Nr. 259.
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für 1896 unter Nr. 7277.
Vorwärts
Jahrg. 13.
Insertions Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzelle oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Hernsprecher: Amt I, Mr. 1508. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin ".
Redaktion: SW. 19, Benth- Straße 2.
Bismarck's Indiskretionen bilden noch immer das Hauptthema der Breßerörterungen. Es ist thatsächlich erwiesen, schreibt die Frankfurter Beitung", eine nie bestrittene Annahme bestätigend, daß beide Enthüllungsartikel der Hamburger Nachrichten" in Friedrichsruh in langen Ron ferenzen des leitenden Redakteurs mit dem Altreichstanzler entstanden sind.
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Mittwoch, den 4. November 1896. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
Wir haben schon darauf hingedeutet, wie er, als er] noch im Amte war, über die Pflicht der Reichsbcamten zur Bolts Zeitung" heute einen Leitartikel. Amtsverschwiegenheit dachte. Diesem Thema widmet die Sie erinnert baran, daß im Jahre 1872 dem Reichstage ein Gesetzentwurf vorlag, betreffend die Rechtsverhältnisse der Reichsbeamten. Der§ 11 ominösen Gedenkens lautete:
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das
Ueber die vermöge seines Amtes ihm befannt gewordenen Angelegenheiten hat der Beamte Verschwiegen Interessant ist die Mittheilung, daß der Oberpräsident 8 11 beobachten, auch nach dem von Ostpreußen , Graf Wilhelmi Bismarck, gerade nach den Dienstverhältniß aufgelöst ist." Enthüllungen seinem Vater einen Besuch abgestattet hatte. Der Abg. Behringer wollte hinter dem Worte AnWollte er im Interesse seines Amtes den Vater von weiteren gelegenheiten" eingeschaltet wissen: welche Geheimhaltung Schritten zurückhalten? Auf Herbert Bismarck möchte die erfordern". In entschiedenster Weise wandte sich dagegen " Kölnische Zeitung " die Schuld für den lange und der damalige Reichskanzler und erklärte diese Einschaltung sorgsam geplanten, mit wohl vertheilter Rollenbesetzung ihn für den auswärtigen Dienst für nicht annehmbar. inszenirten Streich zurückführen, um das Ansehen Und der Reichskanzler gab sich nicht eher zufrieden, bis Bismarck's bei seiner Gemeinde zu retten. Dieser§ 11 so gefaßt war, wie er heute noch besteht, d. h. daß die Versuch muß aber mißglücken, bezeichnete doch der Herzog Worte, welche Geheimhaltung fordern", ersetzt waren durch von Lauenburg einem Vertreter der„ Leipziger Neuesten deren Geheimhaltung ihrer Natur nach erforderlich oder Nachrichten" seinen Streich als einen Steinwurf in den von seinen Vorgesezten vorgeschrieben ist". Entenpfuhl und rühmte er die That als eine selbsteigene. Die Hamburger Nachrichten", die doch berufen waren, die Schuld auf sich zu nehmen, veröffentlichten in unzweifelhaftem Einverständnisse mit Bismarck an hervorragender Stelle folgende an diesen gerichtete Verse:
Hurrah! Du kühner Fechter! Wie jeder Hieb da fiht, Wenn sich die Offiziöse
Darüber auch erhigt.
Schlag sie nur auf die Köpfe
Echirm uns mit diesem Schilde
Du deutscher Ekkehard.
Somit muß überhaupt die Frage nach dem Urheber der Indiskretionen verstummen. Eingestandenermaßen ist der erste Reichskanzler der ausschließlich verantwortliche.
Ueber den Zweck der Enthüllungen" bringt die Bank und Handels- Zeitung" einen Artikel, der Bismarck reinzuwaschen sucht. Dies gelingt ihr nicht. Sie bringt aber einen vielleicht nicht werthlosen Fingerzeig für die Veranlassung der Veröffentlichung. Sie schreibt:
Bar Nikolaus II. hatte die Absicht, während seines Auf enthaltes in Deutschland dem Fürsten Bismarck in Friedrichs rub einen Besuch abzustatten. Der junge Zar hegt für den deutschen Staatsmann das Gefühl aufrichtiger Verehrung und Zuneigung. Das Vorhaben seines Besuches war kein Geheimniß. Der Besuch ist unterblieben, auf eine Anregung hin, die nicht von niedriger Stelle tam. Wenn der Zar auf die Erfüllung seines Vorhabens und Wunsches verzichtete, so konnte es nur geschehen sein, weil ihm von höchster Regierungsstelle der Verzicht nahegelegt wurde. Wie wir zuverlässig erfahren, ist das auch der Fall gewesen."
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Rienzi.
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Weiter hielt bei Berathung der Novelle zum Straf gesetzbuch am 3. Dezember 1875 der Reichskanzler Fürst Bismarck eine lange Rede, aus der wir nur einige bezeichnende Stellen anführen wollen. Bezüglich des§ 353 a, des sogenannten Arnim- Paragraphen, hieß es hier:
Des dem
dem Abschlusse nicht bekannt gegeben, aber man erfuhr davon feineswegs erst aus den„ Hamburger Nachrichten", sondern nach dem Rücktritt Bismarc's. Jedenfalls tadelt man hier Geheimhaltung die anfängliche Bündnisses durch Bismarck unter Gesichtspunkte, daß Desterreich sich etwa in der Abwehr russischer Drohungen weiter gegen Rußland bätte vorwagen fönnen, als bei der Kenntniß beutsch russischer A b in a c) it in g.
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Von einem hervorragenden Staatsmann DesterreichUngarns foll ein Korrespondent des Pester Lloyd" die folgende Aeußerung über die Enthüllungen der„ Hamburger Nachrichten" erhalten haben:
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Daß Desterreich Ungarn im Jahre 1890 beim Ablauf des deutsch russischen Vertrages von demselben Kenntniß erhielt, entspreche nicht den Thatsache i.
Die Bundestrene der von Bismarck geleiteten auswärtigen Politik des Deutschen Reiches wird so in der schimpflichsten Weise leider aber richtig charakterisirt.
Daß die französischen Zeitungen aus den Enthüllungen der Hamburger Nachrichten" Kapital schlagen würden, war vorauszusehen. Der„ Eclair" unterzieht heute den zwischen dem Hamburger Blatte und dem„ Reichs- Anzeiger" geführten Austausch von Erklärungen einer Betrachtung und kommt zu dem Schluß, daß Desterreich von Deutschland " Die Disziplinarstrafe ist völlig unzu hintergangen worden sei und daß letzteres von 1884 reichend namentlich in einem Dienst, in dem sehr bis 1890 3 wischen Rußland und Desterreich wohlhabende und mitunter fehr ehrgeizige ein doppeltes Spiel gespielt habe, indem Leute sich befinden. Das äußerste Ergebniß einer Disziplinar- es mit beiden liebäugelte und beide Strafe ist die Dienstentlaffing. Die Dienstentlassung kann einem
Der Eclair" fährt fort:
unter Umständen fehr gleichgiltig sein, fann einen unter Um- verrieth. ständen in die Lage bringen, daß er sich in die Rüstung des politischen Märtyrerthums hüllen kann und für seine weiteren Pläne dann einen ge= wissen Vortheil zieht; kurz, das ist teine Strafe, die abschredt."
Man sieht, daß es dem ob seiner Schlauheit und Energie so berühmten eisernen Kauzler, obgleich er alles voraussah, nicht gelungen ist, das Deutsche Reich vor Thaten, wie sie eben der Herzog von Lauenburg verbrochen, zu schützen.
im Auslande liegen verschiedene Aeußerungen vor. InterUeber die Wirkung der Bismarck schen Judiskreditionen efsant ist eine Korrespondenz der Köln . 3tg." aus Wien , deren Schluß lautet:
Allerdings wird bedauert, daß diese in der hiesigen öffent. lichen Meinung Verwirrung und Mißtrauen hervorrufen und zu Parteiumtrieben gegen das Bündniß mit Deutschland be= nugt werden könnten; übrigens bewähre sich die Herzlichkeit dieses Bündnisses durchaus. Hinsichtlich der Frage, ob Bismarc's Abmachungen mit Rußland hier bekannt gewesen seien, liegt die Wahrheit in der Mitte. Dieselben wurden hier bei
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Gut und was sollen wir thun?"
Das ist ganz einfach," sagte der Kardinal mit friegerischem Feuer im Blick. Kein Augenblick darf verloren gehen. Laßt mich gleich in das Feld rücken."
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Aber sind wir start genug? Unsere Zahl ist noch geringe, der Eifer läßt nach!"
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Der letzte der römischen Wolkstribunen. Roman von Edward Lytton Bulwer . Jinocenz konnte kaum eines Lächelns sich erwehren, als er entgegnete:" Das Lamm, welches das Krenz trägt, bedarf der Stärke des Löwen! Seitdem wir uns zum Eure Heiligkeit weiß wohl," sagte der Kardinal, daß legten Male fahen, mein Sohn, habe ich unangenehme es für die meisten Menschen nur zwei Arten von Feld Nachrichten erhalten. Unsere Kouriere sind aus der Kampagna gefchrei giebt Freiheit und Religion. Wenn es mit der angekommen, die Macht des Johann di Vico hat sich Religion nachläßt, so müssen wir uns des profaneren schrecklich vermehrt und der in ganz Europa so gefürchtete Wortes bedienen. Entfaltet das Banner der Kirche, und Abenteurer kämpft unter seinem Banner." dann ruft:„ Nieder mit den Tyrannen!" Wir wollen uns parteiische Gesetze und freie Regierungen verkünden, und diese Versprechungen werden unserem Lager mehr Refruten zuführen, als Monreal durch das Geschrei: Hoher Sold und Plünderung!" gewinnen kann."
Spricht Eure Heiligkeit," fiel der Kardinal ein, von Fra Monreale, dem St. Johanniterritter?" " Jawohl," erwiderte der Papst, ich fürchte den kühnen Ehrgeiz dieses wilden Abenteurers."
Eure Heiligkeit hat Ursache dazu," sagte der Kardinal trocken.
Einige seiner Briefe sind in die Hände treuer Diener der Kirche gefallen, hier sind sie, lies sie, mein Sohn." Albornoz nahm die Briefe und las sie bedächtig durch, darauf legte er sie nieder auf den Tisch, und blieb einige Augenblicke schweigend und nachdenkend.
Giles d'Albornoz," sagte der Papst, indem er durch die Lebhaftigkeit des Kardinals angeregt, die gewöhnliche Form der Etikette aufgab, ich schenke Euch vollkommenes Zutrauen. Ihr seid jetzt die rechte Hand der Kirche, später werdet Ihr vielleicht deren Haupt. Ich fühle es zu gut, daß das Loos auf einen Unwürdigen gefallen ist. Mein Nachfolger muß meine Fehler wieder gut machen." Was dentst Du, mein Sohn?" sagte der Papst Keine Veränderung der Gesichtsfarbe oder des Blicks endlich ungeduldig. verrieth dem forschenden Auge des Papstes, welche Be" Ich denke, daß Monreal's fühner Unternehmungs- wegungen diese Worte in der Brust des ehrgeigen Kardinals geist und Johann di Vico's kein Mittel verachtende hervorgerufen hatten. Gr beugte demüthig sein stolzes Schlauheit es dahin bringen könnten, daß Eure Heiligkeit, wenn auch nicht die Ruhe, doch die Einkünfte des Lehrstuhls wieder beneiden möchten."
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Wie, Kardinal?" sagte der Papst, indem die Röthe des Zorns in seine bleichen Wangen trat. Der Kardinal fuhr ruhig fort:
Haupt, indem er erwiderte:„ Der Himmel gebe, daß Jn nocenz IV. lange leben möge, um die Kirche zum Ruhme zu führen. Giles d'Albornoz ist mehr Krieger als Geist licher, und das Geräusch des Feldlagers, das Ertönen der friegerischen Trompete rufen ihn zu dem Ziel, das er erstrebt. Aber haben Eure Heiligkeit ihrem Diener alles mit getheilt, was-
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Infolge dieser Enthüllungen hat Deutschland und das ift ein nicht zu unterschätzendes Resultat von dem moralischen Werthe etwas verloren, der einen Theil feiner Größe ausmachte, und seine Regierung ist in der Achtung der Völker gesunken. Bisher gab es in Europa nur eine schlecht renommirte Regierung, deres Unterschrift bei Verträgen gemeinhin als effektlos betretet wurde. Jetzt giebt es zwei. Deutschland streitet mit Engiand um die Palme der Perfidie. Zwar werden die dupirten Verbündeten voraussichtlich nicht sofort über ihre Enttäuschung ein lautes Geschrei erheben, aber jedenfalls auch nicht ewig stillschweigen. Desterreich, dessen Prestige in den Balkanländern immer mehr im Niedergang begriffen ist, weiß bereits, was es von der Unterstützung des Deutschen Reiches zu halten hat, und Italien wird sich in anbetracht seiner Niederlagen in Abessynien seiner dezimirten Armeen, seiner leeren Staatstaffe, seiner ruinirten Industrie und seines zurückgegangenen Handels bald fragen, was ihm die deutsche Freundschaft nüßt. Die Zeit des Krachs ist zwar noch nicht gekommen, aber nahe."
Es muß tiefbetrübend für die Leiter der deutschen auswärtigen Politik sein, sich solches sagen lassen zu müssen,
wir den Sitz des Apostels fast verloren haben. Rom , das schon so lange in anarchischem Zustande war, scheint jetzt in offenbarer Rebellion begriffen zu sein. Die Patrizier, diese Söhne des Belial, wurden allerdings nochmals gedemüthigt; aber ein gewisser Baroncelli, ein Demagoge, der wildeste, blutgierigste, dem der böse Feind jemals beistand, hat sich erhoben, wurde durch den Böbel mit der Macht bekleider und mißbraucht dieselbe, um das Volk ab zuschlachten und den Papst zu insultiven. Das Geſchrei des Boltes, das der Verbrechen dieses Mannes längst müde ist, ruft Tag und Nacht in den Straßen nach Rienzi , dein Tribunen."
" Ha!" sagte der Kardinal, Rienzi's Fehler sind also in Rom vergessen, und man fühlt in jener Stadt wieder dieselbe Begeisterung für ihn als in dem übrigen Italien !" „ Ach, es ist so!"
" But, ich habe schon daran gedacht, Rienzi kann mich begleiten!"
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„ Mein Sohn, der Rebell, der Ketzer?"
" Wird durch Eurer Heiligkeit Absolution ein ruhiger Unterthan und ein orthodoxer Katholit," sagte Albornoz. Die Menschen sind gut oder schlecht, je nachdem unsere Bwecke es gebieten. Welcher Unterschied ist zwischen einer Tugend, die uns nuklos, oder einem Verbrechen, das uns nüßlich ist? Die Armee der Kirche zieht gegen Tyrannen zu Felde, sie verkündet überall den päpstlichen Städten die Wiederherstellung ihrer volksthümlichen Konstitution. Sieht Eure Heiligkeit nicht, daß die Freilassung Rienzi's, des Volkslieblings, als ein Beweis Eurer Aufrichtigkeit gelten, sieht Eure Heiligkeit nicht, daß sein Name für uns werben wird, und daß der große Demagoge Rienzi dazu dienen muß, den kleinen Demagogen Baroncelli zu vernichten? Wir müssen die Römer wieder gewinnen. Wenn sie hören, daß Rienzi in unserm Lager ist, so werden wir bald von Baroncelli nichts mehr hören, und die Tyrannen werden von dem größten Theil ihrer Untergebenen verlassen ( Fortsetzung folgt.)
Nach diesen Briefen scheint es, daß Monreal an alle Hauptleute der Freibeuter in ganz Italien geschrieben hat, Nein," unterbrach ihn Junocenz, ich habe noch eben jedem, der als Söldner zu seinen Fahnen stoßen will, die so unerfreuliche Nachrichten. Dieser Johann di Vico, die höchste Bezahlung eines Kriegers und die reichste Beute des Pest möge ihn holen, der sich immer noch Präfekt von werden." Räubers versprechend. Er muß große Dinge im Sinn haben, Rom nennt( der erkommunizirte Schurke!), hat jene unglückich kenne den Mann!" i liche Stadt so sehr mit feinen Selfershelfern erfüllt, daß i