Nr. 176.
Dienstag, 28. Oktober 1884.
1. Jahrg.
Berliner Volksblatt.
Brgan für die Interessen der Arbeiter.
Das Berliner Boobiais afhent täglich Morgens außer nach Sonn- und Feftiagen. tin's Haus vierteljährlich 3 Mart, monatlich 1 Mart, Summern 5 Bf. Bofabonnement pro Duartal 3 Marl. trage der Botzeitungspreislifte water
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Redaktion und Expedition Berlin SW., Bimmerstraße 44.
Mitbürger! Arbeiter, Handwerker Berlins !
Heute wird es sich entscheiden, ob die Berliner Wähler sich der Wichtigkeit ihrer Abstimmung bewußt sind, ob sie ihre Lage begriffen und Diejenigen erkannt haben, welche mit Herz und Hand treu und energifch für das Volkswohl einzutreten den feften Willen haben. Der heutige Tag, das Resultat der Wahlen, es wird mit ehernen Griffeln eingeschrieben werden in das Buch der Weltgeschichte. Ganz Europa , die ganze zivilisirte Welt blickt heute auf Deutschland und ganz besonders auf Berlin ; überall erwartet man, daß das deutsche Bdt und namentlich Berlin zeigen wird, daß es auf der Höhe der Zeit steht, und gelernt hat, von seinem Wahlrecht den richtigen Gebrauch zu machen. Und darum Mitbürger, zeigen wir heute, daß wir das Wahre und Erhabene erkannt haben, daß wir nicht gewillt sind, der Reaktion, dem Rückschritt, gleichviel in welcher Form, die Thore des Reichstages wieder zu offen. Wir sind es uns, wir sind es der Nachwelt schuldig, als Männer mit ganzer Kraft einzutreten für das Rechte, und deshalb ist es heiligste Pflicht eines Jeden, dahin zu wifen, daß nur wirkliche Vollsmänner aus der Wahlurne hervorgehen, damit das deutsche Wolf eine würdige Vertretung erhält.
Das
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Berliner Volksblatt"
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Die Redaktion des Berliner Volksblatt".
Ausschreitungen.
Wenn irgendwo und irgendwie von Seiten der Arbeiter dier gar von Seiten der Anhänger der Arbeiterpartei sogetannte Ausschreitungen begangen werden, flugs sind die literalen Blätter bei der Hand mit ihren Uebertreibungen ub Verunglimpfungen.
name.
Pöbelhorden" ist dann fast noch ein Schmeichel
Wenn aber die ,, Liberalen " Exzesse begehen, wie kürzlich Belgien bei den Kommunalwahlen, dann hat man gleich ein Beschönigungsmäntelchen bei der Hand Der versucht es, die Ausschreitungen auf Elemente zu geben, die nur zufällig sich in die liberale Bewegung hintingedrängt hätten.
Briffe Deutschlands die Runde, überschrieben:„ Der So macht gegenwärtig ein Artikel in der liberalen Sieg des Liberalismus in Belgien ".
Diese Ueberschrift flingt schon recht komisch, da es sich lediglich um einige Vortheile handelt, welche der Liberalis mus bei den Kommunalwahlen rfochten bat. Das fleritale
Radbrud verboten.)
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Feuilleton. Isaura.
( Fortseßung)
Wer bist Du?" rief der Eremit, dessen Gestalt plöglich das
als molle
hölzerne Kruzifir zum Schuße vor
Auf Mitbürger zur Wahl!
Ministerium ist dadurch zwar erschüttert worden, aber größere Achtung im Lande hat der Liberalismus dadurch auch nicht gewonnen.
In dem beregten Artikel heißt es dann zunächst, daß man in der Jetzeit die Ideen des Liberalismus überhaupt unterschäße, daß derselbe so oft todt gesagt worden sei, aber noch immer in Jugendfrische sich entfalte. Konservative und Sozialisten gäben sich allerdings die größte Mühe, den Liberalismus zu Grunde zu richten, doch der wahre Liberalismus werde für alle Zeiten triumphiren. Das beweise auch wieder der plötzliche Umschwung im Nachbarlande Belgien .
Wir sagten schon, daß dieser Umschwung wenig oder gar nichts bedeute, doch verschweigen die liberalen Blätter, welchen Einflüssen der Sieg bei den Kommunalwahlen in Belgien zu verdanken ist. Bor uns liegt ein Bericht, aus dem ersichtlich ist, daß die Bestechungen eine Hauptrolle gespielt haben, daß man zahlreiche Lumpenproletarier" betrunken gemacht und aufgehezt hat. Wenn dann aber dem Liberalismus solche Ausschreitungen zur Last gelegt werden, dann spricht er von fremden" Elementen, die sich eingedrängt hätten.
Auch der beregte Artikel redet von Einflüssen ,, extremer Richtung" und doch feßt er den sogenannten Sieg lediglich auf Konto des Liberalismus.
Wenn der Artikel dann die bei den Kommunalwahlen vorgekommenen Ausschreitungen bedauert und einzelne aufzählt, zum Beispiel, daß in Antwerpen und anderen Orten den Mitgliedern der katholischen Partei die Fensterschei ben eingeworfen worden feien, so führt er das Alles auf fremde Einflüsse" und auf den Böbel" zurück und verheimlicht vollständig, daß er ja durch Schnaps und Geld diesen Pöbel" fanatisirt hat.
"
U brigens ist männiglich bekannt, daß das Fenstereinganz abgesehen von werfen wenigstens in Deutschland
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,, Du willst hier ,, D täusche mich nicht!" rief fte. den Aufschluß meines Schicksals holen ich sehe es ja tlar, daß er hier zu finden ist. Laß mich bei Dir!" Wenn Du mich liebst, so geh' voran!" bat er. Da ging fie, ohne ein Wort des meitein Einspruchs; aber all' ihre Geister geriethen in Aufruhr, als sie noch einmal den fremden Namen: Beatrice! fich nachrufen hörte, und sich umschauend den Greis aufspringen und vor dem Kruzifir in wilder Berknirschung das Haupt zu Boden neigen sah. Nur die wiederholte Bitte Raymonds, ihn mit dem Eremiten allein zu lassen
Leben gewann. Meinen Segen Dir?!" Und zurückbebend, dem Sturme der Gedanken erfassen, welcher ihn überfam, wandte er sich scheu von dem Mädchen ab: er hatte sie zuseßen; aber sie bebte in fieberischer Aufregung. Die beiden
ertannt!
er
Sein Benehmen erschütterte Jiaura, wie eine unheilvolle
Prophezeihung; Mont Aynard hob fte fanft von dem Fels grunde empor und sagte mit ernster Würde. Frommer Vater,
hört
fort
uns an. Ihr tennt mich?"
Der
beftig
-
Einsiedler hatte sich gefaßt und bejahte die Frage. Dieses junge Mädchen ist meine Braut," fuhr der Baion aber vollenden fonnte er seine Rede nicht
Deine Braut, Raymond?" schrie der Eremit, von Neuem ergriffen. Diese hier Deine Braut? Dallmächtiger
wand zurüd.
Diener, die getreuften, welche Mont Annard besaß, wechselten ernste und verwunderte Blicke, als fie ihren Herrn mit dem Eremiten, den fie für wahnsinnig hielten, allein zurück laffen mußten.
Wohl eine Stunde harrten fte im Thale , ehe Mont Aynard zurückfam. Jiaura hatte schon um ihn bittere Angst gehabt, jezt eilte fie ihm entgegen: Was bringst Du uns?" rief ste bange.
Den Segen eines Unglücklichen!" sagte Mont Aynard, und seine Stimme flang so weich, wie sie dieselbe noch nicht gehört hatte.
3weifelnd blickte sie ihn an. ,, Du hast geweint?!"
Bott, welche Fügung!" Er sant, wie betäubt, an die Fels ,, Was ist Euch?" rief Mont Aynard, und eine dunkle rief ſte. Ahnung rauschte flüchtig durch seinen Geist, während er dem Greise Beistand leistete und Jiaura von Allem, was hier Dorging, fast ebenso betäubt war, als der Einsiedler, der
in
einem
Stan
trampfe befangen schien.
Ein Diener
bolte aus der naben Quelle Waffer herbei, mit welchem man Stiin und Schläfe des Greises beneẞte. Lange waren alle Bemühungen, ihn wieder zum Bewußtsein zu brin sein Auge ruhte halbgebrochen,
gen, umsonst;
lich
aber
feft, auf dem jungen Mädchen, welchem vor ihm graute. EndO regten sich seine Lippen, der Strahl des Lebens fehrte in feine Augen zurüd, und einen Namen hauchte er, noch immer auf Jiaura blickend, einen Namen, der nicht der ihrige war, auf Mont Aynaid aber einen mächtigen Eindrud hervor
brachte.
"
Beatrice!"
-
ba, was ist hier?" Mont Aynard unterbrach fich selbst und sprach schnell zu seiner Braut:„ Du ftchit, Geliebte, daß der Arme frant ist und wir den 3ved unseres Hierfeins nicht erreichen. Wir fehren zurüd, menn eine beffere Stunde schlägt; Du magst mit unseren Leuten vorangehen, ich folge Dir schnell und will nur sorgen, daß der Kranfe sich erholt
-
bem studentischen Unfug bei politischen Ereignissen von ganz anderen Elementen, als von solchen, die man gewöhn lich zum Böbel" rechnet, exerzirt wird; davon geben ja die Fälle Sonnemann, Demmler u. s. w. beredtes Beugniß.-
-
,, Daß in einer so hochgradigen liberalen Bewegung auch Agitationen und Ausschreitungen mit unterlaufen, welche mit dem wahren Liberalismus nichts gemein haben, tann wohl faum überraschen" wir lassen diese Entschuldigung bis zu einem gewissen Grade gelten. Aber wer ist es denn, als der Liberalismus, der jeden Exzeß, jede Ausschreitung an die Rockschöße irgend einer anderen Bartei zu hängen versucht?
Laß uns geben!" bat er. Bald soll sich Dir Alles lösen ich bitte Dich, Isaura, gönne mir noch eine kurze Zeit, daß ich mich sammle und Dir die Zukunft bereite. Gottes Wege find wunderbar; er führt durch Prüfung und Buße zum Frieden! D'Jiaura!" D'Ifaura!" Er schloß fte mit Inbrunst in seine Arme, und das Herz des starken Mannes pocte gegen den Panzer, als wollte es ihn zersprengen. Vor den Dienern legte er sich aber jest wieder Feffeln an, führte seine Braut zu dem Bergklepper, der fte herauf getragen hatte, und hob sie in den Sattel.
,, Kehre Du still mit diesen nach Deinem Thurme zurüd," sagte er. Ich fann Dich jest nicht geleiten. Dein Blick sagt mir, daß Du mich eräthst; ich gehe wieder zu dem beflagenswertben Manne, den mir eben verlassen haben; ich muß mit ihm eine Wanderung thun" hier stockte seine Rebe und er bolte einen tiefen Athemzug aus der schwergepreßten Brust. Leb' wehl, Geliebte, bald bringe ich Dir das schönste Glück, das unei seglichste auf Erden!"
Was nennit Du fo?" fragte fte innig.
Eine Mutter!" flüsterte er in ihr Dhe, wandte sich von der Aufzuckenden hinweg und entging allen Fragen, zu denen
So heißt es auch in demselben Blatte, dem wir den besprochenen Artikel entnehmen, wörtlich: Am Abend des Wahltages wurde ein Polizei- Kommissar in Antwerpen von einer Bande klerikaler Strolche überfallen und burch Messerstiche nicht unerheblich verlegt.'
,, Liberale Strolche " giebt es natürlich nicht, auch wenn die Fenster eingeworfen werden; ,, Strolche" sind nur in anderen Parteien zu suchen das ist die Liberalität" des heutigen Liberalismus.
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Politische Uebersicht.
Der preußische Justizminister macht durch eine allge meine Verfügung vom 16. d. M. die Justizbehörden darauf aufmerksam, daß in Untersuchungen, welche auf Grund ers hobener öffentlicher Klage geführt werden, außer dem etwaigen Nebenkläger eine erfaßpflichtige Partei im Sinne der Nummer 2 der allgemeinen Verfügung vom 8. September 1882 überhaupt nicht vorhanden ist. In derartigen Untersuchungen find daher auch die von den Konsulaten aus Anlaß der Erledigung von Ersuchen der Justizbehörden zu liquidirenden Gebühren in allen Fällen alsbald zu berichtigen ,, ohne Rücksicht darauf, ob etwa deren Wiedereinziehung von einer zur Tragung der Gleich Kosten verurtheilten Verson werde erfolgen können. zeitig macht der Minister den Justizbehörden die pünktliche Bes
fich ihr schwindelnder Geist nicht gleich faffen konnte, durch rasche Entfernung.
Es war eine mühsame Wanderung, welche er mit dem Greise unternahm; eine Wanderung auf gefahrvollen Klippensteigen, die nur einem Gemsenjäger des Gebirges, wie Mont Aynard belannt waren, die aber auch der Eremit, deffen Kraft das hohe Alter nicht geschwächt hatte, rüftig überwand. Die erhabenen Schrecknisse der Alpennatur, was waren sie gegen die furchtbaren Gewalten, die im Innern des greifen Wanderers tobten; Lawinenstürze, von den Bergen stäubend, Katarakten im jähen Fall: wie fonnten fte sich mit der Brandung der Gefühle vergleichen, welche zu den Sternen der Gnade emporwallte, um im nächsten Augenblicke in Den schwarzen Abgrund zurüc zu finten. Noch noch ahnte er hatte ihm sein Begleiter nicht Alles gefagt nicht, daß von seiner That nur der Wille nicht von ihm abges nommen werden konnte.
Nacht wurde es und sie übernachteten bei Hirten, welche ibre Hütte gefegnet hielten durch die Einkehr des heiligen. Am andern Morgen septen fte mit erfrischter Kraft ihre Wanderung fort; endlich sentten sich die Pfade wieder in die jenseitigen Gründe, und Mittagsglocken begrüßten sie mit feter lichem Klange, als sie das grüne, friedliche Thal erreichten, in welchen ihnen die Klostergebäude, das Biel ihres Strebens, entgegenblickten.
Bei dem ersten Tone, der des Greisen Ohr berührte, schien all seine Kraft plöglich zu erlahmen; er blieb stehen, frampfhaft stüßte er sich auf seinen Stab, um nicht zusam men zu brechen; Mont Aynard ermuthigte ihn durch Zuspruch und Beide segten sich in's Gras, so daß fie vom Kloster aus nicht gesehen werden konnten.
ch habe Euch gesagt", begann Mont Aynard, daß hier in Sancta Clara eine Nonne lebt, welche von Beatrice's Ges schick Euch die genaueste Kunde geben fann macht Euch gefaßt, eine ganz andere zu hören, als Ihr erwartet".
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Ich erwarte feine andere, als zu hören, wo ihre Hülle geblieben ist", sagte der Greis dumpf, und mit ausbrechender Qual rief er laut: Wehe mir! Dreifach Webe!"
Gott ist barmherzig- er kann die Schuld von Euch nehmen", sprach Mont Aynard. Bin ich barmherzig gewesen gegen meines Kindes Schuld?" scrie der Eremit. Wie sollt ich Gottes Barmherzigfeit verdienen?"
Die ewige Gnade ist unerschöpflich fte tönnte Eure That fogar ungeschehen machen. Wie nun, wenn