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Nr. 213.

Sonnabend, den 12. September 1885. basis.com

II. Jahrg.

Berliner Volksblatt.

Organ für die Interessen der Arbeiter.

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Das Berliner Volksblatt

rscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Boftabonnement 4 Mt. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags- Nummer mit illuftr. Beilage 10 Pf. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.)

Redaktion: Beuthstraße 2.

Der heutigen Nummer liegt für unsere auswärtigen Mbonnenten die Nummer 41 des Illustrirtes Sonn­tagsblatt" bei.

Die Sonntagsarbeit.

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In drei Wochen so erfährt man durch eine an­scheinend offiziöse Nottz der Köln . Beitung" follen die Erhebungen betreffs Abschaffung der Sonntagsarbeit beendet sein und man will sich an die Sichtung des massenhaft an­gesammelten Materials machen. Nach dem rheinischen Blatte halten sich die Gutachten für und gegen Abschaffung der Sonntagsarbeit ungefähr die Wage. Die ablehnenden", sagt die Kölnische Beitung"," sind vielleicht, wenn auch nur um ein Weniges, überwiegend. Sie sind jeden falls von sehr gewichtigen Gründen unter fügt und gehen von hochansehnlichen Rörperschaften aus."

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Wenn also hochansehnliche Körperschaften" ein Urtheil über die Sonntagsarbeit abgeben und sich für deren Bei­behaltung erklären, so müssen nach der Logik der Rölnischen Zeitung" ihre Gründe sehr gewichtige" sein! Diese hochansehnlichen Körperschaften" sind offenbar bie Handelskammern. Die Regierung hat zwar bei ihrem bekannten Vorgehen gegen einige Handelskammern dokumentirt, daß sie auf diese Korporationen keinen allzu hohen Werth legt. Möglich, daß man indessen auch in Regierungskreisen glaubt, gerade die Handelskammern seien berufen, über die Bedeutung und die Wirkungen der Sonntagsarbeit ein Ur­theil abzugeben, und daß man den die Abschaffung der Sonntagsarbeit befürwortenden Gutachten der Arbeiter­torporationen durch die gegentheiligen Gutachten der Han belskammern ein ausschlaggebendes Gegengewicht bieten will.

Nun, wir müssen gestehen, daß wir die Urtheile der Handelskammern keineswegs als ausschlaggebend in dieser Sache anzuerkennen vermögen. Die Gutachten der Handels­fammern werden wesentlich gestützt durch das Material, das die von diesen Korporationen angestellten Sekretäre zusammen­tragen und zustugen. Wenn man diese Sekretäre fennt, so ist man auch über den in den Handelskammern herrschenden Geist und über die dort gebräuchlichen Anschauungen über die Interessen und Forderungen der Arbeiterwelt hinreichend unter­richtet. Die Sekretärstellen bei den Handelskammern sind sehr häufig mit abgenützten liberalen Agitatoren oder Journalisten be­sept, die sich gemäß ihrer immerhin unabhängigen und gut botirten Stellung gleich von vornherein auf den Standpunkt bes Arbeitgebers stellen. Man braucht die von den Han­belskammersekretären verfaßten Jahresberichte der Handels­fammern nur aufmerksam zu lefen und man wird unsere Anschauung durchaus bestätigt finden. Es versteht sich auch

53]

gend verboten.]

Feuilleton.

Das Mormonenmädchen.

Amerikanische Erzählung

Don Balduin Möllhausen

.

( Fortsetzung.)

" Junger Mann, seid nicht vorschnell in Sachen, die Euch zu fern liegen, als daß Ihr sie richtig zu beurtheilen vermöchtet," verfette Jansen, seine forschenden Blicke noch immer fest auf den Offizier geheftet. Meine Nichte ist Mormonin und darum wird sie sich in die Pflichten einer Mormonin fügen. Doch ich bin nicht gekommen, um mich in Erörterungen über religiöse Streitfragen mit Euch einzu­laffen. Die treueste Anhänglichkeit und Liebe zu dem Kinde meines früh verstorbenen Bruders hat mich zu einem Schritte bewogen, vor welchem ich in jedem anderen Falle zurück gebebt wäre. Wie Ihr meine Nichte leidenschaftlich liebt, fo ift fie Euch nicht weniger in Liebe zugethan. Hättet Ihr je von Eurer Leidenschaft zu ihr gesprochen, so wüßte ich es, darauf dürft Ihr Euch verlassen, und ich wäre jest nicht bei Euch. Wenn ich aber Eurer gegenseitigen Zuneigung erwähne, so geschieht es eben so wohl, weil ich dazu be­rechtigt bin, als weil ich mich in meinen Beobachtungen nicht getäuscht habe. Ich wußte es schon damals, als ich nach unserer Trennung fie fern von Euch zu halten wünschte, hoffte aber, die Zeit und die Entfernung würden ihren Ein­fluß auf das noch so kindlich fromme Gemüth des jungen Mädchens nicht verfehlen. Trotz meiner Vorsorge habt Ihr uns wieder aufzufinden gewußt, und Euer Erscheinen droht alle Pläne scheitern zu machen, welche ich zum irdischen Glück und zum Seelenheil des Kindes schon seit Jahren entwarf und seitdem sorgfältig hegte."

Hier schwieg Jansen eine Weile. Augenscheinlich sann er über das nach, was er zu sagen im Begriff stand, aber feine Muskel feines ehernen Gesichts verrieth durch ihr Bucken den Kampf, der in seiner Brust tobte. Und dennoch war es ein harter Kampf; ein Kampf zwischen seinem religiöfen

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Insertionsgebühr

beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Naum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 y. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 15 he Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., 3immerstraße 44, sowie von allen Annoncess Bureaux , ohne Erhöhung des Preises, angenommen.

Expedition: Zimmerstraße 44.

ganz von selbst, daß die in den Handelskammern sitzenden Industriellen und Kaufleute diese Körperschaften als eine Organisation betrachten, welche die Interessen der genannten Berufs- und Erwerbszweige zu wahren hat. Wir lassen uns aber nicht ausreden, daß die Frage der Abschaffung der Sonntagsarbeit im Interesse der Arbeiter aufgeworfen worden ist. Demnach fönnen wir nicht zugeben, daß die Gutachten der Handelskammern in dieser Angelegenheit als besonders schwerwiegend" aufgefaßt werden können.

Die Handelskammern haben über die Interessen des Handels zu berathen und die Mittel zu dessen Förderung zu ergründen, sowie der Regierung Vorschläge Förderung zu ergründen, sowie der Regierung Vorschläge zur Förderung der Handelsinteressen zu machen. Wir be­streiten nicht, daß sie sich in dieser Eigenschaft dem Lande streiten nicht, daß sie sich in dieser Eigenschaft dem Lande müßlich machen können. Aber der Geist, der in den meisten Handelskammern herrscht, ist der Natur ihrer Zusammen­segung gemäß ein durchaus manchesterlicher; sie haben sich bis jetzt mit wenigen Ausnahmen sehr viele Mühe gegeben, eine ben Arbeitern günstige und einschneidende Sozialgesetzgebung zu verhindern. Sie haben sich überhaupt meistens gegen das Eingreifen des Staats in die wirthschafts lichen Verhältnisse ausgesprochen. Daß man die Abschaffung der Sonntagsarbeit- eine an sich nicht hervorragende sozialgesetzgeberische Maßregelso energisch bekämpft, ge­schieht wohl hauptsächlich aus dem Grunde, weil man ihre Konsequenzen fürchtet. Man glaubt, wenn es den Ar­beitern gelinge, die Beseitigung der Sonntagsarbeit daß dann die Bahn für eine weiter durchzusetzen, daß dann die Bahn für eine weiter gehende einschneidendere Sozialgesetzgebung zu Gunsten der Arbeiter gebrochen sei. Das wäre kein Un­glück für die Arbeiter, wohl aber für die Herren Handels­kammersekretäre, die sich dann wahrlich einmal nach neuem Stoff für ihre traditionellen Deklamationen gegen die Ar beiterbestrebungen umsehen müßten. Und das macht viele Arbeit, während es bequemer ist, die unter den Herren Sektretären von Generation zu Generation überlieferten Phrasen alljährlich zu Markte zu bringen.

und

Die Kölnische Beitung" sagt ferner, es sei zu vers muthen, daß die weitgehenden(!) Aenderungen bezüglich muthen, daß die weitgehenden(!) Aenderungen bezüglich der Sonntagsarbeit keine Aussicht auf Erfüllung haben und daß, wenn überhaupt etwas, ein Mittelweg vorge­schlagen werden dürfte!"

Man sieht, der Gesichtskreis des großen rheinischen Blattes ist genau so eng wie der eines Handelskammer­Es sekretärs. geberdet sich, als ob die Frage Abschaffung der der Sonntagsarbeit geeignet sei, des Iganzen die Fundamente Gesellschaftsgebäudes zu erschüttern. Wenn durch die Sonntagsarbeit die Nach­frage nach Arbeitskräften gesteigert wird, so geschieht dies in einem so geringen Maße, daß dadurch die Löhne nicht Fanatismus und der Liebe zu der Tochter seines Bruders; zwischen seinem Stolz und dem Wunsch, das Glück der unter seinem Schutz stehenden Waise nach deren eigenen Neigungen und Begriffen zu begründen.

Weatherton schaute unterdessen gespannt auf ihn hin, und wenn auch die Mittheilung, daß Hertha ihm mit in­niger jungfräulicher Liebe zugethan sei, in seinem Herzen gleichfam fortvibrirte, so suchte er doch vergebens zu ents räthseln, welcher 3wed Jansen eigentlich bei seinen Er­öffnungen leite.

in die Höhe geschnellt werden können. Das letztere fann nur durch eine Beschränkung der ganzen Arbeitszeit geschehen. Allein die Unternehmer sind so empfindlich, daß sie schon von der Abschaffung der Sonntagsarbeit fürchten, dieselbe möchte den Unternehmergewinn irgendwie alteriren. Die Beseitigung der Sonntagsarbeit wird aber weniger aus öko­nomischen, als aus anderen Gründen angestrebt. Man will bem Arbeiter einen völligen und ungestörten Tag der Raft und der Nuhe verschaffen.

Wenn aber wirklich nur ein Mittelweg" eingeschlagen werden soll, dann thäte man besser, sich die ganze Mühe zu ersparen. Wir betonen nochmals, daß wir die Abschaffung der Sonntagsarbeit als eine im Ganzen untergeordnete Sache betrachten; fie tritt zurück neben der Forderung eines Normal­arbeitstages.

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Wenn man sich aber nicht entschließen kann, die Sonna tagsarbeit unbeschadet der unentbehrlichen Ausnahmen zu beseitigen und dem Arbeiter nach sechs Arbeitstagen einen ganzen Rafttag zu sichern, wozu dann der ganze Lärm? Einen Mittelweg" haben wir gegenwärtig schon; in einem großen Theil von Betriebszweigen ist die Sonntagsruhe Thatsache; in anderen ist sie so gut wie gar nicht vorhanden;

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in anderen wieder nur theilweise.

Freilich, wenn bei solchen Erhebungen in Sachen, die das Wohl und Wehe der Arbeiter betreffen, die Gutachten hochansehnlicher Körperschaften" gewichtigere Gründe bilden sollen, als die Aeußerungen und Kundgebungen der Arbeiter selbst, dann wird man immer zu dem gleichen Resultat fommen.

Politische Uebersicht.

Herr Dr. Hirsch giebt sich große Mühe, den Groß­industriellen in die Hände zu arbeiten. Die Haltung seiner Gewerkvereine liefert hierfür den besten Beweis. Jahr ein, Jahr aus wird den Mitgliedern dieser Vereine in dem von Herrn Hirsch geleiteten Gewerkverein" flipp und klar nach gewiesen", daß das Verbot der Sonntagsarbeit zu einem Ein­griff in die persönliche Freiheit" des Arbeiters führen müsse. Diese Forderung, so lehrt Herr Hirsch, gehe nur von den Sozialdemokraten aus, welche das hohe Prinzip der Selbst hilfe nicht anerkennen wollen, weil es ihnen nur drum zu thun fei, für ihre undurchführbaren Forderungen Propaganda zu machen. Man darf sich daher auch nicht wundern, daß es an manchen Orten noch Gewerkvereine giebt, welche die Theorie des Herrn Hirsch für durchaus richtig halten und demzufolge gegen ihre eigenen Intereffen fündigen. So liegt uns ein Bericht über eine Versammlung des Ortsverbandes der Ge werkvereine in Mannheim vor, der hierzu eine treffende Illustration bildet. In dieser Versammlung wurde über die Sonntagsarbeit debattirt und folgende Resolution angenommen, Die am 5. September abgehaltene Versamme

lung des Ortsvereins der Maschinenbau - und Metallarbeiter

Schwester ist der härteste Schlag, der sie hätte treffen fönnen.-

Mr. Weatherton," fuhr er dann nach einer längeren Pause plößlich mit heftiger Erregtheit fort, indem er die eine Hand auf des Offiziers Schulter legte und mit der andern deffen Rechte ergriff ,,, Mr. Weatherton, ich bin alt genug, um Euer Bater fein zu können, denkt daher, daß väterliche Gefühle für Euch mich beseelen. Mr. Weatherton, tretet zum Mormonenthum über, und Hertha ist die Eurige! Unterbrecht mich nicht, unterbrecht mich nicht," rief er mit Ich halte Euch für einen braven Mann," begann der Wärme aus, als er gewahrte, daß Weatherton, wie von Mormone endlich wieder, für einen Mann, der allerdings einem tödtlichen Schrecken befallen, die Hand abwehrend bis jetzt noch als ein Feind unseres Volkes betrachtet werden gegen ihn aufhob; hört mich zu Ende, und dann nehmt muß, dem es aber leicht sein würde, alle ihn treffenden Vor- Euch erst 3eit zum Ueberlegen, ehe Ihr eine Entscheidung urtheile und Anklagen zu besiegen und niederzuschlagen. In trefft. Ihr als Mann habt es in Eurer Gewalt, die in Eurer Hand nun liegt es, das Glück meiner Nichte zu be- unserer Glaubenslehre vorgeschriebenen und von Euch ge­gründen und sie vor den gebotenen, allein leicht zu um mißbilligten Sagungen zu umgehen. Ihr seid nicht ge= gehenden patriarchalischen Gebräuchen unserer Kirche zu bezwungen, mehr als eine Gattin an Euch zu fesseln, zumal wahren, die Euch bei Eurer Kurzsichtigkeit so verdammungs­würdig erscheinen."

" Ich fragte Weatherton erregt, während ihm alles Blut zum Herzen drang, ich soll sie vor dem traurigen Loose, welches ihrer hier harrt, bewahren könnnen? O Mr. Jansen, glaubt meiner Versicherung, sollte mir das gelingen, dann hätte ich die heilige Aufgabe erfüllt, welche ich mir stellte, als ich mich zu der gefährlichen Reise entschloß!" dif

Ueber Jansen's Physiognomie flog ein trüber Schimmer. In Weatherton's Worten hatte etwas gelegen, was sein religiöses Gefühl verletzte und Zweifel wach tief, ob das von ihm eingeschlagene Verfahren von Erfolg gefrönt wer­den würde.

" Ich wiederhole noch einmal," hob er an, nachdem er einen langen, tiefen Blick in Weatherton's Augen gesenkt, was ich auch immer von Euch fordern oder erbitten mag, vergeßt nicht, daß ich von der treuesten Anhänglichkeit an Hertha geleitet werde, und alle mir sonst streng gebotenen Pflichten und Rücksichten gern hinter den Wuusch zurück stelle, fie glücklich zu sehen. Und sie verdient es wohl, daß man ihretwegen sich zu schweren Opfern entschließt, denn sie besitzt ein edles, frommes Gemüth, und der Verlust ihrer

Ihr Euern Aufenthalt nicht hier zu nehmen brauchtet und dort leben dürftet, wo Hertha fich am heimischsten fühlt. Ueberlegt das Alles, mein junger Freund, vergeßt auch nicht, daß Hertha selbst eifrige Mormonin ist und lieber ihr Leben auf den Altar des Herrn niederlegt, als von ihrem Glauben läßt, daß sie dagegen an Eurer Seite das Glück finden würde, welches sie in so hohem Grade verdient, ein Glück, welches ihrer ganzen Denkungsweise, ihrem Charakter so vollkommen entspricht. Ha, und Ihr? O, ich müßte nicht auf den Grund Eures Herzens geschaut haben, wollte ich noch bezweifeln, daß der Besitz des jungen Mädchens Euer irdisches Glück mehr als vervollständigte, obwohl Ihr selbst es bei Euern ehrenwerthen Lebensansichten vielleicht noch nicht gewagt habt, Euern Wünschen und Hoffnungen ein so fernes, Guch unerreichbar scheinendes 3iel zu stecken. Und ich, mein junger Freund? ich, der ich bis jetzt in der ge­nauen Beobachtung unserer religiösen Vorschriften meinen höchsten Seelenfrieden fand, den es mit Stolz erfüllte, die eigenen Neigungen, ja, die Neigungen meiner Nichte dem geläuterten Glauben, so wie zur Ehre Gottes und des neu gegründeten zion opfern zu können, mit Freudenthränen will ich Eure Bekehrung begrüßen und mit Freudenthränen