Morgenausgabe
Nr. 267
A 135
49. Jahrgang
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Donnerstag
9. Juni 1932 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf
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Volk, wehr dich!
Scharfmacher und Barone beschimpfen das Volk.
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Die Nationalsozialisten haben ihre Maste abgeworfen!! Sie tragen eine Regierung, in der ein Graf, vier Ba rone und zwei gewöhnliche Adlige fizen! Diese Regierung ist die Verkörperung aller reaktionären Kräfte. Ihre erste Tat war eine Rundgebung, in der sie den Abbau der sozialen Verpflichtungen des Staates ankündigen. Die Regierung der Barone hat in dieser Kundgebung von der ,, moralischen Zermürbung des Volkes" gesprochen. Sie hat die Nachkriegsregierungen beschuldigt, aus dem Staat eine Wohlfahrtsanstalt gemacht und damit die moralischen Kräfte des Volkes zerstört zu haben!
Wir weisen diese Beschimpfung des deutschen Volkes durch die Regierung der Junker und Scharfmacher auf das schärfste zurück!
Ist es moralische Zermürbung, wenn sechs Millionen Arbeitslose und ihre Angehörigen ihr hartes Los, ihr Elend und ihre Not männlich tragen, ohne dem Aufruhr und der Anarchie zu verfallen?
Diese schweigende und leidende Millionenarmee- das ist das beste 3eugnis der moralischen Kraft des deutschen Bolkes, der Würde und der Disziplin der deutschen Arbeiterschaft., Dies Heer der Not darf nicht von Junkern und Scharfmachern mit Hilfe der Nationalsozialisten beschimpft werden!
Ist es moralische Zermürbung, wenn das deutsche Arbeitsvolk, seine Arbeiter, Angestellten und Beamten Milliardenopfer auf sich genommen und geleistet haben, um den Notleidenden zu helfen, um den völligen Zusammenbruch der wirtschaft lichen und finanziellen Grundlagen des Lebens der Gemeinschaft zu verhindern?
Diese zwei Jahre seit 1930 waren voll von Elend und Not, aber auch voll von Opfermut und Disziplin. Ist das moralische Zermürbung?
Es ist der Dank für die Opfer, daß die Regierung der Junker und Scharfmacher mit Hilfe der Nationalsozialisten das deutsche Arbeitsvolk diffamiert!
Ungeheuerlicher und ungerechter ist noch nie ein befchimpfender Vorwurf gegen ein großes Bolf erhoben worden!
Niemals noch ist ein solcher Vorwurf gerade von denen erhoben worden, die am wenigften Anlaß dazu hätten! Mit
Diese Klassen sind es, die jezt das deutsche Arbeitsvolk ungeheuerlich beschimpfen, die ihm die moralische Kraft ab= sprechen wollen! Mit ihnen die Nationalsozialisten, die die Regierung der Scharfmacher und Barone unterstützen!
Wo war die Heze gegen den Wohlfahrtsstaat, als die Industrieherzöge und Finanzmagnaten gemeinsam nach der Hilfe des Staates geschrien haben?
Viele Milliarden sind in Gestalt von Subven tionen, Krediten und Osthilfe diesen Klassen zuge= flossen, und diese Milliarden sind bezahlt worden durch gewaltigste Opfer eines schwer kämpfenden Volkes!
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Die tiefste Unmoral, das moralisch zersekendste Element unserer Zeit das ist die Begehrlichkeit dieser Schichten, gepaart mit ihrer tiefen Verlogenheit und der krassen Undankbarkeit gegenüber dem eigenen Volke!
Das deutsche Volk wäre wahrhaft mert, beschimpft und verachtet zu werden, wenn es diese Beschimpfung durch die Vertreter einer bankerotten Welt ertragen würde! Die Abwehr der Volksbeschimpfung, der Kampf gegen die Regierung der Barone wie gegen ihre nationalsozialistischen Bundesgenossen ist ein Gebot der Ehre der Nation!
Der Bankerott des Kapitalismus und seiner Führer hat das Volk ins Elend gestürzt! Keine nationalsozialistische Lüge vermag davon abzulenken! Die Schuldigen suchen nun die Schuld von sich abzuwälzen. Sie wollen das Elend der unschuldigen Opfer der Krise vergrößern. Sie wollen sich selbst retten, indem sie über den Hunger, die Not und das Elend der Erwerbslosen fühllos hinwegschreiten! Gegenüber dem Angriff der Schuldigen auf das Bolt
erklären wir laut:
Wir bekennen uns zum Wohlfahrtsstaat! Wir bekennen uns zu dem Grundjak, daß der|
Staat alles tun muß, um die Ansprüche des Arbeitsvolkes auf Lohn und Gehalt und die Unterstützung der unschuldigen Opfer der Krise unbedingt zu sichern!
Wir bekennen uns zu dem Grundsak, daß der Staat das Leben und des Lebens Notdurft für alle seine Bürger gewährleisten muß!
Wir bekennen uns zu dem Grundsak, daß der Reiche opfern muß für den Armen!
Das Glück und die Wohlfahrt der arbeitenden Klassen eines Bolkes find die Boraussetzung feiner moralischen Kräfte und der Zweck des Staates!
Wir wollen ein freies Bolf, das seine Wirtschaft befreit aus dem Verbrechen des Kapitalismus .
Wir wollen eine Wirtschaftsordnung, die allen ein kulturwürdiges Dasein gewährleistet!
Wir wollen die sozialistische Organisation der Wirtschaft!
Mir wollen, daß die deutsche Nation aufrecht und angesehen dasteht unter den Völkern der Erde; frei nach außen und frei im Innern!
Fort mit den Kräften der Reaktion! Fort mit denen, die das deutsche Volf beschimpfen und seine gewaltigen Leistungen besudeln! Fort mit den Junkern und Scharfmachern, die von jeher das Unglück des deutschen Volkes gewesen sind!
Zu diesem Kampf für Deutschlands Glück und Freiheit rufen wir das ganze Volk auf!
Wir rufen dem gesamten Arbeitsvolte zu: Her zu unseren Fahnen! Her zum roten Banner des Sozialismus! Einheit aller Schaffenden gegen Kapitalismus und Reaktion!
Es lebe die Sozialdemokratie!
Etatausgleich in Preußen.
welchem Recht berufen Junker und Scharfmacher sich auf die Das Reich zahlt seine Schulden nicht die Folge sind drückende Maßnahmen.
Moral?
Die Zerstörung der moralischen Kräfte hat sich nicht auf der Seite des Volkes gezeigt, sondern bei jenen Klassen, die jetzt das Volk beschimpfen und bedrohen!
Wehe diesen Klassen, wenn sie auf dem Höhepunkt des Zusammenbruchs vor einem Jahre die ungeheuerliche Lüge von der margistischen Mißwirtschaft, von der Zerstörung der moralischen Kräfte des Volkes zu erheben gewagt hätten! Der Bankerott der Großagrarier, der Industriefürsten Der Bankerott der Großagrarier, der Industriefürsten und der Bankherren hat die Fäulnis der kapitalistischen Moral enthüllt! Verbrechen auf Verbrechen sind im Laufe der letzten Jahre bekannt geworden! Die Liste der Zusammenbrüche in Industrie und Finanz war zum großen Teil eine Liste der schamlosesten Wirtschaftsverbrechen, gefrönt von den Namen Fa vag und Nordwolle!
Da das Reich sich außerstande erklärt, den Betrag von 100 Millionen Mart, den es Preußen schuldet, jetzt zu zahlen, hat sich die preußische Regierung gezwungen gesehen, auf Grund der. Notverordnung des Reichs präsidenten den Ausgleich des preußischen Etats vorzunehmen.
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Es hat sich in den Verhandlungen mit dem Reich herausgestellt, daß die neue Reichsregierung nichts dazu tun wollte, den Etatsausgleich in Preußen zu erleichtern. Die Ber antwortung für die Notmaßnahmen, die tat sächlich Maßnahmen der letzten Not darstellen, und für ihre Auswirkungen fällt also auf das Reich!
Die neue preußische Notverordnung steht unmittelbar vor ihrer
Veröffentlichung. Wie der preußische Finanzminister Klepper gestern vor der Preffe ausführte, wird sie folgende Bestimmungen
enthalten:
Wo waren damals die Bußprediger über die ,, moralische 1 Die Hauszinssteuerverordnung wird in der Zermürbung des Volkes? Wo waren die Nationalsozialisten, Weise geändert, daß die Gemeinden eine Zuweisung von 160 Milliodie Knechte der Scharfmacher und Großagrarier?
Der völlige Zerfall jeder Moral, die Miß achtung von Treu und Glauben, von Recht und Gesetzer hat sich in der Klasse der sogenannten Wirtschaftsführer gezeigt!
Die oftelbischen Großagrarier, die Milliarden beträge erhalten haben auf Kosten des Bolkes, die diese Beträge leichtfertig nach Junterart verschleudert haben sie gehören Seite an Seite mit den Wirtschaftsverbrechern aus der Industrie.
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Länderkonferenz
Am Sonnabend findet in Berlin eine Länder fonferenz statt, zu der Herr von Papen eingeladen hat. Es ist anzunehmen, daß während dieser Vesprechung, die hauptsächlich finanziellen Fragen gelten soll, von den Länderregierungen starte Töne gegen verschie bene dunkle Pläne der Nazi- Barone fallen werden.
nen Mark für bedürftige Mieter erhalten. Diese Maßnahme wirkt sich dahin aus, daß fünftig nur noch Einkommen von 800 Mart jährlich von der Hauszinssteuer befreit bleiben, während die bisherige Grenze bei dem Eristenzminimum von 1200 Mart lag.
2. Mit Wirkung vom 1. Juli wird eine Schlachtsteuer eingeführt. Diese neue Steuer soll die Ausfälle, die bei den Einnahmen Preußens durch den Fortfall der 100 Millionen Mark Ausgleichszahlungen des Reiches entstanden find, wettmachen. Der Tarif der Schlachtsteuer entspricht dem in Bayern gültigen Tarif, liegt also unter den in Sachsen gültigen Steuersägen. Es bleiben danach Hausschlachtungen frei, ferner Ferkel bis 30 Kilo. Schweine
bis 75 Kilo werden mit 5 Mart, bis 125 Kilo mit 8 Mart und über 125 Kilo mit 10 Mart Steuer belegt. Die Tarife für die anderen Bieharten sind noch nicht bekannt. Der Finanzminister glaubt, daß sondern daß bei der vorhandenen geringen Konsumkraft diese Steuer die Fleischpreise hiervon nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, von dem Zwischenhandel und den Produzenten getragen wird.
3. Von den Gehältern der preußischen Beamten werden bei verheirateten Beamten mit Kindern 2% Prozent des Gehalts, bei ledigen Beamten und bei verheirateten ohne Kinder 5 Prozent des Gehalts ein behalten. Das gleiche gilt für die staatlichen Angestellten und für sämtliche Angestellten und Beamten der preußischen Gemeinden. Die Einbehaltung ist so gedacht, daß der Gehaltsanspruch aufrechterhalten bleibt. Die zurückbehaltenen Beträge werden monatlich mit Wirkung vom 1. Juli 1937 nachbezahlt, also in der Form, daß der Betrag, der am 1. Juli 1932 einbehalten wurde, am 1. Juli 1937 zurückgezahlt wird. Um die Beamten sicherzustellen, wird für den Todesfall vorgesehen, daß der gesamte Betrag dann sofort zurückgezahlt wird. Bei Angestellten wird der Gesamtbetrag nachbezahlt, falls der An