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Nr. 203.
Dienstag, den 1. September 1885.
II. Jahrg.
Berliner Volksblatt
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Organ für die Interessen der Arbeiter.
Das Berliner Volksblatt
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wüchse der Frauenemanzipations- Bestrebungen in England und Nordamerika mit der Frauenbewegung überhaupt zu
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Zur Frauenbewegung.
einige verrückte Engländerinnen oder Amerikanerinnen sich in phantastischen Trachten sehen ließen, so erklärte man dies für das Wesen der Emanzipations- Bestrebungen. Das Wort Emanzipation der Frauen" ist überhaupt viel mißbraucht und mißdeutet werden. Indessen nahm die Frauenbewegung einen ernsten Charakter an, indem man fich mit ernsten und wichtigen Gegenständen beschäftigte. Doch wurde die Bewegung zuerst auf einen Abweg geführt. Bürgerliche Damen, Frauen von Professoren, Kaufleuten und Beamten, die sich mit den ihnen nicht gebührenden Titeln ihrer Männer schmückten( die Frau Kommerzienrath, die Frau Geheimrath, die Frau Professor, die Frau Doktor u. s. m.), traten auf und brachten der Frauenbewegung jene Verslachung und Verödung bei, welche der Arbeiter bewegung durch die liberalen Bildungsvereine beigebracht werden sollte. Daß jene zuweilen recht viel und recht albern schwatzenden Damen von unseren wirthschaftlichen Zuständen feine Ahnung hatten, ist klar; ihre Männer hatten sie ja auch nicht. Jene Damen glaubten mit allen sozialen und wirthschaftlichen Fragen fertig zu sein, wenn fie Volksküchen errichteten und junge Mädchen in einigen Handarbeiten unterwiesen. Sie hielten es für ganz lobenswerth, wenn Die Frauenversammlungen, die in den letzten Wochen die Töchter leiblich fituirter Familien für große Geschäfte an mehreren Orten Deutschlands stattfanden, haben die all- nähten und stickten, um für das so verdiente Geld sich gemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Man kann mit einen Ballstaat anzuschaffen. Daß damit den Näherinnen Genugthung sagen, daß jenes Vorurtheil zu weichen beginnt, und Stickerinnen von Beruf die Löhne gedrückt und die schnöde Philister so lange gegen ein selbstständiges Auf- Arbeitsgelegenheit erschwert wurde, zog man nicht in treten der Frauen in wirthschaftspolitischen Angelegenheiten Betracht. Man dachte gar nicht daran, Arbeitsnachweise aufrecht zu erhalten wußten. Man sehe einmal die Blätter für Näherinnen und Stickerinnen von Beruf zu errichten; aus dem Jahre 1848 nach und man wird staunen, wie groß für jene verschämten Armen" aber wurden sehr bald Ver od in jener Epoche freieren Denkens das Vorurtheil gegen mittelungsanstalten hergestellt, wo Zuweisung und Ablieferung der Arbeiten geheim geschehen konnte, damit die Theilnahme des schwächeren Geschlechts an der Erörte= Eine Frauenver betreffenden Damen fich nicht zu schämen brauchten. Ihre fammlung hielt man 1848 in Leipzig z. B. für etwas so Verehrer sollten doch nicht erfahren, daß sie für Geschäfte Undenkbares, daß ein Spaßvogel", der den VersammSolcher Vermittlungsanstalten, die behilflich lungseifer der Demokraten verspotten wollte, eine sind, den armen Näherinnen das Brod wegzunehmen, giebt Dienstmädchenversammlung ausschrieb in der Meinung, es heute noch genug. Sie leisten der albernen Anschauung, damit einen Wih gemacht zu haben. als sei die Arbeit eine Schande, Vorschub. bem Spaß wurde Ernst; es kam eine große Anzahl von mehrere von ihnen ergriffen das Wort, um sich über die lechte Behandlung und Bezahlung seitens der Herr haften" zu beschweren. Der„ Spaßvogel" sah sich plöglich im Dienste jener Kraft, die stets das Böse will und doch bas Gute schafft", und er hat sicherlich einen ähnlichen Spaß" nicht wieder versucht.
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Man hat immer den Versuch gemacht, einzelne Aus
Pobrad verboten.]
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( Fortsetzung.)
arbeiteten.
Die Frau Professor, die Frau Doktor, die Frau Kommerzienrath konnten, wenn sie den Klemmer nur richtig auf der Nase hatten, sehr weise Gesichter machen und ihre Freude darüber ausdrücken, daß so viele Frauen in die Fabriken gingen. Wenn die Kinder größer waren, fonnten sie ja mit den Müttern und Vätern gehen und auch arbeiten. Dann, so sagten jene Damen, verdiente ja die ganze Familie und man war aller Sorgen enthoben. Daß jene Art von Beschäftigung nicht nur die Löhne sinken macht und die
Leidenschaften nicht vollständig zu beherrschen verstehen, ist eine sehr gefährliche Waffe, eine Waffe, deren Schneide bei unbesonnenem Gebrauch sehr leicht gegen unsere Kirche gewendet werden kann."
Wir sind Mormonen und Männer, die im Rampfe gegen die Verhältnisse ihre Leidenschaften beherrschen lernten," versette Elliot mit falter Ruhe.
Gewiß, gewiß," pflichtete der Apostel bei, was Ihr nnserer Kirche seib, bleibt unvergessen; befäßen alle Männer, die wir zählen, nur die Hälfte Eurer Willenskraft,
" Ja, das ist es!" rief Elliot aus, und der von einem um besser zu hören, auf die Kniee erhoben hatte, glaubte entgegensehen." jähen Schrecken ergriffene Maler, der der sich an dem Fenster, bas Knirschen seiner 3ähne zu vernehmen; verschafft mir
manchmal in unerreichbare Ferne gerückt erscheint, wird zu unser Aller Zufriedenheit endigen."
so dürften wir mit weniger Besorgniß der nächsten Zukunft
Die Unterhaltung ging nunmehr von den Privatangelegenheiten wieder auf die bedenkliche Lage des Landes über. Namentlich wurde die weitere Befestigung der Fort Utah näher befindlichen Engpässe besprochen, zu welcher Elliot einen Theil der ihm zu Gebote stehenden Kräfte und außerdem die ihm zugeführten Geschüße ver
Indem er so sprach, suchte er Rynolds' Augen, um ihm verstehen zu geben, daß ihm sowohl wie Holmsten diese Bersicherung gelte. Es wurde von Beiden auch so auf wenden sollte. gefaßt, denn die düsteren nachdenkenden 3üge der letzteren erhellten sich flühtig, während Rynolds ohne Scheu, zum Beichen, daß er mit dieser Erklärung zufrieden sei, offen und durch ein zufällig erzeugtes Geräusch eine Entdeckung berbei
guftimmend nickte.
Jansen dagegen war erbleichend auf seinen Stuhl zurückgesunken, und mächtig arbeitete seine Brust unter
Für Falk hatte dies kein Interesse mehr, doch wagte er nicht, sich von der Stelle zu rühren, aus Besorgniß,
zuführen und in Folge dessen dem gefangenen Freunde den legten Weg der Befreiung abzuschneiden.
Erst nach Verlauf einer weiteren halben Stunde, als
ber Rampf in seinem Innern wurde schnell entschieden, als Fenster machte, ohne daß dadurch die Stube sich mit Rauch er plöglich die vorwurfsvollen Blicke Rynolds auf sich ge- angefüllt hätte, änderte er seine gezwungene Stellung. richtet sah. Der auf fünstliche Art wach grhaltene Fana
Er schloß sich darauf dem jungen Delawaren an, der,
fismus fiegte über alle Bedenklichkeiten. Aber er wurde seine Aufgabe auf dem Dache als beendigt betrachtend, noch finsterer und verschlossener, und das Haupt finnend wieder geräuschlos hinuntergestiegen und an seine Seite ge auf die Brust neigend, schien er sich an der ferneren Be- schlichen war. rathung nicht mehr betheiligen zu wollen.
Schnell gelangten sie sodann in den an dem Garten der vorbeiführenden Weg, wo sie von dem vorausgeeilten Biber erwartet wurden, doch zogen sie sich nur so weit in der Richtung nach dem Flusse zurück, daß sie, ohne von dem Hause aus entdeckt zu werden, über ihre weitere Handlungs
Wird Euch das
Apostel, der hier eine willkommene Gelegenheit sah, die Ge noffen an sein Uebergewicht zu erinnern. Berlangte zugestellt, so betrachtet es als einen Beweis des unbedingtesten Vertrauens, welches in Eure Umficht gesetzt weise berathschlagen konnten.
Sie waren noch zu keinem bestimmten Entschlusse ge
eine solche Vollmacht in den Händen von Leuten, die ihre langt, da öffnete sich die Thür von Holmsten's Haus, und
Arbeitslosigkeit steigert, sondern auch die Familie zerstört, wußte man nicht.
Buweilen hielten die leitenden Damen auch Vorträge und erzählten von den Gefahren der großen Städte für junge Mädchen, von der Vortrefflichkeit der bürgerlichen Küche und vielleicht auch vom Monde.
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Dieser Unfug der Berliner sagt Mumpit besteht noch fort. Aber er berührt nur noch gewiffe Kreise; die Frauen und Mädchen, die zum arbeitenden Volke gehören, bekümmern sich nichts darum. Die Arbeiterinnen haben sich schon lange in Deutschland mil den öffentlichen Angelegenheiten beschäftigt und haben erkannt, daß sie sich selbst um ihre wirthschaftliche Lage bekümmern müssen, wenn eine Besserung erzielt werden soll. Das materielle und moralische Elend ist unter den Frauen und Mädchen größer als unter den Männern. Wir sind keine Anhänger von übertriebenen Forderungen und Utopistereien, aber wir müssen gemäß unseren Anschauungen den Frauen das Recht einräumen, sich selbst um ihre Angelegenheiten zu bekümmern. Daß unter den deutschen Arbeiterinnen zahlreiche Elemente bestrebt sind, eine umfassende Frauenbewegung in Fluß zu bringen, darf als ein erfreuliches Beichen geistigen Fortschritts aufgefaß! werden. Wie weit man noch in diesen Dingen in Deutschland im Allgemeinen zurück ist, ergiebt sich schon daraus, daß z. B. in Bayern Frauenvereine, die von der Behörde als politische angesehen werden, einfach nicht gestattet sind. Und doch besigen die Arbeiterinnen in Nürnberg das Stimmrecht zum gewerblichen Schieds gericht!
Durch den Eintritt in Krankenkassen und ähnliche Vers einigungen werden die Frauen und Mädchen den öffentlichen Angelegenheiten ganz von selbst näher gebracht. Mögen mehr und mehr die alten Vorurtheile schwinden, damit die Frauen und Mädchen des arbeitenden Volkes burch selbstständige Betheiligung an den öffentlichen Angelegenheiten Verständniß für unsere Beitfragen gewinnen und endlich auch zu einer Besserung ihrer wirthschaftlichen Lage ge= langen.
Politische Uebersicht.
Das neue Lotteriegesetz dürfte zur Folge haben, daß
der Antrag auf Vermehrung der preußischen Loose in der bes vorstehenden Seffion mit größerem Nachdruck erneuert wird. Das neue Gesez leistet ihm direkt Vorspann und das ist wohl auch der Grund, weshalb er trop mancher Bedenken schließlich die Zustimmung der Regierung gefunden hat. Recht bemerkens werth ist, daß die Zentrumspreffe jetzt für die Vermehrung der preußischen Lotterieloose, gegen die in der letzten Seffion des Landtags die Frattion mit wenigen Ausnahmen gestimmt hat, mit Entschiedenheit eintritt. So äußert sich der ultramontane
vor dem schwachen Lichtschimmer erkannten sie deutlich, daß der Apostel, Jansen, Elliot und Rynolds fich vers abschiedeten, während Holmsten mit der Lampe in der Thür stehen blieb und ihnen von dort aus durch den Garten nachleuchtete.
Die kleine Pforte fiel ins Schloß, der Apostel rief noch ein sehr leutseliges Lebewohl zurück, welches Holmsten mit entsprechender Höflichkeit erwiderte, und gleich darauf verschwand letzterer im Innern des Hauses. Die Thür wurde mit lautem Geräusch zugeworfen und dann nicht nur der Schlüssel zweimal im Schloß umgedreht, sondern auch noch eben so geräuschvoll zwei Riegel von Innen vors geschoben.
Sie entdeckten
Die Delawaren und Falk beabsichtigten jetzt nur noch so lange zu warten, bis die Mormonen sich ein Weniges weiter entfernt haben würden, um dann gleichfalls den Rückzug anzutreten, als ihre Aufmerksamkeit plöglich wieder nach dem Hause hinübergelenkt wurde. nämlich, daß in dem Gemach, in welchem die Berathung stattgefunden hatte, Jemand das Licht auslöschte. Da aber bas Raminfeuer noch immer einige Helligkeit verbreitete, so fonnte es auf keiner Täuschung beruhen, als sie eine männliche Gestalt zu bemerken glaubten, welche das eine Fenster in die Höhe schob, mit vorsichtiger Bewegung durch dasselbe in den Garten hinausstieg und demnächst eben so behutsam das Fenster wieder nieberzog.
Gleich darauf verschwand die Gestalt im Schatten, doch hörten sie in der nächsten Minute, daß die Gartenpforte leise geöffnet und wieder geschlossen wurde.
Wohin die Gestalt, in welcher fie Holmften erriethen, sich bewegte, vermochten sie nicht zu unterscheiden, weil die schwarzen Häusermassen den Hintergrund bildeten. Sie vers mutheten indessen, daß er eine dringende Veranlassung habe, seinen Genossen unbemerkt nachzufolgen, und da fie hofften, aus einer Beobachtung seines heimlichen Treibens Vortheil für ihre eigenen, zum Besten Weatherton's gefaßten Pläne zu ziehen, so kamen sie überein, ihm nachzuschleichen und ihn nicht eher wieder aus den Augen zu laffen, als bis er nach seiner Wohnung zurückgekehrt sein würde.
Trotzdem Holmsten seine Schritte nach besten Kräften