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Sonnabend

23. Juli 1932 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf.

Morgenansgabe

Nr. 343

A 169

49. Jahrgang

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Vorwärts

Berliner Bolksblatt

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Heimannsberg frei!

Beschuldigungen gegen ihn zusammengebrochen.- Auch Carlbergh frei.- Major Encke noch in Haft.

In

später Abendstunde wird bekannt, daß Polizeioberst Heimannsberg und der Char­ lottenburger Reichsbannerführer Carlberghaus der Militärhaft in Moabit wieder entlassen worden sind. Dagegen soll Polizeimajor Encke noch in Schuthaft behalten werden.

Die amtliche Meldung.

Der Militärbefehlshaber für Berlin und Branden­ burg teilt mit:

,, Aus Kreisen der Schutzpolizei war dem Militär­befehlshaber am 21. Juli 1932 dienstlich gemeldet wor den, daß der Polizeimajor Ende im Einvernehmen mit dem Polizeikommandeur Heimannsberg und Herrn Carl­bergh die Wiedereinsehung des Polizei tommandeurs Heimannsberg in sein bis, heriges Amt auf gesetzwidrigem Wege betreibe.

Auf Grund dieser Anzeige wurden die drei Ge­nannten am frühen Morgen des 22. Juli in Schuhhaft genommen.

Die Untersuchung, die sich über den 22. Juli hinge­zogen hat, hat ergeben:

Die Ermittlungen gegen den Polizeimajor Ende geben Anlaß zur Einleitung einer strafrechtlichen Ver­folgung. Er verbleibt in Schuhhaft.

Dem Polizeikommandeur Heimannsberg konnte die Teilnahme an den Bestrebungen des Polizei­majors Ende nicht nachgewiesen werden. Polizei kommandeur Heimannsberg hat betont, daß er solche Be­strebungen unter allen Umständen ablehnen würde. Der gegen Herrn Garlbergh bestehende Verdacht hat sich nicht ausreichend bestätigt.

entlassen."

Wie zu erwarten war, ist Oberst Heimannsberg aus der Haft entlassen worden, weil ihm keinerlei Schuld nach­gewiesen werden konnte!

Abteilung IIa, Dienſt tat, unterhielt. Endewiederum stand in Verbindung mit dem Reichsbannerführer Carlbergh. ,, Man gewann fo den Eindruck", daß Heimannsberg auf dem Um­wege über Ende die sozialdemokratisch gesinnten und im Reichs­banner organisierten Schußpolizeibeamten Berlins und das Reichsbanner zu Rundgebungen zu feinen Gunsten veran­lassen wollte. Was unter diesen ,, Kundgebungen" von seiten Heimannsbergs und Endes zu verstehen ist, wird die Unter­suchung, die noch im Laufe des heutigen Tages zum Abschluß ge­langen dürfte, ergeben. Heute morgen in aller Frühe wurden deshalb Heimannsberg , Ende und Carlbergh festgenommen. Gleichzeitig wurden die Wohnungen von Heimannsberg und Ende durchsucht. Während bei Heimannsberg nichts gefunden wurde, fand man in der Wohnung des Polizeimajors Ence einen Brief, der angeblich Heimannsberg , Ende und Carl­bergh schwer belastet

Nach diesen authentischen" Mitteilungen mit ihrem joll" und werden" folgt dann unvermittelt, daß Heimannsberg ( und doch auch wohl die beiden andern?) vor ein auf Grund der Ausnahmeverord nung zu errichtendes Sondergericht, gestellt werde, das in türzester Frist ihn aburteilen solle.

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Die Haftentlaffung Heimannsbergs und Carlberghs zeigen, was von dem Gerede übrig blieb!

Hafenkreuz- Lügenkreuz!

Die Hungerdiftatoren leugnen die Wahrheit.

Die Hungerdiktatoren von der NSDAP . bestreiten wütend die Echtheit des gestern morgen von uns veröffentlichten Dokuments, das ihnen endgültig die Maste Dom Gesicht reißt. Sie wollen immer noch dem Volke vor­lügen, daß sie mit dem Hungerdiktat nichts zu tun hätten, sie wollen a bleugnen, daß sie das Volk bei Hungerlöhnen in ein Zuchthaus pressen wollen!

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Wir hatten nichts anderes erwartet als diesen Ab= leugnungsversuch! Schamloser als die Partei der Notverord­nungsjacken hat noch niemals eine Partei das Volk zu be= trügen gesucht aber noch niemals auch fonnte Volksbetrügern so gründlich die Maste vom Geficht geriffen werden! Sie haben zunächst zu leugnen versucht, daß sie das Kabinett Papen tole rieren, sie haben eine Scheinoppofition gegen die Hitler­Notverordnung zu marfieren gesucht, als sich der Zorn der

Provokation durch Gerüchte. Betrogenen gegen fie erhob. Sie haben mit einstweiligen

Hütet euch vor wilden Gerüchtemachern. Gestern wurden im ganzen Reich wie in Berlin eine Reihe der unsinnigsten Gerüchte systematisch verbreitet. Diese Gerüchte sind hier und da in etwas veränderter Form

Severing im Rundfunk.

bis

Verfügungen die Wahrheit zu vergewaltigen gesucht mit Keulenschlägen ihre Ableugnungsversuche niederge­schmettert wurden! Die dokumentarischen Beweise, die das Zentrum für die Nazikoalition mit Papen beigebracht hat, das Zeugnis des Genossen Löbe, der sich auf die höchste Stelle im Reich berufen kann sie sind unwiderleglich!

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Wie die bissigen Hunde wehren sie sich gegen die Wahr­heit aber umsonst!

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Ihre Methode heißt: leugnen mit eiserner Stirn, sich die Am Sonnabend vor der Wahl spricht Carl Severing Wahrheit Stück für Stück entreißen laffen, wenn die Lüge im Rundfunt. zusammenbricht!

Die beiden Lektgenanten wurden aus der Schutzhaft treter der politischen Parteien zu den Rundfunkhörern sprechen. In der letzten Woche vor der Wahl werden im Rundfunk Ber­Die Reihenfolge der Redner ist nach der Stärke der Parteien be­ftimmt. Den Anfang macht am Montag der Chriftlichsoziale Bolts­dienst, ihm folgen das Landvolk, die Staatspartei, die Bayerische Volkspartei , die Wirtschaftspartei, die Deutsche Volkspartei , die Deutschnationalen, das Zentrum, die Nationalsozialisten und die Sozialdemokratische Partei . Für die Sozialdemokratische Partei war Otto Wels als Redner vorgesehen. Otto Wels hat Carl Seve­ ring jedoch gebeten, für ihn die Rundfunkrede zu übernehmen. Severing hat sich dazu bereit erklärt. Er spricht am 30. Juli von 19.00 bis 19.25 Uhr. Die Rede wird über den Deutschlandfender gehalten und auf alle Sender übertragen.

Welchen Eindruck es hervorrufen muß, daß ein ver­dienter Offizier vom höchsten Rang mitten in der Nacht ver­haftet wird, um am Abend wieder freigegeben zu werden, weil alle Anschuldigungen gegen ihn völlig beweislos sind,- das können die Verantwortlichen sich hoffentlich selbst vor stellen!

Es ist in den letzten Tagen genug geschehen, was dem Ansehen Deutschlands nicht förderlich gewesen ist! Es ist jetzt an der Zeit zu bedenken, daß das Ansehen Deutsch lands in der Welt nicht weiter beeinträchtigt werden darf!

Was war in Moabit ?

Die abermalige Verhaftung des Polizeikommandeurs Heimannsberg und die militärische Inhaftnahme des Polizeimajors Encke, der beim Kommando der Schutz polizei amtiert, und des Charlottenburger Reichs bannerführers Carlbergh hat die Erregung in Berlin weiter gesteigert.

Die Angehörigen der Verhafteten schwebten in völliger Unge­mißheit. Dafür aber konnten die Gebärdenspäher und Gerüchteträger desto eifrigerarbeiten". Die Scherlpreffe, die sich den Anschein gibt, als ob sie besonders gute Beziehungen zum Wehrfreis fommando habe, erzählt dieses Geschichtchen, das wir wörtlich zitieren, um seinen Unsinn aufzuzeigen:

Nachdem Heimannsberg sich am Mittwoch schriftlich ver pflichtet hatte, alle Amtshandlungen zu unterlassen, hielt er sich in seiner Dienst wohnung im ehemaligen Polizeipräsidium Schöneberg auf. Er trat von dort aus in Verbindung mit dem Polizeioberst Stelse, dem Führer der Polizeigruppe Süd, der der Sozialdemokratischen Partei angehört. Die Unterhaltung zwischen Heimaysberg und Stelle foll aber nicht in 3u ammenhang stehen mit dem Vergehen, das Heimannsberg jezt zur Last gelegt wird.

Es wurde festgestellt, daß Heimannsberg Beziehungen zu dem Polizeimajor Ende, der im Kommando der Schutzpalizei,

in einer großen Anzahl deutscher Großstädte aufgetaucht, sie haben zum Teil auch ihren Weg in die Presse gefunden.

Seit gestern morgen wurde hartnädig immer wieder be­hauptet, daß der Bundesführer des Reichsbanners, Genosse Höltermann, verhaftet worden sei.

Ein

weiteres Gerücht, daß der Schwäbische Merkur" wiedergibt, behauptet, am Donnerstag sei auf dem Flughafen Tempelhof ein Sturmvogelflugzeug von Reichswehr am Start gehindert worden, dabei sei ein Koffer mit geheimem Aftenmaterial beschlagnahmt worden.

In Hamburg tauchte dies Gerücht in der Form auf, daß Genosse Grzesinski auf einem Sturmvogelflugzeug zu flüchten versucht habe, aber daran verhindert worden sei.

Ebenso war in mehreren Großstädten das Gerücht ver­breitet, daß in Berlin schwerste Straßenkämpfe stattgefunden hätten. 1 Alle diese Gerüchte sind erlogen!

Solche Gerüchte dienen der Erzeugung von Verwirrung und von Panikstimmung, sie werden zum Teil offenfundig verbreitet, um die Arbeiterschaft zu Unbesonnenheiten zu ver­leiten! Der Belagerungszustand und die Erregung, die er hervorgerufen hat, bilden einen günstigen Nährboden für solche Gerüchte. Es ist höchste Zeit, daß der Belagerungs­zustand verschwindet!

Vor allem aber: achtet auf Provokateure, die wilde Ge­rüchte in die Welt setzen!

streiten jetzt die Echtheit ihrer eigenen programmatischen Ent­Die Hungerdiktatoren in den Notverordnungsjacken be­würfe, fie verleugnen ihre eigenen Ziele!

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bei den Box= Das haben sie schon einmal versucht heimer Dokumenten! Bei jenen Dokumenten des Mordes und des Hungers, die aus demselben Geiste geboren find wie das Dokument, das wir gestern veröffentlicht haben. Damals haben sie erst Fälschung geschrien, dann haben fie über Spigelarbeit gezetert, später zogen sie sich auf Privatarbeit unverantwortlicher Personen in der Partei zurück, für die die Reichsleitung nicht verantwortlich fei und als einige Zeit verflossen war, da priesen sie Ge­sinnung und Verantwortungsbewußtsein" der Leute, die diese blutigen Dokumente verfaßt hatten und gaben ihnen höchste Ehrenämter in der Partei!

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Sie werden diesen Weg auch gehen gegenüber dem Do­lument, das wir gestern angeprangert haben! Wenn das Bolt sich nicht gegen sie wehren würde, so daß ihnen die Macht zufiele, so würden sie hohnlachend diese verruchten Pläne in die Wirklichkeit umsetzen, die sie heute noch ab­leugnen, weil ihr böses Gewissen den Urteilsspruch des

Volkes fürchtet!

Denn dies Dokument ift Geift vom Geifte der Borheimer Dokumente!

Die Hungersuppen, mit denen Dr. Best, der Borheimer Verschwörer, das Volk füttern wollte, und die 60 Pfennig Almosen, die das Berliner Dokument den Arbeitslosen hin­werfen will, sind gleich barbarisch.

Die Unterwerfung der Bevölkerung unter die blutige Dittatur von Hitlers Bürgerkriegsbanden, die das Box­heimer Dokument androhte, und die Besetzung Berlins durch eine volksfeindliche Bürgerkriegsarmee nach dem Berliner Dokument sie zeigen den gleichen Grad von Sadismus gegen das eigene Volk!

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Was soll dieser Ableugnungsversuch? Sind nicht die gravierendsten Gedankengänge des Berliner Dokuments, die dreistesten Angriffe auf die Rechte der Arbeiter und ihre Lebenshaltung in den parteioffiziösen Schriften und Pro­grammen der NSDAP . zu finden? Die Beschimpfung des