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Nr. 166.

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für 1891 unter Nr. 6469.

Vorwärts

8. Jahrg.

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Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: Beuth- Straße 2.

Nothstand

Sonntag, den 19. Juli 1891.

wird darauf aufmerksam gemacht, daß zahlreiche

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Expedition: Beuth- Straße 3.

regnet, zu befürchten sein.

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schwere Schädi­

faffen die Sache gar nicht ungeschickt an. Die Regierung Politische Leberlicht. Berlin , 18. Juli. bei Bourgeoisie und Junkerthum. Bauerngemeinden" in Ostpreußen an zu großem Besize" leiden, der schlecht arrondirt The rain it raineth everyday- der Regen regnet Wenn die allernothwendigsten öffentlichen Wohlfahrts- und verschuldet ist. Die Regierung soll nun dazu jeden Tag- es regnet und gewittert das Getreide hat einrichtungen zu Gunsten der Arbeiter gefordert werden, beitragen, diesen Besitz zu konzentriren, denn auf privatem fast in ganz Deutschland sich gelegt und was das be­so stimmt der Chorus der oberen Zehntausend" ſein Wege ließen sich die zerstreuten und zur Landwirthschaft deuten will, das weiß jeder Landwirth altes Klagelied von den übertriebenen Ansprüchen der schlecht geeigneten Stücke Landes nicht veräußern. Man gung, wenn baldigst Trockenheit eintritt- Vernichtung der Arbeiter an den Staatssäckel an. Je weniger aber in spekulirt auf die Summen, die im Staatshaushalt alljähr- Ernte, wenn die nasse Witterung fortdauert. Und ähnliche Nachrichten kommen aus Rußland , dieser Richtung geschieht, um so eifriger ist die Kapitalisten- lich für die Aufforstung brachliegender Strecken aus- kommen aus Indien . Gestern hatte der Reichs- Anzeiger" klasse in dem Bestreben, die Mittel des Staates für ihre gesetzt sind. Der Staat soll mit diesen Summen die die Bevölkerung mit der Hoffnung trösten wollen, daß eine speziellen Interessen heranzuziehen und sich so auf Außenländereien besagter Bauerngemeinden erwerben, um günstige Weizenernte in Indien zu erwarten sei. Hente Kosten der gesammten Steuerzahler Vortheile zu ver- Aufforstungen planmäßig darauf vorzunehmen, und die meldet Reuters Bureau" aus Bombay, man besorge in­schaffen. Die Herren vom beweglichen und unbeweglichen vom Fiskus zu erstattenden Kaufsummen sollen dann zur folge mangelnden Regens in vielen Gegenden Indiens eine Kapital gehen mit einem Feuereifer vor, der einer besseren Tilgung von Hypotheken verwendet werden. Mißernte, insbesondere werde in den Territorien von Sache würdig wäre. Gelegentlich der Reise, welche die Minister Miquel Vorsichtiger Weise spricht man beim ersten Anklopfen nur Buttiala und Kaparthala das Auftreten einer Hungers­von den Bauerngemeinden"; aber im Hintergrunde noth befürchtet. Nun, die Hungersnoth wird, wenn die und von Berlepsch zur Untersuchung des Noth- lauern die großen Grundbesitzer, die bei dieser Dinge so weiter gehen, bald nicht mehr blos in Indien , standes in den östlichen Provinzen unternommen Gelegenheit gar zu gern die werthlosen und minder- o es zu wenig regnet, sondern auch dort, wo es zu viel haben, treten merkwürdige Erscheinungen dieser werthigen Theile ihrer Besitzungen und zugleich ihre Bon Neuem sind die Noggenpreise an der Art zu Tage. Man sollte meinen, der Noth­stand herrsche im Osten hauptsächlich bei den Groß- Hypotheken los werden möchten, die sie wegen stande s- Berliner Börse gestiegen. Sie haben am Freitag um bis fapitalisten und Großgrundbesitzern, und die wohlgesinnte nöthigt gewesen sind. Es ist also im Kern ein ganz erhöhung" noch führen? Wovon soll die Arbeiterklasse bei gemäßen" Lebenswandels aufzunehmen ge- 2 M. angezogen." Wohin wird diese beständige Preis­Presse, die den Nothstand bei den Berliner Arbeitern niedlicher Plan, die Schulden der ostpreußisinkendem Verdienst und vermehrter Arbeitslosigkeit das leugnet, wird an den Nothstand der ostpreußischen Junker schen Junker auf Kosten des gesammten theuere Brot bezahlen? Wahrlich, die deutsche Regierung hat eine Verantwort und Bourgeois um so lieber glauben. Volkes in Preußen zu bezahlen. lichkeit, deren Last ihr die Schultern brechen kann, auf sich Da sind die beiden Minister nach Elbing ge­Unwillkürlich erinnert man sich dabei an die bekannte genommen, als sie die Suspension der Getreidezölle rund­tommen und sofort haben die dortigen nothleidenden In­weg abschlug. Und keine der kontinentalen Regierungen, dustriellen und Rheder sich mit einem Nothschrei an sie schlesische Milliarde". Als in Schlesien die Feudallasten vollends abgelöst welche Boll auf Getreide gelegt hat, besitzt soviel Selbst­gewendet. Diese armen Herren können die Kosten für den Elbinger Hafen nicht mehr tragen. Sie berufen wurden und man dabei eine neue Auftheilung und Ar- vertrauen, Herrn von Caprivi auf diesem Wege zu folgen. sich darauf, daß dieser Hafen auch dem Elbing- Ober- rondirung des Bodens vornahm, wußten die" armen" So wie Frankreich den Getreidezoll herabgesetzt hat, hat ländischen Kanal diene. Die Industriellen und die Rheder Junker und Magnaten diese Gelegenheit so schlau zu be- ihn jetzt auch Portugal ermäßigt. Machen in Deutschland wirklich nur oftpreußische von Elbing haben behufs Verfrachtung ihrer Produkte nutzen, daß sie die besten Ländereien bekamen, während das größte Interesse an dem Hafen und an dem Kanal; die ,, wüsten Huben" den Bauern zufielen. Wil- Junker auf dem Pirschstande die Politik? Eine Politik, - der bekannte Kasematten- Wolff", welche je länger je tiefer in das Fleisch des Volkes schneidet. da sie nun ihre Stadtgemeinde nicht so hoch besteuern helm Wolff- der bekannte Kasematten- Wolff", Schonung für fürstliche Personen. Wir lesen in können, um die Unterhaltungskosten für den Hafen aus derselbe, dem Karl Marx das Kapital" gewidmet dem Kleinbürger und Arbeiter herauszuschlagen, wenden hat stellte damals in einer großes Aufsehen erregenden ordnungsparteilichen Blättern: sie sich als arme Nothleidende" an die Regierung mit Berechnung fest, daß die schlesischen Junker bet dieser der Bitte, den Hafen von Elbing auf den Staat zu über- Arrondirung" eine Milliarde verdient hätten. Wir fürchten, nehmen. Nichts wäre einfacher, als daß diese Herren die ostpreußischen Junker verstehen das Arrondiren" eben selber Zuschüsse für den Hafen leisteten, der ihnen in so gut als die schlesischen, und werden, wenn man auf erster, den schon so schwerbelasteten Arbeitern und ihren Vorschlag eingeht, sich ein hübsches Sümmchen auf Kleinbürgern erst in zweiter und dritter Linie zu Gute Kosten der Steuerzahler zulegen. Sie haben es aber auch nöthig, die Herren; sie tommt. Aber so bescheiden sind die Herren nicht; da follen alle Steuerzahler des Landes herangezogen werden, brauchen die Arrondirung" schon, um ihre Dächer mit um den Herren ihren Kapitalprofit zu sichern! Ziegein oder wenigstens mit Schindeln decken zu können; Die nothleidenden" Junker in Ostpreußen leiden daß sie nur Strohdächer haben, hat man ja unlängst im noch weniger an Uebermaß von Bescheidenheit. Diese Abgeordnetenhause gehört. Wie man da nur so grausam wollen den Nothstand benutzen, um ihre Schulden sein und gegen die Arrondirung" überhaupt noch etwas ganz oder theilweise los zu werden. Sie einwenden kann!

Feuilleton.

Machbruc verboten.]

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Die Falkner von St. Vigil. Roman aus der Zeit der bayerischen Herrschaft in Tyrol von Robert Sa, weichel.

Die stille Hoffnung der bona Uschina war nun wohl erfüllt, doch mußte sie sich bald gestehen, daß der Ver­lorene fich nimmermehr erholen würde. Zu Schreckliches hatte er auf dem Rückzuge aus Rußland erdulden müssen, als daß selbst die sorgsamste Pflege der Mutterliebe dem erschöpften Organismus frische Kräfte einzuflößen vermocht hätte. Er war der Mutter nur wiedergegeben, um in ihren Armen zu sterben.

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Elendes dieser rastlosen Flucht vor der entschlichen Kälte, dem Hunger, dem erbarmungslosen Feinde und der rachedürstenden Bevölkerung.

" Herr Gott, Dich loben wir; Du bist gerecht!" sagte Mutschleitner aus tiefstem Herzen. Amen!" tönte es feierlich durch die Stube. Die Tage der Schmach waren vorüber und eines Tages brachte Mutschleitner aus Bruneck ein neues Lied mit. Hei, wie brauste da zu den Klängen der Zither der Männerchor:

Das Volk steht auf, der Sturm bricht los, Wer legt noch die Hände feig in den Schooß? Pfui über Dich Buben hinter dem Ofen, Unter den Schranzen und unter den Hofen!

Bist doch ein ehrlos erbärmlicher Wicht, Ein deutsches Mädchen küßt Dich nicht, Ein deutsches Lied erfreut Dich nicht, Und deutscher Wein erquickt Dich nicht. Stoßt mit an,

Einzelne deutsche Zeitungen haben in der letzten Zeit sich wiederholt zu dem Unfug mißbrauchen lassen, über Familien­mitglieder des mit dein Deutschen Reich und Seiner Majestät dem Kaiser Wilhelm auf das Innigste verbündeten Monarchen Desterreich- Ungarns gänzlich unwahre Nachrichten zu veröffent­lichen. Da deutsche Zeitungen auch dadurch getäuscht und irregeführt wurden, daß die Blätter, welche jene falschen Mit­theilungen publizirt haben, unerhörter Weise die Wiedergut­machung des begangenen Unrechtes versäumt haben, wird von tompetenter Seite nachstehendes, auch im ungarischen Regies rungsblatte Nemzet" zur Veröffentlichung gelangendes amt­liches Dementi mitgetheilt:

Während das Heiligthum des Familienlebens eines Privaten selbst von den verderbtesten Winkelblättchen der modernen Journalistik einer gewissen ängstlichen Schonung theilhaftig wird, ist die aufdringliche Indiskretion selbst

Stasi flagte nicht länger; sie unterdrückte ihren Schmerz, und er füßte sie, seinen Buben und ein kleines, das noch an der Mutter Brust lag, mit voller Liebe, nahm seinen Stutzen von der Wand und zog davon.

Herr Zengerl las fleißiger als je die Zeitungen und in dem Herrenstübl wurde lebhaft politisirt. Der Vikar mußte oft Del auf die hochgehenden Wogen gießen. Er war ein allseitig vermittelnder Herr, der, zwischen Thür und Angel stand, und den Korsen erst entschieden fallen ließ, als auch Bayern auf die Seite Deutschlands trat. Für Lisei war es ein schöner Augenblick, als der Vater davon aus den Zeitungen vorlas. Er borgte sich die Blätter von dem Landrichter und las daheim die Siegesnachrichten und Kriegss berichte seiner Tochter und Stafi vor. Stasi sah das stille Glück aus den grauen Augen ihrer Schwägerin leuchten und füßte sie. Ihr nach Junen gewendetes Gemüth hatte Lisei längst durchschaut und wenn Ambros gelegentlich geäußert, daß Lisei wohl wieder heirathen würde, denn an Freiern tönnte es ihr jetzt nicht fehlen, dann hatte sie ihn am Ohr­läppchen gezuppt und einen ganz dunimen Brost gescholten. Frieden! Die siegreichen Heere zogen heimwärts. Eines Tages besuchte Lisei das Gamsmanndl, das an rheumatischen Schmerzen schon seit längerer Zeit einsam Während diese mit einem Schwert im Herzen den Sohn und hilflos zu Bett lag. Sie sah oft nach ihm und er in ihre Arme schloß, erzählte Vigo unten in der Schenkstube, quickte sein altes Herz mit den Siegesnachrichten von den ach dem er sich erwärmt und durch Speise und Trank ge­Verbündeten. Als sie jetzt von ihm kam und den Weg Stärkt hatte, Mutschleitner und seinen Gästen, deren die schrocken an und klagte: Neugierde immer mehrere herbeilockte, von der furchtbaren Du willst wieder in den Krieg? Willst mich und zur Laufbrücke verfolgte, wurde sie von einem leichten Ge­fährt überholt. Sie trat bei Seite, um es vorüber zu Vergeltung, welche den stolzen Alexanderzug Napoleons die Kinder verlassen?" Fürs liebe Vaterland muß ich in den Kampf ziehen," lassen. Zwei Männer saßen auf dem Sitze hinter dem in den unwirthlichen Steppen Rußlands ereilt und sein Der ewige Ruhestörer Kutscher. Der eine trug die Offiziersuniform der öster­ungeheures, aus allen Völkerschaften des Festlandes gebil- entgeguete er mit weichem Ernst. betes Heer vernichtet hatte. Seinen Zuhörern sträubte sich muß vom Thron herunter der Geist Hofers wird uns reichischen Scharfschützen, der Andere einen bürgerlichen An­zug. Lisei sah und es zog ihr wie ein Nebel vor die Augen. das Haar bei seinen Schilderungen der Leiden und des fhren!"

Der Zufall hatte ihn auf der Flucht aus den russischen Eissteppen mit Bigo zusammengeführt, und ihm hatte er es zu verdanken, daß sein letzter Wunsch erfüllt wurde und er noch einmal seine kleine Mutter wiedersah.

Mann für Mann,

Wer den Flammberg schwingen kann!" Da faßte Ambros sein Weib in seine Arme und sagte: Herzliebster Schatz, jetzt muß ich Abschied nehmen, der Hofer ruft!"

Stafi blickte ihn mit ihren schönen braunen Augen er­