Morgenausgabe
Nr. 87
A 44
49.Jahrgang
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Vorwärts
Berliner Bolksblatt
Sonntag
21. Februar 1932
Groß- Berlin 15 Pf. Auswärts 20 Pf.
Die einipalt. Millimeterzette 30 f. Reklamezeile 2.- M. Kleine An zeigen" bas fettgebrudte Wort 20 Bf. ( zuläffig zwei fettgebrudte Worte, jedes mettere Bort 10 Bf. Rabatt It. Tarif. Borte über 15 Buchstaben zählen für gwer Worte Arbeitsmartt Millimeter zeile 25 Bf. Familienanzeigen Milli. meterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, mochentäglich von 8 bis 17 Uhr Der Berlag behält sich das Recht der Ab lehnung nicht genehmer Anzeigen vor!
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Krieg oder Frieden?
Krieg in Asien ! Wann wieder in Europa ? Der Völker bund ist unfähig, der Welt Frieden zu gebieten. Werden wenigstens in unserem Erdteil Menschlichkeit und Vernunft start genug sein, eine neue Schlächterei zu verhüten, die das Ende unserer Kultur bedeuten würde? Europa wird vor dem Untergang bewahrt bleiben, menn Frankreich und Deutschland gemeinsam seinen Frieden schützen. Wenn aber zwischen Deutschen und Franzosen Feindschaft besteht, dann wird ein neuer Krieg unvermeidlich sein. Europa wird dann in Elend und Schande untergehen.
Eine der wichtigsten Entscheidungen zwischen Krieg und Frieden, zwischen Leben und Tod wird von heute in drei Wochen in Deutschland gefällt. Einen faschistischen Hezzer zum Reichspräsidenten wählen, heißt das Schicksal herausfordern. Kampf gegen den Faschismus ist Kampf für Den Frieden!
Für die Mitte gegen rechts!
Die Sozialdemokratische Partei hat zur Reichs präfidentenmahl offiziell noch nicht Stellung genommen. Aber die Entscheidung, die sie zu fällen hat, ist nicht schwer. Da die Kommunisten mit einer eigenen Zähltandidatur vor. gehen, wäre die Aufstellung eines Sozialdemokraten auch nur eine leere Demonstration. Der Ausfall der sozialdemokra tischen Stimmen bei der eigentlichen Entscheidung müßte aber mit mathematischer Sicherheit den Sieg der faschistischen Reaftion zur Folge haben. Wenn also nicht noch im letzten Augenblid irgendwelche unvorhergesehene Umstände eintreten, die die ganze politische Situation verändern, dann wird die Parole der Sozialdemokratie für Hindenburg lauten müssen.
Wenn wir praktisch nur noch vor der Frage stehen, ob Hindenburg bleiben oder durch einen Mann der Harz burger Front ersetzt werden soll, dann müssen wir natürlich dafür sein, daß Hindenburg bleibt.
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Bei der vorigen Reichspräsidentenwahl hat die Sozialdemokratie nachdem sich im ersten Wahlgang die Aus sichtslosigkeit ihrer eigenen Kandidatur gezeigt hatte- für den Kandidaten der Mitte gegen den der Rechten gestimmt. Genau dasselbe wird sie auch diesmal tun. Geändert hat sich nur insofern etwas, als der Kandidat der Rechten von 1925 heute der Kandidat der Mitte gegen die Rechte ist.
Daß wir vor sieben Jahren den Kandidaten der Rechten, Hindenburg , bekämpften, war richtig, und wenn wir jetzt wieder gegen die äußerste Rechte kämpfen, so bleiben wir konsequent.
Der ruffische Reitergeneral.
EISERN DIE FRONT EISERN DIE HAND
OLC
tischen Wähler würden für Thälmann stimmen. Man braucht nur den Rechenstift zur Hand zu nehmen, um festzustellen, daß auch dann noch Thälmann durchfallen würde. Aber der Nazi würde mit Leichtigkeit durchs Ziel gehen, und die sozialdemokratischen Wähler würden zu spät erkennen, welche Torheit es war, der kommunistischen Locpfeife zu folgen.
In Wirklichkeit denken die Kommunisten gar nicht an den Sieg ihres Kandidaten; sie wollen ihn gar nicht. Sich die lächerliche Situation auszumalen, die entstehen würde, wenn der russische Reitergeneral Teddy- Thälmann deutscher Reichspräsident würde, ist eine Aufgabe nicht für Politiker, sondern für Possenschreiber. Wenn aber gar feine möglichkeit des Erfolgs, ja auch kein Wille zum Erfolg vorhanden ist, wozu dann die ganze Bosse der KPD. - Kandidatur? Wozu die neckischen Photographien des als Proletarier ver
Führer- Appell
kleideten russischen Kavalleriegenerals und fein verführerisches Augenblinzeln?
Es wäre vom Standpunkt der KPD. verständlich, wenn fie erklären würde: ,, Uns interessiert der ganze Rummel nicht; mir bleiben zu Hause!" Das war einst die Parole bei der Wahl zur Nationalversammlung, warum sollte es nicht auch jekt Parole zur Reichspräsidentenwahl sein?
Die Enthaltungsparole hätte für die KPD. zwei Nachteile. Erstens würde ihr die Gelegenheit entgehen, dem Fa schismus Hilfe zu leisten, und zweitens fäme sie um einen Anlaß, die Sozialdemokratie anzugreifen. Das durfte nicht sein, darum muß Thälmann fandidieren!
Die Kommunisten unterschätzen den Verstand der sozialdemokratischen Wähler, ja sogar eines Teils ihrer eigenen. Es ist notorisch, daß am 9. August 1931 ein sehr erheblicher Prozentsaz der kommunistischen Mitläufer auf die Wahnfinnsparole vom roten Boltsentscheid" mit dem Wählerstreif geantwortet hat. Die Situation ist heute diefelbe, nur noch flarer. Der Appell für Thälmann ist ein Appell an die Dummheit, er wird bei den politisch geschulten Massen der Sozialdemokratie nicht verfangen.
Schlagt den Faschismus!
Die Sozialdemokratie ist entschlossen, alles, was in ihren Kräften steht, zu tun, um dem Faschismus eine Niederlage zu bereiten. Zu diesem Zweck wird sie mit ruhiger Bestimmtheit und in voller Einigkeit ihre Maßnahmen treffen. Einstweilen hat sich gezeigt, daß sie richtig. handelte, indem sie die Aufstellung Hindenburgs durch die bürgerliche Mitte nicht verhinderte. Denn die Folge davon ist Verwirrung und Ratlosigkeit im Lager der Gegner.
Sie haben das Maul voll genommen mit dem großen sich selber nicht entscheiden! Hitler hat in Berlin erklärt, wenn Entscheidungsjahr 1932 aber da es soweit ist, können sie der Name des Kandidaten genannt werde, dann würden ,, Millionen aufschreien vor Begeisterung". Aber noch immer, drei Wochen vor der Wahl, ist es ein dunkles Geheimnis, für wen Hitlers Millionen Begeisterung brüllen werden. Für einen Gendarmen! Einen Profeffor? Einen Prinzen? Ober einen Oberst a. D.!
Hätten diese armen deutschen Spießbürger, die heute wie toll hinter der Hafenkreuzfahne herlaufen, auch nur noch einen Funken Verstand, so müßte es ihnen jetzt, angesichts der grotesken Situation im Harzburger Lager, wie Schuppen von den Augen fallen! Ihr Retter von einst, Hindenburg , auf der anderen Seite, und der bombastisch angekündigte Erjagretter noch nicht im entferntesten sichtbar! Während das Wählervolk harrt, wird hinter den Kulissen gehandelt, gefchachert und gefeilscht, und die Entscheidung wird immer weiter hinausgeschoben. Wie es jetzt heißt, bis nach den Ber handlungen des Reichstags.
Sie erhoffen von den Verhandlungen des Reichstags, die am Dienstag beginnen, irgendeinen Glücksfall, der ihnen aus der Klemme hilft. Nun, die Sozialdemokratie wird das ihre tun, damit dieser Glücksfall nicht eintritt und daß sie in der in der Neuen Welt, Hasenheide Alemme bleiben. Denn, geht es so weiter, dann ist das für Redner:
Die Kommunisten haben vor sieben Jahren durch ihre finnlose Thälmann- Kandidatur den Sieg der Rechten herbei- Sonntag, den 21. Februar, vorm. 11 Uhr, geführt. Sie haben Thälmann wieder aufgestellt und damit gezeigt, daß sie den Sieg des Faschismus wollen. So sind auch sie fich treu geblieben! Der Transportarbeiter Thäl mann trug Hindenburg zum Sieg, als Hindenburg noch Kandidat der äußersten Reaktion war; er will diesmal Hitler oder Hitlers Hampelmann zum Sieg tragen, weil dieser jetzt Kandidat der äußersten Reaktion ist. Denn Hauptfeind ist und bleibt doch die Sozialdemokratie!
Robert Bredow, Fritz Barthelmann, Arthur Neidhardt, Franz Künstler. Karten sind vergriffen.
den Faschismus der Anfang vom Ende, und wir alle fönnen dann noch das Schauspiel genießen, wie dieses Untier verreckt.
Das Entscheidungsjahr 1932 muß für Deutschland die Befreiung von der faschistischen Bedrohung bringen! Der Nationalsozialismus muß aufs Haupt geschlagen werden
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