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Freitag, den 9. April 1886*

III. Jahrg.

cllimrWWM Krgsn für die Interessen der Arbeiter.

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Da» �Berliner BoltSblate"

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ngetragen in der PMjeiwnaLvreriliste für lß3fl unter Nr. 769.)

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Kitskttmil KenchNrnHe S. Gepediti,»! Zi««erNraßl 44.

Die Sizialrchm.

Die sich langweilig und mühsam hinschleppende Be- rathung de« für die l a n d» und f o r st w i r t h s ch a f t« lichen Arbeiter bestimmten Unfallversiche» rungSgesetze« ist recht charakteristisch für den Stand der ganzen Sozialreform. Diese so großartig angepriesene und un» erst in großen Peispektioen vorgeführte Unter» nehmung ist auf ein Minimum zusammengeschrumpft und droht völlig in'« Stocken zu gerathen. Die Herren von der Regierung und vom BundeSrath versichern zwar mit an«» kennentwerthem Eifer da« Gegentheil; allein wir haben uns im Laufe der Zeit doch daran gewöhnt, die politischen Vorgänge nach T h a t e n und nicht nach Worten zu be» urthetlen. Die alten Parteien stehen der sozialpolitischen Gesetzgebung gegenüber in zwei großen Richtungen da. Die manchesterlichen Liberalen eineiseit», Konservative und Klerikale andererseits. Da» Manchesterthum ist im Grunde feine« Herzen» naturgemäß gegen jede Gesetzgebung eingenommen, welche der Arbeiter» klaffe mit der Hand de« Staat» zu Hilfe kommen will. Die Herren Bamberger und Richter werden zwar nicht müde, zu versichern, daß auch sie eine Sozialreform anstrebten, allein sie haben bi» jetzt auch noch nicht da» Mindeste darüb« verlauten lassen, wie eine Sozialreform nach ihren Begriffen autsehen müßte. Eine Sozialreform mag aussehen, wie sie will; von dieser Seite wird sie imm« bekämpft werden. Da» Zdeal dieser H«ren ist in dir wirthschafilichen Anarchie, in demKämpft All« gegen Alle" verwirklicht. Nach ihrem Glaubin regelt sich dieseAuarchie von selbst und sie treffen darin ganz mit den anarchistischen Ideen Proudhon '» zusammen. Auf der anderen Seite sehen wir kons«vatioe« Junk«» und Agrarierthum im Bunde mit den Klerikalen al« Förderer' der Sozialreform auftreten. Diese Herren sind vor Allem bemüht, den Schein zu retten, al« seien sie die wttkthätigm Freunde de» armen Manne». D« arme Mann mag freilich manchmal ein v«blüffte« Gesicht machen, wenn ihm die Herren Kleist-Retzow, Köller, Moufang, Hertling und Windthor st al« seine einzigenwahren" Freunde vorgestellt werden. Die Figuren dieser Herren nehmen sich denn doch in dem abgetragenen Män» telchen konservativ-klerikalerArbeiterfreundlichkeit' etwa« gar zu seltsam au«. DieseArbeiterfreunde' haben, al» die Aeta der Sozialreform begann, den Mund sehr voll ge» nommen; man hätte glauben können, sie hätten weit« nicht» zu thun, al» die Arbeit« in ein Land zu führen, wo Milch und Honig fließt! Kaum jemals ist so viel vnsprochen und so wenig gethan worden, wie in diesem Fall. Schon die Regi«ung ging den Machern de» konservativ-klerikal- M Jeuill'eton. Der Trödler. Roman von A. E. Brachvogel. (Fortsetzung) Diese»«haltene Freude lebte sonderbar« Weise in Edmund nicht, wenigsten« nicht diese reine, selige Freude, die etwa» Kmdlich-Naive«, etwa» Menschlich. Freie« hat und fich dau«nd, wohlthätig in un» ausbreitet. Hätte« jene» Gefühl, welche«« für Freude zu nehmen verblendet genug war, untersuchen können, so hätte er sicher gefunden, daß «» theil» äuß«e Sinnenregungen, Tier nach dem Besitz der schönen Wolkenstein, theil» befriedigte Eitelkeit, keck« Triumph üb« Graf Tild«n und andere Nebenbuhl«, theil« d« kecke Hoffnung«traum aufgestachelten Ehrgeize», Sucht nach Glanz war. Dcr Schreck, die lähmende Schüchternheit vor seine« nahen Glücke hatte keinen Bei» geschmack reell« Freude, sondern ein« ängstlichen Span» nung, Furcht vor der eigenen That und quälende Erinnerung. Da» Andenken Mathilden» fuhr ihm immer durch alle LlebeSgedanken, und zugleich stiegen gar mancherlei Fragen stuf, die sich an den Umstand knüpften: Mathilde wohne m demselben Hause; da» Leiseste, wa« sich in seinem Leben zutrage, jede« Z«würfniß in d« Ehe müsse sie zu

_.«l r' rv)vHlHU|»lp 111|»v fttn« Beschämung«fahren. Tausendfache Begegnungen verbitterten schon in d« Einbildung sein Leben,« fühlte, daß« mcht Herr im eigenen Hause, nicht frei« Mensch sei, so lange Schätzleins drinnen wohnten, und heraus« treiben konnte« sie nicht I Lebhafter denn je dachte er an Mathilden, und alle Schm«zen, welche sie um ihn em» pfinden müsse, traten ihm vor Augen,«füllten ihn mit tiefstem Mitleid, mit Reue, daß er sie nicht schon längst auf seine Sinnesänderung vorb«eitet, nicht wenigsten« sein« «wen Bruderliebe««sichert habe. Der nahe Termin seiner Bermählung rieth ihm wenigsten», noch den letzten Ausweg «in« Verständigung zu«greifen, welche ihm die Achtung semer Zugendgespielin bewahre.

agrarischen Bündnisse« zu weit, sie wollte ja den Arbeit«n einige kleine Konzessionen machen. Sie waren recht klein, diese Konzessionen, so klein, daß bei näher« kritisch« Be» trachtung kaum etwa« von Bedeutung übrig blieb, allein e» waren imm«hin Konzessionen. Sie wurden von den vttbün» beten Agrariern und Ultramontannr undarmh«zig au« der so­zialpolitischen Gesetzgebung ausgemerzt. Die Agrarier waren gleich den englischen Torie» immer bereit, die Hand zu bieten zu Maßregln, welche den industriellen Unternehmnn Beschränkungen aufwiegen sollten; sowie ab« diese Maß- regeln auf da« Gebt« übergreifen sollten, wo sie selbst dominiren, da machten sie entschieden Front. Man sieht da« ganz genau bei der Berathung de« Unfallvwsicherung»- gesetze«. Al» die Unfallversicherung für die industriellen Arbeit« geschaffen wurde, hatten d,e Agrarier nicht» da« gegen einzuwenden, daß man dem Gesetze eine stramme und einheitliche Form gab. Jetzt ab«, da fich die Unfalls«» ficherung auch auf die Arbeiter erstrecken soll, die in ihren eigenen landwirthschaftlichen Betrieben be» schäftigt sind, jetzt tauchen bei den Herren Agrariern plötzlich die gewichtigsten Bedenken auf und eine Reihe von Bestimmungen, die im«fien UnfallverficherungSgesetz obligatorisch sind, werden im zweiten nur fakultativ. Da» ist doch keine zufällige Erscheinung, sondern da« Resultat«in« wohlberechneten und berechnenden Politik. Da« Zentrum thut dazu noch sein Möglichste«, seine partikularistischen und zentrifugalen Neigungen in d« sozialpolitischen Gesetzgebung zum Au»- druck zu bringen. Wa« soll da schließlich von ein« Sozial» reform übrig bleiben? Wenn Junker und Pfaff«st vom Tische entfernt haben, wa« ihnen nicht darauf paßt, welchen W«th hat e» dann für den Arbeit«, sich überhaupt noch an den Tisch zu setzen? Die agrarisch-ultramontane Koalition wird da« Gesetz, nach ihren Wünschen, Neigungen und Interessen umgestaltet, durchbringen. JDann werden die Herren in» Land hinau«»

gehen und den Arbeitern ihnen

hnen von den worden find. Die Arbeit« w«den diese Botschaft mit sehr zweifelhaften Gefühlen aufnehmen; dessen sind wir sicher. Sie haben ihreFreunde' nach und nach kennen gelwnt. Und die Sozialreform überhaupt? Kann man von ein« solchen reden, wenn sie den Hwren Kleist-Retzow, Helldorff u. s. w. auf den Leib zugeschnitten ist? Politische Ueverstcht.

blätter gebührend gekennzeichnet." Im persönlichen Verkehr

E« war bereit» finster, die Wachskerzen flammten vor seinem Spiegel, in oem« sein bleiche« Geficht betrachtete. Zwei Stunden spät« war« Bräutigam, hatte den Ehevertrag untwzeichnet, keine Zeit war zu verlieren. Statt de« Frack» zog« rasch einen Rock an und schellte. Oswald, sein Dien«, trat ein. Zu befehlen?" Höre, O»wald, ich hoffe, Du bist mir treu?" Können Eu« Gnaden zweifeln, daß ich' Schon gut l Laß Dir also folgende« sagen: Für jeden geheimen Auftrag, den ich Dir fortan gebe und welchen ich eben so»«schwiegen gehalten wie vollzogen wünsche, be» kommst Du drei Louisd'or« 1" Ich bin treu wie Gold, gnädig« Herr!" Hi« hast Du diese Summe, Oswald. Geh' hinab in den Thorweg, link« von d« Straße liegt das Zimm«, welche« Echätzlein'« Dienstmädchen bewohnt" Sehr wohl!" Sieb ihr diesen Thal« und bitte sie, daß sie Mamsell Mathilde bewegt, in jene« Zimm« zu kommen. Geht sie darauf ein, rufst Du mich, verstanden? Sag' ihr, ich müsse mit dem Fräulein dringend ein paar Worte allein reden. Eh« läßt Du nicht anspannen!" Ganz wie Sie befehlen!' Der Dien « ging. Edmund wartete, auf und ab schreitend. Oswald'« Ueb«redung»gabe gelang da» Kunststück. Er konnte seinem H«rn bald günstigen Rapport bringen, und Edmund eilte auf den Hof, huschte in den Thorweg, d« noch dunkl« al» gewöhnlich war, und trat in da« Zimm«, an dessen Thür Schätzlein'» Mädchen »artete. Ein dürftige« Licht brannte ungewiß darin. Die Dienstmagd ging, um im gelegenen Moment Ma- thilden zu rufen. Die Zeit verstrich Edmund in pein» licher Erwartung und Angst. Er fühlte eine grenzenlose Feigheit sein Herz durchzittern, fast hätte er fortlaufen mögen. Eben al»« mit sich zu Rathe ging, wa»« thun, ob bleiben oder gehen solle, hörte« Mathilden« Stimme im Thorweg:

würde man auf eine solche perfide Verdächtigung h!n besten Falles dem Verleumder verächtlich den Rücken zukehren und schweigen, im journalistischen Leben muß man fich leid« auch mit solchen Angreifern herumschlagen. Also zwei Worte d« Erwiderung! DieVolk» Ztg." weiß recht gut, daß jede Po- lemil, die von unserer Seite gegen fortschrittliche Blätter ge- richtet wird, in der konservativen Preffe ihr Echo findet. Wenn dieVolk» Ztg." also jede« solche Echo zu Verleumdungen benutzt, so heißt das weiter nichts, al» daß ihr jede« Mittel recht ist, un» zu verhindern, daß wir jemal» gegen Foit» schritt und Manchesterthum auftreten. Wir gönnen ihr diesi» kindliche Bemühen, denn dadurch werden weder wir noch unser« Leser jemals in uns-rer Haltung beirrt werden. Diese Haltung ist durch unsere letzten Bestrebungen ganz unzweideutig bestimmt. Wir kämpfen für die endgiltige Befreiung der arbeitenden Klaffen und stehen dah« heute im Streite mit den konser» vattven Blättern und dann mögen un» die Fortschrittler ihren Beifall spenden. Wir betonen ferner aber morgen eben- sogut unsere Gegensätze zu dem linken Flügel der bürgerlichen Parteien und davon wird uns der gelegentliche Beifall der Konservativen auch nicht abbringen. DieVolk» Ztg." aber ist in den Händen fortschrittlicher und nationallideralet Aktionäre, sie treibt bei den Wahlen Stimmenfang für den deutschen Freistnn und da» Manchesterthum, die Volk»' Ztg." steht also im tiefsten Gegensatz zu den Be» strebungen der Ardeiter, und doch fließt fie beständig von Arbeiterfreundlichkeit über, weil fie die Arbeiter als Abonnenten al«Zahlvieh" braucht. Sie spricht in ihrer letzten Auslassung von einemebenso gefährlichen wie verächtlichen Spiel", da« die Reaktion einst mit den Arbeitern versucht habe. Ein noch ge- fährlicheres und noch vwächtlichereS Spiel treibt dieVolk«» Ztg.", fie besorgt mit dem Geld« armer, gutgläubiger Arbeit« die politischen Geschäfte de«fteistnnigen" Kapitalismus . Um reinen Tisch zu machen, werden wir die« imm« und imm« wieder hervorheben. WaS endlich dieAbfertigung" anbelangt, mit welcher die Volks Ztg." unftre Aeußeiungen über ihr Verhalten während der ersten Zeit der Berliner Bewegung erledigt glaubt, so be- halten wir uns vor, binnen kurzem darauf zurückzukommen. Ueber die kirchenpolitischen Aussichten schreibt die Köln . Ztg.":Diese Ängelegenhest nimmt unausgesetzt da» ganze Interesse der parlamentarischen Kreise in Anspruch. Nach neuester Bestimmung soll die entscheidende Sitzung am Montag stattfinden. E» wird auf die Erklärung ankom- wen, welche Fürst Bismarck oder ein andere» Mit- glied der preußischen StaatSregierung bei der Plenaiberathung :» führung deS kirchlichen Frieden» dringend aünschenSwnth er» scheinen lassen, so würde die Vorlage angenommen werden, auch mit den Anträgen de« Bischof« Kopp. E» würde dann d« Widerspruch der jetzigen Gegner aufgegeben werden, andererseits würde aber die Vorlage zwerfello» schon im Herrenhause scheitem." Also: wie Bismarck will, wir halten still! Die Branntweinsteuervorlagen gehen ihren gewiesenen Aber mein Gott, Mädchen, wa» kann'S denn sein, da« Du mir so heimlich zu sagen hast?' Damit öffnete sie rasch die Thür und trat ein. In demselben Augenblick sah sie Edmund bleich und traurig vor sich. Sie that einen Schrei und wollte sich umwenden, ab«« war Manne » genug, ihre Hand zu«- greifen. Ein paar Augenblicke bleibe nur!" flüsterte er qualvoll. Mathilden« Busen arbettete heftig, Schluchzen«stickte fie fast. Endlich kehrte sie ihm ihr Antlitz zu. Wa» wollen Sie, He« Hennina»?" Mathilde, nicht so, nicht diese» kalte, fremde Sie! Sei barmherzig,«laube, daß ich mich aussprechen darf wie sonst!' Sie haben bisher dazu keine Zeit gefunden, selbst nicht einmal, seit Sie im Vaterhause find. Nach dem, wa» zwischen un» sich bweit» geändert hat, mögen Sie da» für unnöthig gehalten haben. E» ist auch wohl so I Sie haben meiner, d« ganzen Jugendzeit vwgessen. Mein Gott, Sie können nicht dafür, da» H«z läßt sich eben nicht

Mathilde, liebe Mathilde, sei nicht so gar ungwecht gegen mich! Wohl fühle ich, daß wir übereilt und mit d« Unbefangenheit der Kindwzeit gehandelt, al« wir un«, kaum erblüht, für'» Leben binden wollten. Ab« wenn auch thörichte Wünsche in un» nun den echten Bedürfnissen de» Lebens weichen müssen, wenn wir un» auch al» Gatten nicht angehören, willst Du mir Deine Freundschaft, die Anhänglichkeit d« Jugendgespielin entziehen?! Mathilde, kannst Du da»?' Ich weiß nicht, ob ich so meine Empfindungen unter die schickliche Form stellen kann. Ich kann Ihnen ohne Er- röthen, wie das Kind von ehemals, sagen, daß ich Sie liebe, daß ich von keinem andern Manne bisher gewußt und künftig wissen werde. Ebenso fühle ich auch, daß Sie mich nicht die Ihre nennen können, nicht wollen I Sie haben mich elend gemacht, aber ich bemstleide und liebe Sie doch, denn Sie haben fich ja am meisten damit weh gethan. Ach, Sie wissen noch nicht wie wehe!* O, zürne mir nicht, Mathilde, jetzt nicht 1 Ich thue