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Morgenausgabe

Ar. 111 A 56

49.Jahrgang

Böchentlich 78 Bt., monatlich 3,25 M. ( davon 87 Bf. monatlich für Zuftel lung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3.87 M einschließlich 60 B. Bo' zeitungs- und 72 Pf. Postbestellge bühren. Auslandsabonnement 5,65 pro Monat; für Länder mit ermäßige tem Drucksachenporto 4.65 M.

Der Borwärts erscheint mochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal. die Abenbausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel Dez Abend". Illustrierte Gonntagsbeilags Bolf und Zeit"

Vorwärts

Berliner Boltsblatt

Sonntag

6. März 1932

Groß- Berlin 15 Pf. Auswärts 20 Pf..

Die etui palt. Millimeteraetle 30 Br. Metlamezeile 2- M. Steine An zeigen" das fettgebrudte Wort 20 Vf. ( zufäffig zwei fettgedruckte Worte jebes meitere Bort 10 Bf. Rabatt It. Tarif. Borte über 15 Buchstaben zählen für gwer Worte. Arbeitsmarkt Millimeter­zelle 25 Pf. Familienanzeigen Milli meterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Sauptgeschäft Lindenstraße mochentäglich von 8 bis 17 Uhr Der Berlag behält sich das Recht ber h lehnung nicht genehmer Anzeigen vor!

Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

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Werbleibt zu Hause? Keiner und keine!- Alle kommen mit!

Heute marschieren mir! Wir zeigen unsere Fahnen, die mir seit Monaten bergen mußten. Wir zeigen unsere Stärke, unferen emigen, unbesiegbaren Willen, die Feinde der Freiheit zu schlagen. Bir marschieren mit den Fahnen der Republik für die Republik .

Deutsche Republik, wir schwören:

Letter Tropfen Bluts soll dir gehören!

Wir sind nicht Metaphyfiter der Staatsform! Die Re­ publik und ihre Verfassung das ist uns mehr als eine formale Ordnung des staatlichen Zusammenlebens! Es um­schließt die Gesamtheit unseres Ringens seit dem Ende des Krieges, unsere Erfolge und Mißerfolge im Kampf um den wahren Frieden und die Freiheit, um das Recht des deutschen Boltes und um das Recht der Arbeit im deutschen Bolte.

Die Republit und ihre demokratische Verfassung: das um fchließt die große soziale Bewegung, deren Träger mir find, und die mir vorwärts getrieben haben so weit, daß die große Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse sicht bar wird. Sie ist die Möglichkeit, diese Bewegung weiter zu treiben, der Kampfboden, auf dem mir das Recht und die 3utunft des arbeitenden Boltes nertreten, sie ist die Staatsform, die einem menschenwürdigen Dasein in Recht und Freiheit angemessen ist.

Mit einem Worte: es ist die Freiheit, die mir meinen und um die wir fämpfen.

Die Entscheidung, die bevorsteht, geht u m Freiheit!

biel

Die Freiheit ist bedroht! Nicht nur von jenen faschistischen Bürgerkriegsbanden, die gegen das Recht aufgezogen und taserniert und zu einer Armee ausgebildet worden sind. Sie ist bedroht von den Folgen des geistigen und politischen Bankrotts eines großen Teils des deutschen Bürgertums, von jenem Ausbruch des Massenwahns, dessen Wurzeln wilder Haß des unter dem Versagen des Kapitalismus leidenden Bürgertums gegen die Arbeiterschaft und die alte Untertanen gesinnung der Bürger sind, die einen Stiefel tüssen wollen.

Gegen die Bürgerkriegshorden steht unser Zusammen­schluß zur Eisernen Front. gegen den Faschismus als Ver­nichtungswille sehen mir bei der Reichspräsidentenwahl unsere vernünftige politische Ueberlegungstraft ein!

Es gilt, alle zu fsammeln, die nicht vom faschistischen Bahn ergriffen find, alle, die nicht den Bürgerkrieg wollen, alle, die gewillt sind, die Grundlagen der Verfassung zu respektieren. Wir wollen nicht nur sammeln, sondern schlagen und siegen! Wir wollen so schlagen, daß wir Erfolg haben. Bei dieser Reichspräsidentenwahl geht es nicht nur um eine Demonstration, sondern um eine ernste Entscheidung im Kampfe, von deren Ausgang die Zukunft abhängi!

Die Reichspräsidentenwahl ist feine Proportionalwahl! Es geht nicht um Anteile an der Macht, es geht um die größte Machtfülle, die die Verfassung verleiht! Nach dieser Wahl erfolgt teine Koalitionsbildung, die die Stichwahlent scheidung von den Wählern abnimmt und ins Parlament ver­legt. Bei dieser Wahl wird ein Mann gewählt, und die Wähler selbst haben die Stichwahlentscheidung zu treffen, schon im ersten Wahlgang.

Diefer eine Mann wird entweder hinden burg oder Hitler fein.

Unsere Entscheidung fällt für Hindenburg gegen Hitler , weil wir nur durch die Wahl Hindenburgs die Wahl Hitlers verhindern können. Wer im Kampfe gegen Hitler eine andere Parole ausgibt, belügt und betrügt das Volk.

Keine Illusionen! Harte Entscheidungen fordern kühle Ueberlegung! Wenn mir heute aufmarschieren in Massen, mit dem ganzen Schmung unserer vom heißen Wollen erfüllten Bewegung, so bemeisen wir dem Gegner, daß wir mit flaren Köpfen und fühlem Verstand schlagen, daß mir Hitler fo fchlagen, daß mir ihn treffen merden!

Heute alles in den Lustgarten!

Um 1 Uhr spricht Otto Wels .

Heute wird die Eiserne Frout der Reichshauptstadt Heute und in den nächsten Tagen werden in allen den Stempel thres Kampfes aufbrüden. Durch die größeren Städten des Reiches und in den kleinsten Dorf­Straßen Berlins werden wieder die schwarzrotgoldenen flecken die Republikaner in wuchtigen Demonstrationen Fahnen der Freiheit wehen. In gleichem Schritt und die deutschen Wähler aufrütteln. In den letzten Tagen Tritt marschieren heute alle, Männer und Frauen, Ar- der Woche werden gewaltige Fackelzüge für die Sache der beiter, Angestellte und Beamte, das republikanische Volk Republik werben, von Berlin in den Lustgarten. Rein Republikaner, kein Sozialdemokrat darf heute fehlen.

Das Reichsbanner marschiert in geschlossenen Formationen zum Bustgarten, to um Punkt 1 Uhr Otto Wels , der Führer der deutschen Sozialdemokratie, zu sprechen beginnt.

Die Sammelpläne und die Anmarschstraßen beröffent. lichen wir noch einmal im lokalen Teil des Blattes.

in Berlin marschiert die Eiserne Front zum letzten Appell vor der Entschel­dungsschlacht am Freitagabend noch einmal auf.

Republikaner, Sozialdemokraten, tut alle eure Pflicht! Auf jeden einzelnen fommt es an! Keiner darf fehlen! Giner für alle, alle für einen! So schlagen wir Hitler !

Attentat in Moskau .

Botschaftsrat Dr. v. Twardowski durch Schüsse verwundet.

und

Am gestrigen Sonnabendvormittag ist der deutsche Das Außenkommissarlat hat dem Botschafter das Botschaftsrat Dr. v. Twardowski in Moskau durch Vedauern der Sowjetregierung ausgesprochen Sowjetbotschafter Schüsse verlekt worden. Von den vier Schüssen hat einer strengste Untersuchung angekündig den Hals gestreift, eine Kugel hat das linke Handgelenk Chintschuk hat dem Staatssekretär v. Bülow die gleichen Erklärungen abgegeben. zerschmettert.

Der Täter ist verhaftet; er ist ein russischer Student namens Stern. Ueber seine Beweggründe ist noch nichts bekannt.

Dr. v. Twardowski war im Weltkrieg Marine­offizier. Durch seine spätere nieljährige Tätigkeit in der Reichspressestelle ist er auch vielen Journalisten und Parla­

Soll Deutschland faschistisch werden? Nie­mals wird Deutschland wie Stalien, Polen , Südslamien und Litauen unter faschistischer Herrschaft seufzen, das ist unser fester Wille!

Für diesen Schlag gilt es, schon im ersten Wahl. I fehen die Bedeutung dieser Wahl, wir richten die Blicke vor­gang alle Kraft zusammenzufassen. Unsere Geschlossenheit wärts auf den Kampf um Preußen. muß so fest sein, daß sie die Hoffnungen und Pläne der Gegner im ersten Wahlgange zerfnidt. Das taftische Ziel der Fcschisten ist, die Front gegen den Bürgerkrieg so zu zersplittern, daß Hitler im ersten Wahlgang Hindenburg an Wir wollen nicht das Schicksal des italienischen Prole­Stimmenzahl überflügelt. Sie hoffen dies Ziel zu erreichen mit Hilfe der Kandidatur Thälmann , von der sie eine Bertariats erleiden! Wir wollen nicht, daß sich das deutsche splitterung der Arbeiterstimmen im größten Maße erwarten. Proletariat selbst dem Faschismus ausliefert, weil es in ent­Die Kandidatur Thälmann ist die Hoffnung der Faschisten scheidender Stunde nicht flug, nicht einig genug ist. Wir sagen bereits im ersten Wahlgang. Von einem solchen Ausgang ihm, wo und wie die Mehrheitsbildung gegen den Faschismus versprechen sich die Faschisten viel. Sie erwarten davon ent- möglich ist, wir stellen die Mehrheit gegen den Faschismus scheidende Beeinflussung eines zweiten Wahlgangs, sie würden her über alles Ressentiment, über alle unpolitischen Sen­daran bereits die Behauptung knüpfen, daß das Volk für timentalitäten hinweg! Wir wären unserer großen Tradition unwürdig, wenn in dieser Stunde Hitler entschieden habe, sie würden darin schon ein Plebiszit die Köpfe der Gegnerflarerwären als unsere für ihre Staatsstreichgelüfte erblicken! eigenen!

Diese Hoffnung gilt es zu zerstören! Die Hauptentschei­dung des ersten Wahlgangs bereits muß gegen Hitler , das heißt für Hindenburg fallen! Wer im ersten Wahlgang feine Stimme für Thälmann abgibt, der stärkt Hitler ! Darum fort mit der Zersplitterungskandidatur! Fort mit den falschen Propheten, den Illusionisten, den ewigen Spaltern! Reine Schwächung im ersten Wahlgang, sondern geschlossener Einsatz unserer ganzen Kraft! Wir schlagen Hitler schon im ersten Wahlgang!

Wir alle marschieren heute feiner bleibt zu Hause! wir alle gehen am 13. März geschlossen zur Wahl mit ber Barole: Schlagt Hitler , wählt Hindenburg !

Geschichtliche Entscheidung ist in unserer Hanh Bir

Mit fühlem Verstand, im wohlverstandenen Klasseninteresse des Proletariats setzen wir unsere Kraft ein! Hinter der politischen Entscheidung gegen den Faschismus steht eine andere. Das fapitalistische System manft, es hat den Glauben an sich selbst verloren, die Zeit wird reif für den Vorstoß des Sozialismus. Der Faschismus, die Zerstörung der Freiheit ist die letzte Hoffnung der Kapi­talisten. Der Kampf um die Demokratie ist der Kampf um die Zukunftschance des Sozialis= mus! Wer die Freiheit wegmirst, weil er bei der Wahl­entscheidung gegen den Faschismus seine Stimine wegwirft, der verrät die Interessen der Arbeiterklasse!

Kein Schwanken, feine Lauheit, feine Disziplinlosigkeit! Mit geschlossener Kraft meistern wir das Schicksal! Bir marschieren alle. Ile! Ile! Ile!