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Nr.28.
Die
1. Jahrg.
Arbeiterin
Zeitschrift
für die Interessen der Frauen und Mädchen des arbeitenden yolkes.
Drgan aller auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Vereinigungen der Arbeiterinnen.
Eintracht macht stark
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Bildung macht frei!-
Redaktion: Emma Jhrer, Velten ( Mark). Expedition, Druck und Verlag: Fr. Meyer, Hamburg , Rosenstr. 35.
Erscheint wöchentlich einmal und zwar am
Sonnabend.
Annonzen pro Zeile 20 Pfennig. Vereine erhalten Rabatt.
Abonnement pro Vierteljahr 1 Mart, Einzelnummer 10 Pt. Direkt per Kreuzband Mt. 1.40.
Freunde und Freundinnen! Sorgt für die Verbreitung der Arbeiterin"!
Bur Frage des Arbeitersciutes für Frauen.
In den industriell entwickelten Ländern Europa's, in Eng
land, Deutschland , Frankreich , wir sehen von Desterreich und der Schweiz ab, in denen der 11- stündige Normalarbeitstag für alle Arbeiter, in letterem Lande auch das Verbot der Nachtarbeit
( mit
Ausnahme kontinuirlicher Betriebe) für Männer und Frauen jegliche Vorschrift ist, weil diese Reformen auf sozialpolitische Fattoren zurückzuführen sind, welche in anderen Staaten nicht ristiren, hat sich bis jetzt der Klassenstaat als so mächtig er= wiesen, gelangen in der Gesetzgebung, in allen sozialpolitischen Einrichtungen die Klasseninteressen der Bourgeoisie so vorherr
gend
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Die
zur Geltung, daß den gesetzgebenden Gewalten noch kein Rormalarbeitstag überhaupt abgerungen werden konnte. Bolitiker aller Unanzen vom Vulgärdemokraten bis zum Stocks lonservativen stehen mit wenig Ausnahmen wie ein Mann gegen Beschränkung der Arbeitszeit, das Verbot der Nachtarbeit der Ränner. Etwas anders stellen sich die Verhältnisse bezüglich der nämlichen Schugmaßregeln für Frauen, für diese haben sich mit napper Mühe und Noth Majoritäten gefunden. Wenn der ka pitalistischen Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft ein Damm gezogen worden, so ist dies sicher nicht aus Rücksicht auf sie als in angeblich schwächer organisirtes Wesen geschehen. Der Kapis talift kennt keine Rücksicht auf Kraft und Stärke, sobald der rofit in Betracht kommt, er entläßt die kräftigste Frau und
A Sen schwächlichsten Mann eingesandgefett, aß er diesen billiger und gründlicher ausbeuten fann, ats jene.
Ein anderer
Grund ist unseres Erachtens für das Zustandekommen von Schuzmaßregeln für Frauen schwer ins Gewicht gefallen. Die rau hatte zufolge der bisherigen Wirthschaftsverhältnisse für Pflege und Auferziehung der Kinder eine bestimmte gesellschaftliche Funktion zu erfüllen. Die ökonomischen Zustände der Neuit industrialisiren die Frau, seßen sie damit außer Stand, dieser Aufgabe weiter obzuliegen. Noch aber sind die gesellschaftlichen Einrichtungen nicht ins Leben getreten, welche der Proletarierfamilie einen Ersatz für das bieten, was die Frau in ihr geleistet. band in Hand mit der Industrialisirung der Frau zeigt sich des=
halb
auffallend große Kindersterblichkeit, physische und moralische
Degeneration der proletarischen Jugend. Die betreffende Erheinung wäre nun an und für sich den Besißenden und Herr schenden höchst gleichgültig, allein sie sieht sich durch dieselbe in Mitleidenschaft gezogen. Die steigende Degeneration der breiten Raffen bedroht die künftige Rekrutirung des Maschinenfutters und des Kanonenfutters. Die Einsichtigeren unter den Bourgeois erkennen, daß durch diese gewaltigen Dimensionen annehmende Degeneration sozusagen die Henne geschlachtet wird, welche die
goldenen Eier legt.
Sie wollen fich die nöthige Anzahl leistungstüchtiger Hände" lohnbrückende Reservearmee, die nöthige Anzahl gesinnungshtiger" Soldaten gegen den äußeren und wie männiglich be= kannt, vor allem gegen den inneren Feind erhalten. Busammenhang, welcher nachweislich zwischen der Industrialisirung
ber
Die
Der direkte
Frau und Sterblichkeit und Kränklichkeit der Kinder des
Bolts besteht, veranlaßt sie deshalb für Schutz der Frauenarbeit einzutreten. Die diesbezüglichen Erwägungen sind in parlamen= tarischen Debatten wiederholt unverblümt zum Ausdruck gelangt. Alaffeninteressen find auch hier des Pudelskern, der aus den fentimentalen Deklamationen über die Heiligkeit des häuslichen beerdes zum Vorschein kommt. Aber ganz gleich aus welchem die bürgerlichen Politiker zu gefeßlichen Schuhmaß
Motiv
sich
Tegeln für die Frauenarbeit herbeilaffen. Diese bedeuten that: fachlich eine Konzession an die Forderungen des Proletariats auf Schuß der Arbeit überhaupt, einen Bruch mit der Fiktion des fogenannten ,, freien Arbeitskontrakts". Arbeiter und Rapitalist, heißt es auf Grund dieser Fiktion, stehen sich als freie und gleiche Rontrahenten gegenüber, während doch der letztere in Folge eines Ronopols über die Produktionsmittel so gut wie allmächtig ist, ersterer nur die Wahl hat, zwischen dem Recht", fich zu Tode lich der erwachsenen Frau die Fabel von der sozialen Gleichheit u rackern und der Freiheit", zu verhungern. Ist einmal bezüg= wischen Kapitalist und Arbeiter zerstört, ist bezüglich ihrer die Nothwendigkeit der staatlichen Intervention, des gesetzlichen Schuhes anerkannt, so ist die Frage des Arbeitsschutzes überhaupt im
"
Der Temps" und andere Drgane der
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Brinzip entschieden. ranzösischen Bourgeoisie jammern anläßlich des Beschlusses der arlamentarischen Kommission, die Einführung eines Normalbeitstags und das Verbot der Nachtarbeit für Frauen betreffend, ß die Kommission logischer Weise nun auch die Männerarbeit fegeln, den Achtstundentag fordern müsse, die genannte Reform bebeute den ersten Schritt auf der schiefen Ebene", die zum Gesichtspunkt aus muß die Arbeiterbewegung
Sozialismus führe.
ba, wo sie noch keine allgemeine, umfassende Arbeiterschutzgesetz
Bon diesem gebung zu erzwingen vermag, für die gesetzliche Regelung der Frauenarbeit eintreten. Ein anderer Grund fügt sich dem noch hinzu. Es hat sich herausgestellt, daß in Industriezweigen, in benen Männer und Frauen zusammenschaffen, in denen Erstere
auf Lettere als auf Hülfskräfte angewiesen find, die Be schränkung der Arbeitszeit der Arbeiterinnen einen gleich kurzen Arbeitstag für ihre männlichen Kollegen zur Folge gehabt hat. In England, wo die Arbeitszeit der Männer nicht gesetzlich beschränkt ist, haben diese durchgängig kurze Arbeitszeit, wo sie mit Frauen zusammenarbeiten, dagegen lange Arbeitszeit in Branchen, in denen keine Frauen beschäftigt sind. Der gesetzliche Schutz der Frauenarbeit legt also auch in der Beziehung eine Bresche in die kapitalistische Ausbeutungsfreiheit.
Ein weiteres wichtiges Moment spricht im direkten und nächstliegenden Interesse der Arbeiterinnen selbst für die Forderung dieser Schutzmaßregeln. Die Frau bedarf noch dringender als der Mann eines sozialen Schußes gegen die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft, weil sie sozial schwächer ist als dieser, unfähiger, dem Kapitalisten Widerstand entgegenzusetzen, sich beffere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen. Gewiß, auch der Arbeiter ist dem Kapitalisten gegenüber sozial schwach, aus der Thatsache leitet sich die Nothwendigkeit eines Arbeiterschutzes überhaupt her. Allein die Arbeiterin befindet sich dem Kapitalisten gegen über in einer noch ungünstigeren Lage. Sie ist sozial schwächer nicht nur infolge ihrer Klaffenlage, als Angehörige des Proletariats, sondern auch infolge ihr Geschlechtslage, als Frau, d. h. als Wesen, das lange Jahrhunderte zu Bedürfnißlosigkeit, Gehorsam, Unterwerfung, Widerstandsunfähigkeit erzogen worden ist. Es ist eine allgemein anerkannte Thatsache, daß sich die Arbeiterin durchgängig dem Kapitalisten gegenüber als wehrloser, widerstandsloser, nachgiebiger erweist, als der Arbeiter, daß sie in der Folge nicht nur selbst unter den miserabelsten Berhält niffen schafft, sondern auch auf die Arbeitsbedingungen ihres Klaffengenossen verschlechternd zurückwirit. Sun wird allerdings gesagt, gebt den Frauen die gleichen sozialpolitischen Rechte wie den Männern und sie werden sich die gleichen Arbeitsbedingungen zu erkämpfen wissen". Die Antwort klingt sehr schön, trifft aber nicht ganz zu, weil sie von den thatsächlichen Verhältnissen absieht und nur vom Prinzip einer theoretischen Gleichheit der Geschlechter aus schlußfolgert. Die größere soziale Schwäche der Frau ist ein geschichtliches Produkt. Zustände und Verhältnisse aber, welche die Verhältnisse eines geschichtlichen Entwickelungsprozesses find, können nicht von heute auf morgen abdekretirt werden, ein in anderer Richtung wirkender Entwickelungsprozeß muß sie beseitigen. Gewiß, wenn die Frau an sozialpolitischen Rechten dem Manne gleichgestellt wird, so tritt damit ein Moment auf, welches ihre soziale Kräftigung begünstigt und be schleunigt. Die Verleihung dieser Rechte allein vermag jedoch nicht, die Frau über Nacht gleich sozial stark wie den Mann zu machen. Die Umgestaltung unserer gesammten sozialen Verhält niffe, welche die Frau industrialisirt, sie in Berührung mit dem öffentlichen Leben bringt, sie in den Klassenkampf hineinzieht, sie zwingt, an diesem bewußten Antheil zu nehmen, thut auch in dieser Beziehung ihr Werk, macht aus der Frau sozusagen ein neues soziales Wesen, das dem Manne an Kraft und Widerstandsfähigkeit nicht nachsteht. Damit sich die Frau zur sozialen Gleichheit mit dem Mann entwickelt, bedarf sie neben der rechtlichen und politischen auch der nöthigen materiellen Bewegungsfreiheit, der nöthigen freien Zeit, um am öffentlichen Leben, am Kampfe ihrer Klaffe theilzunehmen. Für die Arbeiterin ist mit Rücksicht hierauf eine Verkürzung der Arbeitszeit doppelt nöthig, weil sie in der Regel doppelt mit Arbeit belastet ist. Da sich die häusliche Arbeit, wie bereits bemerkt, jeder gesetzlichen Regelung entzieht, da sich ferner die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht im Handumdrehen umgestalten lassen, so muß eine Entlaftung der Frau von übermäßiger Arbeit zunächst auf der Seite eintreten, wo sie möglich ist, auf Seite der industriellen Berufsarbeit. Die Arbeiterin, welche nicht bis zur Erschöpfung abgeplagt ist, welche Nachtruhe, Feiertage, einen kurzen Feierabend kennt, ist der Agitation zugänglicher, kann sich Wissen und Aufflärung suchen, am Vereins- und Versammlungsleben theil. nehmen. Und in dem Maße, als ihr dies möglich ist, wird ihre Widerstandsfähigkeit gegen den Kapitalisten wachsen, wird sie sozial erſtarten.
Der Schutz der Frauenarbeit, welcher momentan eine Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zu schaffen scheint, wird in wirksamer Weise dazu beitragen, Arbeiter und Arbeiterin einander sozial gleich zu machen. Sehr richtig bemerkt E. Bernstein, daß nur die Bourgeoislogik aus Schußmaßregeln dieser Art Unterschiede für die rechtliche und politische Stellung der Frauen abzuleiten vermag. Hochcharakteristisch ist in der Beziehung, daß genau die nämlichen Einwände, welche die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen gegen jeden Arbeiterschutz erheben, der nicht auch für Männer gelten soll, von dem bürgerlichen Liberalismus gegen die Arbeitsschußgefeßgelung überhaupt ins Feld geführt werden. Die Frage des Arbeiterschutes ist noch nie und nirgends erörtert das Hirsch worden, ohne daß die bürgerlichen Liberalen Duncker'sche Schwänzlein in Deutschland , der alte TradesUnionismus in England, die Barbaretisten in Frankreich einbegriffen gegen den Schutz der erwachsenen Arbeiter im Namen der individuellen Freiheit, im Namen der Gleichheit aller Staatsangehörigen protestirt, die gesetzliche Intervention als eine Entwürdigung, eine Entmündigung der freien, mündigen Ar= beiter" zurückgewiesen hätten. Der Schutz", welcher dem Arbeiter als dem sozial schwächeren zu Theil wird, beeinträchtigt in
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keinerlei Weise seine sozialpolitischen Rechte, von dem Schutz der Frauenarbeit gilt das Gleiche.
Daß die in Frage kommenden Schuhmaßregeln eine Verdrängung der Frau aus der Industrie nach sich ziehen, steht nicht zu befürchten. Die Frauenarbeit ist ein gewaltiger Faktor unseres Wirthschaftslebens geworden, die Zahl der in den verschiedensten Industriezweigen beschäftigten Arbeiterinnen beläuft sich auf Hunderttausende, auf Millionen. Wollten die Kapitalisten, weil sie die Frauenarbeit nicht mehr unbeschränkt ausbeuten dürfen, alle Arbeiterinnen durch Arbeiter ersetzen, so würde eine so umfangreiche Nachfrage nach männlichen Arbeitskräften einKein treten, daß die Löhne ganz erheblich steigen müßten. Kapitalist wird sich dem aussehen, und dies um so weniger, weil ihm die Arbeiterin nach wie vor in Folge niederer Löhne, größerer Nachgiebigkeit 2c., zum Theil auch in Folge des Umstandes, daß sie in gewissen Beschäftigungen flinker, geschickter und beffer arbeitet als der Mann, ein höchst profitables Objekt der Plusmacherei bleibt.
Nur in Industriezweigen, in denen die Zahl der beschäftigten Frauen eine ganz winzige, die vorhandene Reservearmee männlicher Arbeiter eine starke ist, könnten die Unternehmer eventuell baran denken, anläßlich der Schutzgesetze die Frauen durch Männer zu ersetzen. In der Mehrzahl der Fälle, wo es heißt, Fabrikanten hätten Arbeiterinnen auf Grund der gesetzlichen Vorschriften, die Frauenarbeit betreffend, entlassen, sind meist andere Ursachen als die angegebene, z. B. Geschäftsstockung, Einführung verbefferter Maschinen 2c. der wirkliche Grund der Entlassung. Wie wenig Schuggefeße im Großen und Ganzen die Verwendung der Frauen in der Industrie beeinflussen, zeigt recht deutlich England. England hat früher als jedes andere Land die Arbeit der Frauen in den Fabriken geregelt, und zwar machte es mit einer Be schränkung der Arbeitszeit der Textilarbeiterinnen den Anfang. Und gerade in England hat die Industriealisirung der Frau die gewaltigsten Dimensionen angenommen, die Textilbranche speziell ift faft ganz von den Frauen erobert worden. Es liegt uns fern, aus der Thatsache den Schluß zu ziehen, daß Schuhmaßregeln zu Gunsten der Arbeiterinnen eine steigende Verwendung derselben zur Folge haben, aber jedenfalls zeigt sie klar und deutlich eins: daß diese Schußmaßregeln im Großen und Ganzen die steigende Verwendung der Frau in der Industrie nicht hindern. Wie bereits weiter oben bemerkt, treffen dieselben aber nicht die Arbeiterin, vielmehr den Kapitalisten.
Allerdings bedarf die Arbeiterin, abgesehen von den politischen Rechten, noch eines Schutes gegen die Ueberanstrengung ihrer Kräfte nach anderer Seite hin. Nicht nur die Berufsarbeit, auch die Hausarbeit reibt ihre Kräfte auf. Lettere entzieht sich der Regelung, fie muß der Frau nach und nach ganz abgenommen werden, und dies nicht blos in deren Interesse, sondern in dem der gesammten Gesellschaft. Kinderbewahranstalten, in denen die Kleinen völlige und liebevolle Pflege zu Theil wird, große Dampfküchen müssen der Frau die Arbeit am häuslichen Heerde, die Pflege und Wartung der Kinder abnehmen. Allerdings dürfen die betreffenden Einrichtungen weder Profitanstalten, noch philantropische Bettelanstalten sein, fie müssen Volksrechts- und BoltsDie wohlinstituten im besten Sinne des Wortes darstellen. Arbeiterbewegung muß für die Errichtung dieser Anstalten eintreten, so gut wie sie für die Arbeiterschutzgesetzgebung eintritt. Die Zersehung unserer alten Sozialordnung, die Industriealisirung der Frau mit all' ihren Konsequenzen machen Einrichtungen dieser Art mit jedem Tag zu einer zwingenden Nothwendigkeit.
Frauenfrage und Gewerkverein.
( Aus einer englischen Zeitschrift.)
Frauenarbeit und Frauenlohn ist jetzt das allgemeine Ge spräch. Jeder erkannt an, daß hier große Verbesserungen dringend nöthig sind, daß die Frauenarbeit in vielen Fällen zu schwer ist, die Arbeitszeit zu lang, der Lohn immer geringerer als der des Mannes, selbst bei gleichwerthiger Arbeiter. Jeder giebt zu, daß die Vernachlässigung der Kinder und des Haushalts schädigend auf die Familie einwirkt, wenn die Frau den ganzen Tag auf Arbeit sein muß, um des Mannes kärglichen Lohn zu ergänzen, aber über das beste Heilmittel gehen die Ansichten auseinander. ,, Nichts kann die Lage der Frauen bessern, ehe sie nicht organifirt sind", sagen die Gewerkvereinler. Das ist wahr, aber die energische Forderung:„ Organisirt die Frauenarbeit", bietet Schwierigkeiten nach jeder Richtung. Von diesen sind einige allbekannt; zunächst die, welche im weiblichen Charakter selbst liegen: Der Mangel an Selbstbeherrschung, Selbstvertrauen und Unabhängigkeitssinn, durch schlechte Erziehung verschuldet, die größere Schüchternheit, die Last der häuslichen Sorgen und manche ähnliche Hindernisse werden aufgezählt und auch mit vollem Recht. Aber es giebt noch einen Grund, der nicht oft angeführt wird und das ist der Mangel an Interesse bei Gatten, Söhnen und Brüdern. Männer, welche selbst gute Gewerkvereinler find, welche alle Vortheile, welche die Koalition ihnen bringt, ganz und voll anerkennen, thun nichts oder doch fast nichts, um die Organisation zu Gewerkvereinen bei ihren Frauen, Schwestern oder Geliebten zu fördern. Defter mußte ich sogar hören, daß Vereinsmitglieder