­halt dieser Parteien treten Sie jetzt an uns heran, die wir einst feine Wahl angeregt und durchgesezt haben. Sie begründen Ihr Vorgehen mit der außenpolitischen Not­wendigkeit einer Stärkung der Stabilität der deutschen Regierungsgewalt. Gleichzeitig schwächen Sie aber selbst diese Stabilität empfindlich durch die zähe Aufrechterhaltung einer Regierung im Reich und in Preußen, hinter der keine Mehrheit des Volfes steht. Sie begründen die Notwendigkeit Ihres Schrittes weiter mit der außenpolitischen Wirkung einer einheit lichen Vertrauensfundgebung für den Herrn Reichspräsidenten . Demgegenüber find wir der Auffassung, daß die außenpolitische Stellung Deutschlands am meisten durch einen Rücktritt der jetzigen Regierung gestärkt wird, deren Vergangenheit es ihr erschwert, dem veränderten Willen des deutschen Volkes dem Auslande gegenüber glaubhaften Ausdrud zu geben.

"

Sie, Herr Reichskanzler, erstreben die Wiederwahl auf dem Mege der Beschlußfassung des Barlaments. Nach der Verfassung geht die Wahl des Reichspräsidenten unmittelbar vom Bolte aus. Dieses Recht auf den Reichstag zu übertragen, liegt um so weniger Anlaß vor, als der Reichstag der wahren Voltsmeinung nicht mehr entspricht. ( Forthegung auf der 2. Seite.)

Die Rettungsarbeit in der Karstenarube. Breslau , 12. Januar. ( Eigenbericht.)

Die Rettungstolonne auf der Karsten- Zentrumsgrube ist in­zwischen weitere acht Meter vorgedrungen. Sie befindet sich gegen­wärtig noch etwa vier Meter von der Stelle entfernt, wo nach An­gaben des geretteten Rohrlegers Slama zwei der Berunglückten beim Eintreten des Gebirgsrutsches gearbeitet haben. Es find die beiden Arbeiter Weiß und Misch. Beide sind mit Bestimmtheit tot. Wie die Geborgenen berichten, wurde Weiß von großen Fels­blöden eingequeffcht, Misch wurde von den Steinen zu Boden ge­worfen und fonnte sich nicht von der furchtbaren Caft befreien. Weiß foll nach zwei, Misch nach drei Tagen gestorben sein. Hilfe fonnte man ihnen nicht bringen.

Otto Braun an die Geretteten. 200 Mart für jeden Befreiten.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat Minister­präsident Dr. Braun an den zuerst Geretteten der bei der Karsten- Zentrum- Grube verschütteten 14 Bergleute, Paul Kulpot, der sich im Beuthener Knappschaftslazarett befindet, folgendes Telegramm gerichtet: Shre und Ihrer Arbeitskollegen glückliche Errettung nach sechstägiger Verschüttung hat mich mit größter Freude erfüllt. Ich spreche Ihnen allen dazu auch namens des preußischen Staatsministeriums die aufrichtigsten Glückwünsche aus und hoffe von Herzen, daß es gelingen möge, Ihre noch abge= schnittenen Kameraden gleichfalls lebend aufzufinden. Ihnen und den bisher Erretteten bitte ich von diesem Telegramm Kenntnis zu geben und wünsche Ihnen baldigste Genesung."

Das preußische Handelsministerium teilt mit: Hoch erfreut durch den glücklichen und überraschenden Erfolg der Rettungsarbeiten auf der Karsten- Zentrum Grube in Oberschlesien hat der preußische Handelsminister Dr. Schreiber den Berg hauptmann in Breslau beauftragt, persönlich im Namen der preußischen Staatsregierung den Geretteten die herzlichsten Glück­

Kommunisten, Deutschnationale und Nationalsozialisten

allein.

Der Aeltestenrat des Reichstages beschäftigte sich am Dienstag mit einem tommunistischen Antrag auf Einberufung des Reichstages zweds Erörterung der Notverordnung und der außen­politischen Lage. Zustimmend zu diesem Antrag äußerten sich ledig­lich die Deutsch nationalen und die Nationalsoziaſten. Die Christlichsozialen, die Landvolkpartei und die Wirtschafts­partei machten ihre Zustimmung zu einer Einberufung des Reichs­tages davon abhängig, daß lediglich eine die Außenpolitik der Reichsregierung unterstützende Stellung des Reichstages in Betracht fomme und eventuell der Wahltermin für den Reichspräsidenten festgelegt werde. Da eine Uebereinstimmung über diese Voraus­fegungen nicht erzielt werden konnte, blieben bei der Abstimmung Kommunisten, Nationalsozialisten und Deutschnationale allein, so daß die Reichstagseinberufung aufs neue als abgelehnt gilt. Die Deutsche Volkspartei war überhaupt nicht erschienen, son­dern hatte durch einen Brief des Abg. Dingelden erklären lassen, daß sie die Reichstagseinberufung im gegenwärtigen Augenblic ablehne.

Um den BIZ.- Kredit. Unbegründete Pariser Preffegerüchte.

Im Verwaltungsrat der B33. hat der französische Bank­gouverneur Moret nicht, wie Pariser Blätter behaupten, ein Beto gegen Verlängerung de s Kredits an die Deutsche Reichsbant erhoben, die Verlängerung ist genau wie früher auf drei Monate beschlossen worden, unter der Voraussetzung, daß die beteiligten Notenbanken zustimmer. Sollte Frankreich zum 4. März seinen Anteil an diesem Kredit, nämlich 25 Millionen Dollar, fündigen, so ist doch nicht bekannt, worauf Pariser Blätter ihre Ankündigung stüßen, daß auch die BIZ. ihren Anteil von wei­teren 25 Millionen gleichzeitig fündigen werde.