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Str. 110.

Mittwoch, 13. Mai 1885.

II. Jahrg.

Berliner Volksblatt.

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II.

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Organ für die Interessen der Arbeiter.

Das Berliner Volksblatt"

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Abonnementspreis für

Diefelbe heint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. ten veränd Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. Em 3. undoftabonnement 4 Mt. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags- Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf.

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( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.)

Redaktion: Beuthstraße 2.

Versteigerung von Kindern an den Mindeftfordernden.

Seeganmilie einer Gemeinde als Armenlaft anheimfällt, so kommt Wenn irgend eine im sozialen Rampfe verunglückte Fa es häufig genug vor, daß die unmündigen und ver mabrloften Rinder von der Gemeinde an den Mindestfor bernden in Roft und Pflege gegeben werben.

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light im petuniären Interesse der Gemeinde, aber sicherlich Es liegt nun auf der Hand, daß dies Verfahren viel night im Intereffe des verdingten Kindes ist.

2.­

Insertionsgebühr

beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 f. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., 3immerstraße 44, sowie von allen Annoncens Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen.

Expedition: Bimmerstraße 44.

3 Kindern. Die Mutter weint, fleht, protestirt in einem fort. Aber balb find bie armen Kleinen alle untergebracht". Ein Mädchen von acht Jahren für 31 Franks, ein anderes von sechs Jahren für 40 Frts., ein brittes, faum 2 Jahre alt, für 70 Frks."

-

Daß diese also versteigerten Kinder weder gute Pflege noch gute Behandlung erhalten werden, kann man sich wohl beaten. Doch dasselbe Schicksal haben wohl alle von den Gemeinden in Pflege gegebenen Kinder, innerhalb und außerhalb der Schweiz .

Man wird einwenden, daß die Gemeindebehörden die

Und dasselbe geschieht mit dem achtjährigen Mädchen, welches gleichfalls schon in's Arbeitsjoch gespannt wird, benn mit 31 Frants jährlich kann kein Kind in solchem Alter gekleidet und ernährt werden. So werden früh die Blüthen geknickt, bie sonst zu großen Hoffnungen berechtigen tönnten.

Doch nicht die Pflegeleute selbst tragen die Hauptschuld. Nein, die Gemeinden, welche solche arme, verlassene Kinder an den Mindestfordernden verdingen, anstatt fie für einen anständigen Preis einer anständigen Familie zu übergeben.­

Hier ist noch ein Stüd Barbarei in den zivilifirten

die Gemeinde für die Pflege eines Kindes zahlt," besto lechter ist dieselbe und befto weniger gut ist meistens auch Pflicht hätten, über diese versteigerten Kinder zu wachen, Ländern vorhanden, das denselben Schande bereitet und

he Behandlung des Kindes.

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Solche Kinder müssen ein tiefes Bedauern erweden. wenn man auch den Eltern oft genug Schuld an der Vereingebrochenen Ralamität geben muß, so tragen aber Seitig verbie größere Schuld unsere wirthschaftlichen Zustände

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welche Arbeitslosigkeit, Krankheit und somit Noth und

daß eine Unterlassungsfünde in diefer Richtung hin straf würdig sei vor Gott und den Menschen". Wir sind das mit einverstanden. Aber weiß man denn nicht, daß solche Ueberwachungen meist nur auf dem Papier stehen? Daß die schlechte Verpflegung und Behandlung meist nur dann an die Deffentlichkeit tommt, wenn mildherzige oder gehässige,

Glend in die arme Familie hineingetragen haben. Solchen vielleicht auch neidische Nachbarn die Pflegeleute denunziren?

Slagen tönnen nur wenig besonders feste Naturen wibers

Reben.

-

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Wenn nun, wie dies zumeist geschieht, folche Verfteige

hen, fo erregen dieselben wenigstens tein öffentliches Angerniß, wenn auch die Wirkung dieselbe bleibt.

Berden diese Bersteigerungen öffentlich abgehalten und In der Schweiz aber, besonders im Kanton Bern ane Rinder wie auf einer Auktion die Möbel natürlich

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Im Holfteinischen belegt man die Frauen, welche ge schäftsmäßig Pflegekinder übernehmen, mit dem sehr bezeich

Namen: Engelmacherinnen". Das heißt, diese Leute geben sich alle Mühe, die Kleinen recht rasch in den Himmel unter die Engel" zu verseßen. Noch vor ganz kurzer Zeit wurde, wie wir unsern Lesern schon mitgetheilt haben, eine Frau, die ihr brei monatliches Kind unmenschlich gemißhandelt hatte, in der Provinz Sachsen zu 4 Monaten Gefängniß verurtheilt.

nicht an den Höchstbietenden, sondern an den Mindeftfor- Für das arme Wesen zahlte die Gemeinde jährlich 36 Mart

und Nachbarfrauen haben denunzirt, da jebe Ron.

dernden losgeschlagen. So tam bort noch vor einigen Tagen eine solche Ver Borfall wird von schweizerischen Zeitungen folgendermaßen würden, weil sie sich um das Kind nicht bekümmern?- teigerung vor, die einigermaßen Aufsehen machte. Der bracht, daß auch die Gemeindebeamten ernsthaft bestraft

mält:

"

Die aame Mutter, Wittwe eines Arbeis rers in ber Gasfabrik Biel . wohnte dem Alte in unbeschreiblicher Aufregung bei und hörte nicht auf den Ausrufer zu unterbrechen. Ein Knabe von 10 Jahren, mit welchem Preis nimmt Jemand die­fen Knaben bis Zum Ende bes Jahres?" 40 Fres.! 35, 30 Frcs.? 28 Frcs.!.... Bugeschlagen für 28 Frcs. Die Mutter protestirt; fit will

bas Rind behalten um 20 Frcs. ohne Ent fäbigung, fie verlangt nichts, wenn man ihr nur die Kinder läßt, morgen schon will sie den Ort verlaffen, um der Gemeinde nicht mehr zur Laft zu fallen. Man befiehlt ihr, zu chweigen, denn sie habe nicht das Recht, Angebote zu machen. Der Handel geht weiter mit den übrigen

About verboten.]

33

831

Feuilleton.

3m Edfenster. Roman von Friedrich Gerstäder.

Doch was uns an der Schweizer Bersteigerung am meisten aufgefallen ist, das ist die große Verschiedenheit des Preises, ber für die einzelnen Rinder verlangt wird. Für den zehnjährigen Knaben nur 28 Franks, für das acht jährige Mädchen nur 31 Frants, für das sechsjährige 40 und für das zweijährige Rind aber 70 Frants!

-

er

Weshalb diese Verschiedenheit? Der Knabe braucht doch unzweifelhaft viel mehr Nahrung und Kleidung, als das fleine Kind, wenn auch weniger Pflege. Und dennoch wird für den zehnjährigen Knaben viel weniger verlangt foll die Roft und Kleidung a barbeiten, er foll noch mehr arbeiten, er foll noch für die Pflegefrau Pflege mutter solche Person zu nennen, if profan burch feiner Händchen Arbeit verbienen. Spiel und Freude werden ihm nicht vergönnt, ihm wird seine Jugend geraubt!

-

-

Tante uns Alle überleben könne, so fräftig und gefund sah sie immer aus- und nun auf einmal ist sie ausge gangen wie ein Licht! Es ist doch schrecklich, wie rasch man eigentlich sterben kann."

Na, Gott habe sie felig," sagte die Mutter mit einem Seufzer; gegen mich hat fie fich eigentlich nie be

harrte bie Frau Dberstlieutenant, und besser ist besser; vollem Herzen, ich trage ihr keinen Groll nach Du mußt ja boch auch hinüber, das ist Deine Pflicht und Schuldigteit als Bruder und Vater Deiner Kinder."

Man tann feinem Menschen ins Herz sehen," be sonders freundlich gezeigt, aber ich vergebe es ihr aus

mir Soch

fel an

-

-

und bas soll man auch nicht über das Grab hinaus, das wäre unchristlich. Und nun gute Nacht, Rinder,

-

Aber, liebes Herz, ich gehe ja auch, aber ich muß legt Euch nur gleich wieder schlafen und was ich noch fagen wollte, Hetty, morgen früh müßt Ihr gleich ausgehen, um Eure Trauerkleider herzurichten, und

-

nur

ziehen!

-

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Ich wollte, daß den Schuster der Teufel

Kranke ette er mit feuerrothem Ropf hinzu, das ist ja vergeßt dann auch nicht, etwas schwarz berändertes Ba ebesmal eine Thierquälerei! Wo ist denn mein Taschen- pier, ebensolche Ruverts und schwarzen Siegellad mitzu

tigt.

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alle feine verschiedenen Sachen zusammenfuchte und zum

bringen."

Der Kleine Mann brauchte eine ziemliche Beit, bis er Beggehen gerüftet war, und Henriette und Flora beftürm fleinen Hüten, die nach hinten ein wenig aufgebogen find

Nein, Mama, gewiß nicht," sagte Flora; aber weißt Du, Mama, dann kaufen wir uns auch gleich zwei von den

en indeffen draußen auf dem Vorfaal noch die alte Resy it Fragen nach tausend Kleinigkeiten und Einzelheiten,

die finde ich zu reizend..."

Nun, Rinder," sagte die Mutter, das könnt Ihr ja

Die Fie wiffen mußten. Sie ruhten auch in der That nicht machen, wie Ihr wollt, aber jegt geht zu Bett, es wird her, bis fie Alles heraus hatten, was die Resy selber spät. Morgen besprechen wir das Alles mit einander, nen fagen fonnte, und baten auch dann noch den Vater, und vielleicht gehe ich mit Euch und helfe Euch ein­

er ihnen doch ja gleich morgen früh-

-

fo früh, als

Nachricht sagen lasse oder am besten

um Frühstüd selber herüberkomme.

kaufen.

11

"

Gute Nacht, Mama, schlaf recht wohl!"

Gute Nacht, Kinder, ist auch die Vorsaalthür zus

Der Oberstlieutenant ging; er mußte allerdings noch geschlossen?"

inmal umlebren, denn er hatte den Hausschlüssel und seine Brille vergeffen, aber endlich tamen sie hinaus, und

-

Das ist ja doch ein recht trauriger Fall," sagte bie Frau Dberstlieutenant nach einer Weile, während sie aber

bielt

H

Ja, Alles feft."

-

" War denn die Hanna nicht auf?"

" Ach, die riegelt fich ja immer gleich fest ein, wenn sie in der Nacht braußen etwas hört!"

"

bas Licht zum Schlafengehen schon wieder in der Hand die kann man sich verlassen"

Lob der Tante noch nicht gefallen- ,,, ein recht trauriger

eine Thräne war in der ganzen Familie über den

Flora fah etwas überrascht zur Mutter auf.

-

Eine recht hübsche Eigenschaft," nickte die Mutter, auf und ging dann wieder in ihr Schlafzimmer, während die jungen Damen ihr eigenes Gemach aufsuchten, aber wahrlich noch nicht an Schlafen bachten. Wie hätten sie auch jest, in all der Aufregung, mit all' den neuen Plänen, die ihre Herzen erfüllten, nur

Mama, wie wir neulich noch davon sprachen, daß die " Und so schnell," sette Henriette hinzu. Weißt Du, einschlafen fönnen!

" Du, Hetty," sagte Flora, wie sie kaum das Licht

baldmöglichst ausgerottet werden muß. Verwaltung und Gesetzgebung, welche sich nur nach einer diesen Gegenstand speziell betreffenden Richtung bewegen, fönnen natürlich allein nicht helfen. Die Haupthilfe kommt durch Befferung der wirthschaftlichen Lage der Masse des Volkes und diese Besserung thut der Schweiz , aber vor allem auch unferem Vaterlande Noth.

Die

Politische Uebersicht.

Reichstags war unstreitig sie am vergangenen Sonnabend. Es handelte fich um neu zu schaffende gesetzliche Bestimmungen über die Sonntagsarbeit. Der Reichstag hatte seiner Beit eine Kommission zu dem Bwed gewählt, zeitgemäße Abänderungen in Vorschlag zu bringen. Nach 19 langen Sigungen war die Kommiffion fich dahin einig geworden, einen neuen§ 105a für Gewerbeordnung vorzuschlagen, der im Grunde genommen recht dehnbar ist unb nur verlangt, daß die Sonntagsarbeit verboten sein soll soweit der Bundesrath fte nicht mit Rück ficht auf die Bedürfnisse des praktischen Lebens erlaubt.- Dem nationalliberalen Abg. Dr. Buhl war dieser Kommissionsantrag aber noch zu weitgehend er verlangte eine Enquete, um fest­zustellen, ob und in welchem Umfange die Beschäftigung von Arbeitern an Sonn- und Festtagen in gewerblichen und Handelsbetrieben verboten werden fönne."- Ueber die geschrieben und gesprochen worden, daß es vollständig über­Nothwendigkeit der Sonntagsruhe ift bereits soviel

flüssig erscheint, auch nur noch ein Wort darüber zu verlieren. Den Angelpunkt jedweder Diskussion bildete immer die Frage, ob eine gefeßliche Regelung nothwendig set. Während von Seiten der Arbeiter stets mit Nachdruck betont wurde,

das nur durch die Gesetzgebung auf diesem Gebiete etwas er reicht werten tönne, befleißigten sich die Anhänger des Man­chefterthums, bei jeder Gelegenheit darauf hinzuweisen, daß der Rader von Staat schon heute der Freiheit" Feffeln genug an gelegt habe und daß es daher für die Arbeiter höchst nach

-

bellig fein würde, wenn der Polizei noch die Kontrole der Sonntagsruhe anheimfalle. In dieser Tonart pfiffen die Führer des Manchesterthums vor und der Chor ihrer Anhänger beeilte sich, die Weise mit großer Virtuofität in allen mög

ausgelöscht hatten- und ihre beiden Betten standen fich in dem engen Rämmerchen gerade gegenüber weißt Du, so einen schwarzen Rohlenschmuck müssen wir jetzt haben, man muß doch etwas an Schmud tragen!"

Wir haben ja schon die schwarzen Rorallen," sagte Jettchen, bie sehen noch ganz gut aus."

Dh, bie sind mir schon zur Last," meinte die jün­gere Schwefter, und keiner von unseren Ohrringen oder Armbändern paffen auch dazu! wenn es nur erst morgen wäre- ich freue mich auf das Einkaufen!"

"

Was nehmen wir denn am besten?" fragte Henriette nach einer kleinen Bause, in der Beide eifrig nachgedacht. Schwarze Straußfedern doch wahrscheinlich auf die Hüte schwarze Blumen gefallen mir gar nicht."

" Ach, ich weiß nicht!" meinte Flora. Louise von Hebern trug neulich doch auch Trauer, und die hatte wirk­lich prachtvolle Blumen von Sammet und kleinen schwarzen Berlen und Schmelz auf ihrem Hute- es fah zu reizend aus!"

Man hat jezt auch schwarz gefärbte Reiherfedern, die fich recht gut machen. Nun, wir lassen uns von Allem einmal etwas nach Hause schiden und sehen bann, was uns am besten gefällt."

Der arme Papa muß jeht die ganze Nacht bei der Leiche fißen," sagte Flora nach einer Weile- huh, mich graust's, wenn ich nur daran benke!"

Der Doktor Potter ist ja bei ihm, der leistet ihm ge­wiß Gesellschaft."

" 1

Und wann erfahren wir nun, wie es mit dem Testas ment steht?" fragte Flora. Eigentlich sollte Einem das doch gleich gesagt werden."

"

Ach, das werden wir vielleicht schon morgen früh hören!"

meinte die Schwester." Papa ist ja drüben und sieht das gewiß gleich nach

hat?"

-

Flora, ich bin so neugierig..."

Aber, wenn fie nun gar kein Testament gemacht

-W

Dh, gewiß erzählte es nicht der Vater? Aber das wäre einerlei, wir sind ja doch die nächsten Ver wandten?"

Wenn nun aber die Mäusebrods" tämen?"