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Morgenausgabe

r. 125

A 63

49. Jahrgang

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Der Borwärts" erscheint mochentage lich zweimal, Sonntags und Montags einmal. die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel Dex Abend. Juustrierte Sonntagsbeilage Bolt und Reit"

Vorwärts

Berliner Boltsblatt

Dienstag

15 März 1932

Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf.

Die et

palt. Milimeterzeile 30. Reklamegerle 2- Kleine An­zeigen" bas fettgedruckte Wort 20 Bf. ( zulässig zwei fettgedrudte Worte jedes weitere Wort 10 Bf. Rabatt It. Tarif. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Arbeitsmarkt Millimeter. zeile 25 Pf. Familienanzeigen Mili meterzeile 16 Bf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, mochentäglich von 8 bis 17 Uhr. Der Berlag behält sich das Recht der Ab­lehnung nicht genehmer Anzeigen vor!

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Preußenwahl: 24. April.

Beschluß des Ständigen Ausschusses des Landtages.

Der Ständige Ausschuß bei Brenden antaa beschloß am Montag in Uebereinstimmung mit der Re­gierung, den Termin für die Preußenwahlen, auf den 24. April festzusehen. Im Verlauf der Aus sprache erklärte Innenminister Severing, daß ein späterer Termin für die Regierung im Interesse der Wirtschaft und wegen der übermäßigen Inanspruchnahme der Polizei nicht in Frage komme.

*

Der Ständige Ausschuß des Preußischen Landtags beschäftigte fich am Montagabend mit der Feststellung des Wahltermins für die Wahlen im Landtag. Die Regierung hatte in einem Berord­

nungsentwurf den 17 April vorgeschlagen.

Minister Severing wies darauf hir, daß der frühe Wahl termin den Parteien entgegenfomme, die vor einem Jahre die Auflösung des Landtags betrieben hätten. Alle Gerüchte, daß die Regierung Neumahlen ver. hindern wolle, feien unwahr. Die Regierung sei der Meinung, daß es nicht zmedmäßig sei, die Preußenwahlen mit dem zweiten Termin für die Reichspräsidentenwahl zusammenzulegen. Wenn man den

nicht unufen Bühne, bis su 10 an Abg. Stenbel( D. Vp.) erklärte, daß man es feiner Bartei nicht zumuten fönne, bis zum 10 April an der Seite der jeßigen Regierungsparteien für Hindenburg zu fämpfen und dann nur noch 8 bis 14 Tage für die Vorbereitung der Breußenwahl zur Ber­fügung zu haben. Es ergebe sich auch die Frage, wie sich der Land­tag die Verabschiedung des Haushalts für 1932 dente. Die nom Minister angeführten Gründe könne er nicht als stichhaltig aner­fennen Er halte den 8. Mai für zweckmäßiger. Abg. Baeder Berlin ( Landvolk) trat ebenfalls für den 8. Mai ein, besonders im Interesse der ländlichen Bevölkerung für die Frühjahrsbestellung Die Nerven der Wähler seien auch überspannt.

Abg. Falt( Staatsp.) begründete einen Antrag der Regie rungsparteien, die Wahlen auf den 24. April festzulegen. Winifter ein, die sich aus dem gerade jetzt herrschenden Wahlfieber ergebe. Die Bedenten des Abg. Stendel( D. Bp.) teile er nicht. Im übrigen sei im Wahlkampf die Preußenpolitik von der Reichspolitik um schattet. Ein kurzer Wahlkampf sei deshalb am zwedmäßigsten. Er bittet daher, den 24. April als Wahltag zu bestimmen. In der Abstimmung wurde mit den Stimmen der Regierungs­parteien der 24. April als Wahltag festgelegt.

Der erste Schlag.

Nun aber weiter, Eiserne Front!

Von Paul Löbe .

Die Eiserne Front hat ihre erste politische Prüfung glänzend bestanden. Sie hat das ihre dazu beigetragen, den vom Rittern vom Hakenkreuz den sicheren Siegestag gründlich zu verſalzen.

Wäre es möglich, die fast 19 millionen Stimmen, die am 13. März für den Namen Hindenburg abgegeben worden find, nach Barteigängern auseinanderzuziehen, dann würden die durchsichtigen Zahlen zwei starte Eindrüde weden. Der erste: Hut ab vor der mustergültigen Diszi plin der sozialdemokratischen Wählermassen in dieser schwierigen Situation! Der zweite: Allen Respekt vor dem Korpsgeist, mit dem das Zentrum auch diesmal mieder seine Leute zusammenhielt und, wie einst zu Marr, jetzt zu Hindenburg führte; das zweite ist klar erficht­lich aus den Wahlziffern Bayerns und des katholischen Westens, die Disziplin der Sozialdemokraten aber läßt sich studieren am Vergleich der Ziffern ihrer großen Hauptsize: Berlin , Hamburg , Magdeburg , Hannover , Braunschweig , Bielefeld usw. mit den früheren Wahlen in diesen Städten und wird bestätigt in zahlreichen Dörfern und fleinen Orten, mo die Uebersicht über die Parteistärke leichter ist. Die So­auch

17. April nicht wolle, fei die Regierung auch mit dem 24. April. Bah'quotient für die preußischen Wahlen 50 000. Bialdemokratie, geschult in den politischen Notwendigkeiten

dann aber als spätesten Termin, einverstanden ausschiebung sei sowohl im Interesse der Wirtschaft als auch wegen der übermäßigen Inanspruchnahme der Polizei nicht möglich, wenn ein ordnungsmäßiger Berlauf der Bahlvorbereitungen gewährleistet Abg. Schment( komm.) erklärte sich mit einer Borverlegung des Wahltermins einverstanden. Abg. Dr. n. Winterfeldt ( Dnat.) trat für den 10. April als Wahltermin ein.

fein folle.

Entsprechend einem Beschlusse des preußischen Staatsministe riums wird für die preußischen Wahlen der Wahlquotient auf 50 000 leftgelegt werden. Es ist eine Berordnung der preußi­schen Regierung zu erwarten, die die preußische Sparverordnung abändert, wonach bekanntlich auf 60 000 Stimmen( früher 40 000) ein Abgeordneter für den Preußischen Landtag entfällt.

An das Reichsbanner!

Kameraden!

Im ersten Wahlgang um die Präsidentschaft der deutschen Republik ist Hitler geschlagen. Wenig hat ge fehlt und Hindenburg war schon im ersten Wahlgang gewählt.

Eure unermüdliche Pflichterfüllung, euer Kampfes. mut, eure politische Klugheit haben allen Gegnern der Demokratie eine schwere Niederlage bereitet. Der Rationalsozialismus hat seine Marneschlacht verloren: Hitler wird nie Reichspräsident!

Für dieje Tat wird euch, Reichsbannerkameraden, die Geschichte Dank wissen.

In treuer Kameradschaft gedeuten wir der Opfer, die dieser schwere Kampf von uns gefordert hat.

Der Geguer hat einen schweren Schlag erlitten, aber er ist noch nicht endgültig niedergerungen. Gebt ihm jest feine Ruhepause!

Die erste Schlacht ist vorüber. Wir marschieren zur zweiten Schlacht!

Unsere Parole: Vorwärts zum Sieg!

Die Bundesleitung.

Politischer Osterfrieden.

Bor einer Verordnun der Reichsregierung. Die Reichsregierung wird für die Karwoche und die Ostertage ähnlich wie zu Weihnachten einen Burgfrieden anordnen. Eine entsprechende Ver ordnung ist noch im Laufe dieser Woche zu erwarten.

Wahlbeteiligung von 87 Proz.

Hindenburg fehlen 0,4 Prozent.

Nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis be trägt die Gesamtziffer der abgegebenen gültigen Stim men 37 660 394. Dies Ergebnis bedeutet eine Wahl beteiligung von ungefähr 87 Proz. Hiervon erhielten Duefterberg 6,8 Proz., Sindenburg 49,6 Broz, Sitler 30 Broz., Thälmann 13,3 Broz., Winter 0,3 Proz

in dieser ungemein tomplizierten Situation.

Arg verrechnet haben sich dagegen die Herolde des deut­fchen Kommunismus. Seit der Wahl von 1930 leſen wir in jeder Roten Fahne" von den massenweisen Aus- und Uebertritten von Sozialdemokraten in Betrieben, Städten und Dörfern, täglich wiederholen sich die Zahlenkolonnen über Werbeerfolge für die Kommunistische Partei und ihre Zeitungen, besonders in Berlin . Das Resultat iſt: 54 000 verlorene Stimmen in der Hauptstadt! Auf Millionen murde die Zahl der Ueberläufer im Reich zu Thälmann wegen der unpopulären Kandidatur Hindenburg geschäßt. Es sind jetzt ganze 400 000, eingeschloffen die neuen Wähler, die Zunahme der Wahlberechtigten und der Wahlbeteiligung, eingeschlossen die Zunahmen der Erwerbslosen und der SAP.! Man

Hitler hat in Bayern abgewirtschaftet. bebente, daß die Erwerbslosen mit ihren Familien allein zehn

Keine Aussichten für das Dritte Reich.

München , 14. März( Eigenbericht).

Im Lande Bayern erlitt der Faschismus am 13. März feine größte Enttäuschung. Selbst die rein protestantischen Gegenden Nordbayerns und der Pfalz , auf die Hitler die größte Hoffnung ge­segt hatte, ließen ihn im Stich, so daß in allen vier bayerischen Kreisen die Parole für die Demokratie eine abfolute Mehrheit erhielt.

im

Troß der um 12,3 Broz. geftiegenen Wahlbeteiligung auf die bei feiner Wahl dagewesene 3iffer von 90 Broz. vermochte bas Hakenkreuz seinen Anteil an den Wählerstimmen nur um 10,2 Broz zu steigern. Der Faschismus mustert damit noch nicht einmal 30 Bro3. der Wählerschaft, obwohl der in Nordbayern fizende Landbund in großen Scharen aus dem deutschnationalen Lager zu Hitler hinübergewechselt ist. Bei den bevorstehenden Land­tagswahlen wird der Landbund wieder selbständig auftreten, fo baß schon aus diesem Grunde damit zu rechnen ist, daß die Nazis neuen Landesparlament taum mehr als 25 Broz der Mandate befizen werden. Der andere Flügel der Harzburger Front, der um 5ugenberg, hat burd die Stimmenflucht des Bandbundes mehr als die Hälfte der Stimmen verloren und ist auf eine Stimmenzahl herabgesunken, die den Deutschnationalen wenig Aussicht mehr läßt, im neuen Landtag über haupt vertreten zu sein. Der bei den Kommunisten erwartete Auf­trieb hat sich in sehr engen Grenzen gehalten. Mit 86 000 Stimmen Plus ist ihr Anteil an der bayerischen Wählerschaft von 5,9 auf 7,3 Broz. gestiegen, so daß der in Bayern besonders gepflegte Kreuz. zug gegen den Bolschewismus fünftig wohl den Charakter eines Rinderschreds bekommen wird.

Harzburg und Moskau zusammen verfügen nach der Wahl des 13. März gerade über 40 Proz. der Wählerstimmen, so daß die bayerische Bevölkerung für die nächste Zeit der Sorge enthoben ist, von den Dittaturpropheten rechts oder links vergewaltigt zu werden.

Polizei hat Ruh'. Alarmbereitschaft aufgehoben.

Die von dem Preußischen Minister des Innern am Sonn­abendmittag für die preußische Polizei angeordnete erhöhte Alarmbereitschaft ist am Montagmittag um 2 Uhr auf gehoben worden. Die preußische Polizei hat am Wahltag wieder einmal in vorbildlicher Weise ihre Pflicht getan.

Millionen Wähler umfassen, um deren Standhaftigkeit ab­zuschäßen. Statt fieben bis acht Millionen Stimmen nur fünf, die Enttäuschung dürfte nicht flein fein, vielleicht fommt mit ihr auch die Erkenntnis, daß die skrupellose Agitation gegen die Sozialfaschisten " schon an der Grenze ihrer Wirf­famkeit angelangt ist.

Herr Hugenberg hat mit dem Stahlhelm zu fammen so gut mie nichts über das hinaus erreichen können, mas er bei den lehten Wahlen als Trümmer einer einst so großen Partei besaß, Gewinne und Verluste gleichen sich so ziemlich aus. Seine Presse muß sich wieder mit den Zahlen­erfolgen des jungen, aber rabiaten Bruders schmüden, ob mohl sie von diesem während des Wahlkampfes gründlich. angefpien murde.

Die anspruchsvollen überheblichen Propheten des Dritten Reiches haben eine fräftige Niederlage erlitten, wenn man ihre großsprecherischen Ankündigungen mit der Tatsache vergleicht, daß der schon ausgerufene Reichspräji dent Hitler" mit siebeneinhalb Millionen Stimmen hinter Hindenburg zurüdblieb, während er nicht nur Hindenburg , fondern alle anderen Kandidaten im flotten Spurt überholen sollte. Gemessen an der Aufschneiderei ist der Reinfall der Hafenfreugler grandios. Sieht man sich die sonst ganz an­fehnlichen Wählerziffern an, so ist zu erkennen, daß sich unter dem Hafenfreuz jetzt alles gesammelt hat, was außer Hugen­berg an reaktionären und tapitalistischen Tendenzen im Often und Norden Deutschlands , den schon immer rüdstän verstärkt durch die digen Bezirken, noch vorhanden ist politisch unreifen Elemente der früheren Nichtwähler. und der frisch dazugekommenen Neumähler.

Das ist der Block, gegen den die Kämpfe der nächsten Wochen und Monate geführt werden müffen. Nicht nur im Hinblick auf die. Preußenwahlen, sondern weit darüber hinaus.

Am Tag nach dem erfolgreichen 13. März steht die Deutsche Republit vor drei michtigen unum= gänglichen Aufgaben. Wir wissen, die national­sozialistischen Wahlziffern sind der Widerschein der herrschen­den Wirtschaftsfrise, eine endgültige Berschlagung und Zer splitterung dieses Blocs ist nur möglich durch Besserung der wirtschaftlichen Lage. Auf den 13. März folgt der 23. Mara mit dem Arbeitsbeschaffungstongreß der Ges