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Ur. 182.

Freitag, den 7. August 1885.

II. Jahrg.

Berliner Volksblatt

Organ für die Intereffen der Arbeiter.

Das Berliner Volksblatt"

scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 f. Bostabonnement 4 Mt. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags- Nummer mit illuftr. Beilage 10 Pf. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.)

Redaktion: Beuthstraße 2.

-

Insertionsgebühr

beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaux , ohne Erhöhung des Preises, angenommen.

Expedition: Bimmerstraße 44.

Ausländische gegen einheimische Arbeiter. während Streitigkeiten und Schlägereien wiſchen einheimi fuhr ins Land erschwert worden, frembe Arbeitskräfte ba­

Auch in Berlin hatten Bauunternehmer vor, auslän­bische, polnische und italienische Arbeiter heranzuziehen, um fie im Kampfe gegen deutsche Arbeiter zu verwenden. Wie sscheint, find die Herren aber vollständig von ihrem Be­rtheidig fluffe wieder abgekommen, wahrscheinlich zurückgeschreckt worben durch die große Verantwortlichkeit, die sie auf sich geladen hätten.

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Aber nicht nur die Berliner Baumeister sind von einem berartigen Gedanken befallen gewesen, derselbe ist oft genug in Deutschland ausgeführt worden. So berichteten wir fürz­lich noch aus Bayern , daß dort zahlreiche italienische Ar­beiter beschäftigt würden und in Oberschlesien wimmelt es bekanntlich von polnisch- russischen Arbeitern. Dann ist es gewiß manchem Leser noch erinnerlich, daß vor 3 oder 4 Sabren beim Bau des Maintanals gegen 1200 Italiener beschäftigt waren für einen Tagelohn von 1 Mark!

Solchen Lohndrückern" gegenüber haben wir schon ver­schiedentlich unsere Stimme erhoben. Dabei betonen wir immer wieder, daß uns ausländische talentvolle und bedürf­nisvolle Arbeiter willkommen in Deutschland sind, weil die felben die Löhne heben und auf die Sitten der heimischen Art

bet

ihrer Bedürfnißlosigkeit den Lohn brücken und die Sitten heimischen Arbeiter verderben.

Und da ist uns unser Deutschland doch viel zu

lieb, um durch die mißverstandene Phrase der Inter­ationalität", wie sie unter anderen auch Dr. May Hirsch

in die Welt schreit, uns auch nur für einen Augenblick irre

führen

futen zu laffen.

Wir wenden uns also entschieden besonders gegen die

organisirte Heranziehung fremder, anspruchsloser Ar­

beiter

in den anderen Kulturländern haben in ähnlichen Fällen es immer genau so gehalten.

nach Deutschland . Die Arbeiterorgane und Arbeiter

Wer

erinnert sich nicht der Straßenunruhen und Schlä gereien, welche im Herbst 1877 in London stattfanden,

gewiß doch keine

"

italienischen lettere zu geringeren Lohn arbeiteten als die einheimischen.

Und in Marseille ? Wie ging's dort noch vor wenigen Jahren zu, wo doch seit jeher die Inter­nationalität" der Arbeiter in hoher Blüthe steht? Die Gerichte haben sich sich dort mit den blutigen Kämpfen und Todtschlägereien übergenug beschäftigt, so daß Jeder weiß, daß die französischen Arbeiter durch den 3Buzug der anspruchsloseren italienischen Arbeiter empört, zur Waffe griffen, um die eingedrungenea ,, Lohnbrücker" zu vertreiben. Rämpfe, nein förmliche Straßenschlachten wurden in Marseille jener Beit geliefert jener Beit geliefert und tausende von Italienern mußten in Folge derselben in ihre Heimath zurückkehren.

So zeigen die Arbeiter überall selbst, wie sie die Frage der ausländischen Arbeiter" auffassen.-

Wir lesen eben mit einem gewissen Erstaunen in einer liberalen 3eitung die Gründe, welche auch von diesem Standpunkte gegen die Heranziehung ausländischer Arbeiter im Allgemeinen und besonders in Streitfällen" sprechen; diefelben zerfallen, wie es da heißt, in Gründe sozialer, wirthschaftlicher und nationaler Art. Hören wir also: Wie Jebermann, so ist der Arbeiter auch Konsument und als solcher nicht zu unterschäßen. Der deutsche Arbeiter ist konsumfähig und konsumkräftig und seinerseits für das Fortkommen anderer Kreise unentbehrlich. Wenn nun an

feine Stelle der polnische Arbeiter tritt, welcher von Schnaps und Brod lebt, oder der italienische Arbeiter mit noch geringeren Bedürfnissen, so werben auch weitere Kreise dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Der Konsum der Arbeiter wird geringer, der Umsatz stockt und weit über die Gesellschaftsschicht der Arbeiter hinaus wird sich eine begründete Unzufriedenheit geltend machen."

Dagegen kann gewiß nur ein Unternehmer etwas ein­wenden, der auf alle Fälle recht billige Arbeitskräfte haben will andere verständige Menschen werden sich mit Weiter obigem Saße sicherlich einverstanden erklären. heißt es dann:

-

" Ferner ist zu erwägen, ob nicht die Heranziehung

|

gegen sollten unbehindert herangezogen werden können im Kampfe und zum Schaben der einheimischen Ar­beiter Darin liegt offenbar ein bedenklicher Widerspruch, welcher den sozialen Frieden zu gefährden geeignet ist, was jeder unbefangene Mensch, ob er im Uebrigen Freihändler oder Schutzöllner ist, wird zugeben müssen."

In vorstehenden Säßen befindet sich allerdings etwas Bedenkliches. Weil 3ölle auf ausländische Maschinen und Fabrikate gelegt worden sind, deshalb sollen die fremden Arbeitskräfte nicht ins Land- so darf man die Sache doch nicht auffaffen, das würde ja bedeuten: Wenn ein Fehler gemacht wird, so muß auch sofort der zweite gemacht werden! Fremde Arbeiter, wir müssen es nochmals wiederholen, sollen in unser Land kommen, aber keine bedürfnißlosen Fremd= linge mit schlechten Sitten und Gewohnheiten und diese sollen auch nicht herbeigezogen werden in Zeiten des Ar­beitsüberflusses.

Vielleicht aber hat sich der Verfasser in obigen Säßen, besonders was den Gegensatz zwischen Schutzzollpolitik und Ueber­führung frember Arbeit betrifft, nicht ganz scharf genug aus­gebrückt, wenigstens deuten daraufhin die Ausbrüde: Schuß ber nationalen Arbeit und fremde Arbeitskräfte im Kampfe und zum Schaden der einheimischen Arbeiter". Dann müßte es aber also heißen:

"

Die Regierung und die Schutzöllner haben wiederholt erklärt, daß durch die neue 3ollpolitik die nationale Arbeit geschügt werde und daß dadurch die Arbeiter

höheren Lohn und eine beffere Lebens­ftellung erhalten würden; wenn man aber aus­ländische Arbeiter zum Rampf und zum Schaden" der heimischen Arbeiter herbeizieht, so wird der angepriesene( aber nicht vorhandene) Vortheil der Schutzzollpolitik für die Ar­

beiter illusorisch."

So erst tritt der Widerspruch scharf zu Tage!

Bum Schlusse nun sagt der Korrespondent des liberalen Blattes:

,, Endlich kann es nicht gebilligt werden, daß die Arbeit­auf und verstän=

verdacht wird. Was dem Einen recht, ist dem Andern vor Allem auch die Pflicht des Arbeitgebers sein. Mag man sächsische, bairische oder schwäbische Maurer nach Berlin be­

deutsche Arbeiter als Aushilfe nach London hatten künstlich herbeigeführt, ein Schnitt ist ins eigene Fleisch, ob digen suchen, während den Arbeitern derselbe Leute, die eben auch noch kein Solidaritätsgefühl besaßen, kraft bedeutet. In 3eiten des Arbeitsüberflusses billig. Allezeit und in erster Linie national zu denken, sollte den Schutz der Polizei stellen mußten in einer Weise angefeindet, daß sie sich fortwährend unter läßt sich gegen die Heranziehung ausländischer Arbeitskräfte zur Aushilfe nichts einwenden. Allein gegenwärtig ist eher beneidenswerthe Stellung. Schließlich aber mußten die Arbeitsmangel als Arbeitsüberfluß vorhanden und zum Theil rufen, Niemand wird dagegen Einwände erheben können. Nermsten, von den Londoner Meistern nach Beendigung des deshalb in Gestalt von Schutzöllen ein weitgehender Polnische oder italienische Arbeiter heranzuholen, sollte in­Streits im Stiche gelassen, mit Schimpf und Prügel be laben nach Deutschland zurückkehren. Schutz der nationalen Arbeit" durchgeführt worden, an welchem auch die Arbeiter theilnehmen sollen. Fremden Maschinen, Halb- und Ganzfabrikaten ist die Ein­verbrecherischer Pläne sein, wie Ihr. In dem Brief aber besitzen wir das, was wir so lange zu besigen gewünscht haben, nämlich einen Faden, um mit Hilfe der Polizei den Mormonen auf die Spur zu kommen, möglichen Falls ihnen sogar das Mädchen zu entreißen und unter gesetzlichen Schuß zu stellen."

Im Elsaß fanden zu Ende der siebziger Jahre fort­

Radbrud verboten.]

221

Feuilleton.

Das Mormonenmädchen.

Amerikanische Erzählung

DON Balduin Möllhausen

.

( Fortsetzung.)

überrascht. Euer Bootsmann hat mir auf dem Herwege die ganze

Was wißt Ihr von dem Briefe?" fragte Weatherton

Weatherton fann eine Weile nach. Er schien mit sich selbst im Kampfe zu liegen.

Weiß außer Euch noch Jemand um diesen Brief?" fragte er endlich. Niemand."

"

" Sat, so will ich auch nicht, daß sonst noch Jemand um denselben wisse; denn durch mich soll Hertha Jansen

ift," entgegnete Falk; außerdem gab er mir aber auch noch nicht in Berührung mit den Gerichten gebracht werden.

Nein, niemals, und sollte mein ferneres Forschen nach ihr

dessen schon der Patriotismus verbieten. Daß ausländische Arbeiter in größerer Anzahl in ein Land berufen werden, wo einheimische Kräfte feiern, dies könnte schließlich auf zur Seite stehen, so bin ich Euch zum größten Danke ver­pflichtet.

" Ihr habt ja schon mein Wort," unterbrach ihn Falt mit Wärme, denn Weathertons Edelmuth gefiel ihm eben so sehr, wie er innige Theilnahme für dessen aufteimende Leidenschaft und das Mormonenmädchen selbst empfand.

Die näheren Umstände meiner jüngsten Erlebniffe bleiben also ein Geheimniß zwischen uns," versette Weather­ton in fast bittendem Tone.

,, Bleiben ein Geheimniß zwischen uns," pflichtete Falk bei, und unseren vereinigten Kräften und Bemühungen wird gewiß Manches gelingen, was wir in diesem Augenblick für unmöglich und unerreichbar halten."

Nach diesem feierlichen Uebereinkommen schien Weather­ton sich mehr zu beruhigen, und bereitwillig gab er seinem Freunde eine umständliche Erzählung dessen, was Raft nur

Eurer im Starrkrampf geschlossenen Faust förmlich heraus- vergeblich bleiben. Ich will zu den Leiden, welche sie zu des alten Burschen, denn wie er mir versicherte, hat er den verhalte, unvermeidlich wäre es, sie zum 3eugen gegen ihren vollen Brief übergeben und ihn demnächst nach dem Werft baß er noch leferlich blieb. Ich bewundere vie Ueberlegung lichen Kränkung fügen. Denn wie die Sache sich auch immer Brief nur aufgehoben, weil er vermuthete, es sei in dem eigenen Verwandten aufzufordern. felben etwas enthalten, was zur Entdeckung der Mörder danken nicht zu ertragen! Und welche Entschuldigung hätte Gestalt des eitlen und charakterlosen Grafen zu erkennen;

führen könne."

H

Wo ist der Brief?" fragte Weatherton erregt. getrocknete Papier barreichend. Hier," antwortete Falf, ihm das wieder geglättete und

Ich vermag den Ge­

ich, wenn diejenigen, gegen welche wir Verdacht hegen, dennoch unschuldig wären! Nein, so lange ich es zu hindern im Stande bin, follen sie nicht auf diesen Beweis hin ver­folgt werden."

Was aber werdet Ihr antworten, wenn man Euch darüber zur Rechenschaft zieht, daß Ihr es unterließet, den Euch ertheilten Befehlen nachzukommen und von dem Durchsuchungsrecht Gebrauch zu machen?" fragte Falk

Weatherton nahm es und betrachtete es sinnend. " The tennt den Inhalt?" fuhr er fort zu fragen. " Gewiß kenne ich den Inhalt?" erwiderte der Maler, schrieben haben, jedenfalls besigen wir in diesem unschein zweifelnd. frio mag ihn bas junge Mädchen oder Jemand anders ge

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stückweise und höchst unzusammenhängend mitgetheilt hatte. In dem Deutschen , welcher Weatherton den verhängniß hinuntergeführt hatte, glaubte Falk wohl die aufgeblasene allein von der anderen Seite schien es ihm auch wieder un glaublich, daß derselbe mit den Mormonen in Verbindung getreten und sogar zu einem gemeinen Verbrecher herab gesunken sein könne. Jedenfalls aber beabsichtigte er, bei nächster Gelegenheit Veranlassung zu nehmen, über der beiden Edelleute heimliches Treiben genauere Erkundigungen ein­zuziehen, ob wirklich nur ihr meisterhaftes Kartenspiel ihnen in letzter Zeit die Mittel gewährt habe, sich mit einem, un­gewöhnlichen Luxus zu umgeben.

Sich noch einmal an Abraham, den schlauen Mormonen­

Mormonengesellschaft vorgehen zu können, die unbedingt Mormonen," antwortete Weatherton bestimmt, indem er sich agenten zu wenden, hielten die beiden Freunde für über­Wenn Hertha Jansen den Brief wirklich schrieb, was Mädchen Schutz angedeihen zu lassen, und deshalb meine Hand im Spiele, zu verschlagen, zu vorsichtig und zu gut tenne, dann hat sie ihn nicht mit der Absicht, mir zu schaden, schüttert. Im Gegentheil, je mehr ich zu der Ueberzeugung eine Unsicherheit in seinem Benehmen zu zeigen; abgesehen geschrieben; nein, ich verpfände meme Ehre dafür;" ver

ich nicht zu entscheiden vermag, indem ich ihre Hand nicht Forschungen unermüthlich fortzusehen, ist indessen nicht er­

fette Weatherton heftig. gelange, daß Hertha Jansen sich in unredlichen, ja ver­brecherischen Händen befindet, um so fefter steht mein Ent­junge Mädchen kann eben so gut ein unschuldiges Opfer Hinderniß entgegenstellt. Wollt Ihr mir helfend und rathend haben würde. " Auch ich bezweifle das nicht," beruhigte Fall, bas schluß, nicht gleich ba zurückzuschrecken, wo sich mir das erste

davon, daß er sie, bei seinen weit reichenden Hilfsmitteln, erst recht von der Spur Jansen's und Rynolds' abgeleitet und diese von jeder Verfolgung rechtzeitig in Kenntniß gefeßt