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Mr. 177.

Mittwoch, 29. Oktober 1884.

I. Jahrg.

Berliner Volksblall.

Organ für die Interessen der Arbeiter.

Das ,, Berliner Boltsblatt feint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin fra in's Haus vierteljährlich 3 Mart, monatlich 1 Mart, wöchentlich 25 Pf. Einzelne Summern 5 Bf. Bostabonnement pro Duartal 3 Mart.( Eingetragen im VIII. Rach­trage der Botzeitungspreislifte unter Nr. 719a.)

Fusertionsgebühr

beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 f. Arbeitsmarkt 103. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 the Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., 8immerstraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen.

Redaktion und Expedition Berlin SW., Zimmerstraße 44.

Resultate der Neichstagswahlen zu Berlin .

I. Wahlkreis. Wahlberechtigt: 21 611.

Stimmen erhielten: v. Vollmar 826, Löwe 8437, Wagner 6784. Zersplittert und ungültig 177.

Löwe gewählt.

II. Wahlkreis. Wahlberechtigt: 58869.

Stimmen erhielten: Tugauer 9216, Virchow 16618, Stöcker 12545. 3ersplittert und ungültig 240.

Stichwahl zwischen Virchow und Stöcker.

III. Wahlkreis.

Wahlberechtigt: 31682.

Stimmen erhielten: Diez 6290, Munckel 9621, Dr. Brecher 6724. Zersplittert und ungültig 217. Stichwahl zwischen Munckel und Dr. Brecher.

IV. Wahlkreis. Wahlberechtigt: 72 250.

Stimmen erhielten: Singer 24928, Träger 13536, v. Köller 10518. Zersplittert und ungültig 331.

Singer gewählt. V. Wahlkreis.

Wahlberechtigt: 26729.

Stimmen erhielten: Grillenberger 2446, Richter 8879, Cremer 6396. Zersplittert und ungültig 145.

Stichwahl zwischen Richter und Cremer.

VI. Wahlkreis. Wahlberechtigt: 74877.

Stimmen erhielten: Hasenclever 24626, Klog 13672, Jrmer 12674. Bersplitert und ungültig 266.

Das

Abonnements- Einladung.

Berliner Volksblatt"

Stichwahl zwischen Hasenclever und Klozz.

Bolte freventlicher Weise rauben wollen, auch die ,, Freiheit des Erwerbs" gehört.

Das ist sicherlich die wichtigste Freiheit, die es giebt, soll da der brave Spießbürger denken und schleunigst die von der National Beitung" vorgeschlagenen Kandidaten loftet vierteljährlich 3 Mart; monatlich 1 Mark; wöchentlich wählen. Und welch ein vortreff liches Blatt, das so sehr für 25 Pfennige frei ins Haus. die höchsten Güter" seiner Leser besorgt ist!

nommen.

Bestellungen werden von allen Beitungsspediteuren und Botenfrauen sowie in der Expedition, Bimmerftr. 44, ange Für Außerhalb nehmen alle Bostanstalten Abonnements für die Monate November und Besemberten Abongalung

Don 2 Mart entgegen. Die Redaktion des Berliner Volksblatt".

Die ,, Freiheit des Erwerbs".

Bur Beit, da wir dies niederschreiben, ist die Entschei bung an der Wahlurne im Gang und die Spannung einer spiels gerichtet. Wir ſehen ruhigan, denn wir haben ein inzen Nation ist auf den Ausgang des großen Würfel gutes Gewissen; dagegen macht es uns das größte Ver­gnügen, die tragikomischen Angstſprünge berjenigen zu be­

National­

Nun, wir wollen feine Wahlpropaganda mehr machen; die Wahlen sind ja vorüber, wenigstens der erste Gang. Allein die foftbare Phrase von der Freiheit des Erwerbs" regt doch zu einigen Betrachtungen an.

Was ist denn diese Freiheit des Erwerbs?" Nun, daß Jeder erwerben kann, wie er will und so­wie er tann. Das klingt herr­viel er will oder besser wie er tann. Das klingt herr­lich und diese famose Freiheit des Erwerbs" verdanten wir

bem Liberalismus.

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Keine Freiheit" ist noch jemals so sehr ausgenutzt worden wie diese und die Sache hat sich so gestaltet, daß Nichtkapitalisten äußerst schwer, manchmal geradezu unmög= für den Kapitaliſten der Erwerb äußerst leicht, für den lich geworden ist. Die Freiheit des Erwerbs" ist eben nichts Anderes, als die berüchtigte, freie Ronkurrenz" das Manchestersystem, der Krieg Aller gegen Alle, bei dem der Schwächere von dem Stärkeren schonungslos nieder­

getreten wird. Es hieße Eulen nach Athen tragen, die Schäden und verwüstenden Wirkungen dieser freien Kon­

turrens", dieser sogenannten Freiheit des Erwerbs hier noch mals auseinanderzufeßen.

fiffen ist, gehört sicherlich auch die Zu den Leuten, denen ihr Gewissen kein sanftes Ruhe­Beitung". Welcher Partei dieses Preßorgan direkt an­gehört, ist aus seiner verschwommenen Haltung nicht zu ers grauen Färbung, die sich so ziemlich allen anderen Farben­fönen anzubequemen vermag. Jeht, vor den Wahlen, wird's für Börsenfpefulanten, für große industrielle Unternehmer, Sie ist in der That ein loftbares Gut für Banquiers, diesem braven Blatte unheimlich und in seiner Nummer für Wucherer und Auffäufer, und für alle jene Leute, die bam Sonntag ruft es feine Lefer auf zum Kampfe für die einst Jesus von Nazareth in heiligem Born aus dem Tempel höchsten Güter und Errungenschaften", wie man das zur hinausgejagt hat. Da muß doch ein gut liberales" Blatt Wahlzeit zu thun pflegt. Da hören wir denn, daß zu den für eine solche schmählich bedrohte" Freiheit" einstehen. höchsten Gütern", die jetzt böse Menschen dem deutschen Wenn sie verloren ginge, fönnte ja teine unbeschränkte Aus­

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nutzung der Arbeitskräfte mehr stattfinden unb die Anhäufung von großen Rapitalien in den Händen Einzelner wäre er schwert. Und für diese Freiheit" soll sich auch der be schränkte Spießbürger des Mittelstandes in's Beug werfen, während der Mittelstand doch gerade durch die freie Rons kurrenz" nicht nur in seinen Grundfesten erschüttert, sondern einem förmlichen Vernichtungsprozeß preisgegeben wird.

Das Alles find bekannte Dinge, die wir hier auch nur zu dem Zwecke vorführen, um zu zeigen, daß die Liberalen unverbefferlich find. Sie beharren auf dem Wahn, das Volk dahin täuschen zu können, daß seine Interessen und die Interessen des großen Kapitalisten identisch seien. Allein damit gräbt eben der Liberalismus nur sein eigenes Grab. Das Trugbild vom freien Erwerb" ist zerronnen, die unaufhörliche geschäftliche Nothlage, die Verdienst lofigkeit und die geschwächte Konsumtionskraft der Massen haben den Mittelstand und die Arbeiterklasse hinreichend dar über belehrt, baß der freie Erwerb" so ziemlich gleichbedeutend ist mit Erwerbslosigkeit.

Man glaubt gerne, was man wünscht dieses alte und tiefe Wort trifft auch hier zu. Der Liberalismus frankt ent weder an der schwersten Selbsttäuschung oder aber sein Latein ist zu Ende und er weiß sich der neuen Zeitströmung gegenüber nicht anders zu helfen, als mit den alten, so über angebrachten Phrafen. Das ist auch ein Zeichen der Beit und kündigt an, daß das sinkende Gestirn des Liberalismus bald im Nebel verschwinden wird.

Ronnte es eine gröbere Lüge geben, als die Phrase von begonnen; das wirthschaftliche Gebäude, das der Liberalismus der Freiheit des Erwerbs"? Nun, die Strafe Dafür bot aufgerichtet, fracht in allen Fugen und man weiß, daß seine Umwandlung und Umgestaltung nur noch eine Frage eine Beit ist. Niemanden bleibt dies verborgen, als dem Libe ralismus selbst, der, wie immer, blind darauf los steuert, die Gesetzgebung für die egoistischen Zwecke des Große

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