Nr. 248.
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für 1896 unter Nr. 7277.
Vorwärts
13. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Donnerstag, den 22. Oktober 1896. Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3:
Verbrecher den Kopf: abschlägt. Bewahre! Er übt nur sein sich in diesem Punkte die Begriffe verwirren zu laffen. Wird Das Recht über Leben und Tod. Recht aus und thut seine Pflicht. einmal, was Gott verhüte, diese Feinfühligkeit abgeftumpft, Wer dies bezweifelt, wer in die Irrgänge des so- so möchten leicht Reflexionen auftauchen, ob es nicht zweckIn der Schule haben wir gelernt, daß in einem geord genannten Ehrbegriffs- auch Ehrenpuuft, point d'honneur mäßiger sei, die allseits angefeindete Peinlichkeit auf dieſen Geneten Staatswesen das Recht zu strafen und namentlich das genannt noch nicht eingedrungen ist, der lese, was der etwas felbstsüchtigere Motive zu setzen, an ſtelle der Ehre lieber bieten abzulegen und an stelle der selbstlosen Pflichterfüllung Recht über Leben und Tod dem Einzelnen nicht Kreuz- Zeitung " von einem Sachverständigen aus den den eigenen Vortheil in den Vordergrund zu stellen. Nur das zusteht, sondern einzig und allein dem Staat, in deffen Schichten der Edelſten" über den Karlsruher Offiziers- zarte Empfinden des deutschen Offiziers tann ihn davon ab Namen Recht gesprochen und der Rechtsspruch vollstreckt wird. Ehrenmord geschrieben wird: halten, solche Wege zu gehen, trotzdem sie das allgemeine LeitDas Faust recht des Mittelalters, wo jeder sich selbst Noch nirgends ist eine objektiv abwägende Beurtheilung motiv unserer Zeit bilden. Wenn daher diese Eigenschaften im Recht schaffte, und wo die Gewalt des Judividuums das erkennbar gewesen, noch nirgends ist die Frage, die doch ent- Offizierſtande nicht lebten, so müßte es das Ziel einer weisen Recht des Individuums war, wird in allen Lehrbüchern der scheidend sein muß, erörtert worden, ob der Offizier im vor- Politik sein, sie zu wecken. Statt deffen sieht man sie Jahr aus Geschichte als abschreckendes Gegentheil eines gesitteten liegenden Falle berechtigt und verpflichtet gewesen ist, Jahr ein von der Demokratie aller Farben angefeindet und Rechtszustandes geschildert. Und das Revolverrecht, von der Waffe Gebrauch zu machen. Jedermann weiß, bekämpft, und es ist wohl und ernstlich an der Zeit, sich zur wie es in einigen Grenzländern der Zivilisation herrscht, daß der Offizier die Waffe nicht als Bierrath Vertheidigung so hohen Gutes zu rusten, damit wo jeder sich selbst sein Recht verschafft und jeden, der nach trägt, sondern daß sie für ihn die ultima ratio fein muß, es nicht verloren gehe. Die um seine angegriffene Ehre zu retten. dem Revolver greift, vor deffen Benutzung niederzuschießen schwebenden gerichtlichen Verhandlungen werden hierüber gewiß So der Offiziers Ehren Sachverständige der Kreuzfucht, gilt als ein Rückfall in die rohefte Barbarei, der Klarheit schaffen. Soweit sich bisher übersehen läßt, scheint es nur aus den Ausnahme- Verhältnissen zu erklären ist. unzweifelhaft, daß der Lieutenant v. Brüsewiß ohne das geringste Bei uns aber so heißt es in dem Rechtsstaat" Verschulden feinerseits, absichtlich und oftentativ wiederholt schwer sei solches unmöglich. beleidigt(?) worden ist, und daß er erst dann zur Waffe griff, als alle anderen Mittel versagten, um sich die gebotene Genug thung zu verschaffen. Stellt sich dies als richtig heraus, und tann somit dem Offizier die Berechtigung, die Waffe zu ge so
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schon oft zur That geworden.
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Beitung".
Man faßt sich unwillkürlich an den Kopf, wenn man diesen Gallimatthias widerfinniger, dem gesunden Menschenverstande und einfachsten Rechtsgefühl ins Gesicht schlagender Behauptungen und Ausführungen liest.
Offiziersehre!
Ein Bewaffneter tödtet einen Wehrlosen, der ihn weder brauchen, nicht abgesprochen werden, ſo ſieht dann der weitere angegriffen hat, noch ihm Widerstand leistet. Das ist nach Verlauf nicht mehr in der Hand der Betheiligten. Es ist tief traurig, daß er im vorliegenden Falle zum Tode gemeinmenschlichen Ehrbegriffen eine der nieder trächtigsten, feigsten und ehrlosesten Hand. lungen, die sich denken lassen.
von
H
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Kindliche Täuschung wie der Rechtsstaat" selbst ein schimmerndes Gaukelbild, das in nichts zerfließt, sobald man nach ihm greifen will! „ Nur der Staat hat das Recht über Leben und Tod." Nur der Staat? Ja, was ist denn der Staat? Und wer ist denn der der Staat? Ein geführt hat, und der pp. Siepmann, welcher dabei sein Leben französischer König sagte einst: Ich bin der Staat. einbüßte, ist gewiß auf das schmerzlichste zu bedauern, ebenso Und in Deutschland haben wir gar viele Leute, aber auch der Offizier, welcher unverschuldet von seinem Nach dem Offiziers Ehrbegriff, wie ihn die die ebenso denken: wir sind der find der Staat. Was Gegner absichtlich in einen Ronflitt hinein Kreuz- Zeitung definirt, ist es ein Ausfluß höchster Wunder, wenn diese sich das Recht über Leben und Tod gedrängt wurde, der schließlich nur mit der Feinfühligkeit", die Bethätigung eines idealen aumaßen. Sie sind der Staat, der Staat hat das Rechtaffe zu lösen war. über Leben und Tod Wenn nun einzelne Blätter bei der Besprechung des Vor- ugs", die Ausübung eines Rechts, die Erfüllung folglich haben sie das Recht über Leben und Toddas ist ganz logisch. Und die Logit ist ganges fich in allgemeinen absprechenden Betrachtungen über einer Pflicht. die Ehrauffassung des Offizierstandes ergehen und Alle Begriffe sind auf den Kopf gestellt. überschraubten Ehrbegriffen und dergleichen sprechen, so Zugegeben, der Ermordete habe sich rüpelhaft be= Erst wieder am Sonntag Dor acht Tagen muß das im Publikum eine unrichtige und verderbliche nommen, obgleich bis jetzt nichts dafür spricht. Ist rüpelin Rarlsruhe. Ein junger Mann streift in Wirths- Ansicht groß ziehen, die gefahrdrohend ist. Das feine hastes Benehmen und mehr wird auch von den Freunden haus an einen Offizier, der Offizier hält sich für Empfinden des Offiziers in betreff der des Mörders nicht behauptet ein todeswürdiges Verbeleidigt, er hat seine„ Ehre" verloren, und Ehre und damit untrennbar auch der Pflicht ist eine der besten gehen? Hätte der feinfühlige" Offizier, statt den Wehrwird zum„ Verbrecher aus verlorner Ehre". Jedoch nicht, Eigenschaften des Standes, sorgfältig großgezogen, durch losen ritterlich niederzustechen, ihn einfach verklagt, so wäre Generationen gepflegt und entwickelt, entsprießt gerade der wie Schiller's Held, weil man ihn in seinen tiefsten mensch einführiglett auf diesen Gebieten, bas unentwegte Bilicht derselbe höchstenfalls zu 5 oder 10 Mark Strafe verurtheilt lichen Gefühlen verlegt, ihn in Elend und Verachtung gefühl und die Berufstreue, welche den. Offizier als untrennbare worden. herabgestoßen hat, sondern um einer Lappalie Eigenschaft auszeichnet; ihr ist nicht zuletzt der ideale Bug Aber die„ Ehre" war verlegt, die Offizier 3 ehre willen. Nicht um die menschliche Ehre handelt es zu danken, der noch in unserem materiellen mehr als verletzt: vernichtet, ta put" und nur durch sich, sondern nur um die Offiziersebre! Beitalter den ganzen Stand durchweht. Die das Blut des Beleidigers fonnte sie wiederhergestellt werden. Durch die Berührung eines bürgerlichen Rockes ist die selbstlose Darangabe der eigenen Person, So sagt man. Offiziersehre geschädigt, zerstört worden. Das ist ein todes- und was weit mehr ist, der eigenen Familie, die Ja, was ist denn die Offizierßehre"? Kann einem würdiges Verbrechen, das nur durch den Tod des Uebel- Singabe von Blut und Leben im Dienst für König und Bater Menschen überhaupt die Ehre durch einen Anderen gethäters gefühnt werden kann. Dieser Offizier dünkt sich Herr land, für Ehre und Pflicht ist nur dann möglich, wenn auf allen nommen werden? Und läßt sich eine„ Ehre" durch Blut diesen Gebieten eine Feinfühligkeit des Empfindens über Leben und Tod, er vollzieht die Todesstrafe in dem Stande lebt, der den Durchschnitt so weit überragt, daß wiederherstellen? an dem Uebelthäter. Er ist ebenso wenig ein Mörder, es manchem wohl unverständlich bleiben wird. Das deutsche Blut ist ein besonderer Saft", allein es kann doch wie der Henker, der dem vom Richter zum Tode verurtheilten Bolt sollte es dankbar anerkennen, daß dem so ist und sich hüten, nicht Todtes lebendig machen. Die Fetisch- Neger allerdings 100]
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Rienzi.
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brochene und unzusammenhängende Worte stammelnd. Die welcher Höhle wir meinen Bruder und seine treue Nina. Wenigen, die ihm begegneten, wichen ihm erschrocken aus. finden könnten." Selbst die Mönche, die ihre feierlichen Prozessionen fort" Irene! Frene! Wenn Du in Mailand oder in irgend fegten, gingen ihm aus dem Wege. Vier Becchini aber, die einer anderen lombardischen Stadt bist, weshalb verweile einer Straßenecke zusammen tranfen, hefteten unter ich dann noch hier? Bu Pferd! zu Pferd! Ach nein, ihren schwarzen Masken hervor jenen Blick auf ihn, den der nein, nicht das Pferd mit den Glocken, nicht die Todten Geier auf einen in der Wüste sterbenden Wanderer wirft. tarre!"
an
" Fort! fort! bist Du von Sinnen?" rief ihre Gefährtin, fort! fort! berühre mich nicht, jetzt, da Du ihn berührt hast, geh, hier trennen wir uns!"
" Hilf mir, ihn irgendwo hintragen. Sieh, er finkt nieder, er fällt, hilf mir, theure Freundin, um Gottes und seiner Heiligen willen."
Wir erhalten, was wir suchen und wissen es nicht. Adrian kehrte in der größten Hiße des Tages und zu Er schleppte sich noch weiter, die Arme ausstreckend, wie Mit einem Schrei, lauter als der lauteste jenes kranken Fuß nach Florenz zurück. Als er sich der Stadt näherte, ein Mann, der im Dunkeln geht, und mit dem wenigen Mannes, sprang das junge Mädchen von ihrer Gefährtin erschien ihm die festliche und heitere Szene, die er verlassen Bewußtsein, welches der Fieberwahn ihm noch ließ, bestrebte fort. Es schien, als ob ein einziger Schritt sie an die Seite hatte, wie ein Traum, wie eine Vision aus den Gärten er sich, das Gebäude zu finden, in dem er seinen Aufenthalt ihres Adrian gebracht habe. Sie ergriff seine Hand- sie und Hainen einer Zauberin und er erwachte aus diesem gewählt hatte, obgleich viele andere Wohnungen, in denen sah in sein Antlig- sie begegnete seinem bewußtlosen Traum wie ein Verbrecher an dem Morgen seiner Hin- es sich eben so gut leben und sterben ließ, mit offenen Blick, in dem ein furchtbares Feuer glühte sie hat ihn richtung, wenn er das Blutgerüft und den Scharfrichter Thoren neben und vor ihm lagen. ergriffen!" sagte sie darauf in einem tiefen, aber ruhigen erblickt, so sehr brachte jeder Schritt in die grause Stadt Frene ! Frene!" rief er bisweilen mit flüsterndem und Tone- die Best!" der Gräber ihn zum Leben und zugleich zum Tode zurück. leisem Tone, dann wieder in einem wilden und durchDie letzten Worte Marianna's tönten wie ein Fluch in dringenden Schrei, wo bist Du? Wo? Jch komme, Dich feinen Ohren nach. Die Hize des Tages, die schwüle un- Ihnen zu entreißen, sie sollen Dich nicht haben, die häß gesunde Luft, lange Anstrengungen, abwechselnde Er- lichen Teufel, ach, wie riecht es in der Luft nach Leichen! schöpfung und Aufregung, das Darniederdrückende der Irene, Frene! wir wollen fort nach meinem eigenen Palast Enttäuschung, das nagende Bewußtsein, kostbare Augen- und an den herrlichen See- Frene!" blicke unwiderbringlich verloren zu haben, alles dieses zu- Judem er so rief, traten zwei Mädchen, maskirt und Doch ihre Begleiterin, erfüllt von der selbstsüchtigen sammen wirkte auf seine so feste Gesundheit, und ein hef- in Mäntel gehüllt, plöglich aus einem benachbarten Hause. Furcht, die in jener schrecklichen Beit alle Menschlichkeit tiges Fieber begann in seinen Adern zu wüthen. Er fühlte Gitler Versuch!" sagte die schlankere von den Beiden, überwog, selbst in Denen, die von Natur mitleidig und sich bedrückt wie durch das Gewicht eines Berges, ein un- deren Mantel, wie wir hier nothwendig bemerken müssen, wohlwollend waren, entfloh schnell, und war bald vers leidlicher Durst quälte ihn, seine Kräfte schienen ihn plöß- von dunkelblauer Farbe, reich mit Silber gestickt und von schwunden. Das junge Mädchen, die jetzt mit Adrian lich zu verlassen, und nur mit der größten Anstrengung einem in Florenz ungewöhnlichen, aber in Rom gebräuch allein war, der, da der Fieberanfall seine größte Heftigkeit fonnte er sich noch vorwärts bewegen. lichen Schnitt war, in welcher letzteren Stadt der Anzug erreicht hatte, zu Boden gesunken vor ihr lag, verlor " Ich fühl' es!" dachte er, mit jenem Gefühl des Wider- der Damen höheren Ranges von sehr lebhaften Farben dennoch ihre Fassung und ihre Kraft nicht. Sie nahm willens und Schauderns, mit dem die Natur immer gegen war. Eitler Versuch, einem sicheren und unvermeidlichen den schweren Mantel ab, der die freie Bewegung ihrer den Tod ankämpft, und besonders gegen einen solchen Tod, Geschick widerstehen zu wollen!" Arme verhinderte, und warf ihn von sich; darauf erhob ich fühle es! es überfällt mich! ich werde umkommen und Weshalb sollen wir aber in einem Hause bleiben, in sie den Kopf ihres Geliebten, denn wer als Frene war ohne fie gerettet zu haben!" welchem drei Leichen liegen, da Florenz jetzt so viele leere jenes treue Mädchen, deren Liebe selbst vor der Ansteckung Aber diese Gedanken verschlimmerten nur noch seinen Häufer hat. Glaube mir, wir werden nicht weit zu gehen des Todes nicht zurückwich, fie lehnte sein Haupt an ihre frankhaften Zustand, und noch ehe er das Junere der Stadt haben, bis wir eine sichere Wohnung für uns finden." Bruft und rief laut und wiederholt um Hilfe. Endlich erreichte, hatte selbst das Bewußtsein ihn verlassen. Die Bisher wurden wir allerdings wunderbar erhalten," näherten sich die in ihrer Profession abgehärteten Becchini, Bilder der Menschen und der Häuser verschwammen vor sagte die andere, deren Stimme und Gestalt ein sehr junges welche, so abgehärtet, der Best sicherer entgingen, als die seinen Augen, das glühende Pflaster schwankte unter seinen Mädchen verriethen, wüßten wir aber nur, wohin wir Vorsichtigsten. Füßen. Fieber ergriff ihn, und er schlich langsam fort, ge- fliehen sollten, auf welchem Berge, in welchem Walde, in Fortsetzung folgt.)
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