terie
&
19.
Sonnabend, den 23. Januar 1886.
III. Jahrg.
Berliner Volksblatt.
2150
16
159
lepbon 7480
Fgftr. Teleph
Organ für die Interessen der Arbeiter.
Das Berliner Volksblatt"
eint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement en zu auf art. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrirter Beilage 10 Pfg. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.)
t
ge
Sie find bankerott!
Redaktion: Beuthstraße 2.
-
artei
Insertionsgebühr
beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg. Arbeitsmarkt 10 Pfennige. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaux , ohne Erhöhung des Preises, angenommen.
477
Expedition: Bimmerstraße 44.
Verpfändung meines Ehrenwortes gemacht zu haben, mit Entrüstung zurüd. Dies mein legtes Wort in dieser Sache.
Dann stritten sich die Herren Schutzöllner und Freihändler über die Ueberproduktion". Die Betonung dieser Sache war den Freihändlern offenbar sehr unangenehm; deshalb ritten die Schutzöllner auch mit besonderem Be hagen auf der Ueberproduktion" herum. Aber haben uns bie Schutzölle vor der sogenannten Ueberproduktion bewah Deutsch en nicht rufiſcher Staatsangehörigkeit aus Rußland
ren können? Mit nichten!
-400 Seit zwei Tagen schleppt sich im Reichstag eine eben 45 Ufage als langweilige Debatte zwischen den Freihänd und Suzöllnern hin. Das Resultat der 50 ist nicht unintereſſant; es zeigt, daß beibe Systeme banterott find. 30. 50 lange in Deutschland der Freihandel und mit ihm Stellte man ein Budget auf, in dem enthalten wäre, 35 Pf. Manchesterthum obenauf waren, hörten die wirthschaft. wieviel unser Bolt insgesammt ungefähr brauchte, um ein Krisen nicht mehr auf; es entstand Mangel an Be den Anforderungen der Humanität entsprechendes Dasein zu 45 fsung für die Arbeiter, die sogenannte„ Ueberproduk führen, so würde man finden, daß für dieſen Zweck noch und eine überall sich fühlbar machende Unsicherheit lange nicht genug produzirt wird. Das steht eben so fest, t.1 Mk.merbs und der Existenz. Nun haben wir in Deutsch - wie, daß sich die Produktion durch zweckentſprechende Ein Schutzölle und und siehe da, die gleichen Erscheinun- richtungen und Umänderungen sehr bedeutend steigern ließe, 2 Mk ind noch immer vorhanden; die wirthschaftliche Kalas aber der vielgerühmte Hebel unserer wirthschaftlichen Thä ist genau dieselbe geblieben. tigkeit, die angebliche Seele aller Betriebsamkeit, das Pri31½ k Wenn die Sache nicht an sich so ernst wäre, so würde patinteresse, vermag nicht so viel zu leisten, daß der aßig sein, wie sich die beiden feindlichen Richtungen, eigentliche Bedarf der Gesellschaft gedeckt werden könnte. chußzöllner und Freihändler, gegenseitig für die wirth- Wenn nun auch die Leistungen der heutigen Produktion be liche Misere verantwortlich machen schränkt sind, so bleiben doch eine Menge von aufgeftapelten Waaren liegen infolge der gefunkenen Konsumtionstraft der Massen. Das ist die sogenannte Ueberproduktion, die fonach Maffen. Das ist die sogenannte Ueberproduktion, die sonach nur ein sehr relativer Begriff ist. Sie würde sofort aufhören bei der Erhöhung des Boltseinkommens. Der gegen wärtigen Produktionsform wohnt aber offenbar die Tendenz inne, die Löhne hinabzudrücken und Arbeitskräfte überflüffig zu machen. So tommt man aus dem Unheil nicht
40
"
60 Die Schöner sagen: Seht, die Getreibepreise 75f womöglich noch niedriger als vor der letzten 3oll. If ung; die Freihändler haben somit Unrecht gehabt, als haupteten, durch die Getreidezölle würden die Preise 2 Mk Betreide und Brod in die Höhe getrieben!" Darauf antworten die Freihändler:
1 k 30 Pf. Die Getreibereiſe find nicht in die Höhe gegangen;
2 Mk 40
10 k
40p
45 f.
Te Qualitäten
nb vielmehr noch mehrfach gefallen. Wir haben also heraus. feien!"
gehabt, als wir sagten, daß die Getreidezölle ganz er hat nun Recht?
un, Beide haben Recht insofern, als mit diesen menten allerdings nachgewiesen ist, daß die beiden chaftlichen Systeme, Schutzoll und Freihandel, nicht et find, uns aus unserer wirthschaftlichen Mifère zu n. Das zeigt sich nunmehr deutlich genug. Aber was jetzt ihun?
t.
Es giebt immer noch gescheidte Leute, welche gleich wiffen. Da kommt Herr von Kardorff, ber
2 Mk. Boltswirth, und behauptet, alles Uebel täme nur
erkauf
pen.
ndenftr
2C.
in.
Jafdhmittel St.
an höre und staune! von der Goldwährung, das Silber entwerthe. Man brauche nur die pelwährung einzuführen und dann sei allen n der Bevölkerung sofort geholfen.
Schön gesagt! Wenn aber Herr von Kardorff meint, han so etwas ernst nehmen werde, so täuscht er sich. Das braucht Arbeit, lohnenden Verdienst und Schutz gegen die äßige Ausnußung seiner Kräfte. Kommt Verdienst unter beitenden Klaffen und erhöht sich deren Konsumtionsfähig So geben alle Geschäfte besser und die ganze Gesellprofitirt davon. Das ist sehr einfach einzusehen; für Kardorff und Genossen freilich nicht. Sie tappen in dem Nebel der Währungsfrage herum.
Feuilleton Dunkle Gestalten.
ählung aus dem sozialen Leben der Gegenwart
ud verboten.]
Don
Karl Zielte.
-
Der Weg zum Rampfe gegen die wirthschaftliche Misere zeichnet sich demnach ganz von selbst vor. Erhöhung des Boltseinkommens burch Verkürzung der Arbeitszeit und Schaffung von Arbeitsgelegenheit auf die in diesen Blättern so häufig schon dargelegte Weise bas wäre ein Mittel, nicht um bas Uebel zu beseitigen, aber doch um einiger massen Abhilfe zu schaffen." Wir glauben auch, daß die Schußzöllner dies begreifen, so gut wie die Freihändler. Aber sie scheuen sich vor den Konsequenzen solcher Reformen; fie fürchten, damit ihr eigenes Interesse zu beeinträchtigen. Und das ist für sie ein Kräutlein rühr' mich nicht an.
So streiten sie sich denn, statt nach einem gefunden neuen Gedanken zu suchen, über die alten abgeschmackten Gemeinpläße herum und beschuldigen sich gegenseitig, die wirthschaftliche Misère herbeigeführt zu haben. Wir haben nichts dagegen, wenn sie sich gegenseitig kritisch vernichten und wir glauben ihnen recht gerne, daß beide Richtungen völlig bankeroit find. Das Volt glaubt's ihnen auch.
Politische Uebersicht.
Von Herrn Reichstagsabgeordneten Seine erhalten wir noch folgende Buschrift:„ Hinzufügend zu meiner Erklärung in der gestrigen Nummer des Berliner Bolisblatt" weise ich den Vorwurf, während meiner Haft falsche Angaben unter
Der volle Lichtschein fiel auf Julius, der sich hastig um
wandte.
Sie find es, Herr Winkler?" fragte sie mehr ent. rüftet als erstaunt, was wünschen Sie von mir?" Sie blieb mit der Lampe an der Thür stehen. Nun, ich wollte Dich besuchen, ist vielleicht etwas
[ 12 Schlimmes dabei?"
Nun, denn vorwärts!" Offenbar empfand er das Be B, sich selbst Muth zusprechen zu müssen. Haftig faßte chdem Klingelzug und gleich darauf ertönte ber
und fpart Klang der Glode.
viel länge
Bleich darauf wurde die Rorridorthür ein wenig ge im Innern schien eine Sicherheitskette angebracht
urch fleißige Buten Abend," sagte der Außenstehende. ( gleich 2 Guten Abend, Sie wünschen?"
liegen.
afchen.
Ich möchte Fräulein Martha sprechen." rhörte, wie die Sicherheitskette entfernt wurde.
Sie sah ihn mit ihren großen Augen verächtlich an, Lampe auf den Tisch. dann setzte sie, einer plöglichen Eingebung folgend, die
Nehmen Sie Play, Herr Winkler," sagte sie schein bar ruhig, ich möchte Sie aber darauf aufmerksam machen, daß meine Beit ziemlich gemessen ist."
"
So?" entgegnete er, indem er sich auf einem Stuhl nieberließ, ich finde das nicht hübsch von Dir, es gab eine 3eit, wo Du mich mit Sehnsucht erwartetest, wo ich solange bei Dir bleiben fonnte, wie ich wollte 1"
che jest man rz vorher von ihrer Gesangsprobe bei dem Direktor ig gelöft bat Bollen Sie nicht näher treten," sagte Martha, sie sein, die ihn übermannte. Sie sah ihn prüfend an, und En von alimme jedenfalls nicht erkannt. Julius dagegen fühlte
äbliche Sub
nach Hause zurückgekehrt, sie hatte ihren Besucher an
n einem Gefühl der Freude durchzuckt, er trat vorin den Korridor. Das Mädchen schloß hinter ihm ür und legte die Sicherheitskette vor.
Ruffische Repreffalien in Sicht. Die Kreuzzta." lägt fich merkwürdigerweise aus Paris melden:„ Die Nachricht, daß die russische Regierung eine Massenausweisung von
verfügt habe, bat darin ihren Grund, daß von Petersburg Nachforschungen in den Gouvernements angeordnet worden sind, um zu ermitteln, ob ausländische Familien seit Generationen in Rußland wohnen, ohne das Unterthanenrecht nachgesucht zu haben. Dieser Gewohnheit soll mit der Zeit durch Androhung von Ausweisungen der betreffenden Bersonen gesteuert werden." Mit anderen Worten, die rusftsche Regierung ist mit der Anfertigung der Liste der auszu. weisenden Deutschen beschäftigt.
Die Ungiltigkeitserklärung der Wahl des Herrn Gottburgsen scheint in gewissen Kreisen sehr verschnupft zu baben. So läßt sich die Nordd. Aug. Btg." aus dem Wahlfreise Flensburg, dessen Vertreter genannter Herr war, folgendes schreiben: Es hat in deutschen Kreisen auf das Beinlichste berührt, daß der Reichstag , nachdem ca. 1 Jahre feit der Wahl unseres Reichstagsabgeordneten, Gerichtsrath Gottburgsen, verflossen, zu dem überraschenden Resultat ge langte, deffen Mandat als ungiltig zu erklären. Die deutschen Wähler find wohl ohne Ausnahme und ohne Unterschied der Barteirichtung darüber einig, daß das von der Fleneburger Bolizeibehörde angewandte Verfahren gelegentlich der Abhaldemokraten, möge daffelbe nun gegen das Vereinsgefez ver tung einer Wahlversammlung von ein paar hundert Sozialstoßen oder nicht, auf den Gesammtverlauf der Wahl irgend welchen Einfluß auszuüben nicht vermochte. Tie Wahl des Herrn Gottburgfen galt bei allen Wählern deutscher Nationa lität als gefeßlich zu Stande gekommen, deshalb erregt die Entscheidung der Reichstag majorität, die sich zusammensett aus den Gegnern einer wahrhaft nationalen Politik, hier im Kreise mancherlei Bitterteit. Die Vorbereitungen für eine noch anzuberaumende neue Wahl werden Don der dänisch gesonnenen Partei mit großer Rührigkeit schon jett getroffen. Bweifellos wird Don Dänen der frühere Reichstagsabgeordnete und spätere Neben. buhler des Gerichtsrath Gottburgsen, Generalagent Gustav Johannsen, aufs Neue aufgestellt werden. Es ist von mir schon früher darauf hingewiesen, daß die dänische Proteft. partei über eine musterhafte Organisation verfügt. Der Kampf für die deutsche Sache, der uns nun bevorsteht, wird daber tein leichter fein; vor Allem erscheint es geboten, daß die Ges schließen, welches die Wiederwahl des Gerichtsrath Gottburgsen, mäßigttonservativen und die Liberalen ein festes Bündniß der sich nach seiner gesammten Haltung im Reichstage ein durchaus tüchtiger Parlamentarier und als Kompromißkandidat der Deutschen in des Wortes bester Bedentung ausgewiesen bat, fichert. Das Busammengehen der beiden Richtungen wird, weil der extreme Fortschritt im Kreise selber nur wenig einflußreiche Anhänger findet, mit Bestimmtheit erwartet werden fönnen. Wenn die Kafftrung des Mandats den ruhebedürf tigen Politikern auch einzelne Ungemüthlichkeiten bereitet, da erfahrungsmäßig die Wahltämpfe in den Grenzdiftritten einen schärferen Charakter anzunehmen pflegen, so wird das Pflicht gefühl über die allgemeine Wahlmüdigkeit hinweg belfen."
ben
sahen und nie wieber, Sie überlassen mich meinem Schickfal, ich würde doch nur ein Fluch für Sie sein."
,, Und wenn ich das Alles nicht wollte, wenn ich nach meinem eigenen Sinn handeln würde, was würdest Du dann fagen 8"
M
Es ist alles Thorheit!"
" Ja, Thorheit mag es sein, wenigstens die Menschen mögen es Thorheit nennen, was bezeichnen Sie nicht Alles mit diesem Namen! Ich habe gelitten, Martha. Seitdem ich Dich gestern nach langer Beit wiederfah, da kam mir die Erinnerung an jene lieblichen Stunden, die wir mit eins ander verlebtes, hast Du nie an jene Stunden zurückge dacht?"
" D, ja," sagte fie seufzend, und ein Blick voll kalten Hohns, voll glühenden Haffes traf ihr Gegenüber. Gewiß habe ich an fene Stunden zurückgedacht, und ich glaube, wir sprachen sogar noch gestern Abend davon!"
Weshalb tommst Du gerade auf gestern Abend zu sprechen? Gestehe es mir ein, Du zürnst mir, Du hasfest mich?
Er sagte diese Worte mit ungeheuchelter Bitterkeit, und es schien ein Gefühl wahrhafter, aufrichtiger Traurigkeit zu Er sah sie mit seinem wilden, verzehrenden Blick fo ein Strahl heimlicher, dämonischer Freude blizte in ihrem sehnsüchtig an, sein sonst so mattes, abgespanntes Geficht bunklen Auge auf. glühte förmlich. Sie bemerkte die Veränderung mit unsägSprechen wir nicht mehr davon, Herr Winkler," entlicher Freude, so konnte sich fein Mensch verstellen, er gegnete fie mit fanfter Stimme, die Zeiten sind ja doch mußte ein tiefe, wahrhafte Buneigung zu ihr gefaßt vorüber, weshalb wollen wir uns gegenseitig das Herz schwer haben,
machen."
pulver bie So, mein Herr, wollen Sie rechts eintreten, ich mache Martha, Du magst es mir glauben oder nicht, ich Licht. Ich wohne hier ganz allein, Sie müssen habe" Dich stets geliebt und werde Dich immer lieben. Wie Preise von hon entschuldigen, ich war heute faft den ganzen Tag sonderbar Dir das auch erscheinen mag, ich fühle es aber, das daß ich ohne Deinen Befit stets unglücklich bleiben werbe!"
u Hause.
a, Staiger ulius trat in das Bimmer, während Martha nach der eilte, um die Lampe anzuzünden. In dem Zimmer orläufig noch nichts zu erkennen, Julius trat an Co., Fenster und blickte von oben auf die Gaslaternen ebt kam bas junge Mädchen mit der Lampe zurück.
Sie wollen mich zum Besten haben, Herr Winkler," entgegnete fie refignirt, bedenken Sie den gewaltigen Unterschied zwischen uns Beiden, denten Sie an meine Vergangenheit, benken Sie an mein beflecktes Leben, was kann ich gefallenes Mädchen Ihnen sein, es ist das Beste, wir
Was fümmerte es fie, ob das räthselhaft, unerklärlich war, sie zerbrach sich den Kopf nicht darüber, ste sah bie vollendete, wirkliche Thatsache vor sich, und bas genügte ihr. Sie hatte aufjauchzen mögen vor Jubel, wild pochte ihr das Herz im Busen, aber nicht vor Freude über die Liebe, es war ein ganz anderes Gefühl, welches fie beseelte.
Nache schrie ihr jeder Nerv, jede Fiber zu, Rache für ihre geraubte Jugend, Nache für ihr gemordetes Kind, Rache für ihren entehrten, ruinirten Bräutigam. geworden im Gesicht, ihre großen dunklen Augen blickten
Sie war blaß