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Sonntag, den 7. Februar 1886.
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III. Jahrg.
Berliner Volksblatt.
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Organ für die Intereffen der Arbeiter.
Das Berliner Volksblatt"
tricheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei In's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mart. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags- Nummer mit illustrirter Beilage 10 Pfg. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.)
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Redaktion: Beuthstraße 2.
Schiebungen in der Stadtverordneten
Versammlung."
Bekanntlich ist die Majorität unserer StadtverordBeten- Versammlung sehr liberal" und alle Tugenden des Freifinns" konzentriren sich in den Männern, die im Rath
haus bas große Wort" führen.
Bu Nuß und Frommen unserer Leser wollen wir zwei Gefchichten erzählen, die wieder einmal beweisen, wie es bie Herren treiben, wenn es sich darum handelt, unbe queme Elemente", die man aus dem Stadtverordnetenjaale nicht mehr vertreiben kann, von der Arbeit in Deputationen und Ausschüssen fern zu halten.
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Insertionsgebühr
beträgt für die 4 gespaltete Betitzeile oder deren Raum 40 Pfg. Arbeitsmarkt 10 Pfennige. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inferate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaux , ohne Erhöhung des Preises, angenommen.
Expedition: Zimmerstraße 44.
Einkommensteuer durch richtige, und um nichts weiter handelt es sich, Einschäßungen zu größeren Einnahmen aus den durch Besitz und Erwerb bevorzugten Klaffen kommt, dann braucht man nicht, so wie jest, 100 pet. zu erheben, und dadurch wird auch den Mitbürgern, die in der Klassen Steuer find, die Steuerlaft erleichtert und ein, soweit es fich in dem Rahmen der jetzigen Steuergesetzgebung ermög lichen läßt, einigermaßen gerechter Zustand geschaffen.
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Aber das Klasseninteresse" der Besigen ben verbietet, daß richtig eingeschäßt wird, man will ben jenen Millionen, die ja doch nichts haben, das Zahlen überlassen, und die Leute, welche jenen Standpunkt nicht theilen, müssen aus den Einschäßungskommissionen heraus, man wählt die Mamelucken der Fraktionsführer" und der ,, alte Ring" schließt sich wieder fest zusammen.
Und das Alles feierlich drapirt mit dem Tugendmantel
Die Stadtverordneten- Bersammlung ist gesetzlich berufen, alljährlich diejenigen Männer aus den Mitgliedern fittlicher Entrüstung, die in der Rebensart gipfelt, man ber Versammlung und der Bürgerschaft zu wählen, welche Einkommen von 3000 Mart aufwärts betreffend, vorzu
nehmen haben.
In dieser Rommission arbeitete der Stadtv. Singer, bazu benußte, um die vielfach zu niedrig eingeschäßten, meist
darf in den schlechten Beiten die Steuerschraube nicht zu
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Wir behalten uns vor, dieses Thema einmal eingehend zu besprechen, für heut ist es unsre Aufgabe, die an diefe Meldung sich knüpfenden Ereignisse zum Ruhme der herrschenden Majorität unseren Lesern nicht vorzuenthalten.
Der Stadtv. Singer erfuhr bei seiner sehr zeitig im Bureau angebrachten Meldung, daß außer ihm nur noch ein der Majorität angehörendes neu eingetretenes Mitglied auf den Eintritt in die Schulbeputation reflektire und fand bei einer diesen Gegenstand behandelnden Unterredung mit dem Vorsitzenden des Ausschusses, daß sein Vorhaben von diesem diesem allmächtigen Dber Stadtverordneten " gebilligt wurde.
Das Unerwartete geschah. Unter den für die SchulDeputation Vorgeschlagenen befand sich auch der Stadtverordnete Singer, und es schien, als ob in der Stadtverordneten- Versammlung der Sinn für Gerechtigkeit noch nicht gänzlich erloschen sei. Aber der hintende Bote kam gespielt, daß es sich wohl lohnt, dieselbe der Bürgerschaft als Beispiel der Schiebungen" in der StadtverordnetenVersammlung mitzutheilen.
fest anziehen. Die Zugendbolde vergessen nur babei, daß nach. Inzwischen hatte sich eine so luftige Komödie ab
die schlechten Zeiten bei denen, welche für die oberen Behntausend" zahlen müssen, erst recht Einkehr halten und daß der Arbeiter, Handwerker, Lehrer, Beamte und kleine Herren Rentiers, Großindustriellen und durch Erbschaft
ber, weil er feine Kenntniß der Verhältnisse und Personen Geschäftsmann unter der Steuerlast mehr seufzt als die
lung diejenigen Männer, die nach Recht und Pflicht, nach
Nachdem der Ausschuß stolz auf die hohe Gerechtigkeit, die ihn bei seinen Berathungen geleitet, seine Arbeiten beendet hatte, begaben sich die Mitglieder desselben in ihre schlagt, wie man das Unglüd, einen Sozialdemokraten"
tommen entsprechende Steuerstufen zu bringen, nicht wieder dadurch geschont wird, daß die Stadtverordneten Versamm resp. Fraktionen und da wurde denn fein säuberlich berath= gewählt wurde, weil die Herren des Ausschusses, in ge wohnter Weise nur von Mitgliedern der Majorität ge bildet, der Ansicht waren, der Stadtverordnete Singer der Verhältnisse einschäßen, von dieser Arbeit absicht sagte man, der Ausschuß konnte, ohne sich dem Vorwurf
gaze
zu hoch ein. Daß diese Ansicht thatsächlich unrichtig
lich ausschließt.
So macht man's im rothen Haus" auf diesem Gebiet, und als weiterer Belag ber vornehmen und noblen Art" mit der die Majorität der Stadtverordneten- Ver
ift, ergiebt sich am besten aus dem Umstande, daß nur ein fehr kleiner Theil der von den höheren Einschätzungen Bes troffenen von dem Remonstrations- und Reklamationsver fabren Gebrauch machte und von den Instanzen meist sammlung die Geschäfte führt, mag folgendes Vorkommniß abgewiefen werden mußte, woraus zur Genüge hervorgeht, dienen. baß die Erhöhungen, welche der Stadtverordnete Singer
für
nöthig hielt, vollkommen gerechtfertigt und den Ein
Commensverhältnissen entsprechend waren.
Die Väter unserer Stadt", überwiegend natürlich zu teen Klaffen, beren Einkommen über 3000 Marf beträgt, gehörend, wollen nicht, daß richtige Einschätzungen vor genommen werden.
ben noch eine Entlastung der Unbemittelten herbeigeführt
" Ja wenn durch eine höhere Heranziehung der Besißen
Die Mitglieder der ständigen Ausschüsse und der Kura torien sowie der Verwaltungs- Deputationen werden in der ersten Sigung jeden Jahres neu gewählt und ein Ausschuß mit den vorbereitenden Arbeiten hierzu beauftragt. Den Ausschuß macht dann unter Berücksichtigung der ihm mitgetheilten Wünsche der Mitglieder der Versammlung seine Vorschläge, und meist werden dieselben ohne jede Aenderung gutgeheißen.
würde, bann," so äußerte sich ein bekannter Wortführer, Hoffnung auf Erfolg der Arbeiter- Stadtverordneten der worben wir ja gern mehr Steuern zahlen."
In diesem Jahr hatte sich nun allerdings mit weniger Stadtv. Singer zum Eintritt in die Schuldeputation geWahrlich in diesem Ausspruch paart sich Heuchelei mit meldet, weil die Arbeiterpartei in der Stadtverordneten Britand, benn die Stadt nimmt ja doch in der Ge- Versammlung der Ansicht ist, daß auf dem Gebiete des wie ber Staat, und wenn Berlin bei der Gemeinde- bringend sein wird. Volksschulwesens ihre Thätigkeit erforderlich und nuß
.
meinde Einkommensteuer"
genau
Feuilleton
Die Tochter des
Bankrotteurs.
Roman aus der Gegenwart
Wonen ungelegen
Don
Gustav Löffel.
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Betrag
ich Luckhardts Brief, sein Erscheinen und vieles Andere, was wir jüngsthin erlebten, in Busammenhang bringe, so kann ich mich dem Gedanken nicht verschließen, daß hier irgend eine mächtige Hand zum Ruin unseres Hauses thätig sein muß. Aber wer wer kann das sein?... Gleich viel! Ich kann es rubig mit ansehen. Wenn das Haus Bankrott macht, stehe ich am Ziel meiner Wünsche. Es bedarf so schwerer Lasten, um Ernas stolzen Naden zu
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Barum?" fragte der Andere lächelnd. Romme ich beugen. Ihr Vater bestraft, fie bettelarm dann kommt wohl auch die Zeit, wo meine Hand nicht zu schlecht ist, Nein, nein," erwiderte der Kommerzienrath hastig. fie aufzurichten! Aber vielleicht entgeht er noch dem ZuchtEs ist nur, weil Sie doch sagten, daß das Geschäft, zu haus durch eine Rugel oder die Flucht. Nun, an mir foll Deffen Entrirung Sie von England herübergekommen, vor Techs Monaten taum zu Stande kommen dürfte, und eher es nicht liegen, wenn er feine Beit zum Entkommen findet. benöthigten Sie der mir zur Ronvertirung und Aufbewah Falle doch... Wenn nur Erna hier bleibt, und das müßte fie in diesem
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Er warf einen Seitenblick auf den wartenden Eng
der Parteilichkeit auszusehen, nicht anders handeln, er mußte Singer empfehlen, wir aber, die souveräne Versammlung, wir werden, dem Winke unserer Vorsehung" folgend, die Sache schon besorgen.
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Wie können wir benn," so tönte die Stimme eines der leitenden Ausschußmitglieder, ben Mann, ber sich zum Drgan der unzufriedenen Lehrer machen wird, in die Schuldeputation hineinlaffen?" Vielleicht sind die ftets unzufriedenen Lehrer" gar nicht so im Unrecht; vielleicht ist der Geschäftsgang in ber Schulbeputation auch sonst berartig, daß dieſer würbige Stadtvater" Ursache hat zu verhindern, daß diefer Verwaltung neue, die Intereffen der Arbeiter im Auge habenden Kräfte zugeführt werden.
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Jedenfalls ist die Furcht vor dem Eintritt Singer's in die Schuldeputation, ausgesprochen von einem langjährigen Mitgliede der Versammlung sehr befremdlich und findet burch das Echo, welches fich an fnüpfte, dieselbe eine eigenthümliche Beleuchtung. Das gäbe einen schönen Radau", wenn der da hinein täme, fagte nämlich ein an den Rodschößen des„ Dlympiers"
nothwendigen Gang haben, so kommen Sie doch auf dem, Rüdwege mit heran."
Mister Homefield hatte keinen solchen, er wollte warten. Um weiteren Fragen aus dem Wege zu gehen, begab sich Gontard in das angrenzende Kassenzimmer.
Er hatte sich auf einen Augenblic" entschuldigt. Es bauerte aber eine ganze Viertelstunde, ehe er wieder heraustam. Jezt mußte nach seiner Berechnung der Kommersienrath schon auf der Bahn sein.
Homefield war inzwischen ungeduldig geworden. „ Der Herr Kommerzienrath noch nicht hier?" fragte Gontard mit geheucheltem Erstaunen.
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Nein," knurrte der Engländer. Ich wundere mich
,, D, leicht erklärlich," entgegnete Gontard mit boshaftem Lächeln. Das Privatkabinet des Herrn Kommer
Somefield mit einem leisen Anflug von Unruhe. Die muth seiner Landsleute ins Leere starrte. Er war ja nun Dennoch muß ich meine Bitte wiederholen," sagte länder, welcher Platz genommen hatte und mit dem Gleich zienraths, in welchem wegen seines daran stoßenden SchlafBerhältniffe haben sich mächtiger erwiesen als unsere Ron überzeugt, daß er sein Geld bekommen würde. untturen. Das Geschäft ist so gut wie abgeschlossen und
brauche das Gelb gleich."
Gontard theilte diese Ueberzeugung nicht.
Eine Viertelstunde verging und der Rommerzienrath war noch nicht zurüd. Was fonnte ihn abhalten? Er
einem Schreibtisch, auf welchem die Kassenschlüssel lagen. brauchte ja nur das verschlossene Depositum aus dem 6 schien seine Erregung kaum mehr bemeistern zu können. Montarb beobachtete verstohlen jede seiner Bewegungen und
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Igerstr. 10.
zu bem
Engländer.
Bitte, nehmen Sie Play!" sagte der KommerzienDiensten sein. Herr Gontard, Sie berechnen inzwischen Ich werde Ihnen gleich zu wohl die Provifion und die Auslagen." Bin schon dabei," entgegnete dieser. Der Kommerzienrath ging hinaus. Gontard stellte alsbald seine Berechnungen ein, um zu
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Nachmittag erlegen.
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Schranke zu nehmen, alles Schriftliche wurde hier erledigt. Es war sehr merkwürdig, daß er so lange blieb. Jeden falls hatte er sich zu einem Fluchtversuch aufgerafft. Wie viel Provision?" fragte Homefield.
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Gontard überreichte die Rechnung.
Der Andere nahm ein Notizbuch hervor und begann zu rechnen. Gontard aber berechnete, wie weit der Rommerzienrath schon sein könne, wenn er nach Zusammen raffung alles Mitnehmenswerthen sofort das Weite gesucht hatte.
Eine zweite Viertelstunde verging.
Die Situation hat sich mit einem Schlage geändert," agte er fich;„ bieser Engländer fällt mit seiner Forderung wie ein Funten ins Pulverfaß. Es freut mich nur, daß Homefield. sbeern ihn nicht herzitirt babe. Gestern Abend kam mir sogar Brigerf Bebante, ihn durch einen anonymen Brief zu warnen.
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un tommt er ungerufen. Oder doch nicht? Wenn
Der Herr Kommerzienrath bleibt lange," meinte Er zog seine Uhr.
,, D nein," erwiderte Gontard kühl. Es erfordert immer einige Beit, um eine Angelegenheit von solcher Wichtigkeit zu ordnen. Wenn Sie vielleicht noch einen
gemaches alle Haupt- und Bardepofiten aufbewahrt wer ben, steht in unmittelbarer Verbindung mit den Besuchszimmern. Es wird nun Jemand gekommen sein, den ber Herr Kommerzienrath nicht abweisen konnte, und das verhindert ihn, sogleich wieder herunterzukommen."
So werde ich hinaufgehen," sagte Homefield.
Ich bedauere," erwiderte Gontard entschieden. Sie würden nicht vorgelassen werden. Der Herr Kommerzien rath ist in seinen Privatgemächern für Niemand geschäftlich zu sprechen. Uebrigens erlaube ich mir, baran zu erinnern, daß Sie selbst die konvertirten Werthe hier in Empfang nahmen und nach Prüfung ihrer Giltigfeit in eines unferer Geschäftstouverte thaten und dies uns versiegelt zur Aufbewahrung übergaben. Ich darf wohl annehmen, daß Ihnen alle diese Momente noch gegenwärtig sind, und mich überzeugt halten, daß Ihnen die Unverleglichkeit folcher verschlossen übergebenen Depofiten bekannt ist. Sie können deshalb ganz beruhigt sein. Ihr Depofitum ruht in feuer- und diebesficherer Verwahrung im Schranke oben, wo ich es selbst gestern Mittag noch gesehen habe. Ich habe auch nicht gehört, daß inzwischen bei uns ein Einbruch verübt worden wäre."