Nr. 38.

Die

Hamburg , den 19. September 1891.

Arbeiterin

Zeitschrift

für die Interessen der Frauen und Mädchen des arbeitenden Polkes.

1. Jahrg.

Organ aller auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Vereinigungen der Arbeiterinnen.

Eintracht macht stark

-

Bildung macht frei!-

fat of

Redaktion: Emma Jhrer, Velten ( Mark).- Expedition und Verlag: Fr. Meyer, Hamburg , Rosenstr. 35.

Erscheint wöchentlich einmal und zwar am

Sonnabend.

Annonzen pro Zeile 20 Pfennig. Vereine erhalten Rabatt.

Abonnement pro Vierteljahr 1 Mark, Einzelnummer 10 Pf. Direkt per Kreuzband Mt. 1,40.

Freunde und Freundinnen! Sorgt für die Verbreitung der Arbeiterin"!

Zur Beachtung!

Die nächste Nummer versenden wir ohne Ausnahme nur an Diejenigen, welche ihr Abonnementsgeld bezahlt haben.

stb) Die Taktik der Partei.

Sollte einer unserer Leser, der seinig Abonnement beim Kolporteur bezahlt hat, hierdurch in Mitleidenschaft ge­zogen werden, so bitten wir um Ein­sendung der Quittung, um das Weitere zu veranlassen.

Die Expedition

Berichterstatter A. Bebel. 4. Berathung des Programm- Entwurfes. Berichterstatter W. Liebknecht . 5. Berathung derjenigen Anträge der Partei­genossen, welche bei den voraufgehenden Punkten der Tagesordnung nicht bereits ihre Erledigung gefunden haben.

in die gedruckte Vorlage, welche dem Parteitag unter­breitet wird und in der in§ 8 Abs. 2 der Partei­organisation vorgeschriebenen Veröffentlichung Aufnahme finden.

Die Adresse des Lokal- Komitees in Erfurt , bei welchem die Anmeldung der Vertreter stattzufinden hat, wird später bekannt gemacht werden.

Mandats Formulare sind durch das Parteibureau dimde Berlin SW., Razbachstr. 9, wohin auch alle übrigen Zuschriften, Anfragen 2c. zu richten find, zu beziehen.

6. Wahl der Parteileitung und Bestimmung des Ortes, wo sie ihren Siß zu nehmen hat. Parteigenossen! Es bedarf keines besonderen Hin­weises auf die Wichtigkeit des bevorstehenden Partei- Mit sozialdemokratischem Gruß tages. Die Thatsache allein, daß auf ihm die Pro­gramm- Revision, welche die Partei schon seit Jahren beschäftigt, zum Abschluß und ein neu formulirtes Programm zur Annahme gelangen soll, zeugt für die

( Fr. Meyer, Hamburg , Rosenstr. 35.) hohe Wichtigkeit, welche der Parteitag in Erfurt

Aufruf Deutschlands !

an die sozialdemokratischen Frauen und Mädchen

für die Entwicklung der sozialdemokratischen Bewegung in Deutschland haben wird.

Der Parteitag ist die oberste Vertretung der Partei. Dort ist der Play, wo alle Wünsche und Beschwerden von den Vertretern der Gesammtpartei eine den Partei- Interessen entsprechende sachgemäße Würdigung und Beurtheilung finden werden.

Nachstehend veröffentlichen wir den vom Partet­borstand erlaffenen Aufruf zur Beschickung des Partei­tages in Erfurt , mit dem besonderen Hinweis, daß es Gemäß der Bestimmungen unserer Partei- Orga­der Forschritt der Frauenbewegung dringend erheischt, nisation*) ersuchen wir die Parteigenossen, welche daß diefelbe durch Delegirtinnen möglichst zahlreich die unten angegebene Adresse des Parteivorstandes daß dieselbe durch Delegirtinnen möglichst zahlreich Anträge an den Parteitag stellen wollen, dieselben an bertreten ist. In diesem Sinne fordern wir auch die Genossen auf, gebührende Rücksicht auf die Frauenbe- einzusenden. Ta vor der Veröffentlichung erst eine wegung zu nehmen, da ohne diese die Sache des ge- Ordnung und Sichtung der Anträge nothwendig ist, fammten Proletariats nicht gefördert werden kann und so find die Antragsteller gebeten, mit der Einsendung von den 3 Vertretern, die ein jeder Wahlkreis zu ent­von Anträgen nicht bis zur letzten Stunde zu warten, fenden berechtigt ist, eine weibliche Person zu delegiren. sondern dieselben bis spätestens Mittwoch, den Die Wahl muß natürlich in öffentlichen Volksver.eptember, an den Parteivorstand gelangen zu sammlungen erfolgen, da Frauen in den politischen Wahlvereinen feinen Zutritt haben. Die Redaktionen ber Arbeiterblätter werben ebenfalls ersucht, hiervon der Arbeiterblätter werden ebenfalls ersucht, hiervon Notiz zu nehmen.

Parteigenollen!

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Besonders machen wir noch darauf aufmerksam, daß auch solche Anträge zum Partei- Programm, welche bereits in der Parteipresse zum Abdruck gelangt find oder in den nächsten Wochen etwa veröffentlicht werden, in einer zur Verhandlung geeigneten Formu­lirung an uns eingesandt werden müssen. libed

Nur diejenigen Anträge, welche rechtzeitig und birekt an den Parteivorstand eingesandt werden, können

In unserer Bekanntmachung vom 3. Juli d. Js., welche die Veröffentlichung des Programmentwurfes enthielt, war als vorläufiger Termin für den dies­jährigen Parteitag der 10. Oktober in Aussicht ge­nommen. Mittlerweile ist nun der Tag für die säch§ 7. Alljährlich findet ein Parteitag statt, der von der *)§ 7. Alljährlich findet ein Parteitag statt, der von der fischen Landtagswahlen bekannt geworden und werden Parteileitung einberufen ist. dieselben am 13. Oktober stattfinden.

Von Seiten der sächsischen Genossen ist deshalb angeregt worden, den Parteitag um einige Tage zu verschieben, damit unsere Genossen Gelegenheit haben, bis zum letzten Augenblick ihre sämmtlichen agitato­tischen Kräfte im Dienste der Wahlbewegung ausnüßen

ju können.

Bei der Bedeutung, welche die sächsischen Land­tagswahlen für unsere Partei haben, glaubte die Parteileitung den Wunsch der Genossen berücksichtigen zu sollen und berufen wir deshalb den Parteitag auf: Mittwoch, den 14. Oftober nach ut Erfurt

in das Lokal zum Kaiser. Saal, Futterstraße, ein. Als provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: Mittwoch, 14. Oktober, Abends 7 Uhr, Vorver­fammlung. Ronstituirung des Parteitags. Festseßung der Geschäfts- und Tagesordnung. Wahl einer Kom­mission für die Prüfung der Vollmachten.

Donnerstag, 15. Oktober und die folgenden Tage: 1. Geschäftsbericht des Parteivorstandes. Berichterstatter: J. Auer. 2. Bericht der Kontrolleure durch G. Schulz. 3. a) Die parlamentarische Thätigkeit der Reichs tags- Fraktion.

Berichterstatter H. Molkenbuhr.

1

Hat der vorhergehende Barteitag über den Drt, an welchem der nächste Parteitag stattfinden soll, keine Bestimmung ge troffen, so hat die Parteilung mit der Reichstags- Jertretung hierüber sich zu verständigen.

§ 8. Die Einberufung des Parteitages muß spätestens

vier Wochen vor dem Termin der Abhaltung desselben durch das offizielle Partei- Organ mit Angabe der provisorischen Tages­

ordnung erfolgen. Die Einladung zur Beschicklung des Partei­tages ist mindestens dreimal in angemessenen Zwischenräumen zu wiederholen.

Anträge der Parteigenossen für die Tagesordnung des Parteitages sind bei der Parteileitung einzureichen, die

dieselben spätestens zehn Tage vor der Eröffnung des Parteitages durch das offizielle Partei Organ bekannt zu

geben hat.

§ 9. Der Parteitag bildet die oberste Vertretung ber Partei. Zur Theilnahme an demselben sind berechtigt:

1. die Delegirten der Partei aus den einzelnen Wahl. freisen, mit der Einschränkung, daß in der Regel fein Wahlkreis durch mehr als drei Personen vertreten sein darf.

des Wahlkreises Frauen sich befinden, können weibliche Insoweit nicht unter den gewählten Vertretern des Wahlkreises Frauen sich befinden, können weibliche Vertreter in besonderen Frauenversammlungen gewählt werden;

do

Berlin , 5. September 1891.

Der Parteivorstand.

Die Ammenfdimadi.

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Gott Moloch fordert seine Opfer in mannigfacher Gestalt seit den Tagen, als das phönizische Handelsvolk ihm zuerst Tempel erbaute, mag sich die Form des Molochsdienstes auch verändert haben. Wie manche deutsche Mutter, wenn sie schaudernd davon liest, wie dereinst dem gierigen Gotte Kinder zu martervollem Sterben auf die glühenden Arme gelegt wurden, während die Mütter thränenlosen Auges so erheischte es das - der Todesqual ihrer Kleinen zuschauen Priestergebot pressen, sich glücklich preisend, daß sie in einem mensch­mußten, mag ihre eigenen Lieblinge fester an sich lichen Zeitalter lebe; unfaßbar dünft es ihr, daß Gottes­diener solche Greuel üben und Müttern deren Duldung abängstigen konnten. Doch während so von schönem Born ihre zarte Brust erbebt, denkt sie nicht daran, daß sie selbst vielleicht noch jüngst dem modernen Moloch Rapitalismus zu ähnlichen Opfergenüſſen verholfen hat. zu können, hatte sie eine andere von bitterer Noth be­brängte Mutter als Amme gedungen, gleichgültig da­gegen, daß die Entziehung der Muttermilch und Mutter­pflege das Ammenkind der Verwahrlosung, dem Ver­derben preisgiebt.

Freilich nicht einem raschen, grausamen Tode in Molochs Armen, sondern langsamer Verkümmerung, die häufig zum frühzeitigen Tode, immer aber zur Min derung der Lebenskraft führt, sind die Ammentinder preisgegeben. Zu Tausenden, zahlreicher, als sie je dem phönizischen Moloch dargebracht wurden, erzwingt sich alljährlich der moderne Moloch Kapitalismus dieſe Kinderopfer durch seine Handmagd, die Noth. Und Begleiterscheinungen der Ammenschmach ist nicht minder dieses tausendfältige Kinderopfer mit allen den übrigen als die Hinopferung jener Kinder, welche im zarten Alter in das Räberwerk des Industrialismus gerathen, ein trauriger Schandfleck unserer vielgepriesenen Zivili­sation, ein um so traurigerer, da die Hauptschuldigen, die ammenmiethenden Frauen der wohlhabenden Klassen, ganz unempfindlich sind für das Schmachvolle ihres Treibens. Ja, sie brüsten sich obendrein mit dieser unweiblichen Ausbeutung der Noth ihrer Mitschwestern. Als Spreewäldlerinnen aufgepußt, oder in sonst einem affigen Phantasiekostüm müssen die armen Wesen, die zu der unwürdigen Rolle einer milchenden Lohnstlavin verdammt sind, hinter der gnädigen Frau auf der Pro­menade herziehen, damit die Nachbarinnen neiderfüllt fich zurgunen: Seht, da ist die Frau Soundso; die braucht ihr Kind nicht selbst zu nähren; die kann sich eine Amme halten! oth

doing Aber sind denn die Ammen nicht selbst ganz zu­

2. die Mitglieder der Reichstags- Fraktion; 3. die Mitglieder der Parteileitung.

Die Mitglieder der Reichstags- Fraktion und der Partei­leitung haben in allen die parlamentarische und die geschäft liche Leitung der Partei betreffenden Fragen nur berathende

Stimme.

Der Parteitag prüft die Legitimation seiner Theilnehmer, wählt seine Leitung und bestimmt seine Geschäftsordnung selbst.

frieden mit ihrem Loose? Betrachten sie es nicht als ein Glück, wenn sie eine derartige gut bezahlte Stellung erhalten können? Waren sie doch fast durchweg unver­heirathet Mutter geworden, und da fiel es ihnen über­haupt schwer mit ihrem Kinde sich anderweit eine Unter­halt gewährende Beschäftigung zu verschaffen.