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No. 204.
Sonnabend, 29. November 1884.
I. Jahrg.
Berliner Volksblatt.
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Organ für die Interessen der Arbeiter.
Das ,, Berliner Boltsblatt"
fheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 3 Mart, monatlich 1 Mart, wöchentlich 25 Pf. Matrose, Einzelne Nummern 5 Bf. Bostabonnement pro Quartal 3 Mart.( Eingetragen im VIII. Nachtrage der Postzeitungspreisliste unter Nr. 719a.)
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beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Bf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Nabatt nach Uebereinfunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., 8immerstraße 44, fowie von allen Annoncens Bureaux , ohne Erhöhung des Preises, angenommen.
Redaktion und Expedition Berfin SW., Bimmerstraße 44.
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., Berliner Volksblatt".
Frei ins Haus loftet dasselbe nunmehr 1 Mark 35 Pfg.
Entschädigo Boche 35 Pfennige). Bestellungen werden von sämmtlaffung jeden Beitungsspediteuren, sowie in der Expedition, Bimmer Arage 44, angenommen. ift für ben
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Den neuen Abonnenten wird der bisher erschienene Theil hochintereffanten und spannenden Romans
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Gesucht und gefunden"
on Dr. Dur gegen Borzeigung der Abonnements- Quittung
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gratis verabfolgt.
Bimmerstraße 44,
sie sind vielmehr durchaus internationale, für alle Ralturnationen wirksame gewesen.
Seit der französischen Revolution, welche den soge nannten dritten Stand, den Stand der Bürger", gleich stellte dem ersten und zweiten Stande, hat sich erst die Industrie entwickeln fönnen. Der Unternehmungs- und Erfindungsgeist wurde zu nie geahnter Höhe emporgehoben und so ist die erste große französische Revolution im gewiffen Sinne die Geburtshelferin aller der herrlichen, kunstvollen Produkte, die auf einer Ausstellung die Sinne gefangen halten.
Die gute starte Helferin beim Eintritt ins moderne Leben an ihrem hundertsten Geburtstage zu ehren, das ist die Aufgabe dieser Weltausstellung!
Alle Nationen haben zu dieser Verehrung beizutragen; es ist ihre Pflicht, durch ihr bestes Wollen, durch ihr bestes Können im edlen, friedlichen Wettftreite um die Palme zu ringen und weiter zu bauen auf dem Grunde, den das ringen und weiter zu bauen auf dem Grunde, den das große Jahr 1789 gelegt hat.
Und nicht nur sollen die Nationen der aufblühenden Industrie nnd der Kunst an jenem Völkerfeste gedenken,
Die Zeitung erscheint vom 1. Dezember ab täglich mit welches 1889 in Paris abgehalten werden wird, sie sollen auch des großen Wahrspruchs der großen Revolution eingedenk sein:
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tt Seiten Text, und wird derselben wöchentlich eine reich
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illustrirte Sonntagsbeilage
Seigegeben werden.
Um recht zahlreiches Abonnement bittet
Die Redaktion und Expedition des Berliner Volksblatt".
,, Liberté, egalité, fraternité!" Freiheit dem Einzelnen, Gleichheit gegenüber allen polis tischen und wirthschaftlichen Gefeßen, Brüderlichkeit unter den Völkern des Erdballes, wie unter den Genossen der einzelnen Nationen.
Schon dieser Gedanke, so fern auch seine Verwirklich ung liegen mag, foll uns froh stimmen. Dabei ist aber auch nicht zu vergessen, daß eine Regierung, welche ein solches Werk plant, wie die 1889er Ausstellung, lediglich von
Scharten auszuwegen, doch wird das nicht schwierig sein, wenn die Hauptträger der deutschen Industrie mit Ernst ans Wert gehen.
Dabei darf natürlich nicht gespart und gefnidert wer den, wie das sonst in Deutschland leider üblich ist. Ein gutes Industrieprodult fann nur aus gutem Rohmaterial und durch gut bezahlte Arbeit geschaffen werden. An Stelle der Parole: ,, Billig und schlecht" darf nun freilich nicht die Parole: " Theuer und gut treten, sondern es muß heißen: Gut bei reellen Preisen."
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Damit wird unsere Industrie vorwärts kommen und auf der Weltausstellung Achtung sich erringen.
Mit Befriedigung können wir mittheilen, daß das Deutsche Reich zuerst von allen anderen Staaten von der französischen Republik über seine Haltung zu der geplanten Weltausstellung befragt, sofort seine rüdhaltloseste Mitwirkung bei derselben in Aussicht gestellt hat. Es verlautet fogar, daß das Deutsche Reich die Sache der Pariser Weltausstellung bei Rußland und Desterreich warm empfohlen habe.
So wird die Weltausstellung wohl gewiß eine glorreiche werden, vielleicht ein Verbrüderungsfest der Nationen.
Und einige Jahre später, um auf unsere Lieblingsidee zurückzukommen, wird dann endlich auch Deutschland seine Weltausstellung haben,
Politische Uebersicht.
bante auf, zur Feier des hundertsten Jahrestags der großen Friedensgedanken erfüllt ist, und daß vor solchem Friedens- Vereins in Berlin ist nunmehr erschienen. Nach demselben franzöfifchen Revolution eine Weltausstellung zu veranstalten. werte alles Revanchegeschrei verstummt. Dagegen erklärten sich verschiedene Nationalfanatiker, die
Eine solche Weltausstellung ist eine viel größere
uf Entfur eine nationale Ausstellung gelten lassen Friedensgewähr, als alle offiziösen und offiziellen Vermollten, weil das große Jahr ein Jahr Frankreiche und ficherungen. 7 St. Gine Feier Frankreichs Feier sei und sein solle.
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Dieser Ansicht entgegen ist aber nunmehr beschlossen
Style Baufinden foll.
Paris felbft aber geht fünf Jahren lebhafter und für zahlreiche Arbeiter lohnender Arbeit entgegen. Nehmen aber die Industriellen aller Länder die Sache ernst, so wird auch überall durch das Ringen nach den besten Erzeugnissen sich hier größer, dort kleiner, aber nirgendwo ganz fehlend.
-
Deffelben Jahres eine Weltausstellung im größten ein Aufschwung zeigen Und wahrlich, nie kann ein besserer Zeitraum und eine Da die Foere Stätte zu einer Weltausstellung gewählt werden, Jahre hinaus wird auf Handel und Jadustrie günstig ein
Der Gla Beweis zu ienen.
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wie bas hier geschehen.
Aber auch das Gefühl des sicheren Friedens auf
wirken.
Der Aufruf des neugegründeten nationalliberalen wurden tausende(?) der Wähler Berlins vor den Gewiffens zwang der Wahl zwischen Kandidaten der extremiten politischen und sozialen Richtungen gestellt. Das darf nicht länger so bleiben! Straffe Organisation und ausdauernde Pflichterfüllung wird unsere Partei zum Siege führen. Die Unterzeichneten find deshalb in Uebereinstimmung mit zahlreichen Gesinnungs genoffen zu einem ,, Nationalliberalen Verein" zusammengetreten und fordern die gleichgesinnten Bewohner Berlins und der umgegend zum Beitritt auf. Da3 Programm der Partet ist das der parlamentarischen nation alliberalen Partei, welches in der Parteioersammlung vom 18. Mat dieses Jahres angenom men und bestätigt wurde. Das definitive Statut wird in einer dazu berufenen Versammlung festgestellt werden. Folgen die Unterschriften. Die Herren haben einem ,, längst gefühlten Bedürfniß" Rechnung getragen. Wir können aber aus eigener Anschauung fonstatiren, daß außer den Gründern des beregten Vereins Niemand ein derartiges Bedürfnik verspürt hat. Die
Grund legte, find nur zum geringen Theil wesentlich auf den friedlichen Wettkampf mit den übrigen Kultur Die Eirunpenschaften, zu denen das Jahr 1789 den Rationale, wie z. B. der Wechsel in der Regierungsform, nationen vorzubereiten; es hat allerdings einige politische Situation ist schon ohnehin dunkel genug, die Ber
Redbrud
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verboten
Feuilleton.
Gesucht und gefunden.
Roman von Dr. Dug.
Forlegung.)
Die loloffale Gestalt des Wirthes zum rothen Mann" er bob fich; er fchlug den Kiagen seiner Flausjade in die Höhe und fchlürfenden Schrittes ging er nach der Thür, einige Worte murmelno, die den neuen Gästen nicht eben als Willkommen Belten Lonnten. Es waren zwei Reiter, welche Einlag begehr fen. Sie hatten die Bügel ihrer Pferde bereits dem Hauss Inecht übergeben und verlangten vom Wirth ein Nachts
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Kamin fizenden Herren schienen nicht
Rube gelommen zu sein; darin aber täuschte er sich. Einer der beiden Reisenden winkte ihn zu sich, erhob fich und nahm ihn bei Seite.
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Herr Wirth," fagte er, wir sind Fremde."
Das sehe ich!" war die mürrische Antwort.
" Ich meine, wir sind mit den Gebräuchen hier in der An stalt nicht vertraut."
" Das glaube ich!"
" Wir haben Eile."
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Das scheint nicht, denn Sie wollen ja zur Nacht bleiben."
Ich meine, daß ich heute Abend noch wünsche, den Chefarzt der Anstalt zu sprechen."
,, So!" fragte der Wirth gedehnt. Sie thäten besser, das bis morgen zu verschieben,"
Es ist eine Sache, welche mich sehr interesfirt, Herr Wirth, und meine Ungeduld würde mich die Nacht nicht schlafen laffen. Nur, wenn Sie mir fagen, daß es absolut unmöglich wäre, heute Abend noch Mr. Gefferson, den Chef Arat, zu spreden, würde ich mich bis morgen gedulden müffen."
Unmöglich ist das nicht, denn Mr. Gefferfon fist da drüben am Tische, und wenn es Dinge find, die er beantworten fann, ohne in feinem Kor.versationszimmer zu sein, so fönnen Sie
Das fönnen Sie im rothen Mann" so gut haben, wie gendwo auf der Welt," antwortete der Wirth. minder unangenehm berührt zu sein durch den Besuch, als Der Wirth es war, denn erstens brachten die Herren, welche eintraten, eine Menge Rälte mit in's 3mmer, und paaren fiel und auf dem Boden große Wafferlachen_er zweitens eine Menge Schnee, welcher aus ihren Mänteln ugle; und endlich störten sie die Unterhaltung, welche eben febr intereffant zu werden versprach, da Mr. Hancoc von einem unheimlichen Fall sprechen wollte. Die beiden Fremden nab fich ja fofort an ihn wenden." en an einem entfernten Tische Plat. Jeder Besuch dieles Bathauses mußte zu dem Frrenbause in irgend einer BeBegung stehen, denn die Landstraße, welche hier vorbeiführte, ar um diese Jahreszeit unpafftrbar. Aus diesem Grunde John mete Mr. Gefferson den beiden Fremden eine besondere
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Ab, das freut mich!" rief der junge Mann baftig. Wollen Sie nicht die Güte haben, mich Mr. Gefferson vor zuftellen?"
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,, m," lachte der Wirth höhnisch. ,, Renne ich Sie denn?" Ach so! Gut! So fragen Sie den Herrn, ob er geneigt sei, Jemanden, der eine dringende Frage an ihn zu richten hat, Der Wirth begab fich langsamen Schrittes an den Tisch der Stammzäfte und flüsterte dem Arzt etwas zu. Mit ungeEndlich wandte fich der Arzt langsam um.
Hönnen wir ein Abendessen haben?" fragte der Eine anzuhören." Wenn Sie fürlieb nehmen wollen mit dem, was fie
bort auf dem Büffettische sehen," war die mürrische Antwort buldiger Erwartung harrte der junge Mann des Resultats.
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Sie wünschen, mein Herr?" rief er dem in einiger Ent
Gie etwas taltes Fleisch und die Paftete dort, und vor allen fernung Stehenden zu.
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Der Wirth folgte der Aufforderung mit etwas Widerwillen, Denn fein fanfter Schlaf war unterbrochen worden, und sein eigener Bunich, mit dem er in furzen Bausen seinen Schlummer unterbrach, drohte talt zu werden. Als er endlich das Ver langte gebracht, gab er sich wieder der Hoffnung hin, jetzt zur
Der Fremde trat an ihn heran.
Herr Direktor," begann er, ich bin der Baronet Felix D'Brian."
Der Direktor fagte gleichgültig:
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Renne ich nicht!"
Mich führt das Intereffe her, das ich an einer Person nehme, welche Bewohnerin Ihrer Anstalt ist."
Das Intereffe muß ein sehr warmes sein, mein Herr," gab der Arzt spöttisch zurück, da sie bei so faltem Wetter und in der Nacht hierher reiten, und noch dazu Ihre Ungeduld nicht bis morgen zu zügeln vermögen."
" Beizeihen Sie, mein Herr, Sie werden meine Ungeduld begreiflich finden, wenn ich Ihnen sage, daß die Person, über welche ich um Auskunft bitte, meine Mutter ist." Ach, so, so! Ihre Mutter ist in der Anstalt?"
Ja!" Da alle Anwesenden diesem Gespräch zuhörten, hielt D'Brian es für gerathener, den Direktor zu bitten, ihm einige Worte unter vier Augen zu gestatten. Unter anderen Um ständen würde der Direktor von Bethesda einer solchen Auf forderung schwerlich Folge geleistet haben, indeffen der junge Mann gefiel ihm. Es war ein hübscher Jüngling und von angenehmen und feinen Manieren, und der Gegenstand, welchen er angereat batte, war ihm nicht minder interessant. Er trat also mit D'Brian auf die Seite.
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Wer brachte Ihre Mutter in die Anstalt?" fragte er. Das weiß ich nicht, mein Herr!" war die Antwort.
Sie wiffen es nicht?" Der Arzt betrachtete ihn mit forschenden Blicken.
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Herr Baronet," sagte er dann, es dürfte Ihnen bekannt sein, daß wir über feinen der Kranten unserer Anstalt an Un betheiliate Aue funft ertheilen."
Ist denn der Sohn unberechtigt, über das Befinden der Mutter Auskunft zu verlangen?"
Auskunft zu verlangen ist nur Derjenige berechtigt, welcher den Kranken hierher lieferte, oder für denselben die Alimente bezahlt."
"
Welchen Zweck hat diese harte Maßregel?"
" Das will ich Ihnen fagen: wir haben in unserer Anstalt nur Personen höherer Stände. Nicht Jeder, welcher zu uns tommt, ist sein Leben lang wahnsinnig. Es wird Mancher ge heilt und Wancher entlassen und er fritt wieder in die große Welt, aus welcher er sich einige Beit entfernt hatte. Glauben Sie, es wäre der betreffenden Berfon angenehm, wenn alle Weit wüßte, daß fie so lange im Irrenhause war?"
Sie haben Recht, es mag vorkommen, daß die Angehörigen dieser Personen angeben, fte haben fich auf Reifen begeben, haben sich im Ausland aufgehalten und dergleichen, und wenn sie gebeilt sind, so weiß Niemand von ihrer Krank
" Ich glaube es, ich bin eben fremd in dieser Gegend.heit. So ist aber der Fall, von dem ich spreche, nicht."( F. folgt.)