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Nr. 39.

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Dienstag, den 16. Februar 1886.

bijvodal sbIII. Jahrg.

Berliner Volksblatt.

Organ für die Interessen der Arbeiter.

Das Berliner Volksblatt"

erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin fret in's Haus viertelfährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Poftabonnement 4 Mart. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags. Nummer mit illuftrirter Beilage 10 Pf. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.)

Bur Kinderarbeit.

Redaktion:

Beuthstraße 2.

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Insertionsgebühr

beträgt für die 4 gespaltete Betitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pfennige. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhre Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaux , ohne Erhöhung des Preises, angenommen.

Expedition: Zimmerstraße 44.

so wenig eine glänzende sein, wie bei uns in Deutschland . Die Stickerei Arbeiter aber befinden sich in Folge der stets Die dem heutigen Produktionswesen innewohnende wachsenden Verwendung von Maschinen beinahe in ähnlicher Tendenz, Arbeitskräfte überflüssig zu machen und mit mög- Lage, wie die Weber in Sachsen und in Thüringen , und lichst billigen Arbeitskräften zu arbeiten, drängt sich immer welcher Art diese Lage ist, brauchen wir unseren Lesern nicht fühlbarer hervor. So nimmt auch die Einstellung von weiter auseinander zu sehen. Rindern, Frauen und jugendlichen Arbeitern" in die industriellen Betriebe zu; desgleichen wächst die Heranziehung befindet sich auch der Kinder zur Hausarbeit. Die Herren von St. Manchester der Kinderarbeit in der StickereiIndustrie. Es heißt dort: Baumbach spöttelte, als im Reichstage von den schäb Dr. Schneider behauptete in der Arbeiterschußkommiffion, bie Rinderarbeit sei in der Abnahme begriffen. Dieser " freifinnige" Herr hat fich offenbar nicht die Mühe genom men, die Berichte der Fabriken- Inspektoren zu lesen und wurde auch in der Kommission gebührend bedient.

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Unter den Mittheilungen des schweizerischen Blattes ein Passus über die Wirkungen

nicht bloß auf nationalökonomischem Gebiete zu suchen. Die Schatten eiten der Stickereiindustrie sind indessen Stidereizentren über furz oder lang eine nicht un­Die fanitarische Untersuchung der Rekruten wird in den wesentliche Abnahme der physischen Bolts kraft zu konstatiren im Falle sein. Ganz abgesehen da von, daß das Arbeiten in geschlossenem Raume und in figender Stellung ein Hemmniß für die gesunde Entwid lung und die Ausbildung voller Manneskraft ist, erwächst

feiner, 10-14jähriger Rinder für bie

um die Schäden der Kinderarbeit in der Industrie darzulegen und Die deutsche Presse könnte mehr thur, als sie bisher gethan, noch besonderer Schaden durch die Verwendung Rinderarbeit mit einer Sache zu thun haben, die geeignet , bie physische und moralische Entwickelung des arbeiten. Arbeit des Fädelns, der diese bedauernswürdigen ben Volkes auf Generationen hinaus auf's Höchste zu ge Opfer der Habgier, die mit zwei Rindern eine erwachsene fährden. Wenn die gesammte deutsche Presse oder nur die Fädlerin zu ersparen sucht, von Morgens früh bis Abends spät in jeber schulfreien Sunde obliegen müssen. Natties fo fönnten die Herren Baumbach und Schneider den Berlich kommt dies in den Fabriken, wo das Fabrikgesetz bers uch nicht mehr wagen, die öffentliche Meinung in der Frage der Rinderarbeit hinter das Licht zu führen. Allein außer den Arbeiterblättern thun in dieser Sache nur sehr wenige ihre Schuldigkeit und die eigentlichen Arbeiterblätter find im Verhältniß zur gesammten Presse nur von ge­ringer Bahl.

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artiger Verfündigung wehrt, nicht vor, wohl aber in den Häusern der nicht kontrolirbaren Einzelsticker. Den Lehrern erzählen bie matten, oft entzündeten Augen, bas blutlose, bleiche Gesicht, fett vieler Schüler von derartiger Miß bünne Stimme und die müde Schläfrig feit vieler Schüler von derartiger Miß handlung, welche sie um ihre Jugend, ihre Gesundheit und ihr Lebensglud betrügt, der gegenüber der gegenüber aber das Gesetz leiber Auch erwachsene und geübte Fädle­machtlos ist. rinnen stimmen darin überein, daß das Fädeln eine mit der Beit nervös erregende Thätigkeit ist, welche namentlich die Augen in hohem Grade anstrengt und oft Entzündungen dieses ebein Organes hervorruft, die sich dann Dank den Bemühungen schurkischer Quadsalber zu gefährlichen Krank

Da muß man dem gegenüber die schweizer Presse bei der es Organe giebt, die keineswegs als aus­hließliche Arbeiterorgane gelten fönnen, Die aber tücksichtslos die Schäden des gegenwärtigen indu­riellen Systems aufbecken So angreifen. mir in dem demokratischen Landboten" Winterthur eine interessante Darstellung der Berhältnisse 3 ber Stickerei Industrie. In schweizerischen Seilungen war fürzlich mit besonderer Betonung gemeldet worden, daß der Stickerei- Export aus dem Ranton St. Gallen geiten entwickeln." für den Monat Januar allein einen Werth von 6 Millionen

-

Wir wollen dabei nur bemerken, daß man es wohl nicht

arbeit heranzöge, fönnte es allerdings nur aus Habsucht thun. Aber wir sind eben noch nicht so weit.

Das Bild, welches von dem schweizer Blatt in Bezug auf die Zustände in St. Gallen entworfen wird, paßt völlig auf die deutschen Bustände. In Sachsen , Schlesien , Thüringen ist es bei der Stickerei und Weberei nicht anders; die Kinder müssen dort karten und spulen, um wenige Groschen täglich zu verdienen.

Der Vorwurf, den der Abg. Auer in der Arbeiter= Regierung die Kinderarbeit noch nicht genügend untersucht schuß- Kommission erhob, daß man nämlich seitens der

habe, ist vollständig begründet. Wenn wir nun auch zu­manchen Fällen geben, daß es für die Fabrikgesetzgebung sehr schwierig, in unmöglich ift, die Verhältnisse in der Hausarbeit nach den Grundsäßen der Humanität zu regeln, fo bestreiten wir doch, daß damit alle Mittel erschöpft seien und daß man der Sache über­haupt nicht beikommen könne.

Die Schule hat unserer Ansicht nach das Recht und die Pflicht, die Jugend den gierigen Händen der Industrie zu entreißen, um die zarten Körper vor frühzeitigem Siech thum, den Geist vor Verdumpfung und Versumpfung zu bewahren. Aber die Schule in ihrer heutigen Geftalt hat nicht die Macht dazu; fie müßte eben bebeutend umge= staltet werden. Man hätte unseres Erachtens schon längst die Errichtung von staatlichen Kindergärten, fast ganz nach Art der jetzt schon so vielfach bestehenden betreiben sollen, in denen die Kinder wie gegenwärtig ten Tag über untergebracht werden und Abends zu ihren Eltern zurück fehren. Das würde die Ausnutzung der kleinen noch nicht Schulpflichtigen Rinder schon bedeutend einschränken. Die meisten Leute schicken ohnehin heute ihre Kinder in den Rindergarten; es müßte das eben zur Pflicht gemacht werden und unentgeltlich sein.

Wir behalten uns vor, diesen Gedanken einmal des Näheren auszuführen und dann auch hinzuzufügen, was die Schule für die schulpflichtigen Kinder zu thun hätte, um sie von der Industrie fernzuhalten. Dabei wollen wir zu Extravaganzen hinneigen.

ausbrücklich betonen, daß wir in dieser Frage keineswegs

immer als Sabgier" bezeichnen kann, wenn Kinder zu sol­man deshalb nicht glauben dürfe, daß die Stickerei Arbeiter hen Handleistungen in der Hausarbeit verwendet werden. besonders gut daran seien. Der Löwenantheil im Gewinn Sehr oft ist es nur die äußerste Noth, welche die Eltern falle den großen Kaufleuten, den Fabrikanten und den dazu treibt. Auch ist es richtig, daß mit der Fabrikgesetz Baumbach und Genossen meinen, ist für die Arbeiter der Agenten zu; dann kommen die Komptoiristen und was damit gebung schwer dagegen etwas auszurichten ist. Das hört erst allerschlimmste 3wang. zusammenhängt und dann erst die Arbeiter. Die Stellung auf, wenn mehr Arbeitsgelegenheit beschafft und besserer Der Romptoiristen wird freilich in den meisten Fällen eben

Feuilleton.

Die Tochter des Bankrotteurs.

Roman aus der Gegenwart

Don

Gustav Löffel.

Lohn gezahlt wird. Wer dann noch Rinder

zu Haus­

bas angrenzende Bimmer schien die geheime Thür nicht zu führen; dann hätte sie ja auch keinen eigentlichen 3wed gehabt, wo dicht daneben eine Thür sich schon befand.

fich nicht weiter umgesehen. Jetzt war ihr das Bimmer Als Erna heute zum ersten Mal herauftam, hatte sie zum Rerter geworden, und nachdem sie ihre erste heftigste räuschlos. Erregung bemeistert hatte, musterte sie es genau. Da sah fie

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Dennoch

Erna zog leise einen Riegel vor die Vorzimmerthür, um den Beamten den Gedanken zu erwecken, daß sie mit einem Nachschlüssel durch die andere Thür entkommen sei. Dann zündete fie einen auf ihrem Nachttisch stehenden Machestock an und näherte sich noch einmal dem Bilde. Dasselbe verdeckte die geheime Thür vollständig. Sie öff nete diese jetzt unter Anwendung der größten Vorsicht ge­Eine hohle Wand zeigte sich ihr; diefelbe verlief seit gewahrte Erna ein wenig zur Linken eine aufwärts führende

Wieder ein 3wang! werden Baumbach und Genossen sagen. Nun, was heute brei Viertel der Eltern freiwillig thun, wo sie Gelegenheit bazu haben, das kann morgen doch tein so schlimmer 3wang sein! Die Freiheit", wie sie

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Offenbar stammte diese Anlage aus der Zeit der Er bauung dieses Hauses, aus einer Zeit, in der das Spiel mit dem Geheimnißvollen und die Sucht nach galanten Abenteuern zur Manie ausgeartet war. Das forglose Da hinleben jener Tage lies wenigstens kaum vermuthen, daß diese Vorrich ung zum Schutz der persönlichen Sicherheit der Schloßbewohner getroffen worden. Erna war natürlich zu earegt, um sich Gedanken hierüber zu machen; ihr genügte das Vorhandensein des geheimen Ganges , um sie mit Dank gegen den unbekannten Urheber desselben zu erfüllen.

denn auch das Bild wieder und traumhaft kam ihr die Er. wärts, also parallel mit der Bimmerwand. Hineinblickend, hatte. Ohne Zweifel stand fie hier am Ende desselben. innerung an die erste Betrachtung desselben. zweifelte fie an der Wahrheit ihrer damaligen Entdeckung, schmale Stufentreppe. Die Thür hatte auf der Innenseite ein Beweis, daß sich zuletzt Jemand von hier aus nach dent

gebracht.

So hatte sie eine findliche Spielerei in den Befiz eines für Apparat während der heimlichen Abwesenheit des 3immer

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Sogleich erwachte in Erna der Gedanke an Flucht.

Diese dewirkten, daß der

Am Fuße der Wendeltreppe befand sich wieder eine solche Thür wie die, durch welche sie den Gang betreten Auf dieser Seite waren sämmtliche Riegel vorgeschobeen,

gewesen.

bebe auf das Barquet eines hohen gewölbten Saales herab. Auch

Gollnow

schlief, das

verriethen seine tiefen themzüge, aber

werden konnte.

Erna schwang sich nun in die etwas erhöhte Deffnung

Erna öffnete die Thür und trat von einer steilen Stufe hier verdeckte ein Gemälde die geheime Thür, und zwar ein noch größeres als das auf der anderen Seite. Das

The fie biefelbe aber ins Werk sette, lauschte fie flüchtig und zog die Thür hehutsam hinter sich zu. Mit einiger selbe stellte einen Ritter in voller Rüstung, offenbar hinab und hinaus, um zu hören, ob man das verdächtige Anstrengung gelang es ihr auch, die beiden eingerosteten einen Ahnherrn des Hauses dar. Knarren der Thür auch wohl im Hause vernommen habe. Riegel vorzuschieben. Wenn nun auch das Geräusch der schwarz, sein Gesicht bleich und finster blickend, sein breites von unten brang ein Geräusch herauf. Das bestimmte fie, rief und sie den geheimen Ausgang entdeckten, erbrechen heimen Thür, und wahrlich, feinen besseren hätte man dort bas Bild vorläufig wieder in seine Lage zu bringen und

zugezogenen Thür ihre Wächter noch einmal ins 3immer konnten sie die starke Thür denn doch nicht so leicht und

bie Lampe zu löschen. Nun ging unten die Thür, und inzwischen hatte sie vielleicht schon einen Ausgang aus dem

warf sich rasch auf's Sopha und heuchelte den tiefen Schlaf, still, dann erstieg sie hastig die steile Treppe.

in welchem sie dann Jener fand. Er war getäuscht und sie nun im Stande, den früher gefaßten Fluchtgebanken zur Ausführung zu bringen.

gleich darauf betrat der Kommissar das Vorzimmer. Sie Schlosse gefunden. Noch einen Augenblick stand sie lauschend Augen gespenstisch hervorleuchtete, wirkte in seiner Weise

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Mit dieser Absicht trat sie wieder vor das Bild. Aber fon die Hand nach der geheimen Feder ausstreckend, zog e diefelbe noch einmal zurück. The fie die Thür öffnete was vielleicht die Beamten wieder nach oben rief­

Oben betrat sie einen dunklen Gang, der auf der einen Seite eine gemauerte, auf der anderen aber eine bloße Bretterwand hatte. Treppe und Gang schnitten sich im rechten Winkel. Offenbar war die Mauer zur Linken die Bodenwand.

Der Gang zweigte später rechtwinklig ab und mündete wieder auf eine Treppe. Diese war aber eine eiserne

Schwert gezogen. So stand er wie ein Wächter an der ge hin stellen fönnen. Das düster gehaltene Gemälde, aus hin stellen können. welchem das tiefblasse Gesicht mit den großen schwarzen

erschütternd. Wer dasselbe sab, fand sich nicht versucht, ganz nahe heran zu gehen. Man mußte es vielmehr aus einer gewissen Entfernung betrachten, um den vollen Eindruck davon zu haben.

mußte fie wenigstens einen schwachen Schuß gegen ihr fos Wendeltreppe, so schmal und so steit, daß, wer ben geheimen schwarze Nitier Gestalt und Leben zu gewinnen. Es war, fortiges Eindringen haben; auch fonnte fie fich auf das Gang nicht kannte, von ihrer Existenz auch sicher feine schwache Mondlicht als Leuchte allein nicht verlassen. In Ahnung haben konnte.

Das bemerkte auch Erna, als fie nach langfamem Vorwärtsschreiten wieder stehen blieb, um einen orieniiren den Blick umber zu werfen. Beim fladernben Schein des hin und her bewegten Wachslichtes gesehen, schien der als wenn er aus seinem düsteren Rahmen hervortreten und Erna folgen wolle durch die lange Reihe berer von Selchow,