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Somtaa, 12, April 1885.
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trlimrVMIii». Lrgan für die Interessen der Arbeiter.
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Wirkungen des schweizerischen Fabrikgefetzes. Wenngleich die schweizerische Fabrikgesetzgebung, prin» z i p i e l l betrachtet, allen bis jetzt bestehenden ähnliche» Jnstiiutioncn anderer Länder um ein gut Stück voraus ist, so ist doch ihre praktische Wirksamkeit durchaus unzu- länglich. Es find nicht die Mittel gegeben, um ei» wirk- sanu« Eingreifen der Staatsgewalt in die»irthfchaftlichen Zustände zu ermöglichen; besonders aber tritt als Mangel hervor, daß den Arbeitern selbst keine Gelegenheit gegeben wird, ihre Interessen zu wahren, so etwa, wie eS der von den deutschen sozialistischen Abgeordneten aufge- stellte Entwurf eines Arbeiterschutzgesetzes verlangt. In der Schweiz liegt alle ausübende Gewalt bei den Be- Hörden. Der im schweizerischen Fabrikgefetz enthaltene NoimalarbeitStag ist zu hoch, um den Arbeitein das un- erträgliche Joch des allzugroßen Angebots von Arbetts- kräfien abnehmen zu könne«; über die Lohnfrage ist im ganzen Gesetze gar nichts enthalte«. So konnten die Wir» für, gm des Gesetzes nur beschränkte lein. Dennoch sind dies« Wirkungen ganz gute, wie au« dem Bericht zu ersehen, den in dieser Sache der Regierungirath des Kantons Zürich an den BundeSrath erstattet hat. „Wenn auch," bemerkt der Bericht,„im Allgemeinen die Furcht vor dem Gesetze sich bedeutend vermindert hat, so giebt eS einerseits noch Geschäftsleute, die sich möglichst ange demselben zu entziehen suchen, und andererseits Ge- «eindebehörden, welche der Anzeigepflicht, betreffend neu erstellte Fabriken, nicht genügend nachkommen. Vielfach «erden solche EtabliffementS erst durch da« eidgenössische Fabrikinspektorat oder in Folge der Mittzheilungen von anderer Seite entdeckt." Für diese» Fall müßt« aber, »i« es im deutschen Arbeitcrschutzgesetz enthalten, eine „Anzeigepflicht" bestehen. Da» schweizerisch « Gesetz veranlaßt die Unternehmer, bei Herstellung ihrer Betriebsräume schon von vornherein auf die nöthigen Sicherheitsvorrichtungen Rücksicht zu neh» «en. Der B-richt besagt: „Immer noch kommen vereinzelte Fälle vor. in denen die aufgestellten Fabrikordnuvgen dem Regie- rungsrathe zur Genehmigung eingereicht«erden, ohne daß vorher eine Anzeige gemacht worden wäre, daß ein neue« Fabrikgebäude erstellt oder ein schon bestandene« umgeändert worden sei. Auch kommt e» vor, daß Baupläne erst nach Fertigstellung der Fabriklokale ein- gesandt werden. Doch zeigt sich bei Neubauten selten ein Mangel, der zu ernstlichen Au«stellungen Anlaß giebt, da die Bauherren zum Voraus der Sorge für Luft und Licht, sowie für
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«-»dn-ck otrboten.] Jeuirreton. Im Eckfenster. Roman von Friedrich verstäcker. (Fortsetzung.) „Gut, recht gut, Ha»«," erwiderte dieser,„wenn Du mich auch freilich hier noch al« Hauptmani, siehst. Unser Avancement ist verzweifelt langsam, und ehe man Oberst «nd, hat man gewöhnlich graue Haare. Da« find die Schattenseiten der hiesigen Tretmühle, die wir unser Leben nennen, und man muß sich eben hineinfinden; sonst aber, Hans, bm ,ch jetzt der glücklichste Mensch, den($ auf der Erde giebt, denn ich...« „Bin verliebt>" lachte Hanl.„Hab' ich'««rrathen?" „Auf den Kopf getroffen, und«eine Braut ist ein Engel." ..Da« Letztere versteht sich von selbst," nickte Han«;„ich be noch nie eine Braut gesehen, die nicht in den Augen ihre« Bräutigam« ein Engel gewesen wäre. Aber wie heißt sie? Kenn' ich sie?" „Seit wann bist Du zurück?" „Seit vorgestern." „Nein, dann kannst Du sie nicht kennen und— bist vielleicht auch nicht mit meiner Wahl einverstanden," setzte er langsamer hinzu. „Ich?" rief Han« erstaunt.„Und weshalb nicht?" „Sie ist nicht von Adel..." „Bah, s o viel für Eure alten Geschlechter I" rief der junge Mann.„Einige von ihnen find so alt, daß es Roth thut, sie von Grund au« zu restauriren l Wie heißt sie?" "SS,8 erste Sängerin am hiesigen Theater." „Alle Wetter! Aber ein braves Mädchen?" .."f.1" tüchtiges, brave« Mädchen," bestätigte von Dürr- deck,„die es eine» schweren Kampf gekostet hat, ihre Kunst aufzugeben, br« die Liebe zu mir auch ihre letzten Zweifel hob. Haus, ich kann Dir gar nicht sage», wie glücklich ich Mich fühle!" Han« drückte ihm, ohne ein Wort weiter, herzlich die Hand,
Sicherheit Beachtung schenken, was bei alten umgeänderten Fabriken weniger der Fall ist." Die« wäre schon eine ganz vorzügliche Errungenschaft, denn wenn schon bei der Aufführung von Neubauten auf die anzubringenden Sicherheit« Vorrichtungen Rückficht ge- nommen wird, so lassen sich diese Vorrichtungen viel»weck- mäßiger und wirksamer herstellen, al« im entgegengesetzten Fall! Wo« die Kinderarbeit anbelangt, so konstatirt der Bericht, daß in vereinzelten Fällen auch jetzt noch immer Kinder unter 14 Jahren in Fabriken beschäftigt werden; e« zeige sich die« namentlich in neuen Geschäften, welche ihr Personal vor der Unterstellung unter da« Gesetz einstellten. Sechs Fälle solcher Gesetze«- Übertretungen wurden den Gerichten überwiesen. Im Ganzen stnd im Zeitraum, den der Bericht umfaßt, 9 Fabrikbesitzer auf Grund de« Fabrikgesetzes bestraft wor- den. Wa« die Haftpflicht für Unfälle betrifft, so haben sich bei dieser Angelegenheit eine Menge Unzuträg- lichkeiten herausgestellt, die«an aber durch da« zur Be- rathung kom<r ende Unfallverficherunglgesetz zu beseitigen hofft. Allerding« müssen diesem Gesuche dann praktischere Grundlagen gegeben»erden, al« sie da» Unfall- verficherunasgesetz de« Deutschen Reiche « hat. Am Schluffe de« Bericht« sagt der Regierungsrath de« Kanton « Zürich : „Wir glauben den Bewei« erbracht zu haben, daß da« Gesetz im Kanton Zürich kein todter Buchstabe geblieben ist, sondern von den damit beauftragten Or- ganen grwisienhaft gehandhabt wird Wenn auch in der Befolgung einzelner Bestimmungen seitens der Fa- brikbesitzer noch manche» zu wünschen übrig bleibt, so läßt sich doch annehmen, daß nach und nach alle Un- zulässigkeiten von größerer Bedeutung von selbst auf- hören«erden, besonder« wenn einmal die schon längst in Aussicht gestellte Vollziehungsverordnung erlassen fein wird." Dieser Vollziehungsverordnung wird auch diesmal von der Züricher Regierung wieder da» Wort geredet. Im Ganzen genommen— und das fei rückhaltSlo« zugestanden— sind diese Resultate nicht allzu bedeutend. Diese« Fabrikgesetz gewährt dem Arbeiter nur, wa« die primitivsten Forderungen der Humanität enthalten; eine eigentliche Besserstellung seiner wirthschastlichen Lage, eine vortheilhaftere Position gegenüber dem Arbeitgeber ist nicht damit verbunden. Aber wenn ein solch unvollkommene» und ungenügende« Fabrikgesetz schon solch vortreffliche Wirkungen hat— wie heilsam muß da erst eine einschneidende und umfassende Fabrikgesetzgebung wirken, die nicht so zaghaft vorgeht
und eine Zeit lang schritten die beiden jungen Leute, Jeder nur mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, neben einander hin. Endlich sagte Hans: „Und ist der Tag Eurer Verbindung schon bestimmt?" „Da« ist noch eine Unannehmlichkeit," erwidette Dürr« beck,„die'ch aber ebenfall« zu beseitigen hoffe. Sonst nämlich hebt bei allen Theater» Heirath jeden Kontrakt; Constanze aber, damals mit keiner Ahnung einer so bal» digen Verbindung, hat hier auf zwei Jahre fest abgeschlossen und sich sogar die ganz außergewöhnliche Klausel gefallen lassen, daß sie in dieser Zeit, wenn sie sich darin oerhei- rathen sollte, den Konttakt bei einer sehr bedeutenden Kon» ventionalsttafe einhalten wolle. Anderthalb Jahre kann ich aber doch nicht mehr matten!" „Deine Geduld würde wenigsten« in der Zeit auf eine arge Probe gestellt werden," lachte Hans.„Doch läßt sich dc>» nicht in Güte arrangire»? Vielleicht kann Dir mein Vater dabei nützen." „Wohl schwerlich," sagte der Hauptmann kopfschüt- telnd;„der alle Herr hängt so hartnäckig an seinem Bor- urtheile von unvermischten altadeligen Geschlechtern und hat mir selber schon so ernste Vorstellungen darüber ge» macht und mich abgemahnt von einem solchen Verbrechen an meinen Ahnen, wie er e« nennt, daß ich auf seine Unterstützung dabei wohl schwerlich rechnen könnte. Ich würde nrcht einmal wagen, ihn darum zu bitten." „Das wäre da« Wenigste," sagte Hans;„aber wer hat hier beim Theater die entscheidende Sttmme m dieser Angelegenheit?" „Der hiesige Direktor." „Und hast Du ihn schon darüber gesprochen? „Aufrichtig gesagt, war ich eben auf dem Wege, ,h« machen wenigsten« den Versuch und sehen,«,e dt« Sache „Hi« glnch vortun« im Brink, Nr. 29; e« soll übri- gen« ein höchst origineller Kau, sei»- Emme behaupten halb verrückt, der nur im Theater lebt und webt und ketne Welt anerkennt, die nicht eine« hölzernen Erdboden und
wie die schweizerische. Vor allen Dingen müssen, da« be» tonen wir nochmals, die Arbeiter selbst an der Au«» Übung de» Gesetze« betheiligt sein, wie da« deutsche Ar» beiterschutzgesetz durch die Arbeitsämter und Arbeitskammer« e« anstrebt. Diese Berichte über die Wirksamkeit der schweizerischen Fabrikgesetmcbung können sonach für die deutschen Arbeiter nur eine Mahnung sein, mit aller Energie darnach zu stre» ben, daß bei uns bie Fabrikgesetzgebung einer gründliche« Reform unterzogen und weiter aulgebildet werde. Jeder» mann hat heute ei» Interesse daran, der vernünftige«ad denkende Unternehmer nicht ausgenommen, der die Verhält» nisse nicht nach de« Einflüsterungen eine» engherzigen Egoismus, sondern nach höheren und allgemeineren Ge» fichtlpunklen beurtheilt. Dolitiscke Uebersickt. Da« Arbeiterfchntzgefetz in seiner Bedeutung für die Arbeiter herab, usetzen, da« ist eine SlsyphoSarbeit, selbst für die offiziöse„Nordd. Allg Ztg." Die zu diesem Zweck von ihr produzirten langathmigen Attikel haben ihren Beruf verfehlt. Wir haben von den Geistesprodukten der„Nordd", weil wir hinter dm Artikeln eine„treibende Kraft" vermuthen. Akt ge» nommen und mit wmigen Wottm die Hohlheit derselben gekennzeichnet. Da« giebt dem Blatte zu folgender Entgegnung Anlaß; „Wie vorauszusehen, gefallen dem„Berliner VolkSblatt" unsere unter dem Titel Sozialistische« gegebmen Dar« leguvgen sehr wenig. Da da«„Organ für die Interessen der Arbeiter"— andere Leute halten das„VolkSblatt" für da« Organ des Herrn Singer— gegen die in jenen Attikeln erfolgte Ausdeckung der Widersprüche des sozialdemokratischen Thun « und RevmS nichts zu sagen weiß, zieht es fich hinter Phrasen zurück und meint, die„pofitive" Sozialreform, die wir der Bebel'schen gegmüber gestellt, befriedige die Arbeiter nicht, denn „nicht eine organifirte Armenpflege schwebe ihnen als Ziel vor", st« wollten vielmehr„Krankheit und Armuth verhüten". Jeden» falls ein sehr löbliches Ziel, nur schade, daß die sozialdemo?rati» schm Weltverbesserer nicht haben dm Sündenfall ver» hüten können, durch dm menschlischeS Elend, Krankhest und Armuth in die Welt gekommen. Da das aber nicht der Fall aewesm, wird man fich begnügen müssen, diesen schlimmen Dingen„nach Möglichkeit" vorzubeugen und ihre Folgen zu mildern. Dahin zielt die„pofitive Sozialpolitik", die bekannt- lick durchaus keine„organifirte Armenpflege" ist und sein soll, und die sozialdemokratischm„Arbetterfteunde" thäten unserer Meinung nach besser, ihre Kräfte diesem Ziele mit zu widmen, als taktischen Parteibedürfniffen zu Liebe Unmögliches anzu» streben." Daß uns die Artikel der„Nordd." nicht„gefallen", ist in gewissem Sinne richtig. Denn wenn wir einerseits auch nicht fonderlichgUrseche haben, uns über Das den Kopf zu zer« brechen, was ihre Spalten enthalten, so ist eS doch andererfeUS auf Leinwand gemalte Bäume und Häuser hat. In der Stadt werden sogar die tollsten Geschichten von ihm er» zählt— jedenfalls Uebettreibungen—, sonst gilt er aber für einm Ehrenmann." „Da« ist die Hauptsache, da» Andere findet fich alle«. Vamonos companero— ich will Dem Sekundant sein, und wir wollen doch einmal sehen, ob wir den alten Herrn nicht herumkriegen können." „Und Deine Schwester hat sich kürzlich auch verlobt," sagte Dürrbeck nach einer Paus«, in welcher sie von der Promenade ab der Richtung zubogea, in welcher der Brink lag. „Ja," sagte Han»;„kennst Du meinen künftigen Schwager?" «Ich— war einige Male mit ihm zusammen." „Wie gefällt er Dir? Wa» ist e» für ein Mann?" „Kennst Du ihn denn noch nicht?" „Ich kenne ihn allerding« seit den wenige» Tagen, möchte aber auch Deine Meinung über ihn hören." „Oh, er soll au« einer sehr angesehenen Familie sein und hat etwa« außerordentlich Noble«, �eigentlich vornehm Aristokratisches in seinem ganzen Wesen, wa« Deinen Elter« besonder» an ihm gefällt!" „Daß ist kein Fehler— und sonst?" „Und sonst? Ja, lieber Han», ich bin doch ,u«eaige Male mit ihm zusammengettoffen, um darüber«n wirkliche» Urtheil fällen zu können, und da« war noch dazu meist in Gegenwart Deiner Schwester. Du weißt aber, Brautleute zeigen sich in diesem Stadium für andere Leute ungenießbar— aber da sind wir; sollen w» wirk» WÄ w „Wenn ich aufrichtig sein will, ja. Ich erbitte nicht gern von irgend wem etwa«, noch dazu, da fich hier doch eigentlich nur da« Ganze um eine Geldsache, die Konven» tionalstrafe dreht." „Und ist die so bedeutend?" „E« würde mich wenigsten« doch geniren, sie auf einem Brette auszuzahlen. E« find zweitausend Thal«."