Nr. 244.
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für 1896 unter Nr. 7277.
Vorwärts
13. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Der Parteitag
der deutschen Sozialdemokratie hat schon Freitag seine Sigungen geschlossen. Rascher als fonft wurde die Tagesordnung erledigt, obgleich durch den Beschluß des Parteitages die von dem geschäftsführenden Ausschusse vorgeschlagenen Berathungspunkte noch um einen wesentlichen Punkt vermehrt wurden.
Der Parteitag hat gut und rasch gearbeitet. Mehr noch wie auf den vorangegangenen Parteitagen war auf dem letzten das Hauptgewicht auf die Kritit der Verhältnisse in der Partei, der Leistungen der Partei- Drgane gelegt worden.
es
Sonnabend, den 17. Oktober 1896. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3:
zu wollen, seine Tagesordnung definitiv festzusetzen, scheint| feit für die Partei in ihrer Gesammtheit und für es uns doch nicht empfehlenswerth, allzu spät mit Vor- jeden einzelnen Anhänger derselben. schlägen auf Abänderung der Tagesordnung zu kommen. Jeder Delegirte, jeder Parteigenosse wird sein bestes Nach Feststellung der provisorischen Tagesordnung durch thun, daß die Partei auf dem Hamburger Parteitage noch die berufenen Organe der Partei kommen solche An- achtunggebietender, noch kräftiger dasteht, wie auf dem jetzt regungen zu spät. Es wird sich für die Parteipresse wohl verflossenen Kongresse. empfehlen, künftighin möglichst zeitig die Frage der Auf- Ünermüdlich vorwärts kämpfend, tein Ungemach scheuend, gaben der bevorstehenden Parteitage zu erörtern. Wenn dies fest vertrauend auf den endlichen Sieg unserer großen Sache, ruhiger und sachlicher als diesmal geschieht, so wird man gelangen wir alle an unser herrliches Ziel! nicht nur äußere, sondern auch innere Erfolge aufweisen Hoch die Sozialdemokratie! fönnen.
heißt, das
4prozentige.
31 Prozent!
Trotzdem wollen wir durchaus nicht bedauern, daß der Parteitag die Frage des Arbeiterschutzes mit erörtert hat; wurde doch dadurch das in nichts begründete Gerede ver31/2 pet. an Binsen sollen von nun an nur noch für die einzelter Kritiker innerhalb der Partei und auch der beliebte deutsche Reichsanleihe und die preußischen, bayerischen, württemHatte auch der Parteitag im wesentlichen mehr als Versuch der Geguer, auf die Partei mit der Verdächtigung, daß bergischen Staatsanleihen gezahlt werden. In Bayern ist die einer feiner Vorgänger einen geschäftlichen Charakter, so ein Gegensatz zwischen politischer Arbeiterbewegung und Konversion bereits in den letzten Tagen durchgeführt. Das von hat dies doch seine Bedeutung in feiner Weise vermindert. Gewerkschaftsbewegung bestehe, zerseßend zu wirken, aufs tee Maßregel betroffene Kapital betrug bort 1/8 Milliarden, Die Aufgaben unserer Partei sind so große, die Gelegen gründlichste widerlegt. Vor allem freuen wir uns, daß Bebel und die Konversion ist fast überall angenommen worden, heiten, für sie zu wirken, so vielfache, die Gebiete, auf die Gelegenheit gegeben wurde, einen nicht immer loyal aus das im Besitz der betreffenden Staatsbenen der Thätigkeitstrieb unserer Partei zum Ausdrucke gelegten Ausspruch über die Gewerkschaftsbewegung richtig zu anleihepapiere befindliche Publikum wird in Zukunft an tommt, so ausgedehnte, daß die Kritik der Parteithätigkeit stellen. Aber auch die übrigen Redner, denen eine Gegner- stelle der bisher gezahlten 4 pet. mit 8% pet. zufrieden sein und wird darauf verzichten, sich das dem Staat dargeliehene in der verflossenen Zeit, die Vorschläge für ihre fünftigen schaft gegen die Gewerkschaftsbewegung hier und da ange- Kapital zurückzahlen zu lassen, um den Versuch zu machen, anderLeistungen vollauf Gelegenheit bieten, die Tüchtigkeit und dichtet wird, haben durch ihre Reden hoffentlich unmöglich weit einen höheren Prozentsatz herauszuschlagen oder mehr damit Vielseitigkeit unserer Delegirten zu zeigen. gemacht, daß fünftighin noch die Legende von einer verdienen. Aus Württemberg berichten heute die Zeitungen, Eine geschäftliche Behandlung der Angelegenheiten einer Rivalität der politischen Führer" gegen die Gewerkschafts- daß die dortigen 315 Millionen 4 prozentiger Staatsschuld Aktiengesellschaft oder der nationalliberalen Partei muß bewegung gläubige Hörer findet. in 3/2 prozentige fonvertirt werden sollen. Und Preußen natürlich die tödtlichste Langeweile erzeugen, ganz anders Die Frage der Organisation der Partei konnte nach und das Deutsche Reich werden, wie offigiös mitgetheilt ist es aber bei unserer Partei. Lage der Dinge nicht zu einer definitiven Erledigung, so wird, ebenfalls mit dieser Maßregel vorgehen und schon in der Ohne jebe Ueberhebung können wir es es fagen, weit in Preußen- Deutschland in solchen Fragen von definitiver nächsten Parlamentssession dem Reichstag und Landtag entgiebt Teine Partei Partei im Reiche, welche Tebatte aufweisen könnte, wie die, die der Gothaer Wir hoffen, daß die mannigfachen Anregungen beg Re: Mark Schulden, davon etwa 450 Millionen 4prozentige; Preußen Barteitag über die„ Neue Welt" geführt hat. Einmal ferenten auf fruchtbaren Boden gefallen sein werden und hat etwa 6354 Millionen Schulden, darunter 8593 Milionen hat ein Rongreß einer bürgerlichen Partei die Frage der daß durch dieselben der Zusammenhalt der Parteigenossen Wir wollen bei dieser Gelegenheit nicht die Frage nach Unterhaltungsliteratur behandelt es war vor mehreren und ihr Pflichtgefühl gestärkt wird. der Berechtigung von Staatsanleihen anschneiden, auch nicht Jahren auf einem Parteitag der deutschen Volkspartei Beachtenswerth war, was über die Maifeier gesprochen, auf das Wesen des Binses" eingehen. Nur soviel, daß nach aber wie tläglich steht jene Debatte neben dem Geistes sehr lehrreich, was über den internationalen Kongreß gesagt der neueren Finanzwissenschaft die augenblicklichen und alljährlich kampfe, der in Siebleben aus Anlaß der Kritik der wurde. wiederkehrenden Bedürfnisse des Staates aus den laufenden Ein Neuen Welt" sich entwickelt hat. Es war eine große, Daß die Frage des Proportional- Wahlsystems nicht nahmen, die hauptsächlich aus Steuern bestehen, bestritten werden prinzipielle, von den tragene Debatte. Es war ein Beweis dafür, daß unsere besonders betrüben. Wer sich über diese Frage belehren sich in irgend höchsten Gesichtspunkten ge- behandelt wurde, wird kaum irgend einen Parteigenoffen sollen; während nach diefer Lehre für einmalige größere Ausgaben, namentlich für staatswirthschaftliche Kapitalanlagen", bie einer Weise für die Dauer rentiren Bartei mit Beackerung des Feldes der Politik und der will, findet genug Literatur, und sowohl vom Standpunkte sollen( hier kommen zum Beispiel Eisenbahnbauten und der Wirthschaft ihre Aufgabe nicht erfüllt sieht, daß sie allein der aktuellen Politik, wie vom prinzipiellen Standpunkt gleichen in Frage), die Mittel durch öffentliche Anleihen be unter allen Parteien vor keiner Frage des Lebens Halt der Partei giebt es zahlreiche Fragen, deren Erörterung schafft werden können, die Laft der Verzinsung und der Rück macht, zu allen Stellung nimmt, weil sie nicht eng be- weit dringender ist. grenzte Aufgaben hat, sondern eine aufstrebende Klasse Auf voller Höhe zeigte sich der Parteitag bei der vertritt, der Träger einer neuen Weltanschauung ist. Sicherlich ist die Frage der Stellung unserer Partei zu den Strömungen in unserer Literatur durch den Parteitag nicht zur Entscheidung gebracht worden. Dies fonnte mud follte auch nicht seine Aufgabe sein. Aber ein neues Feld des Denkens, des Ueberlegens, der Kritik ist durch diese De batte für die Arbeiterklasse eröffnet, ihr Gesichtskreis dadurch erweitert worden. Und dies allein ist ein Gewinn, der nicht hoch genug veranschlagt werden kann.
Erörterung der Frage der Frauenagitation. Das Referat bewies, wie unrecht unsere Gegner haben, wenn sie uns, im schlechten Sinne des Wortes, eine materialistische Partei nennen. Wir verweisen auf das in der heutigen Nummer ausführlich wiedergegebene Referat und auf die Diskussion über diesen Punkt der Tagesordnung.
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zahlung also den zukünftigen Bürgern des Staates aufgewälzt wird. Wenn man nun bedenkt, daß das Deutsche Reich nach dem Etat für 1896/97 allein für Militär- und Marinezwede influfive ber Militär- und Jnvalidenpension, etwa 712 Millionen Mark jähr fich ausgiebt, so kann man die Bemerkung nicht unterdrücken, daß, wenn an derartigen Dingen etwas mehr gespart würde, die Ausgaben für kulturelle Arbeiten nicht auf die Zukunft abgewälzt zu werden brauchten, oder daß für Kulturwerke mehr aufgewendet werden könnte, als es heute geschieht.
von
Wir hoffen, daß für die Männer und Frauen in der Doch dies nur nebenbei. Die Schulden find einmal da, Partei die Behandlung der Frauenagitation auf dem letzten werden sich auch bei Fortdauer des heutigen Regierungssystems Parteitage von größtem Nuzen sein wird und daß die noch weiter vermehren, und die Geldgeber verlangen natürlich Auch die Kritik und die Anregungen über die Leistungen Arbeiterinnenbewegung, die aus wohlbegreiflichen Gründen von Staat ihre ausbebungenen Zinsen. Diese Zinsen betragen num zu einem sehr großen Theil der öffentlichen Schulden, wie und die Haltung der Parteipresse waren von großer Bedeutung hinter der übrigen sozialdemokratischen Bewegung weit oben dargelegt, heute noch 4 pбt., troßdem der Zinsfuß seit einer und, wie wir überzeugt sind, von bleibendem Nußen für zurückgeblieben ist, dadurch in allen Theilen des Reiches ganzen Reihe von Jahren im beständigen Rückgang ist und für die Partci. Auch bei dieser Debatte zeigte es sich, wie fruchtbare Anregungen erhalten haben wird. sichere Anlagen wenig mehr als 3 pt. beträgt. Da ist es ers gründlich und wie vortheilhaft wir uns von unseren Ueber einen Punkt, über den sonst peinlich zu sprechen flärlich, daß aus den Reihen der misera plebs contribuens, des Gegnern unterscheiden. In scharfer und rückhaltloser Weise ist, können wir uns auch diesmal mit Befriedigung äußern, steuerzahlenden Pöbels, der Ruf nach Konversion" dieser wurde Kritik geübt, die fachlichen Ausstellungen überwogen aber über die Thätigkeit der Beschwerdekommission. Sie hat in 4 prozentigen Anleiben erschallt, das heißt verlangt, fie folle den Staatsdie unvermeidlichen persönlichen Refriminationen; so manches taktvollster und den Frieden der Partei fördernder Weise der Finanzverwaltung Partei- gläubigern Bittere wurde gesagt und mußte hingenommen werden. die einzige bedeutungsvolle Beschwerde, die an den Partei- gläubigern nicht mehr an Zinsen bezahlen, als es nach der Lage des Geldmarktes geboten ist. Der Finanzminister Aber am Schlusse waren alle überzeugt, daß jeder das, tag gekommen ist, die der Braunschweiger Pistorius und steht diesen Forderungen mit einem naffen und einem heiteren was er, wenn auch oft mit innerem Widerstreben, vorgebracht Kießling, entschieden. Auge gegenüber. Thränen der Rührung perlen ihm von der hat, zum besten der Partei, gesagt hat, so daß man Daß Hamburg , dieser Drt voller erhebender Traditionen, Wange, wenn er daran denkt, daß er bei der Ronversion die besten trotz alledem und alledem als Freunde und in treuer Kampf- für die Partei zum Size des nächsten Parteitages bestimmt und sichersten Stüßen von Altar und Thron, die Rentiers, in ihrer genossenschaft sich trennte. wurde, freut uns und wir beglückwünschen aufs herzlichste Nahrung kränken muß. Und die Zeitungen des mittleren und fleinen Bürgerthums, wie der muckerisch- evangelische Reichsbote", die Wir sind zu sehr betheiligt in der Frage der Partei- unsere Hamburger Genossen hierzu. presse, als daß wir es angemessen hielten, zu ihr Stellung Die Berliner Genossen, die sonst so oft unbefriedigt muckerisch- katholische" Germania ", die judenfreffende„ Staatszu nehmen, vor allem jezt, wo eben der Parteitag geschloffen unsere Parteitage verlassen haben, werden diesmal mit bürger- Zeitung" 2c. weinen mit. Da werden alle Register aufgezogen, von dem sparsamen Hausvater, der die Früchte ist, und nicht alle persönlich betheiligten anwesend find. großer Genugthuung auf die Erfolge ihres Delegirten feiner Arbeit in 4 prozentigen preußischen Konsols Aber das können wir wohl im Einverständnisse mit allen sehen können. So ziemlich alle Anregungen, die von Berlin gelegt hat, von den beklagenswerthen Wittwen und Waisen, Genossen aussprechen, daß, so peinlich in manchem Augen- gekommen sind, haben den Beifall und die Zustimmung des bie solche Papiere besißen und nun in ihrem Gin gekürzt werden sollen, bis zum Vertragsbruch" blicke diese Debatte war, fie teinerlei üble Folgen für die Parteitages gefunden. Dies ist erfreulich im Juteresse der fommen gekürzt werden sollen, Partei und ihr Zentralorgan haben wird. Gesammtpartei und der Berliner Parteigenossen, deren des Deutschen Reiches und preußischen Staates und bis zur Ebenso wie die Debatte über die Thätigkeit des geschäfts- Leistungsfähigkeit, Aufopferungsfreudigkeit und Tüchtigkeit Erschütterung des Vertrauens in die Reellität dieser Staaten, mit allen diesen Dingen sucht man die Staatsverwaltung führenden Ausschusses war auch die über die parlamentarische jeder gerne anerkennt. Thätigkeit eine fruchtbare und selbst hohe Anforderungen Das Einverständniß der Partei mit ihrer Leitung kam graulich zu machen, um dem Theil ihrer Abonnenten, der es zu etwas gebracht hat in der Welt und Staatspapiere besigt, die befriedigende. Das läßt sich nicht zum wenigsten auf die in der einstimmigen Ertheilung der Decharge an den 4 pet." zu erhalten. gute Vorbereitung, auf die Vorlage sachkundig aus geschäftsführenden Ausschuß, in der einhelligen Wiedergearbeiteter, ausführlicher Berichte zurückführen, die eine wahl desselben, in der Bestätigung der Kontrolleure und fachgemäße und die Partei fördernde Erledigung erleichterten. in der vollkommenen Zustimmung zur Haltung Wenn die Debatte über den Arbeiterschutz nicht ganz Reichstagsfraktion zum Ausdrucke. auf dieser Höhe war und das Intereffe der Delegirten nicht So geht die Partei innerlich gekräftigt aus dem so sehr fesselte, so rührt dies im wesentlichen davon her, Parteitage hervor. daß weder der im letzten Augenblicke mit seiner Auf Die neuen Anregungen, die auf demselben gefallen, gabe betraute Referent noch die sonstigen Redner bestimmt werden ihre Früchte tragen. wußten, ob die Tagesordnung erweitert werden würde oder Nicht Selbstzufriedenheit wird seine Signatur sein, nicht. Ohne dem Parteitage das Recht im mindesten beschneiden sondern der Ansporn zu weiterer, unermüdlicher Thätig
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Taß dies natürlich nicht im wirklichen Interesse des Mittelstandes" liegt, ist klar. Denn der Bauer, der Handwerker, der Raufmann hat ein Interesse an billigem Kredit, und eine unnatürlich hohe Verzinsung der Staatsanleihen vertheuert auch den gesammten sonstigen Kredit. Das weiß der Herr Finanzminister und vor allen Dingen weiß er, daß fere so einflußreichen Agrarier ebenfalls eine Konvertirung der Staatsanleihen wünschen. Diese Herren Großgrundbesitzer sind nämlich zum nämlich zum großen Theil im Besiz recht stattlicher Schulden, die sie zu ihrem größten Leid= wesen verzinsen müssen. Wenn nun, so schließen sie sehr richtig.