Nr. 190 49. Jahrgang
1. Beilage des Vorwärts
Von Lügen umsponnen
Aber unsere Aufklärungsarbeit in den Landbezirken zerreißt das Netz
Der Osten, das Land der Junker, ist heute das Land der HitlerLeute. Der Ausspruch eines Rittergutsbesizers als Schulaufsichts person zu einem jungen Lehrer, der sich mit seinen Schülern mehr Mühe gab, als es dem Herrn notwendig erschien, ist bezeichnend, er sagte:„ Ich brauche vor dem Pflug zuei Ochsen und hinter dem Pflug einen Ochsen." Es wird den jungen Menschen vom Lande beigebracht, daß alles, was die Redner anderer Parteien vorbringen, Lüge und Betrug sei, das man sich am besten nicht anhört. Besser noch, man stört den Redner durch dumme, massive Zwischenrufe. Die erste Aufgabe zu Beginn einer Versammlung ist also die Sicherung des Hausrechts durch den Versammlungsleiter. Da die Landjäger sehr forrekt sind und zum großen Teil noch die Methoden des alten Regimes am eigenen Leibe erfahren hatten, ist schon durch ihre Anwesenheit für verhältnismäßige Ruhe gesorgt. Denn wenn der Landjäger auf Ersuchen des Versammlungsleiters nur ein einziges Mal Ruhe gebietet, ist aller Heldenmut der Hitler - Leute von 15 bis 30 Jahren für eine Viertelstunde verflogen und sie fizen ruhig und gehorsam wie Schuljungen, die zu laut getobt haben, da. Fast alle Landjäger erzählen unaufgefordert, daß sie diesen jungen Leuten und ihren Verführern schon vor dem ersten Wahlgang zur Präsidentenwahl erklärt haben, sie wollen tein, Drittes Reich, das nur eine verschlimmerte Auflage des alten Preußen Reich, das nur eine verschlimmerte Auflage des alten Preußen sei. Die Zwischenrufe in unseren Versammlungen im Nezetreis heißen fast immer:„ Kutisfer und Sklaret!", beziehen sich also auf Vorkommnisse aus den Jahren 1924 bis 1929, sind aber in dieser Gegend im Jahre 1932 noch zugfräftig. Wenn man dann den Raiffeisen Skandal und den Landbanksfandal erwähnt und die Hilfe, die der preußische Staat der notleidenden Landwirtschaft erwiesen hat allein von 1924 bis 1929 etwa 1100 Millionen Mark ertönt es im Chor:„ Von dem Geld haben wir nichts bekommen!" Büßten Kleinund Mittelbauern wirklich über die Machtmittel, die ihnen der Wahlzettel in die Hand gibt, Bescheid, würde die vergiftende Propaganda der Nazis bei den älteren wirkungslos bleiben. Ueberall, wo sich freigemerfschaftlich organisierte Arbeiter befinden, seien es Landarbei ter, Ziegeleiarbeiter, Holzarbeiter oder Flößer, hatten wir gut besuchte Versammlungen, meistens find Ortsgruppen da und auf alle Fälle Vertrauenspersonen. Diese einzelnen Gewerkschaftler und Barteigenossen haben dann die schwere Aufgabe, als Versammlungsschutz in die sogenannten Nazidörfer zu kommen und während der anderen Zeit die meisten sind leider arbeitslos Agitation von Mund zu Mund treiben. Außer den Sozialdemokraten find nur
propaganda der Nazis.
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noch die Bewohner in katholischen Dörfern reſiſtent gegen die Lügen Gesellschaftlich betrachtet rekrutieren sich die Nazileute aus den felbständigen Klein und Mittelbauern und deren Rindern sowie aus den angesetzten Siedfern, die zum Teil nicht genag- Land für eine austömmliche Eristenz bekommen haben. In den Kleistä.oten ist es die Jugend des Mittelstan des, besonders auch die höheren Schüler und Lehrlinge, die bei Nazimeistern wohnen. Ausgesprochene Land arbeiter sind fast nie dabei, so daß der Graf von der Schulenburg statt der Arbeiter Besizersöhne und Töchter auf seinem Rittergut beschäftigt.
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Nach der Wahl wird es die Aufgabe der Partei und der freien Gemertschaften sein, planmäßig und regelmäßig es wird uns oft gejagt: Ja, ihr tommt immer nur zu den Wahdas flache Land zu bearbeiten. Inwieweit das auch von Grenzmark ist zwar politisch frei, sich ihrer Macht als Masse in der Neumark geschehen fann, wäre zu überlegen. Die Bevölkerung der Grenzmark ist zwar politisch frei, ihrer Macht als Masse in der Republik aber noch nicht bewußt. Genau so geduct und armselig wie die Katen um die Herrenhäuser stehen und sich die kleinen zum Teil noch strohgedeckten Häuser an die Hügel schmiegen, ist ein großer Teil der Bevölkerung. Sie durch den Sozialismus zu freien Bürgern der Republik zu erziehen, ist die Aufgabe von Partei und Gewerkschaften.
Eine vom besten Kampfgeist getragene öffentliche Kundgebung veranstalteten die Köpenider Genossen in dem bis auf den letzten Plaz gefüllten großen Saal des Stadttheaters. Hier sprach in mahnenden und zündenden Worten Genossin Klara BohmSchuch; sie zeichnete in flaren Zügen das wahre Gesicht des Faschismus, dessen Wahlkampf aus guten Gründen vom Kapitalismus finanziert wird, und schilderte die ganze Erbärmlichkeit ihrer politischen Helfershelfer, der Kommunisten. Eine Welle der Begeisterung durchflutete die Massen, als sie, nach einem besonders zu Herzen gehenden Apell an die in großer Zahl anwesenden Frauen und an die Jugend, zum Kampf aufrief für das Preußen Otto Brauns und Severings, dem ficheren Hort der Ordnung, der staatsbürgerlichen Freiheit, dem Hort der Demokratie in Deutschland . Die eindrucksvolle Kundgebung war für die Anwesenden eine Feierstunde, eingeleitet und umrahmt von Musikdarbietungen des Reichsbanners, von Freiheitsliedern der Arbeiterfänger, von aufrüttelnden Rezitationen. Sie war mit echtestem Kampfeswillen und Zuversicht erfüllt.
Motorstaffel Solidarität in der Neumark. Die Motorstaffel von Solidarität" fährt auf Landagitation! Ueber Alt- Landsberg geht es nach Strausberg . Hier ist erster Halteplay, Propagandamaterial wird übernommen, die Far ben der Republik werden an den Fahrzeugen befestigt, Plakate, die auffordern, Braun- Severing zu wählen, werden sichtbar angebracht und weiter geht es nach kurzer Rast. Bon Strausberg nach Briezen wird Dorf für Dorf mit Flugblättern be legt. Ueberall erweckt die Motorstaffel Begeisterung bei den Anhängern der Republit. Ihr müßt öfter tommen! hört man allgemein rufen. In manchen Dörfern sieht es böse aus. Junge Burschen, mit dem Hakenkreuz geschmüdt, glaubten hier und da die
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Wriezen geht es nach Küstrin in der Neumark, dem Fem en est der schwarzen Reichswehr. Unterwegs erlebt man noch manch ergögliches Schauspiel. Den Spießern blieb die Spude weg, wenn sie die Rote Motorstaffel" vorüberziehen sahen. In Küstrin fam es zu jener stattlichen und gebung, über die der„ Vorwärts" bereits berichtet hat. Als es an die Heimfahrt ging, hieß es: Kommt bald wieder! In Tasdorf wird nochmals furze Rast gemacht und die vorbeifahrenden„ roten Radfahrer", die ihre Werbefahrt nach Kalfberge gefahren hatten, begrüßt. Dann wurde in flotter Fahrt die letzte Strecke bewältigt.
Ohnmachtsunfälle im Felseneck- Prozeß.
Im Felseneck Prozeß ist man auch gestern nur wenig vorwärts gekommen. Dafür gab es um so mehr Zwischenfälle. An der Reihe war der dritte Nazi- Angeklagte, der SA.- Mann Schwarz. Er gehörte zur Zeit der Felsened- Bluitat erst seit acht Wochen der NSDAP . an. Aehnlich wie sein Mitangeklagter und Parteigenosse Dorst, der ihn schwer belastet, war er früher Mitglied der KPD . Schwarz bestreitet mit aller Entschiedenheit, an dem seigen lleberfall auf den Arbeiter Klemke beteiligt zu sein. Er habe abseits gestanden, und zwar neben einem Schupo, der den SA.- Zug begleitete. Ob das der Wahrheit entspricht, wird ja die Verhandlung erweisen. Dorst aber, der bei der Polizei mit voller Bestimmtheit. Schwarz als denjenigen bezeichnet hat, der mit den anderen SA.Leuten über Klemte hergefallen ist, schränkt jetzt seine Aussage ein; er glaubt, daß auch Schwarz dabei gewesen sei.
Die Bernehmung des Schwarz war noch nicht zu Ende, als der
Das Kreuz ins erste Feld
Von 8 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags wird am Sonntag gewählt
Die Neuwahl des Preußischen Landtags findet morgen Sonntag, den 24. April, in der Zeit von 8 Uhr Dormittags bis 5 Uhr nachmittags in den dafür bestimmten Wahlräumen statt. Gegenüber der Reichs
Sonnabend, 23. April 1932
Angeklagte Kommunist Genz in Ohnmacht siel. Der Angeklagte Hohmann stieß noch hervor, das sei weiter fein Wunder, da er und seine Kameraden ja keine Freistunde hätten, und verfiel in Krämpfe. Die Verhandlung wurde unterbrochen, die beiden Angeklagten aus dem Saal getragen. Nach Wiederaufnahme der
Gigung erklärte der Borfizende, daß lauf der von ihm eingeholten
Information es tatsächlich zutreffe, daß ein Teil der Angeklagten zweiten Turnus befanden und wegen des frühen Beginns des Proin den letzten Tagen ohne Freistunde gewesen sei, da sie sich im besses nicht mehr auf den Hof hinausgelassen werden konnten. Dem sollte in Zukunft abgeholfen werden.
auf Grund der angeblichen Haftunfähigkeit eines Teiles der AnDie Verteidiger sahen sich durch diesen Zwischenfall veranlaßi, geklagten Haftentlassung zu beantragen. Sie beriesen sich bei ihrem Antrag u. a. auch darauf, daß von der großen Anzahl Felseneck teilgenommen haben, nur 6 auf der Anklage der SA. Leute, die am 18. Januar an dem SA. Zug nach
bant fäßen. Es liege unter solchen Umständen kein Grund vor, eine so große Zahl von Kommunisten in Untersuchungshaft zu halten. Das Gericht lehnte sämtliche Anträge auf Haftentlassung ab und beauftragte die Gerichtsärzte Dr. Ewers und Dr. Leppmann, achi angeklagte Kommunisten auf ihre Haftfähigkeit hin zu untersuchen. Die Verhandlung wurde bis Montag 10 Uhr ausgesetzt.
Heute abend
19.30 Uhr spricht Preußens
Ministerpräsident Otto Braun vor dem Mikrophon
des Berliner Senders, um den Wählern einen Rechenschaftsbericht seiner Regierung zu geben. Die Rede wird auf sämtliche preußischen Sender übertragen.
Seit einiger Zeit sind in den Dienststellen der Berliner Bostämter kleine Hefte ausgehängt, die eine vom Reichs= post ministerium herausgegebene ,, Anweisung zur Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten im Bereiche der Deutschen Reichspost" enthalten. Diese Anweisung hat einige Anhänge, darunter auch einen, der das im Jahre 1900 erlassene Reichsgefeß zur Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten enthält. Es wäre gegen diesen Anhang ebensowenig einzuwenden wie gegen die ganze Anweisung des Reichspostministeriums, menn darin nicht der vor über 13 Jahren entschlafenen Monarchie der Hohenzollern ein Denfstein gesetzt wäre.
Der erste Anhang beginnt nämlich mit der bis 1918 üblichen präsidentenwahl beginnt die Landtagswahl also eine Stunde um ebenso hohenzollerisch zu enden:„ Gegeben Travemünde, Einleitung von Gesezen:„ Wir, Wilhelm von Gottes Gnaden...", früher und ist auch eine Stunde früher beendet. Den 30. Juni 1900. Wilhelm. Graf von PosaDie Abgrenzung der Wahlbezirke und die Lage der Wahl- domsky." räume sind von den Bezirksämtern für ihre Verwaltungsbezirke
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Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Dr. Braun- Crvering Teler Kutture
Deutschnationale Volkspartei
Raffer Meng- ea Sedenfiera- Krüger
Radikaler Mittelstand
Melous- Rau- Derrmann
Preußische Zentrumspartei Butonsti- rel- Brau grehn Stempel
Rommunistische Partei Deutschlands Bied- Ralper- Sweat- Hoffmana
Interessengemeinschaft
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der Kleinrentner und Inflationsgeschädigten
Dr. Boj- Crapentin Frau Frobenius- Xeth
Bolksrecht- Partei
D. Dr. Dr. Graf von Befadowsto- Wehner- Mende
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Reichspartei des deutschen Mittelstandes ( Wirtschaftspartei) e. V.
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Deutsches Landvolk- Deutsche Rechte
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durch Säulenanschlag bekanntgegeben. Aus diesen Bekanntmachungen wollen die Wähler ihren zuständigen Wahlraum selbst feststellen. Die bei der Wahl zu verwendenden Stimmzettel sind amtlich hergestellt und enthalten alle zugelassenen Kreiswahlvorschläge, die Partei und die Namen der ersten vier Bewerber jedes Vorschlags. Nur diese amtlichen Stimmzettel dürfen bei der Wahl vermendet werden. Auf jedem Stimmzettel darf nur ein Wahlvorschlag gekennzeichnet werden. Stimmzettel, die mehrfach oder überhaupt nicht gekennzeichnet sind, sind ungültig. Die Stimmabgabe kann nur im Wahlraum des Wahlbezirks erfolgen, in dessen Wählerliste der Wähler eingetragen ist. Inhaber von Wahlscheinen können in jedem beliebigen Wahlbezirk Preußens wählen.
Man sollte meinen, daß auch dem Beamten im Reichspostministerium, der für die Herausgabe und vor allem Drucklegung der Anweisung verantwortlich Ht, fchon aufgefallen sein dürfte, daß er seit Ende 1918 sein Gehalt nicht mehr durch einen Wilhelm von Gottes Gnaden erhält, sondern von der Deutschen Republik. Die Anweisungen nebst ihren Anhängen sind nämlich nicht etwa noch aus der Zeit vor 1918 übriggeblieben, sondern im vorigen Jahr in der Reichsdruckerei gebrudt.
Auch die Reichsverfassung vom 11. August 1919 sollte im Reichspostministerium nicht ganz unbekannt sein, in deren Artifel 179 es bezüglich der Gesetze, die aus dem kaiserlichen Deutsch land übernommen worden sind, heißt:„ Soweit in Gesezen oder Verordnungen auf Vorschriften und Einrichtungen verwiesen ist, die durch diese Verfassung aufgehoben sind, treten an ihre Stelle die entsprechenden Vorschriften und Einrichtungen diefer Verfaffung."
Darüber, daß zu solchen Einrichtungen außer dem im. Tegt mehrfach erwähnten Kaiserlichen Gesundheitsamt" auch Wilhelm von Gottes Gnaden gehört, wird es höchstwahrscheinlich im Reichspostministerium selbst keinen Streit geben. Wir nehmen an, daß hier ein höherer Ministerialbeamter der Republik eine Naje drehen wollte. Vielleicht hatte dieser ,, Diener der Republik" sogar in nationalsozialistischen Kreisen eine Wette abgeschlossen, daß ihm im 13. Jahr des Bestehens der Republik ein solcher Streich nicht im geringsten schadet. Was sagt übrigens das Reichs post ministe rium dazu?
Zur Baumblüte in Werder. Halbstündlicher Verkehr Berlin - Werder .
Anfang Mai werden die Obstgärten von Werder in voller Blüte stehen, und Eisenbahn und Schiffahrt treffen schon jetzt Vorbereitun gen, um den starken Baumblütenverkehr zu bewältigen. Die Reichsbahn wird den Verkehr zwischen Berlin und Werder bei Bedarf an den Sonntagen um etwa 100 3 üge verstärken. Damit wird eine halbstündliche Zugverbindung geschaffen, während der regelmäßige Fahrplan nur alle Stunde einen Zug nach Werder vorfieht. Die Einsazzüge werden auf den Strecken Berlin - Werder und Botsdam- Werder verkehren. Wochentags fahren bei Bedarf zwischen Botsdam und Werder Pendelzüge zur Verstärkung.
Die Berliner Reedereien, die den Dampfer- und Motorbootsausflugsverkehr bedienen, werden ihre Blütenfahrten nach Werder voraussichtlich am Sonntag. 1. Mai, aufnehmen. Als Auftakt für die Werderfahrten veranstalten die Reedereien am Sonnabend, 30. April, eine Korsofahrt quer durch Berlin mit girlanden- und fahnengeschmückten Schiffen. Die Korsofahrt wird mittags an der Mühlendamm- Schleuse beginnen und bis nach Char lottenburg führen, wo an der Eisenbahnüberführung bei der Jungfernheide kehrtgemacht wird. Abends werden die Schiffe illuminiert zurückkehren.
Ein Selbstfahrer ist Herrn Karl Kuhnert, Berlin 23. 57, Grebenstr. 7, in der Nacht vout 20. sunt 21. April gestohlen worden. Da der Bestohlene infolgedessen nicht imstande ist, feinen Beruf nachzugehen, wird gebeten, Nachricht zu
zu achten,
Staffel provozieren zu können. Jedoch perbuſteten fie schnell, menn Dein Kreuz gehört ins erste Feldborgsuster, wenn der Wagen irgendwo auftaucht und Herrn Kuhnert
fie die stattliche Zahl der Fahrzeuge und Bejagung übersahen. Bon
Vergleiche!