Einzelbild herunterladen
 

Nr. 97 8-9 50. Jahrg.

Redaktion und Berlag: Berlin SW68. Lindenstr. 3 Fernsprecher Amt Donhoff 292 bis 297 Telegrammabreffe Sozialdemokrat Berlin

Der Gonntag- Borwärts" erscheint jeden Sonntag mit der illustrierten Beilage Bolt und Zeit"

Monatsbezug 55 Pf in Berlin fret Haus einschließlich 9 Pt Zustellgebühren, im voraus zahlbar Postbezug monatlich 55 Bf( einschließlich 8 Pf Postzeitungs­gebühren) und 6 Bf Postbestellgebühren.

Sonntag­

Wählt Liste 2

Sozialdemokraten

Vorwärts

MIT WOCHEN­

UEBERSICHT

26. Februar 1933

In Groß Berlin 15 ẞf. Auswärts...... 20 Pf.

Bezucsbedingungen und Anzeigenpreise fiehe am Schluß des redaktionellen Teils

Preise weiter

Die Not wächst! Die Arbeitslosigkeit nimmt zu

Die Zeichen zunehmender Not häufen sich. Vom 8. bis 15. Februar war zum ersten Male seit langer Zeit der Groß­handelsindex wieder gestiegen und zwar von 90,5 auf 91,2 Prozent. Der Index für Schlachtvieh war um 7,9, der für Vieherzeugnisse( siehe Schmalz) um 3,3 Prozent gestiegen. Die Verteuerung war also bei den Lebensmitteln besonders stark.

In der Woche vom 15. zum 22. Februar ist der Großhandelsindex weiter gestiegen und zwar von 91,2 auf 91,7 Prozent. Die Lebensmittel sind von neuem stark verteuert worden. Der Schlachtviehindex stieg um neue 5,2 Pro­zent; ebenso stiegen die Preise für Butter, Speck und Talg. Die Preissteigerung ist die Folge der neuen Zollerhöhung. Steigende Preise bedeuten neue Aushöhlung der Kaufkraft. Die Not muß infolgedessen wachsen.

Gleichzeitig mit den Preisen steigt die Arbeitslosigkeit. Die erste Februarhälfte brachte im Reich 33 000, davon in Berlin allein 7000 neue Arbeitslose. Es sinkt also auch das Arbeitseinkommen. Das Tempo der wachsenden Not muẞ sich infolgedessen verschärfen. Kampf gegen die wachsende Not!

Wir ,, Verbrecher"

Von Reichsfinanzminister a. D.

Dr. Rudolf Hilferding

Die Nationalsozialisten sind an der Ma ch t. Aber sie sagen nicht, was sie machen wer­den. In vier Jahren soll die Arbeitslosigkeit beseitigt werden. Aber wie? Darüber ver­nimmt man fein Wort. Unterdessen werden die Zölle immer wieder erhöht, die Ausfuhr gerät immer mehr in Gefahr. 1929 haben wir für 13 Milliarden Mark Waren ins Aus land gebracht. 1932 betrug die Ausfuhr un­gefähr die Hälfte. Dieser Rückgang bedeutet unmittelbare Arbeitslosigkeit für mehr als 2,5 Millionen Arbeiter in der Exportindustrie. Die verminderte Kaufkraft dieser Arbeitslosen bedeutet wieder verminderte Nachfrage nach den Waren auf dem Inlandsmarkt. Fleisch, Butter, Fett, Milch, Eier können infolge der

Das arbeitende Volk muß zusammenstehen! Gemeinsam am 5. März für Liste 2 Arbeitslosigkeit weniger gekauft werden. Die

Ein Rekordtag Beschlagnahmen beim Bezirks­vorstand Berlin

Der Erlaß des Herrn Minister Göring, der die Polizei zu größerem Eifer in der Beschlag­nahme von Druckschriften anipornt, ist sichtlich nicht ohne Erfolg geblieben Die Kriminalpolizei, die seit Tagen in den Räumen des Berliner Be­zirksvorstandes ein ständiger Gast ist, beschlag­nahmte gestern aus dem Werbematerial der Partei nicht weniger als lieben verschiedene Druckschriften. darunter auch eine Karikatur, die seit dem Dezember vorigen Jahres nicht mehr verbreitet wurde und das schon weltbekannte Berschen über Salzsteuer und Schmalzzoll.( Be­steuert, verteuert...)

Was die Zahl der verschiedenen Druckschriften betrifft. kann der gestrige Tag als ein Rekordtag bezeichnet werden. Mengenmäßig war der Erfolg jedoch gering.

erheben und ihre Korrektur zu fordern. Man darf nun darauf gespannt sein, ob die Regierung Hitler ihre Vertretung in Genf unverzüglich anweisen wird, in diesem Sinne vorzustoßen.

daß die Reichsregierung Maßnahmen gegen die württembergische Landesregierung ergreifen könne. Aus Wahlreden des Herrn Staatspräsidenten Dr. Bolz und des Herrn Wirtschaftsministers Dr. Maier geht hervor, daß die Ausführungen des Reichsinnenministers zum Gegenstand von Berhandlungen zwischen der württem=

Wieder Nazi- Wahlverlufte! bergischen Regierung und der Reichs­

An der

Handelshochschule in Mannheim

Wieder erhielten die Nationalsozialisten bei den Studentenwahlen, diesmal an der Handels­hochschule in Mannheim , eine Wahl­niederlage. Sie erhielten 114 Stimmen, im Vor­jahr dagegen 151. Auch der Stahlhelmhochschul­blod ging von 71 auf 60 Stimmen- zurüd. Die vereinigte Harzburger Front, die in Listenver bindung aufmarschiert war, verlor also insgesamt von 222 Stimmen 48 Stimmen Die katholischen Studenten und die republikanische Liste konnten fich glänzend behaupten. Die Wahlbeteiligung be= trug 73 Proz. gegen 78 Proz. im Vorjahr bei

Redeverbot gegen Hilferding 427 Wahlberechtigten. Der Abstieg der Nazi­

Wuppertal, 25. Februar.

Von der politischen Abteilung des Wup­ pertaler Polizeipräsidiums wurde der SPD . im Hinblick auf eine Barmer Er­werbslosenkundgebung, in der Dr. Hil. ferding sprechen sollte, eröffnet, daß ein Redeverbot gegen Hilfer. ding bestehe.

bewegung an den Hochschulen geht also weiter.

Unruhe im Süden

Eigener Bericht des Vorwärts"

Stuttgart , 25. Februar.

Die sozialdemokratischen Abgeordneten Keil, Pflüger und Steinmayer haben im Württembergischen Landtag wegen der Diffe.. renzen, die gegenwärtig zwischen

Gaarkommiffion gegen G2. dem Reich und Süddeutschland bestehen,

Wiederzulassung abgelehnt

Saarbrüden, 25. Februar.

Die Regierungskommission des Saargebiets hat in ihrer gestrigen Sitzung eine Wiederzu­lassung der SA. und SS. der NSDAP . für das Saargebiet abgelehnt. Nach Einlauf einer näheren Begründung werden von der NSDAP weitere Schritte eingeleitet werden.

*

Die Regierungskommiffion des Saargebiets, die unter dem Vorsiz des Briten Krog steht, ist allein dem Völkerbundsrat verantwortlich. Im Völkerbundsrat hat Deutschland Sig und Stimme. Deutschland hat jederzeit die Möglichkeit, in Genf gegen Entscheidungen der Kommission Protest zu

folgende Anfrage eingebracht:

,, Dem Bericht eines Nachrichtenbüros zufolge hat der Herr Reichsminister des Innern in einer Wahlrede unter Berufung auf seine amt­liche Eigenschaft von der Möglichkeit gesprochen,

regierung gemacht worden sind. Diese Ber­handlungen sollen einen für das Land Württem­ berg sehr unbefriedigenden Verlauf genommen haben Die württembergische Bevölke­rung ist durch diese Nachrichten auf höchst e beunruhigt. Wir bitten daher das Staats­ministerium um Auskunft über den Inhalt der Verhandlungen zwischen der Landes- und der Reichsregierung und um Mitteilung darüber, welche Haltung die Regierung gegenüber etwaigen Eingriffen des Reichs einzunehmen gedenkt.

Neue Opfer

Schießereien in Berlin

In der Cuvrystraße unweit des Görlitzer Bahn­hofes tam es gestern abend zu einer schweren Schießerei.

Es wurden zwei Nationalsozialisten und zwei Passanten schwer verletzt. Einer der beiden Passanten ist auf der Rettungsstelle 4 verstorben. Es handelt sich um den 21jährigen Hilfsarbeiter Erich Schultz, der in der Görlitzer Straße 56 wohnte.

Eine weiter Schießerei wird vom Wedding gemeldet. Es gab einen Verletzten, der mit einem Oberschenkelschuß ins Staatsfrankenhaus gebracht

wurde.

Mowinkel, der Führer der norwegischen Radi falen, hat die Kabinettsbildung übernommen.

nur noch heute

liegen die Wählerlisten für Reichstags-, Landtags- und Kommunalwahlen aus, und zwar in Berlin in den Stunden von 10 bis 16 Uhr. Wer nicht in der Liste steht, kann weder am 5. noch am 12. März an der Entscheidung über das Schicksal Deutschlands und seiner politischen Rechte mitwirken. Darum darf niemand die letzten wenigen Stunden versäumen, um die Liste auf ihre Richtigkeit zu prüfen.

Preise sinken. Einfuhrverbot, Zollerhöhungen verlieren jede Wirkung. Sie helfen der Land­wirtschaft nicht, aber die anderen Staaten er­greifen Gegenmaßnahmen, der deutsche Er­port sinkt noch mehr, die Bauern können noch weniger verkaufen. Das Wort des früheren deutschnationalen Ministers Schlange= Schöningen erfüllt sich: Arbeiter= notist Bauerntod!

In vier Jahren, fagt die Regierungs­erflärung, foll ein großes Siedlungswert durchgeführt werden. Unterdeffen aber er­halten die Großgrundbesitzer im Osten neuen Schutz. Wo soll das Land zur Sied­lung herfommen, wenn der Großgrund­besitz erhalten bleibt? Kein Wort erfahren wir, wie die Siedlung durchgeführt werden foll.

Je weniger die neuen Herren über Gegen­wart und Zukunft sagen, desto mehr erzählen sie über die Vergangenheit. Nicht der verlorene Krieg mit seinen ungeheuren Opfern an Blut und Gut wird genannt, nicht die furchtbare Krise des Kapitalismus , die in den marristenreinen Vereinigten Staaten mit ihren 12 Millionen Arbeitslosen, in dem fa­schistischen Italien , in England, wie im ganzen Osten genau so wütet wie in Deutsch­ land . Nein, die Marristen sind schuld an allem, was ſeit 14 Jahren geschehen ist, ob­wohl seit 1918 von den 87 Ministern der Republik gerade 15 Sozialdemokraten waren. Die Marristen sollen den Waffenstill­stand vorzeitig gefordert haben? O nein! Es Luden= Hindenburg und dorff, die den sofortigen Abschluß auch unter den schwersten Bedingungen verlangt haben. Das Kabinett des Prinzen Mar von Baden aber, das erst gebildet wurde, als der Krieg schon verloren war, hat sich mit allen Kräften gegen die Ueberstürzung zur Wehr gesetzt. Doch das Diktat der Ober sten Heeresleitung zwang die Re­gierung dazu, den Waffenstill­stand nachzusuchen.

waren

Ein reiches und geordnetes Land, sagen die Nationalsozialisten, soll von den November­verbrechern übernommen worden sein. Große Vorräte, sagte Herr Hitler , seien vorhanden gewesen. Bon Millionen sei keine Mark übrig geblieben. Dann hätten die Marristen unter dem Minister Hilferding und Genossen das Verbrechen der Inflation verübt.

Wie war es aber in Wahrheit? Hatte nicht der vierjährige Erschöpfungskrieg und die Hungerblockade Deutschland von allen

Morgen, Montag, 1930 Uhr, Sportpalast