1932
Der Abend
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Nr. 86
B43 49. Jahrgang
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Kampf in den Buchdruckereien
Die Großunternehmer provozieren den Streif
Wir haben wiederholt über den Konflikt in den Berliner Buchdruckereien berichtet, der dadurch entstand, daß die Unternehmer nach dem Lohnabbau auf Grund der Notverordnung von 12,5 Proz., noch die über. tariflichen Verdienste abbauen wollten. Angesichts des entschlossenen Widerstandes der Buchdruckereiarbeiter vertagten die Unternehmer ihr Vor
haben.
Sie haben sich inzwischen offenbar auf eine neue Taktik geeinigt, von der sie sich mehr Erfolg versprechen. Gestern wurde in einigen größeren Druckereien an einige Arbeiter das Ansinnen gestellt, sich mit dem Abbau der übertariflichen Verdienste einverstanden zu erklären. Das wurde durchweg abgelehnt. Darauf erfolgte
die Kündigung.
Wenn die Unternehmer geglaubt haben, auf diesem Wege zum Ziele zu gelangen, so dürften sie bereits jetzt über ihren Irrtum aufgeklärt sein. Das Buchdruckerei. personal ist restlos organisiert und zwar nicht erst seit heute und gestern. Solidarität ist für diese Arbeiter nicht ein leeres Wort, sondern eine Lebensregel, die ihnen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Die Kün digungen einzelner Arbeiter löst automatisch die Gesamtaktion aus. Bisher sind davon betroffen die Druckereien von Scherl( ,, Berliner Lokal- Anzeiger", ,, Nachtausgabe" usw.), Elsner, Berliner Bör. senzeitung"," Deutsche Tageszeitung" und Langenscheidt.
Bei der Firma Scherl wurde der größte Schlag versucht. Als das übrige Personal bereits den Betrieb verlassen hatte, wurde an 30 Buchdruckergehilfen das Anfinnen gestellt, sich mit dem Abbau der übertariflichen Verdienste einverstanden zu erklären. Das wurde abgelehnt. Darauf erfolgte die Kündigung zum nächsten Freitag. Die Gefündigten stellten als Antwort in aller Seelensruhe die Forderung auf Lohnzulage.
Heute vormittag ist es zum atuten Konflikt gekommen, da sich die Kollegen der Gefündigten mit diesen solidarisch erklärten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß das Personal, das über das Vorgehen der Firma außerordentlich erbittert ist, trotz der Empfehlungen der Organisation
die Arbeit noch heute niederlegt, ohne die achttägige Kündigungsfrist einzuhalten.
Bei der Firma Elsner, wo etwa 500 bis 600 Buchdrucker, Hilfsarbeiter und Buchbinder beschäftigt sind, wurden gestern fünf Mann gekündigt, nachdem sie das an sie gestellte Anfinnen auf Beseitigung der übertariflichen Verdienste abgelehnt hatten. Darauf antworteten sämtliche Buchdrucker sofort mit der Kündigung. Heute hat sich auch das übrige Personal der Kündigung angeschlossen, nachdem die Firma ein Ultimatum, bis 11 Uhr vormittags die Kündigungen zurückzunehmen, a b ge= lehnt hatte Nach der Ablehnung des Ultimatums trat das Personal zu einer Versammlung zusammen.
Die Aufforderung der Firma, sofort die Arbeit wieder aufzunehmen, wurde abgelehnt.
Auch hier besteht atute Streitgefahr. Aehnlich war der Verlauf der Unternehmeraktion in den anderen genannten Firmen. Bei Langenscheidt wurden zunächst vier Mann gefündigt, worauf das gesamte Personal mit der Kündigung antwortete. In der Druckerei der Berliner Börsenzeitung" wurde drei Maschinensegern wortete. Aehnlich war der Hergang in der Druckerei der„ Deutschen Tageszeitung". Man hatte eine gleiche Aktion noch in zwei anderen Großdruckereien geplant, jedoch in letter Stunde nicht durchgeführt, offenbar weil das Risiko zu groß war.
Durch die Notverordnung wurden die Löhne der Buchdrucker um 12,5 Proz. gekürzt, nachdem sie im vergangenen Frühjahr durch Zwangsschiedsspruch bereits um 6 Broz. gekürzt worden waren. Ohne die staatlichen Zwangsmittel wäre es den Unternehmern nie gelungen, innerhalb eines Jahres die Löhne um 18% Pro3. abzubauen.
Das genügt den Unternehmern aber noch nicht. In der Hoffnung, infolge der ungeheuren Arbeitslosigkeit genügend Streifbrecher zu finden, versuchen sie jetzt, über die Notverordnung hinaus die Röhne noch weiter abzubauen. Die Hoffnung der Unternehmer wird fich nicht verwirklichen.
Japanische Offensive
Großkampftag um Wufung
Schanghai , 20. Februar.( Reuter.) Nach einer Mitteilung des japanischen Hauptquartiers sollen die japanischen Truppen Kiangwan an der Eisenbahn Schanghai- Wusung nach schweren Kämpfen eingenommen haben. Wie verlautet, werden die japanischen Truppen sich zunächst in ihren augenblick lichen Stellungen festseken, bevor sie weiter vorgehen. Die chinesischen Militärbehörden bestreiten aber die Angaben des japanischen Hauptquartiers und erklären, daß vielmehr die chinesische Truppe die Japaner zurückgetrieben hätten.
Die japanischen Stoßtruppen gehen auf der langen Front zwischen Tschapei und Hongtu in westlicher Richtung auf das zwei Meilen nördlich von Hongfu gelegene Kiangwan zum Angriff vor. Ziel ist die Besegung der Busung- Eisenbahnlinie, um auf diese Weise Flanken der Truppen zu decken. Man nimmit an, daß sie nach Besetzung der Bahnlinie zum Schlage gegen Tschapei ausholen werden. Gegenwärtig bombardieren japanische Flugzeuge die Ortfchaft Riangwan, die von Teilen der 87. und der 88. Devision der Armee Tschiangtaischets verteidigt werde. Diesem Flugzeugangriff tommt insofern besondere Bedeutung zu, als die Japaner bisher immer nur die 19. chinesische Armee, nicht aber die Truppen Tschiangtaifchefs angegriffen haben.
Um 4 Uhr morgens( ME3.) meldeten die Japaner, daß fie in Kiangwan die Gebäude des Sportklubs, die am Rande der Drtschaft liegen, genommen haben. Die japanischen Truppen sollen auf harten Widerstand gestoßen sein.
Um 1½ Uhr morgens( ME3.) überfielen zehn japanische Bombenflugzeuge den nördlichen Teil von Tschapei. 120 weitere Bombenflugzeuge und 60 Jagdflugzeuge standen startbereit. Die Artillerie hat ein heftiges Trommelfeuer begonnen. Die Offensive richtet sich zunächst gegen den linken Flügel der
chinesischen Truppen, den Japan aufrollen will, um die Stellungen bei Kiangwan unhaltbar zu machen.
Durch energischen Gegenstoß eroberten die Chinesen Kiangwan. Versteckt aufgestellte 10,5-3entimeter- Geschüße setzten die japanischen Tants teilweise außer Gefecht oder zwangen sie zum Rückzug. Aber die Japaner setzten ihre Angriffe fort und be= feßten das Gebäude des Sportklubs wieder.
Und in alldem
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Tokio ( über London ), 20. Februar( Times). Die uninteressanteste aller Wahltampagnen seit Einführung des stand im Wahlkampf nicht zur Diskussion. Das Land steht vor Wahlrechtes geht heute zu Ende. Die mandschurische Frage lebenswichtigen Fragen, aber die Parteien haben Angst, daran zu rühren, und die Wähler sind anscheinend der Ansicht, daß die Parteien sie nicht lösen können.
Das Kommunistenpaar Ruegg hingerichtet? London . 20 Februar.
Der Liga gegen den Imperialismus ist eine Nachricht aus Schanghai zugegangen, wonach während der UebersiedIung der chinesischen Regierung von Nanking nach Loyang politische Gefangene in Nanting hingerichtet worden seien. Es werde befürchtet, daß unter den Opfern auch der Sekretär der PanBazifit- Gewerkschaft, Paul Ruegg und seine Frau Gertrud sind. Weltboykott gefordert.
New York , 20. Februar.( Eigenbericht.)
Der demokratische Präsidentschaftskandidat Newton Bater und zahlreiche führende Persönlichkeiten haben in einer Petition an Hoover die Vereinigten Staaten zur Teilnahme an internationalen Wirtschaftsmaßnahmen gegen Japan aufgefordert. Die amtlichen Stellen deuten an, daß ein solches Vorgehen in erster Linie von Bölkerbundsbeschlüssen abhänge.
Der Völkerbundsrat ist heute vormittag unerwarteterweise zur Behandlung der Memelfrage einberufen worden, da der Rats präsident Paul Boncour sich noch heute nachmittag nach Paris begibt. Infolge hartnäckigen Widerstandes des litauischen. Außenministers ist der vom Völkerbundsrat angeforderte Bericht der drei Juristen nicht zustande gekommen.
Die Ablehnung jeder Lösung durch den litauischen Außenminister macht eine Befchlußfaffung des Völkerbundsrats unmöglich. Der litauische Außenminister stützt sich auf die für alle Beschlüsse des Rates geltende Bestimmung der Einstimmigkeit, da Litauen , das nicht Ratsmitglied. ist, nach dem Völkerbundsstatut in einem Streitfall, der es betrifft, als Ratsmitglied angesehen wird.
Der Bericht des Norwegers Colban erklärt den Memelfonflift als sehr schwierig. Einerseits habe Deutschland vorgebracht, abberufen worden, andererseits aber stehe feft, daß die Anordnungen der Präsident des Direktoriums sei entgegen den Bestimmungen der Pariser Konvention vom 8. Mai 1924 und ihres Anhanges das Recht des Gouverneurs nicht ausschließen, in bestimmten Fällen das Direktorium abzuberufen. Im vorliegenden Falle sei Herr Boettcher ganz regulär abgerufen worden, da nach Ansicht der litauischen Regierung er sich Befugnisse ange maßt habe, die der Zentralgewalt zustehen; dadurch habe er das Memelſtatut verletzt. Der Rat habe
mit Befriedigung festgestellt, daß die litauische Regierung alle Berpflichtungen aus dem Memelftatut auf sich nehmen wolle
und Bemühungen unternehme, um ein Direktorium nach den Bedingungen dieses Statuts zu bilden. Es bleibe deshalb nicht ausgeschlossen, daß in kürzester Zeit der anormalen Situation ein Ende gemacht werde.
Die Situation verlange dringend Maßnahmen, um jede Erschwerung auszuschließen. Die Bildung eines Direktoriums aus Männern, die das Vertrauen des Landtages besigen, sei unbedingt notwendig. Dieses Direktorium müsse sich ohne Verzug dem Landtag stellen. Es müsse dies auch geschehen vor
dem Ablauf der im Artikel 17, 2 des Statuts vorgesehenen äußersten Beitgrenze. Der Rat sei sehr begierig darauf, im Territorium
Don Memel das normale Funktionieren des Statuts verwirklicht zu sehen.
Diese fofort nötigen Maßnahmen änderten nichts an der Legitimität der Abberufung des Herrn Boettcher.
Es müsse nur noch untersucht werden, ob die Umstände, die zu dieser Abberufung geführt haben, die Ausübung des Abberufungsrechtes rechtfertige. Um dies zu entscheiden, habe er( der Berichterstatter) zunächst daran gedacht, den Rat um Anrufung des a ager Gerichtshofes zu bitten. Aber er würde das nur tun, wenn im Rat eine Mehrheit für seinen Bericht zustande käme; im Falle der einseitigen Annahme würde er sich damit begnügen, daß bie Signatarmächte der Memelfonvention ja doch die Möglichkeit hätten, untereinander die aufgeworfenen Rechts