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Freitag, den 19. Februar 1886.

III. Jahrg.

Berliner Volksblatt.

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Organ für die Interessen der Arbeiter.

Das Berliner Volksblatt"

Alles Näher beint täglich Morgens außer nach Sonne und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei baus vierteljährlich 4 Diart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Poftabonnement ung Donner art. Einzelne Nummer 5 Bf. Sonntags Numme: mit illuftritter Beilage 10 f. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.)

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Redaktion: Beuthstraße 2.

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Opfer des Sozialistengesekes.

Bon Menschen wollen wir heute nicht reden, auch nicht on Beinungen und Geschäften. Wir denken an die zahl en Bildungsvereine, welche nach dem Inkrafttreten des Vortrag aliftengefeßes aufgelößt und zerstört wurden. Vergebens Den in bieren damals die Warnungen; vergebens wurde auf das fame Wirken dieser Vereine, auf die Summe eblen rebens in ihnen hingewiesen; vergebens betont, daß es ziemlich die einzigen Anftalten seien, in denen der Ar eiter fich wissenschaftliche Bildung aneignen, über die wichs igften Probleme, Fragen und Aufgaben der Gegenwart fich eine über unterrichten fönne. Half nichts was fann von Sozials bemofraten Gutes tommen? Es find Umstürzler, Bildungss feinbe, moderne Barbaren. Berlins einen! Der Jude wird verbrannt." ettag, den andantenfra

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Und die Bildungsvereine wurden zerstört. Jahre find seitdem verflossen; und nun fängt man an, Bersammlung Unheil zu begreifen, welches im Uebereifer damals So schreibt z. B. Herr Professor

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gerichtet warb.

Böhmert, der kathedersozialistisch angehauchte Mans eters und Regierungsmann, in seiner Sozialpolitischen g. den 18.espondena" unter dem Titel: Arbeitervereine und öffent Reftaurane Leseinstitute für Jedermann", wie folgt:

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Das Sozialistengeset hat die Aufhebung einer Aroßen Bahl von Arbeitervereinen zur Folge gehabt. Die Ursache des Einschreitens wider die letzteren bil­bete natürlich der sozialdemokratische Charakter der felben und von diesem Standpunkte läßt sich nichts gegen die getroffene Maßregel sagen. Sieht man nun aber von den sozialdemokratischen Bestrebungen ab, so it zuzugestehen, daß in manchen jener Vereine ein werthvolles bildendes und erzieherisches Element für ben Arbeiterstand lag. Die Mitglieder fanden hier leinere oder größere Bibliotheken und Lesezimmer vor; nicht ganz selten waren Unterrichtskurse mit den Ver­einen verbunden, häufig wurden regelmäßige Vorträge, und zwar keineswegs immer partei- politischen In­halts, von Mitgliedern wie von außerhalb herans gezogenen Kräften gehalten. Für den Ausfall dieser feit seit 1878 unterdrüdten Vereinigungen hat sich nur ganz ausnahmsweise ein Ersatz gebildet. Das Vereinswesen unserer Arbeiter nach jener Beit hat vielmehr die Richtung genommen, daß lediglich bie leidenschaftlichen Anhänger der Sozialdemokratie in mehr oder minder verstedten Ronventikeln zusam­menhalten, auf welch' letteren der eigentliche 3u­

Sammenhang der Partei beruht, von wo aus die Bahlen geleitet werden u. s. w.

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Die große Masse

fozialdemokratisch wie nicht sozialdemokratisch ge

Feuilleton

die Tochter des Bankrotteurs.

Roman aus der Gegenwart

Don

Gustav Löffel.

Herr Winter schien von dem frühen Besuch nicht ange hm überrascht. Er verharrte einen Augenblick unschlüssig,

er sagte: In den Salon!"

Der Diener verreigte fich und ging. Fräulern Hedwig

Insertionsgebühr

beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pfennige. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 libr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bimmerstraße 44, sowie von allen Annoncene Bureaux , ohne Erhöhung des Preises, angenommen.

Expedition: Zimmerstraße 44.

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finnten Arbeiterstandes dagegen entbehrt seitdem fast vollständig der Vereinsbildungen. Wenn man an Stelle der somit entstandenen Lüde einen Gewinn in anderer Richtung, namentlich einen engeren Anschluß bes Arbeiters an die Häuslichkeit, eine Förderung des Familienlebens beobachtet hätte, so wäre hier gewiß feinerlei Verluft zu beklagen. Aber das ist nicht hier der Fall. Wir glauben vielmehr zu der Bes hauptung berechtigt zu sein, daß die Neigung zum Wirthshausbesuch und dergleichen im Arbeiterstande in Folge jenes Umstandes vielfach begünstigt wor den ist. So viele Männer jugendlichen Alters, die Tags über schwere törperliche Arbeit verrichten müssen, wissen gar nicht wie sie die Abende nüßlich und gefittet verbringen sollen. Daheim fißen mögen und können sie nicht. Womit hätten sie sich auch dort zu beschäftigen, da es ihnen gewöhnlich an einem warmen 3immer, an geeigneter Lektüre und Sonstiger Anregung fehlt. Sie wollen Menschen um fich sehen, und die finden sie nur in der Kneipe. Was sie solchergestalt als Unverheirathete beginnen, wird oft genug auch nach Gründung einer eigenen Familie fortgesetzt. Wie kann diesem Kneipenleben entgegengewirkt werden? Besonders auf zweierlei Weise. Einerseits sollten dort, wo sonst die Vorbedingungen gegeben sind, gemeinnüßige Männer die Gründung guter, natürlich von jeder sozialdemokratschen wie überhaupt politischer Tendenz freier, nur einer soliden Bildung, Erziehung und Unterhaltung der Mitglieder gewidmeter Arbeitervereine zu begünstigen suchen; andererseits dürfte es sich empfehlen, öffentliche Leses zimmer für Jedermann ainzurichten, in denen naments lich die vorwärts strebenden Elemente des Arbeiters ftandes eine Gelegenheit zur Verwendung ihrer freien Abendstunden und zur Aneignung von allerlei nüz­lichen Kenntnissen durch Lesen geeigneter Schriften finden würden. Speziell die Voltsbibliotheken, die an so zahlreichen Orten bestehen, aber leider vers hältnißmäßig nur wenig von den sogenannten ar beitenden Klaffen benutzt werden, müßten zu öffents lichen Leseinstituten erweitert werden. Das wird freilich mit gewissen Kosten und Umständen vers bunden sein; aber es läßt sich sofort eine Anzahl von Ortschaften nennen, wo durch Verlegung der Bibliotheken in bestehende Herbergen zur Heimath, Vollstücher, Raffeeschenken und dergl. die entgegen ftehenden Schwierigkeiten leicht zu bewältigen sein würden. Wir erblicken in dem hier angedeuteten Vorschlage ein Mittel zur Heranziehung der ar­beitenden Kreise zur Theilnahme an den Freuden und

recht ich hatte. Natürlich ist das damals nicht ohne große Freundschaftsversicherungen und Versprechungen meinerseits abgegangen; ich sagte Gontard unter Anderem, daß für ihn immer eine Stellung bei mir offen sein werde, und jebenfalls ist es das, woran er mich jest erinnern will."

" Pah, was will das sagen!" sprach Frau Winter gleichgiltig. Du hast ihm doch nichts Schriftliches ge geben?"

Aber Minna!"

Errungenschaften des geistigen Lebens, wie zur Vors beugung gegen manche fittlichen Versuchungen und empfehlen denselben der Prüfung gemeinsinniger Männer aller Stände."

So Herr Professor Böhmert.

Auf die Einzelheiten des obigen Artikels wollen wir nicht eingehen. Bemerkt sei blos, daß bas bildende und erzieherische Element" nicht blos, in manchen jener Vereine" sondern durchweg in allen lag, und in sehr vielen zu hoher Eine Bildungsanstalt 1. B., wie Vollendung gelangt war. der Leipziger Arbeiterfortbildungsverein es mar, hat bisher meber der Staat noch die Privatthätigkeit der befizenden Klassen selbst nur in annähernder Güte herzustellen vers mocht. Jetzt, da das Kind in den Brunnen geworfen und glücklich tobigemacht ist, möchte man es gern wieber her= auszieben und neu beleben.

Es scheint wirklich, wir ständen unter dem Szepter des Dr. Eisenbart.

Bei der jeßigen Berathung über die Verlängerung des Sozialistengefeßes wird der Artikel des Herrn Profeffors und Regierungs Statistikers Böhmert als schäßbares Mas terial" dienen tönnen.

Politische Uebersicht.

Ueber die Kirchenpolitische Vorlage läßt sich nun auch endlich die ,, Nordd. Allg. 3tg." an leitender Stelle folgendermaßen vernehmen. Nachdem schon seit längerer Bett belannt gewesen war, daß der Landtag in seiner gegenwärtigen Seffion mit einer firchenpolitischen Vorlage befaßt werden würde, ist jetzt eine solche dem Herrenhause zugegangen. Dieselbe schließt sich der Novellengefeßgebung der legten Jahre ergänzend an. Wie bei dieser find die be den Gefichtspuntte maßgebend geblieben: Wahrung der Staatssouveränetät, aber Modifitation der Kirchen politischen Gesetzgebung in allen den Punkten, in welchen dies selbe von der katholischen Bevölkerung als Gewiffensbedürfniß oder vom Kirchenregiment als Belastung der inneren firchlichen Ordnung empfunden worden war, während die Beseitigung derselben ohne Einbuße des Staates erfolgen tonnte. Die vorausgegangenen Novellen haben eine geordnete Diözesanvers waltung und, soviel von Staatswegen dazu geschehen konnte, eine ausreichende Seelsorge ermöglicht; die jeßige Vorlage bes schränkt die Forderung des Staates beziehungsweise die Vors bildung der Geistlichen auf die Absolvirung des Gymnasial­und Universitätsstudiums auf deutschen Anstalten, ohne das Kirchenregiment zu hindern, in Konvitten und Seminaren, welche natürlich wie alle Erziehungsanstalten der Staatsaufs ficht unterliegen, die angebenden Geistlichen für ihren fünftigen Stand vorzubereiten. Eine recht matie Rückzugedeckung!

Zum Sozialistengeseh. Es ist seiner Zeit gemeldet worden, daß der preußische Antrag beim Bundesrath auf Ver längerung der Giltigkeitsdauer des Sozialistengeseges in der Sigung des Bundesrathes vom 4. b. zur Annahme gelangt

Winter zuckte die Achseln.

" Ich konnte nicht mehr thun, als was ich gethan," fagte er. Ich habe sie getrennt, weit genug und lange genug, um fie einander vergeffen zu lassen. Ihnen den Briefwechsel zu untersagen, lag nicht in meiner Macht."

Herr Winter schien über diese 3umuthung sehr gemessenen Belohnung auch bereit gewesen, den brieflichen fränkt. Nun also," fuhr Jene in demselben Tone fort. Du

"

Ihn zu untersagen, nein," erwiderte seine Gattin, aber ihn zu unterbrechen. Dieser Gontard wäre ein ge fügiges Werkzeug geworden. Der Mann, der die Geschäftss geheimnisse seines Hauses preisgiebt, wäre bei einer angea Verkehr zwischen den Beiden zu stören und unmöglich zu machen. So wäre er uns noch weiter nüßlich geworden, Deren ich mich rasch genug entledigen werde," sagte Winter, seinen lezten Schlud Wasser leerend. Hätte man

te bie Störung benußt, um sich ebenfalls zu entfernen, bist zu nichts verpflichtet. Verleide ihm das Wiederkommen, während er uns nun eine Laft ist." war nicht als eine Bestegte, sondern mit einem triumphis laß ihn recht lange warten und uns inzwischen noch ein

Ber?"

Raum waren jene hinaus, so fragte Frau Winter: wig ba sagt, verdient doch wohl unsere vollste Beachtung. diese Wendung der Dinge vorausgesehen, dann hätte man

vernünftiges Wort wegen Bernhard wechseln. Was Hed­Ich habe die Flucht Erna's in diesem Lichte noch gar nicht Und ich wünsche sie in diesem Lichte auch nicht bes

" Diefer Gontard?" sagte ihr Gatte mit schlecht verhehl gefehen."

Unwillen.

Gontard?"

Mein Gott ja, der ehemalige Prokurist Eschenbachs!" mig spricht die sie charakterisirende Lieblosigkeit und der

tig werben."

-

mir

B3nter zudte die Achseln. " Mich jedenfalls an mein Versprechen erinnern Versprechen?" ftaunte seine Gattin. Gabst Du ihm

Denn ein solches?"

Groll, den sie unbegreiflicher Weise gegen ihren Bruder hegt. Ich kann diesen auf nichts anderes zurückführen als auf den Einfluß Ablers, dessen Intrigue ich wohl durch schaue."

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überhaupt andere und energifchere Maßregeln ergriffen. Was nüßen jezt Vorwürfe und Klagen! Man muß das Unvers meibliche mit Würde tragen und noch froh sein, daß Alles so gekommen. Ich will denn doch lieber Bernhards Briefe mit Beschlag belegt sehen, als daß Erna nach Brafilien ents tommt. Das wäre das Allerschlimmste."

Wenige Minuten später trat Winter im tadellosen Ges sellschaftsanzuge mit dem gewohnten Lächeln auf den Lippen in den Salon, wo Gontard ihn erwartete.

Was verschafft mir die Ehre Thres frühen Besuches?" fragte er mit falter Höflichkeit. Er winkte Gontard, Plat

Bott, was man so sagt, wenn man von Jemandem gegen ihn einzunehmen. Diese Verbindung ist mein Wunsch zu nehmen, was dieser auch that.

Adler und wieder Adler!" rief Frau Winter gereizt. Gieb doch endlich Dein Bemühen auf, mich oder Hedwig und ihre Wahl, fie wird also auf jeden Fall zu Stande Hedwig hat Recht, Du läßt nun einmal nichts auf Bern hard kommen. Aber damit ist nichts gethan. Wie wir

agen wird. Du weißt, ich habe ihn damals, als Bernhard kommen. Springe nicht schon wieder von dem Thema ab. heit, in der Sie mich schon einmal mit Ihrem Vertrauen

hauen gezogen,

von Erna Eschenbach sprach, in mein

und

mein Ver­

nicht zu meinem Schaden.

Rit vieler Schlauheit und einiger Ueferredung habe ich urtheilen, so urtheilen Andere nicht, und wer weiß, was der Karen Wein einzuschenken. So habe ich uns vor einer für fremde Augen nicht taugt. Er ist leidenschaftlicher Natur bazu vermocht, mir über Eschenbach's Verhältnisse thörichte Junge nicht Alles an Erna geschrieben hat, das Berbindung mit diesem Unglückshause bewahrt, denn was mir fagte, tlang nicht ermunternd. Ich wollte es ein

Borgänge im Haufe des Kommerzienraths beweisen, wie

und leicht erregt. Ich sehe es schon noch kommen, baß man

.

Ich fomme," entgegnete er, in derselben Angelegen

beehrten. Ich glaube, Sie entsinnen sich noch-" Winter verneigte sich, ohne etwas zu erwidern. " Diefe Angelegenheit," fuhr Gontard fort, ist durch die neuerlichen Ereignisse... Sie kennen Sie doch" Der kleine Herr verneigte sich nochmals; seine Miene blieb unbewegt.

"

alb ichidie ich Bernhard so lange fort. Die traurigen wäre denn, daß sie dieselben mitgenommen hätte. Dann welches der Kriminalpolizei Veranlassung gegeben hat, sich

wird es noch geschehen, wenn man sie ergreift."

eingehend damit zu beschäftigen."