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BERLIN Freitag 15. Juli 1932

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Der Abend

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Nr. 330

B 160 49. Jahrgang

Hungerrevolte in Weimar

Empörung über die Kürzung der Unterstützung

Weimar , 15. Juli. ( Eigenbericht.)

In der Landeshauptstadt Weimar ist es heute in den Vormittagsstunden zu Unruhen und Zusammen­it öken zwischen den Wohlfahrtsunterstützungs­empfängern und der Polizei gekommen, wobei die Polizei von dem Gummiknüppel Gebrauch machte.

Die Veranlassung hierzu war eine Kürzung der

Amerika läßt sich nicht zwingen

Unterstützungssäte bis zu 10 Proz., die heute durchge­führt werden sollte. Die Kürzungen sind auf Veranrichtet, führt werden sollte. Die Kürzungen sind auf Veran lassung des Oberbürgermeisters erfolgt.

Die Wohlfahrstunterstützungsempfänger bildeten einen Demonstrationszug in Stärke von etwa 200 Mann und zogen vor die Wohnung des Oberbürger. meisters. Dieser wurde aufgefordert, Aufschluß zu geben. Auf der Straße kam es dann zu Tätlichkeiten gegen den Oberbürgermeister.

In der Frauentorstraße wurde eine Hakenkreuzfahne heruntergeholt. Auf dem Wohlfahrtsamt wurden einige Beamte sowie der Leiter bedroht. Die Ruhe ist wieder hergestellt.

Hilfe! Hilfe!

Sugenberg ruft Polizei gegen Naziterror!

Kiel , 15. Juli. ( Eigenbericht.) Der Kreisvorstand der Deutsch nationalen Volks­partei hat an den Regierungspräsidentn im oldenburgischen Landesteil Lübeck eine Eingabe gerichtet, in der auf die Ausfüh­rungen eines nationalsozialistischen Debatteredners in einer Wahlversammlung der DNBP. in der Nähe von Eutin Be­in einer Wahlversammlung der DNVP. in der Nähe von Eutin Be­

zug genommen wird.

Der Redner, der Eutiner Kreisführer der NSDAP. , Dr. Saal­feldt, habe die Agitation der DNVP . mit den schärfsten Kraftaus­drücken bedacht und erklärt, wenn die Deutschnationale Volkspartei eine derartige Wahlagitaoin weiter betreibe, würden die National­sozialisten ihre Versammlungen sprengen und die Bude furz und klein schlagen.

Zum Schluß der Eingabe wird der Regierungspräsident gefragt, was er zu tun gedente, um derartige Gewalttätigkeiten zu verhüten, dem Terror der NSDAP . wirkungsvoll entgegenzutreten und der Deutschnationalen Bolkspartei die Rede- und Bersammlungsfreiheit zu gewährleisten.

Mittlerweile wird also auch den Deutschnationalen vor ihren Harzburger Freunden angst und bange. Die Deutschnationalen merden sich allerdings nicht beklagen dürfen, wenn ihr Hilferuf in der Deffentlichkeit kein Echo findet. In den Wahlkämpfen der legten Zeit hat die deutschnationale Presse, an der Spitze die Hugen­bergmeute, mit Behagen den SA.- Terror gegen die Republikaner unterstützt. Sie hat systematisch die republikanischen Abwehraktionen in Ueberfälle auf harmlose SA. - Leute umgelogen und eine Heize gegen die Eiserne Front eröffnet, die ihresgleichen sucht.

Wenn sie jetzt einmal das wahre Gesicht ihrer rechtsradikalen Freunde zu sehen bekommen, so kann dies auf die Mannen um Hugenberg nur erzieherisch wirken.

Nazis fürzen Beamtengehälter-

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wo sie an der Macht" sind. Neustrelit, 15. Juli. Nach zweitägigen Verhandlungen wurde gestern abend der Etat für Medienburg- Strelig für das Jahr 1932/33 mit den Stimmen der Deutschnationalen und der Natio= nalsozialisten angenommen. Zur Deckung des Fehlbetrages wurde die Regierung ermächtigt, eine Gehaltskürzung der Beamten vorzunehmen. Die Nationalsozialisten wünschten zu­nächst eine Freigrenze von 5000, später von 3800 M. Sie stellten schließlich einen Entschließungsantrag, wonach die Regierung gebeten wird, aus Billigkeitsgründen Beamten mit Gehältern unter 3800 m. die Kürzungen gegebenenfalls zurückzuvergüten. Die Sozialdemokraten stimmten gemeinsam mit den Kommunisten gegen die nurhme des nationalsozialistischen Haushaltsplans.

Ein Brief Hoovers an Borah

Washington, 15. Juli.

Dabei steht die Frage, wo die jetzige oder künftige die Ratifizierung des Abkommens hernehmen will, nicht ein­Reichsregierung die parlamentarische Mehrheit für mal im Vordergrund der Zukunftssorgen.

Noch viel rätselhafter ist die Frage, ob und wann die europäischen Gläubigermächte, also vor allem Eng= land und Frankreich , das soeben unterzeichnete Ab­tommen ratifizieren werden. Sie haben sich durch eine Vereinbarung zwischen Ehrenmännern" gegenseitig dazu verpflichtet, diese Ratifizierung erst dann vorzu­nehmen, wenn die Vereinigten Staaten ihnen ent­sprechende Streichungen ihrer eigenen Schulden gewährt haben werden.

richtet, in dem er die Stellung der Vereinigten Staaten zu den Präsident Hoover hat an Senator Borah einen Brief ge­Lausanner Abkommen darlegt. In dem Schreiben heißt es: Die Re­gelung des ftriffigen europäischen Problems und anderer politischer und wirtschaftlicher Fragen, die die Erholung Europas behinderten, erfüllt das amerikanische Bolt mit Befriedigung. Diefe Be­schlüsse bedeuten einen wirklichen Fortschritt in der Re­parationsfrage und werden erheblich zur Stabilisierung der Wirt­jchaft beitragen. Ich möchte aber ausdrücklich darauf hinweisen, daß die Vereinigten Staaten vor den fürzlich in Lausanne abge­fchloffenen Vereinbarungen nicht um Rat gefragt worden sind, und daß sie an allen solchen Bereinbarungen in feiner Weise teilhaben und durch sie auch in keiner Weise verpflichtet Daß dies auf keinen Fall vor der amerikanischen Prä­find. Ich glaube nicht, daß es die Absicht irgendeiner dieser Ber- sidentenwahl, also vor Ende des laufenden Jahres geschehen einbarungen ist, ein gemeinsames Vorgehen unserer kann, wird allgemein zugegeben. Immerhin konnte man Schuldner zu bewirken. Sollte aber doch irgendein Abkommen so auf Grund verschiedener Andeutungen, die im Anschluß an ausgelegt werden, so würde ich es nicht zulassen, daß das verschiedene Besprechungen Macdonalds und Herriots mit amerikanische Bolt zu irgendeinem Schrift in irgendeiner Richtung den amerikanischen Abrüstungsdelegierten während der Lau­gezwungen wird, oder daß unsere Politif in irgendeiner Weise durch fanner Konferenz gemacht wurden, den Eindruck gewinnen, offene oder versteckte Kombinationen beeinflußt wird. als ob Hoover unter der Hand weitgehende Zugeständ­nisse solcher Art für die Zeit nach der Wahl in Aussicht ge­stellt hätte. Aber die Bekanntgabe dieses innereuropäischen Gentlemen- Agreement hat in Amerika eine derartige mehr oder minder künstliche Empörung ausgelöst, daß Hoover in seinem Schreiben an Borah jede Zusage dieser Art ent­schieden verneint.

Welche Auslegung ist richtig?

London , 15, Juli.

Die Morgenpresse unterstüßt die anläßlich der Veröffentlichung des Gentleman- Agreement, des neuen Konsultativ- Abkommens, und verschiedener amtlicher Erläuterungen zutage getretenen Bemühungen der Regierung, das Mißtrauen in Amerika zu zerstreuen. Daily Herald" sagt, zwischen Herriots Erklärungen über eine neue Entente cordiale und der Auffassung Macdonalds von dem neuen Abkommen schienen offenbar Gegensätze zu bestehen. Von seiten der britischen Regierung sei kategorisch erklärt worden, sie werde sich nicht an einer gemeinsamen Forderung Europas gegen über den Vereinigten Staaten beteiligen. Diese Erklärung werde hoffentlich das Mißtrauen und die Furcht beseitigen, die durch un­diplomatische Haltung in Lausanne und anderswo entstanden sei.

Alles hängt in der Luft!

Die Lausanner Konferenz ist kaum vorüber und schon entrollt sich vor aller Welt ein geradezu groteskes Bild: Alles hängt in der Luft!

Wir wissen doch...

Notver­ordnungen

Renten­Kürzungen

Steuern

Iwer dahinter steckt!

freiheit zu dem Zwecke, seine Wahlaussichten nicht zu ver­Vielleicht ist das nur eine Demonstration der Handlungs­schlechtern. Vielleicht zeigt sich Hoover gerade jezt unnach­giebig, wo in Genf die Entscheidung über seinen eigenen, die europäischen Mächte, insbesondere Frankreich schließlich weitgehenden Abrüstungsplan fallen foll: nehmen ihn doch an, dann wird er wahrscheinlich über Schulden­streichungen eher mit sich reden lassen.

Einstweilen aber zeigt Amerika seinen europäischen Schuldnern die falte Schulter, so daß auf absehbare Zeit mit einer Ratifizierung des Lausanner Vertrages durch die Gläubiger Deutschlands nicht gerechnet werden kann. Die Ratifizierung durch Deutschland ist ein nicht minder rätselhaftes Kapitel, denn sie seht entweder einen vernünftig zusammengesezten neuen Reichstag oder einen Umfall der Nationalsozialisten im Sinne der internationalen Verständi­gungspolitik voraus.

Und wenn nicht ratifiziert wird was dann? Nach dem Wortlaut der Lausanner Vereinbarungen zwischen den Reparationsgläubigern lautet die Parole: 3 urück zum Young Plan!" Reichskanzler v. Papen hat es vor­gezogen, diesen nicht unwichtigen Punkt in Lausanne nicht restlos zur Klärung zu bringen. Er hat zwar die Frage auf­geworfen, sich aber mit der recht dürftigen Antwort begnügt, daß dann eine neue Konferenz stattfinden müßte...

Die Wolfenbruch- Nacht.

Bon Mitternacht bis heute vormittag 600 Alarme.

Das nächtliche Gewitter, das wiederum nur eine schwache Ab­fühlung gebracht hat, war von wolkenbruchartigem Regen begleitet. Bereits gegen 10 Uhr war fernes Donner­grollen in Berlin zu vernehmen, aber erst nach Mitternacht fam das sehr langsam heraufziehende Gewitter zur Entladung.

Durch den langanhaltenden Wolkenbruch wurden fast in allen Stadtteilen Ueberschwemmungen verursacht. Besonders die tiefer= gelegenen Straßenzüge wurden überflutet, teilweise er­reichte das angestaute Wasser eine Tiefe von 1 Meter und drang in Lager- und Wohnkeller ein. Bei der Berliner Feuerwehr herrschte in der Nacht Hochbetrieb; unaufhörlich liefen die Hilferufe auf der Hauptfeuerwehrwache ein. Etwa von 2 Uhr ab mußte der Feuer= wehr Ausnahmezustand verhängt werden. Bis heute vor