Nr. 2.
1. Jahrg.
Die
Arbeiterin
für die Interessen der Frauen und Mädchen des arbeitenden Volkes.
Organ aller auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Vereinigungen der Arbeiterinnen.
Eintracht macht stark Bildung macht frei!-
-
Redaktion: Emma Jhrer, Velten ( Mark). Expedition und Verlag: E. Jensen& Co., Hamburg , 35 Rosenstraße.
Erscheint wöchentlich einmal und zwar am
Sonnabend.
-
Annoncen pro Zeile 20 Pfennig. Vereine erhalten Abonnement pro Vierteljahr 1 Mart, Einzelnummer Rabatt. 10 Pf. Direft per Kreuzband Mr. 1,40.
Freunde und Freundinnen! Sorgt für die Verbreitung der Arbeiterin“! An alle Empfänger der Probenummer! tönnten auch die Arbeitslosen mit ihren Kleinen Zeitung , die sich nie scheuen wird, die Wahrheit Aus's Dringendste ersuchen wir um energische im Kreise ihrer Genossen die Sorge und Noth bitter, aus ihrem Kreise fern zu halten. BeZerbreitung der Probenummer( Mehrbedarf ſteht vergessen. Dann seid Ihr sicher, daß jedes Kind Sonders wird man wie seit Jahren gegen die ern zu Dienſten) und um schleunige Angabe der an Eurem Beispiel erstarken und der Geist der Theilnahme an Vereinen vorgehen und den ( bonnentenzahl, um die Auflage des Blattes wahren Liebe in sein Herz einziehen wird.
ststellen zu können.
Er haben von ca. 400 Städten, die mit 2000 Probenummern versorgt wurden, erst 10 ch gemeldet.
ein Weihnachtsfest feiern und ein paar Stunden auszusprechen, sei fie auch noch so traurig und
Wie würden jene armen Verkäuferinnen, die, wie uns durch das Volksblatt mitgetheilt wird, am Weihnachtsabend von ihren Arbeitgebern entlassen wurden, nachdem sie Wochen vorher halbe Wir bitten dringend um lebhafteres Agitiren Nächte lang umsonst gearbeitet hatten, wie würden ar das Organ, das nur bei allseitiger Unter- fie fich gefreut haben, wenn sie von dem hartüßung lebensfähig werden kann.
Weihnacht,
herzigen Egoisten fort, doch zu einer Weihnachtsfeier unter Genoſſinnen hätten gehen können mit dem Bewußtsein, dort wird jeder Anwesende eine Denkungsweise auf's schärffte verurtheilen, die
Mädchen mit Entziehung der Arbeit drohen. Doch dann wird unser Drgan die Namen Jener veröffentlichen und ihr Treiben ans Licht ziehen.
Wir hoffen am Ende des Jahres 1891 einen Schritt vorwärts gethan zu haben für die Gleich berechtigung der Frauen auf allen Gebieten!
Arbeiterschuß und Arbeiterschußgefehe.
I.
Seit die besißenden Klassen eingesehen haben,
as Fest der allgemeinen Menschenliebe" ist nur auf das eigene Jch bedacht ist. Mögen in daß es vorbei ist mit der gänzlichen Unterdrückung orüber, es feien uns einige Reflexionen darüber Zukunft alle Genossen, wo Weihnacht oder das und Bevormundung der Arbeiter beider Geschlechter, achträglich gestattet. alte Sonnenwendfest gefeiert werden soll, den be- daß es nicht gut länger angeht, die nach gerechterer
Die Geburt deſſen, der der damaligen Welt fizenden Egoisten, die höchstens vom Ueberfluß Besitzvertheilung energiſch verlangenden Arbeiter nur Freiheit und Erlösung aus der Knechtschaft brachte etwas abgeben, zeigen, daß ihre Liebe zur Mensch- Bettelsuppen zu verweisen, hört und liest man überall urch seine Lehren, sie wird noch heute festlich heit die größere und bessere sei, daß sie nicht nur von nothwendigem Arbeiterschuß. Was ist an guten jefeiert, ist diese Feier doch nur eine Fortsetzung ausreicht für die eigene Familie, sondern alle um- Rathschlägen in den letzten Jahren nicht alles für es altheidnischen Sonnenwendfestes und daher faßt, die da stets zu viel Liebe der Menschheit Jenen, die in der steten Furcht leben, daß es an ihre unsinniges Zeug zu Tage gefördert worden von In diese Zeit verlegt von den Religionsgründern. geben, zu viel Arbeit und dafür bisher ernteten: Taschen gehen würde, wenn ein thatsächlich Bie werben jedoch die uns durch die mythologische Demüthigung, Armuth und Unfreiheit! Wenn wirksamer Schuß gegen die immer weiter um Sage übermittelten Aussprüche des Weltheilandes wir selbst den letzten Rest des Egoismus ab- fich greifende Noth der Arbeiterklasse eingeführt efolgt? des Heilandes, der nicht nur einzelnen legten, Bevorzugten die Liebe brachte, sondern allen Renschenkindern!
Dann ahnungsvoll wird uns der Ruf erklingen, Nicht nur im Tod, wir sind auch im Leben alle
Die Worte beispielsweise:„ Liebe Deinen gleich! Nächsten wie Dich selbst!" Wer ist denn heute Die ganze Menschheit wird emper sich ringen, er Nächste des Reichen? etwa jene Arbeiterinnen zu gründen ein erneutes Liebesreich. ind Arbeiter, die da vom frühen Morgen bis Dem Weibe wie dem Mann sein Recht zu bringen, um Abend für ihn und die Seinen schaffen, um zu wahren mit des Friedens Palmenzweig. enselben dadurch ein glänzendes Dasein zu sichern, In lauterer Wahrheit stolzem Siegesschalle nie für sich dabei jedoch nur soviel erwerben, um Tönt's noch einmal:„ Erlösung fam für Alle!" ich von einem Tag zum andern den Hunger fern „ Erlösung fam für Alle!"
u halten? Weit gefehlt! Ihm find nur seine Familienmitglieder seine Nächsten, die vielleicht toch nie etwas thaten für sein Wohl.
Bum Jahresweifel
üchtigen Genossen beider Geschlechter? Habt Ihr
Und wie ſteht es mit der Liebe ber gefinnungs- bringt„ Die Arbeiterin" ihren Lesern einen
herzlichen Glückwunsch Fest der Liebe auch Jener gedacht, die da dar. Wir wünschen Ihnen und uns, daß es m Winter arbeitslos umher irren, deren Ange- unserem Organ gelingen möge, sein Theil beizuörige zu Haus im ärmlichen Stübchen hungernd tragen zur Befferung der Lage der Arbeiterinnen, nd frierend warteten auf ein paar Pfennige, um damit wir beim nächsten Jahreswechsel uns gegen penigstens am Weihnachtsabend sich satt effen zu feitig das Zeugniß ausstellen können:„ Wir haben önnen? An ein gegenseitiges Beſchenken ist ja unsere Pflicht erfüllt, wir sind trop Sturm und berhaupt gur nicht zu denken.
werden sollte!
Die Kapitalistenklasse, welche heute Alles beherrscht, weiß sehr wohl, daß die fapitalistische Brobuktionsweise verschwinden müßte, bei der Einzelne Millionen aufhäufen, jene Tausende fleißiger Hände, welche die Millionen erwerben, dagegen leer ausgehen und nur so viel für ihre mühsame Arbeit erhalten, um ein dürftiges Dasein zu fristen. Daß sie verschwinden müßte, um einem gerechteren System Blaß zu machen, das allein wäre der einzig wahre Schuß der Arbeiterklasse, wäre die Lösung aller Noth- und Mißstände.
Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es aber noch vieler Arbeit und hauptsächlich fehlen bei der Arbeit für die Lösung der sozialen Frage besonders noch der größte Theil der Frauen und Mädchen, die selbstthätigen Arbeiterinnen wie auch die Frauen der Arbeiter, die Mütter der heranwachsenden Generation.
Gerade das weibliche Geschlecht ist ja doppelt belastet und bedrückt von diesen Nothständen, sind es
doch gerade die Frauen und Mädchen, deren Löhne in den meisten Fällen noch geringere sind, als die Wirthschaftsgeld durch den immer tiefer sinkenden Lohn des Mannes und die andererseits immer zahl= reicher werdende Familie stetig mehr zu leiſten bat, haben diese nicht gerade den schwersten Kampf mit
des männlichen Arbeiters, und die Hausfrauen, deren
Sorge, Noth und Hunger zu bestehen?
immer größer wurde, da mußte man anerkennen,
Drang nicht vom Kampfplaz gewichen." Lange genug haben die Arbeiter ihre Forderun Sollte es für die Zukunft nicht ein Beweis Hoffnung und Muth find nöthig, denn wir gen durch die Volksvertreter kundgegeben und die on größerer Liebe sein, wenn wir dieses Fest dürfen es uns nicht verhehlen, daß uns die Zu- herrschenden Klassen saben sich endlich genöthigt, ticht mehr wie bisher im engſten Kreiſe feiern, funft nicht gerade nur Gutes bringen wird und etwas zu thun. Als die Zahl der Fordernden ondern wie wir jederzeit die gemeinsamen Ideen wir kampflos jetzt bald alle Frauen und Mädchen baß die Forderungen der Arbeiter, die man früher auch gemeinsam berathen und besprechen, uns werden heranziehen können zu unseren Organi- als übertriebene verlacht hatte, doch nur gerechtfertigt benso gemeinschaftlich zusammen finden. Jeder fationen; es bedarf der Anspannung aller Kräfte, seien, man gab jedoch mit der einen Hand, um mit nag sein Scherflein beitragen zum Sonnenwend- denn wie man bisher die Arbeiterinnen ein- ber anderen besto sicherer nehmen zu können. Man ging daran, Arbeiterschußgefeße zu aum und bei seinem Lichterscheine wollen wir schüchterte und sie von den Versammlungen fern schaffen und diesen lagen die von Arbeitern aufge= eiern das Fest der Zuſammengehörigkeit. Dann hielt, so wird man auch Alles aufbieten, diese stellten Bestimmungen zu Grunde. Bei den De