1932
Der Abend
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Nr. 292
B 146 49. Jahrgang
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Ruf zur Besinnung!
Das Rettungsprogramm der Gewerkschaften Sorgen der Regierung/ Das Falschspiel der KPD .
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Das Rettungsprogramm der Gemert schaften, das heute morgen hier veröffentlicht wurde, ist ein Dokument von geschichtlicher Bedeutung, und es ist an alle Volksgenossen ohne Unterschied der Partei gerichtet ein Ruf zur Besinnung. Warum] streiten Reich und Länder über kindische Uniformfragen, marum knallen nächtlicherweile durch alle Straßen Deutsch lands Revolverschüsse, die von Unreifen auf Unreife abgefeuert werden, warum fallen Menschenopfer unerhört? Diese ganz sinnlos scheinenden Kämpfe sind eben die Oberflächenerscheinungen einer furchtbaren Krise, die Wirtschaft, Gesellschaft und Staat in ihren Grundfesten erschüttert. Das Rettungsprogramm der Gewerkschaften stößt durch alle Nebendinge auf die tiefen Ursachen vor und zeigt den Weg aus der Verwirrung. Jedermann und jede Organisation, die sich ernst mit dem großen Problem unserer Zeit beschäftigt, wird gezwungen sein, zu diesem Programm Stellung zu nehmen.
Wir haben heute in Deutschland fünf Parteien, von denen nur noch eine, die deutschnationale, sich als grundsätzlich tapitalistisch und privatwirtschaftlich eingestellt zu erkennen gibt. Ihr Programm ist dem der Gewerkschaften geradewegs entgegen. Das gleiche läßt sich vom Zentrum nicht mehr behaupten, dessen sogenannter Solidarismus“ mit der
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Terror über Breslau
SA. fennt kein Aufmarschverbot- Schießereien und Krawalle
Breslau , 23. Juni. ( Eigenbericht.)
Die von der Breslauer Nazipresse in den letzten Tagen betriebene unerhörte Hehe hat ihre Früchte getragen. Am Mittwochabend kam es in Breslau an vielen Stellen zu schweren Zusammenstößen, die bedauerlicherweise zahlreiche Opfer gefordert haben. Die Unruhen begannen nachmittags gegen 18 Uhr und dauerten über mitter nacht hinaus an. Der Breslauer Bevölkerung, die schon seit Wochen durch die fortgefehten Naziausschreitungen beunruhigt wird, hat sich angesichts der Vorkommniffe eine ungeheure Erregung bemächtigt.
Borstadt im Westen Breslaus . Auswärtige SA.- Leute, die auf Die Zusammenstöße nahmen ihren Ausgang von der Nikolai Lastwagen transportiert wurden, bedrohten in der Friedrich- Wilhelm
ſozialistischen Grundlinie des Rettungsprogramms Einspruch gegen Notamnestie.
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doch schon einige Verwandtschaft aufweist. Die drei übrigen Parteien, die zusammen die ungeheure Mehrheit des deut schen Volkes bilden, bekennen sich sei es durch Taten oder nur durch Worte zu einem irgendwie gearteten Sozia lismus. Für diesen Sozialismus scheint uns das Ret tungsprogramm der Gewerkschaften der rechte Prüfstein zu sein. Wer sich nicht wenigstens in den Hauptlinien und Grundforderungen zu ihm bekennt, der ist kein Sozialist, sondern treibt nur mit dem Namen des Sozialismus parteipolitischen Mißbrauch.
Das Rettungsprogramm der Gewerkschaften ist ein Ruf zur Besinnung und eine Aufforderung zu ehrlicher Gemeinschaftsarbeit im Dienste einer großen aufbauenden Idee. Das Volk braucht nicht Bürgerkriegsspiele, sondern Brot!
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Die Reichsregierung, die in der Hauptsache damit beschäftigt ist, in ganz Deutschland ihrer geliebten SA. das Recht auf Uniform zu erfämpfen, hat dabei doch noch Zeit zu anderer staatserhaltender Arbeit. Sie hat den angekündigten innerpolitischen Umschwung dadurch manifestiert, daß sie den Vorwärts" mit einer jogenannten ,, Auflage" bedachte. Ungefähr zur gleichen Stunde kündigten die Schützlinge des Herrn von Gay1 im ,, Angriff" ziemlich unverhohlen einen Sturm auf das Vorwärts"-Haus in der Lindenstraße an. Aber das war wohl bloß ein neckisches Zusammentreffen!
Zur Sache selbst sei folgendes festgestellt: Die Notverordnung, die zur Rechtfertigung solcher Belästigungen dienen soll, richtet sich ihrem Sinn nach gegen jene unanständige Presse, die nach Art der heutigen nationalsozialistischen Regierungspresse argliftig Tatsachen unterdrückt. Der Vorwärts" hatte jedoch in derselben Nummer, in der er die beanstandete Karikatur brachte, den Inhalt der Regierungserklärung, deren Abdruck ihm jetzt aufgezwungen wurde, wiedergegeben. Der gegen uns geübte Zwang stellt sich unter solchen Umständen als bloße Schikane dar. Uebrigens scheinen wie in anderen Dingen auch die Meinungen innerhalb der Reichsregierung darüber, wie man mit dem Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei zu verkehren hat, geteilt zu sein. Erst vor wenigen Tagen haben wir den Wunsch des Herrn von Schleicher, seine Auffassungen den Lesern des Vorwärts" darlegen zu dürfen, in loyalfter Weise erfüllt. Wir sind auch in 3ufunft gerne bereit, 3uschriften aus Regierungsfreisen, die als folche gekennzeichnet sind und uns in angemessener Art über.
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Ein Beschluß des Staatsrats.
Straße von ihren Autos herab ihnen entgegenkommende Arbeitertrupps mit Pistolen.
In der Alsenstraße schoß gegen 19 Uhr ein Nationalsozialist zwei Arbeiter über den Haufen.
Der eine der beiden Arbeiter, ein Reichsbannermann, erhielt einen schweren Herzstreifschuß, der andere einen Bauchschuß. Beide Berletzte mußten sofort ins Krankenhaus geschafft und dort operiert erbitterte Menge fiel über ihn her und richtete den feigen werden. Den schießwütigen Nazi ereilte sofort sein Schicksal. Die Schüßen so zu, daß man ihn zusammen mit seinen Opfern in
die Klinik bringen mußte.
Eine Stunde später wurde am Christophoriplak ein NationalDer sozialist von unbekannten Tätern niedergeschlagen. Schulter. Er wurde sogleich ins Krankenhaus übergeführt. Hakenkreuzler erhielt ernstliche Wunden am Kopf und an der Schulter. Er wurde sogleich ins Krankenhaus übergeführt. Zwischen 20 und 21 Uhr entwickelte sich in der Uferstraße plötzlich eine Schießerei, bei der es wieder zwei Schwerverletzte gab. Der junge Reichsbannerkamerad Günther, der Sohn des im März dieses Jahres von nationalsozialistischen Flugblattverteilern vor seiner Wohnungstür niedergeschossenen Sozialdemokaten Günther, erhielt einen schweren Brustschuß. Der preußische Staatsrat hat am Donnerstagnachmittag, ent- Außerdem wurde eine Person namens Maczinat, über deren polisprechend einem Antrag des Verfassungsausschusses, mit 42 gegen tische Einstellung nichts bekannt ist, durch sieben Schüsse 25 Stimmen der Sozialdemokraten und kommunisten beschlossen, nieder gestreckt. Beide Verletzte wurden nach ihrer Einliefe= gegen das vom Landtag beschlossene Amnest i egesetz für Ber- rung jofort operiert, liegen aber noch in bedenklichem Zugehen aus wirtschaftlicher Not Einspruch einzu- stand in der Universitätsklinik. legen. Infolge dieses Einspruches muß jetzt der Landtag das Geset mit 3weidrittelmehrheit verabschieden. Da für dieses Gesetz die Zweidrittelmehrheit im Landtag vorhanden ist, wird durch den Einspruch des Staatsrats an dem Zustandekommen des Gesetzes nichts geändert.
mittelt werden, zu veröffentlichen. Wenn die Reichsregierung auf diese angemessene Art des Umgangs verzichten will, so wird sie damit ihrer eigenen Sache den schlechtesten Dienst erweisen.
Die Wahl eines faschistischen Landtagspräsidiums ist für die Kommunisten wieder einmal Gelegenheit, über die Sozialdemokratie herzufallen. Die Rote Fahne " behauptet, daß auf das kommunistische Angebot, unter Verzicht auf eigene Kandidaturen, ein Präsidium aus Zentrum und Sozialdemokraten zu wählen, sich diese beiden Barteien ,, in Schweigen gehüllt" hätten. Wenn man den Sizungsbericht der Roten Fahne" liest, so müßte man das allerdings glauben, denn in diesem ist außer dem Kommunisten Pied fein anderer Redner erwähnt.
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Im nördlichen Breslau spielten sich wahre Bürgerkriegsszenen ab.
Die Kommunisten löschten in mehreren Straßen die Campen aus und setzten dann diese Straßen regelrecht unter ihren Terror. Anrückende Ueberfallkommandos wurden aus den Häusern mit
Sie hat im Gegenteil alles getan, eine solch e Wahl zu ermöglichen, indem sie auf irgendwelche eigenen Bedingungen von vornherein verzichtet hat. Die wirkliche Einstellung der Kommunisten konnte man dagegen bei der Nicht wiederwahl des Genossen Wittma ad zum ersten Vizepräsidenten erkennen. Genosse Wittmaad hätte in der Stichwahl gewählt werden können, wenn die Kommunisten für ihn gestimmt hätten. Statt dessen gaben die Kommunisten 53 ungültige Stimmzettel ab und ermöglichten so, daß der Deutschnationale von Kries, als Vertreter der kleinsten Landtagsfraktion, mit 182 der Rechten gegen Wittmaad gewählt wurde, der 174 Stimmen der Sozialdemokratie und der Mitte erhielt. Wollen uns die Kommunisten einmal klarmachen, aus welchem Grund sie Wittmaad zu Fall gebracht haben?
In Wirklichkeit aber hat der Führer der sozialdemokratischen Landtagsfraktion, Genosse Heilmann, zweimal Gestern haben wir das verbrecherische Spiel das wort ergriffen, sowohl vor wie nach der der kommunisten aufgedeckt und nachgewiesen, daß ihre Sizungspause. Genosse Heilmann hat beide Male mit nicht fogenannte„ antifaschistische Aktion" in Wirklichkeit nichts zu überbietender Deutlichkeit erklärt, daß die Sozialdemokratie anderes als eine gefarnte antifozialdemokratische und zwar ohne irgendeine eigene Bedingung Aktion ist. Die„ Rote Fahne " sucht sich durch die übelsten zu stellen- jederzeit bereit sei, für einen Kandidaten zu Schimpfereien zu helfen, verschweigt aber ihren Lesern, daß stimmen, durch dessen Wahl ein faschistisches Landtagspräfi- wir für unsere Behauptung durch Abdruck eines geheimen dium verhindert werden könne. Worauf es der Sozial- Rundschreibens der 3. den schlüffigen Beweis geliefert demokratie allein ankomme, sei die praktische Siche= haben. Sie druckt das belastende Dokument nicht ab und rung einer solchen Mehrheit. Diese Mehrheit beweift damit ihr Schuldbewußtsein. fam nicht zustande, weil das Zentrum über die Abgabe weißer Stimmzettel hinaus sich zu einem positiven Handeln nicht entschließen konnte.
Die Sozialdemokratie hat also nichts getan, um die Wahl eines antifaschistischen Präsidenten zu verhindern