1932
Der Abend
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Spätausgabe des„ Vorwärts"
2010 Pf.
Nr. 96
B 48 49. Jahrgang
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Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat Freitagvormittag turz vor Beginn der Plenartagung eine furze Sigung abgehalten. Es wurde beschlossen, gegen sämtliche Mißtrauensanträge stimmen.
zu
Die Fraktion schloß sich dabei der Auffassung ihres Vorsitzenden Dr. Breitscheid an, wonach zwar die Aus. führungen des Reichskanzlers und des Reich 8. wehrministers über den Reichswehrerlaß die Sozialdemokratie nicht befriedigen könnten, daß es aber in der gegenwärtigen Situation ein schwerer politi. scher Fehler sein würde, wenn die Sozialdemokratie eine Regierungskrise herbeiführe und damit die Geschäfte der sogenannten nationalen Opposition besorgen helfe.
Die sozialdemokratische Fraktion wird deshalb ein. stimmig gegen sämtliche Mißtrauensanträge stimmen. Bis auf den schwer erkrankten Abg. 2imber ist die sozialdemokratische Fraktion in der heutigen Situng des Reichstags vollzählig ver fammelt.
Die heutige Reichstagsligung begann schon um 10 Uhr. Der deutschnationale Abg. Goffheiner beschwerte sich darüber, daß entgegen einer Ankündigung der Reichsregierung die gestrige Kanzlerrede durch den Rundfunk nicht sofort verbreitet worden sei, sondern erst mehrere Stunden später ihre Schallplattenaufnahme.
Bräsident Löbe erledigt diese Beschwerde mit der Erklärung, daß die Reichsregierung gar nichts damit zu tun habe, sondern er als Präsident die Genehmigung zur Sendung der Schallplattenaufnahme gegeben habe. Schon seit längerer Zeit werden
die gesamten Plenarverhandlungen auf Schallplatten aufgenommen, die ins Archiv der Funkstunde tommen und mit Genehmigung des Reichstagspräsidenten, die in jebem Falle eingeholt wird, in das Rundfunkprogramm eingefügt
werden.
Abg. Rosenberg( Nfoz.) hält nun an Stelle feiner verunglückten persönlichen Bemerkung von gestern eine Rede gegen den Reichstangler, weil dieser von sogenannten Balten und songenannten Memel deutschen gesprochen habe.( Das letztere hat übrigens der Reichs tanzler gar nicht getan.) Rosenberg behauptet. daß Brüning damit die Lage der Auslandsdeutschen weiter verschlechtert habe, an deren ungünstiger Situation überhaupt das Zentrum schuld sei.
En Zwischenspiel.
Dann beantragt Frid( Nsoz.), daß der Reichsfinanzminister Dietrich herbeigerufen werde, weil der Hitlermann Reinhardt ihn angreifen wolle.
bie heute im Reichstag eine einbrudsvolle Rebe für den Frieden, gegen die faschistischen Kriegstreiber hielt.
Die Frauen wollen feine Verschärfung der Wirtschaftsnot durch fratischen Partei das gleiche Bürgerrecht verliehen worden ist, haben die Pflicht, fich in einer Schidfalsstunde Deutschlands dieses Rechts würdig zu zeigen.
der Sozialdemokraten. Das Reichsbanner leiste freiwilligen Ar beitsdienst den Kapitalisten, und die Arbeitsbeschaffungspläne von Breitscheid bis Hitler wollten planmäßige Inflation Das Projekt Wagemann stehe in Berbindung mit dem JG.- Farben- Minister Warmbold. Der freigewerkschaftliche WTB.- Plan set gleichfalls inflationistisch.
Der Mordgeist in der NGDAP.
Abg. Dr. Weber( Staatsp.) bringt nun die Beweise für bie Mordpropaganda ber Hafentreugler, an deren Borbringung er vor drei Tagen durch die Hitlerleute gehindert worden war. Er verweist zunächst auf Urkunden, die er auf den Tisch des Hauses niedergelegt hat und beginnt darauf mit der Erwähnung der
Ermordung Erzbergers und Rathenaus.
Die Hitlerfraktion, besonders Dr. Frid, schreien, daß sie damit nichts zu tun hätten. Der Redner stellt aber die unleugbaren Zusammenhänge mit der rechtsradikalen Propaganda und auch die Zugehörigkeit der Täter zu rechtsradikalen Verbänden fest. ( Aus den Zurufen der Hafenkreuzler scheint auch eine Rechtfertigung dieser Ministermorde herauszuffingen, da man das Wort Tribute" vernimmt.) Der Redner führt dann die bestialische Ermar. bung eines pommerfchen 2andarbeiters im Jahre 1920 por, ber einen Waffentransport an die Polizei verraten haben soll.
Der vom Landgericht Steffin zu 5 Jahren Gefängnis verurfeilte Täter ist 1927 aus der NSDAP . ausgefchloffen worden, heute aber wieder Mitglied diefer Partei und sogar ihrer Reichstagsfraffion.( Stürmische Hört!-hört!-Rufe links.) Als weitere Beweise für die unaufhörliche Mordpropaganda der Die Frauen- ich spreche für die Frauen des werftätigen Boltes Hitlerparten führt der Redner einen Artikel des Angriff" vom und, wie ich hoffe, für die Mehrheit der deutschen Frauen über- 1. Juli 1931," Selbsthilfe gegen Kommunisten", dor, der damit schließt,
haupt
die Frauen wollen keinen Bürgerkrieg! Die Frauen wollen feinen Böltertrieg! Die Friuen wollen feine Verschärfung der Wirtschaftsnot durch innen- und außenpolitische Abenteuer!
Die Frauen- ich hoffe damit wieder für die große Mehrheit zu sprechendurchschauen die Hohlheit einer Politit, die sich als durchschauen die Hohlheit einer Politit, die sich als besonders männlich gibt, obwohl sie nur von Kurzsichtigkeit, Eifelfeit und Renommierfucht diffiert ist.
Dieser Politit, der nationalisozialistischen Politit, mit allen Kräften entgegenzutreten, zwingt uns unsere Liebe zu unserem Volt und unserem Cand.
daß das rote Mordpad mit Handgranaten und Maschinengewehren von der Straße zu vertreiben sei.
Am 22. Oktober 1929 hat der Hitlerparteiredner Techom in einer Versammlung in Neuhaus in gleichem Sinne gesprochen. Am 16. Januar 1931 hat Abg. Dr. Goebbels im Kriegervereinshaus in Berlin allerhand Gewalttaten aufgezählt, um dann zu schließen: Ich fordere nicht dazu auf, aber was der einzelne tut, fönnen wir nicht kontrollieren." fIn den Dienstvorschriften der SA. find Anweisungen zum Auseinandertreiben margistischer Haufen mit blutigen Schädeln gegeben. Ein Sturmlied der SA. lautet u. a.: Wenn der Sturmabler voraus uns fliegt, Dann hat er frohen Mut,
Und wenn das Judenblut vom Meffer fpritzt, Dann gehts nochmal so gut.
Es ist darin weiter eine
Es ist genug des Elends! Es ist genug des Bluts! Mit Abschau und Entfehen wenden wir Frauen uns ab von jenen Bildern Der Kommunist Torgler erklärt, daß seine Bartei für diesen der Berrohung, der Verwilderung, die fich heute täglich darbieten und an denen es leider auch in diesem Hause nicht fehlt. Wir erheben Antrag stimme in der Vorausseßung, daß der Minister dann auch als Mütter Anklage gegen die Bolksverderber, die heute unfere Söhne enthalten und der Schlußrefrain lautet:
während der nächsten Rommuniſtenrede anwesend bleibe. leidige Heiterfeit.)
( Mit
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zum Brudermord anstiften und die
Die Abstimmung bleibt zweifelhaft. Es muß deshalb Aus- fich nicht scheuen werden, sie morgen in einen neuen völferverzählung durch Hamanelsprung erfolgen.
Während der Auszählung erschien Dietrich und nahm am Ministertisch Platz. Die Auszählung ergibt die Ablehnung des Antrages mit 210 gegen 180 Stimmen bei 3 Enthaltungen. Dietrich macht nach der Verfündung ihres Ergebnisses eine höfliche Berbeugung gegen die Rechte und verläßt den
Saal wieder.
Butentbrannt läuft Reinhardt zu Frid, der zunächst ganz verbattert dasteht. Dann läßt er Reinhardt von der Rednerliste streichen. Abg. Bausch( Chrioz. Boltsd.) entlarpt die heuchlerische Gemeinheit der nationalsozialistischen Agitation und wirft scharfe Lichter auf die Unvereinbarkeit ihrer Rebensarten im Reichstag und ihrer
Erklärung:
Die fozialdemokratische Reichs: gsfraktion würde es nicht für richtig halten, wenn diese Delatte über die bevorstehende Reichspräsidentenwahl zuende ginge, chne daß sich in ihr auch die Stimme der Frauen des deutschen Bolles hören ließe.
nichtenden Krieg hineinzutreiben.
Eine Frau, die das alles nicht will, fann bei der bevorstehenden Reichspräsidentenwahl weder einem Rechtsradikalen noch einem kommuniften, weder einem Hitler noch einem Duefterberg und einem Thälmann ihre Stimme geben!
Die Frauen müffen bei dieser Wahl, die für das Schicksal des deutschen Volkes entscheidend sein kann, auf viele Jahre hinaus, den Kampf aufnehmen. Für Frieden und Freiheit! Für Frauenrecht ( Bebhafter anhaltender Beifall der Sozialdemokraten, Gegenrufe und Frauenwürde! Gegen den Todfeind, den Faschismus! ( Lebhafter anhaltender Beifall der Sozialdemokraten, Gegenrufe
der Kommunisten.)
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Mordandrohung gegen Severing und Genoffen
Rnüppelhageldid.
Wir pfeifen auf die Freiheit Der Judenrepublit.
Der Redner hält diese Beweise besonders dem Reichswehrminifter zur richtigen Erkenntnis der NSDAP . vor und schließt mit der Aufforderung an die Reichsregierung und das Bürgertum, dem Umfichgreifen radikalistischer Berwüftung entgegenzutreten.( Beifall links.)
Weimarer Berfaffung beschworen.
Adolf Hitler hat heute mittag um 2 Uhr in Berlin als Rea gierungsrat der braunschweigischen Regierung den Beamteneid geleistet.
Die Eidesformel, die durch die Berordnung des braunschweigischen Staatsministeriums vom 31. Oftober 1919 feftgefeßt ift, lautet:
„ Ich schwöre Treue der Reichs- und Landesverfassung. Gehorfam den Gefehen, und gewiffenhafte Erfüllung meiner Amtspflichten."
Abg. Dr. Naubauer( Komm.) dankt dem Reichskanzler, der mit seiner gestrigen Rede die sozialdemokratische Politik des fleineren Hebels" widerlegt habe, indem er die Regierungsfähigkeit der Fa schisten anerkannt und seine Bereitwilligkeit erklärt habe, ihnen die Regierung zu übergeben, wenn sie nur nicht untereinander uneinig wären. Das Regime Brüning. als Schuß des Faschismus hinzustellen. sei ein Schwindel. Die ganze Finanzpolitif des Reiches dient dem verbrecherischen Finanzkapital, bem wieder 800 Millionen Mart Herr Regierungsrat Hitler hat damit zum erstenmal zur Sanierung gegeben wurden. Was aber gibt man schwangeren Frauen zur Aussteuer für die Entbindung?( Abg. Frau Reese. die Treue zur republitanischen Reichsverfassung Komm. legt auf den Tisch des Hauses ein wie ber Redner sagt von Weimar beschworen. Da ihn niemand gezwungen hat, dreckiges Baten und ein paar lumpige Windeln" nieder.) Nach braunschweigscher Beamter zu werden, handelt es sich um einen finanztritischen Ausführungen spricht der Redner über die Anträge freiwillig geleisteten Gid.
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