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Nr. 165
Donnerstag, den 6. Mai 1886.
III. Jahrg.
Berliner Volksblatt.
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Organ für die Interessen der Arbeiter.
en täglich Morgens außer nach Sonn- und Fefttagen. Abonnementspreis für Berlin fret in's Caus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 85 Bf. Bostabonnement Einzelne Nummer 6 Bf. Sonntags- Rummer mit illuftritter Beilage 10 Bf. ingetragen in der Boßzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.)
Arbeitervolksfeste.
Redaktion: Benthstraße 2.
Don
3ur Bauum bluth" warbern alljährlich an den Sonnie gevormittag en tausende und abertausende Menschen, Männlein, Weiblein und Rinder aus Dresden in den Plauenschen Grund. Daß babei die Sozialdemofraten nicht fehlen, lann man sich denken.
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Vor dem Sozialistengefeß aber zerstreuten sie und ihre Familien sich meist in dem allgemeinen Menschengewühl, nach dem Sozialistengeseh, burch welches die Sozialbemo fraten und Arbeiter in einen Ausnahmezustand versetzt wor ben find, treten dieselben mehr gefchloffen auf, da gemeinfames Leib auch gemeinsame Freud' bedingt. So machten auch am 2. Mai gegen 3000 Sozialdemokraten mit ihren Angehörigen einen Ausflug zum Plauenschen Grund nach bem Gasthof Bur rothen Schenke". Die dort feine Unters funft finden fonnten, lagerten im Freien. fehrten bie Muffen unter Gesang nach Dresden zurück.
und
Ob die Herren, welche das Sozialistengesetz gemacht verlängert haben, ahnen, mit welch' feftem, dauerhaftem Ritt fie die Arbeitermassen binden und welche gähnende Kluft gerade dieses Gesch zwischen den verschiedenen Be völkerungsklassen mehr und mehr zu schaffen geeignet ist? Uebrigens nicht blos in Dresden , sondern auch in an beren Städten find derlei Ausflüge gang und gäbe. So fand am 2. Osterfefttage in alle a. S. ein sogenannter Baibegang" fatt, wie das dort seit vielen, vielen Sabren gebräuchlich ist. Früher, auch noch zu der Zeit, wo in Halle schon eine ziemlich bedeutende sozialistische Bewe sung vorhanden war, lannte man teine Absonderung. Alle Arbeiter, ja alle Bevölkerungsklaffen wogten bei solchem Boltstreiben bunt durcheinander. Seit dem Sozialistenge Kulturbewegung angehören, auch hier von den andern Urbeitern und Bevölkerungsklassen streng ab und ziehen eigenen Weg.
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Männlein, Weiblein und Rinder folche„ Haide gänge" find eben Familienfefte. Wir wollen hier neben bei noch die irrthümliche Nachricht dementiren, welche durch verschiedene Zeitungen ging, als ob am 2. Osterfeiertage eine Sozialistenversammlung bei Halle unter freiem Himmel Rattgefunden habe es handelte sich hier um den all jährlichen Haibegang", den bie Sozialdemokraten immer gemacht haben, nach dem Sozialstengesetz für sich
allein.
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Das Volksleben hat burch dieses Gesetz in Deutschland ungemein gelitten.
Wir erinnern uns noch lebhaft der großen durch die Sozialdemokraten veranstalteten Arbeiterfeste in Berlin ,
Ragerad verboten.]
Feuilleton.
Eine Mutter.
Roman von Friedrich Gerstäder. ( Fortfehung)
bie fich in Haßburg aufhielten, fühlten sich aber auch die
Bu ben Rünstlern: Maler, Bildhauer und Schriftsteller,
"
Insertionsgebühr
beträgt für die 4 gespaltete Betitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmartt 10 Bfennige. Bet größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 hs Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Simmerstraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaux , ohne Erhöhung des Preises, angenommen.
Gepedition: Zimmerstraße 44.
im Winter im Louisenstädtischen Theater, im Sommer im Prater.
Eine geeignete Fefirebe, einige harmlose Vorträge und Deklamationen, einige fleine Schauvorstellungen, Gefänge von Arbeiterliedertafeln und tausende und abertausende von Menschen. Im Prater- es war, wenn wir nicht irren, es war, wenn wir nicht irren, follen an 15 000 Fest
im Sommer des Jahres 1874
-
theilnehmer zufammen gewesen sein.
sämmtlich Arbeiter oder gar Sozialdemokraten waren, verAlle diese Feste, deren Theilnehmer durchaus nicht liefen immer ruhig und ordentlich, so daß die überwachenden folchen Arbeiterfesten beizuwohnen, im Gegensatz zu den Polizeibeamten oft genug erklärten, es sei ein Vergnügen, Volksansammlungen auf dem„ Bock" oder in anderen
Lokalen.
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Man sah es den Arbeitern auf folchen Festen an, daß auf fich etwas hielten; besonders aber zeichneten sich die Sozialdemokraten aus, die, was Ruhe und Wohlanständig feit anlangte, den anderen Festheilnehmern mit gutem Beispiele vorangingen. Die Leiter solcher Feste hatten während der Dauer derselben auf unbedingten Gehorsam zu rechnen; boch fanden sie fast niemals Gelegenheit, von ihren Rechten und ihrer Autorität Gebrauch zu machen.
Ram es einmal vor, daß irgend Jemand ein Glas zu viel getrunken hatte, so wurde derselbe ohne jedes Aufsehen von seinen Freunden mit den Worten: Schäme Dich, Du bist auf einem Arbeiterfeste!" rasch entfernt und wochenlang mußte er bittere Vorwürfe entgegennehmen.
Das Beitrags- oder Eintrittsgeld überstieg die Summe von 50 Pfennigen niemals; mehr als vier solcher Feste wurden in Berlin im Durchschnit des Jahres auch nicht gefeiert, so daß keine besonderen Ausgaben den Arbeitern Baraus erwuchsen.
Und wie dies in Berlin der Fall war, so in Leip zig, Dresden , Breslau , Hamburg , überhaupt in allen größeren Städten Deutschlands . In Leipzig zeich neten sich besonders die Feste des dem Sozialistengefeße auch zum Opfer gefallenen Arbeiterbildungsvereins durch ihre schöne Haltung aus. Im Süden wurden meistens theils sogenannte Gaufeste veranstaltet, so im Main gau in einem Walde zwischen Offenbach und Frankfurt am Main .
Es darf nicht übersehen werden, daß auf allen diesen Festen die Frauen und Rinder mit anwesend waren, wo durch diese Boltsfeste zu gleicher Beit Erholungsfeste für die Arbeiterfamilien wurden.
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Anstatt folcher allgemeinen Boltsfeste, von den Sozial bemokraten veranstaltet die heutigen sogenannten Volks feste" find weiter nichts als Jahrmärkte mit allerlei Trödelbuben, Rarouſſels, Gejohle und Albernheiten, an benen
geftalten, weshalb fich jetzt schon Sorgen darüber machen? Noch läuft sein Rontratt, das Publikum liebt ihn, oder hat sich an ihn gewöhnt, und was die sons ftigen fleinen Leiden und Mergernisse betrifft, die nun eins mal als Salz und Würze unseres ganzen Lebens dienen müffen, ei, die hat er reichlich in vermutheten Intriguen der Intendanz oder der eigenen Kollegen, oder in boshaften Rezenfionen eines nicht gehörig honorirten Theaterkritikers was will er mehr?
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vernünftige Arbeiter sich nicht betheiligen, sind nun die abgeschloffenen Festlichkeiten der einzelnen Gewerke getreten, bie meistentheils des allgemeinen Interesses entbehren und in einem Tänzchen ihren Gipfelpunkt haben. Wir sind die Legten, welche der tanzluftigen Jugend ihre Freude vers derben wollen, wir sind die Lehten, welche Batern" und Muttern" ein fröhliches Tänzchen mißgönnen, aber Arbeiter bollsfefte in bem eigentlichen Sinne des Wortes tönnen derartige Spezial- Arbeiterfeste niemals werden.
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Und dasselbe ist zu sagen über die jetzigen Baum bluth" und" Haidegänge", welche, ob polizeilich überwacht ja man möchte sagen, daß bei diesen Exkursionen die Hauptoder nicht, immer nur ein einseitiges Vergnügen bieren; freude in der Oppofition liegt, welche der Polizei gemacht wird. Das Irreführen der Polizei, das Schnippchenschlagen ist mit die Hauptsache; und wo die Polizei sich zeigt, giebts meistentheils etwas Nederei. Das mag ja für einzelne Theilnehmer an folchen Irrfahrten ungemein intereffant fein, vielleicht auch für einige Vertreter der Polizei. Wir erinnern uns, daß fein Spiel in unserer Jugend uns so unendlich viel Freude heimathlichen Wäldern. bereitet hat, als das Räuber und Gendarmen" in den
Aber dies ,, Räuber und Gendarmen" spielen fann uns jest nicht mehr entzüden, es kann nicht ersehen ein großes Arbeitervolksfest aus früherer 3eit. Aber auf diesen Festen lastet so schwer der Druck des Sozialistengesetzes, daß sie sich nicht mehr entfalten können.
Mögen die Väter des Sozialistengesetes" bas nicht beabsichtigt haben- fie haben nach ihren späteren Aeußerungen Manches nicht beabsichtigt, aber das steht fest, daß der freien und frieblichen Boltsentwideiung große Volksfeste von bedeutendem Vortheil find, bie zu bes einträchtigen bas gerade Gegentheil von Staatsweisheit be fundet.
So konnten wir auch hier wieder unter Beweis ftellen,
daß bas Sozialistengefet gerade bas, was es angeblich zu unterdrücken beabsichtigt, in hohem Maße hervorruft: die Verbitterung unter den Arbeitern und Verschärfung der Klaffengegensätze.
Politische Uebersicht.
Daß die neue Zoll- und Wirthschaftspolitik des Deutschen Reichs trop aller gegentheiligen Behauptungen der offiziösen Preffe von fortwährendem Miserfolg begleitet wird,
bas beweist neben den immer mehr zu Tage trelenden Lohn
reduktionen und den vielen Fallissements industrieller Unter nehmungen auch der Rückgang solcher Reichs- und Staats fteuern, die mit der Wirthschaftspolitik in Verbindung gebracht werden müssen. Daß die Buderſteuer anstatt wie früher 60 Millionen Mart nur 18 Millionen aufbringt, giebt vollgiltiges
manche junge Leute aus Kreisen, die sonst nicht gern ein bürgerliches Wirthshaus" besuchen, veranlaßt, bann und wann hier vorzusprechen und sich ein Stündchen unter den Rünstlern, unter denen sie immer eins zelne Bekannte fanden, zu amüsiren. Besonders waren einige Artillerie- Offiziere, die felber zeichneten und malten, regelmäßige Besucher der Hölle geworden und zogen bann wieder andere nach.
Schauspieler hingezogen. Der gute Wein hatte sie schon seiner ganzen Existenz, und gerade dieser, in den meisten Profefforen saßen, in der Gölle" ein luftiges Völlchen zu Lange in bas Paradies" geführt, die bessere Gesellschaft Fällen liebenswürdige leichte Sinn läßt ihn das Leben an Todte fie aus dem Paradies" in die Hölle," und von den seiner lichten Seite faffen und ihm Alles abgewinnen, was Rünfilern wurden fie, als einer freien Runft angehörend, eben daraus zu gewinnen ist. auch mit offenen Armen empfangen.
Der Schauspieler ist überhaupt ber beste Gesellschafter
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Gute und vielbeschäftigte Schauspieler und Schauspies lerinnen während Sänger und Sängerinnen mit we - nur ihre Noten flubiren und fich ver Text, Sujet oder Charakter ihrer Rolle
in der Welt und steht ja auch mit allen anderen Künstlern nigen Ausnahmen er Gharattere flubiren, um fie wahr und treu, nicht auf der Leinwand, sondern im wirklich lebendigen Bilde wieberzu
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fümmern müffen auch gebildete Menschen sein und find es fast ftets. Sie haben dabei die Form des Umgangs
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So hatte sich denn auch am heutigen Abend, während vorn in der Weinstube die steiferen Bürger, Beamten und fammengefunden, das dem guten Weine des alten Trauvest wader zusprach. Vom Theater schien aber nur das Schau spiel vertreten, ba heute eine Oper gegeben wurde; sonst faß aber eine gemischte Gesellschaft in Uniformen, Sammet röden und Joppen um den langen Tisch, und das Gespräch hatte sich gerade um einen Wein gedreht, den ihnen Trau
veft als Markobrunner vorgefeht und den ein Hauptmann
von Seiblik für Deidesheimer erklärte, so daß schon eine Wette angeboten und akzeptirt war.
ich mich." Topp, angenommen!" rief die Gegenpart.
fich begeistern, und alles das in rasch wechselnden Gestalten, allen Kreisen des Lebens zu bewegen, und verstehen es, und Fach der Charakterrollen am Theater bekleidete; ber hat Schlag auf Schlag, und Triumph oder Niederlage bringt mit einem gewissen Instinkt, der sie alles Steife und Langs die beste Bunge von uns allen, und seinem Urtheil füge weilige vermeiden läßt, bringen fie bald Leben in jeden Alle anderen Künstler schaffen nicht allein für ihre 3eit, Birka, ben sie besuchen. wein, fie haben die Hoffnung, daß auch noch spätere Ge schlechter fich ihrer Werte freuen mögen und ihr Name noch chen, und wer in ihrer Mitte nicht warm wird und seinen Berthel, der Heldenvater; er geht mir schon seit etwa fünf fo der Schauspieler, der, nur auf den augenblicklichen Erfolg kurze Zeit vergißt, den kann man ruhig aufgeben. Er ist genannt wird, wenn fie schon selbst dahingegangen. Nicht im gewöhnlichen Leben noch ängstlich gepflegten 3opf auf Wochen mit einer Sorgfalt gekleidet. Beifall des Publikums, bas ihn selber hört und sieht, ist sellschaften". angewief, auch nur für diesen wirkt und schafft. Der für die Gesellschaft verloren und paßt nur noch für Se muß er auf seine Toilette halten; er gilt ja bei der ganzen
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Es läßt sich denken, daß auch in der Hölle" ein mun
fichert, bann geht er freudig und vertrauensvoll an's nächste terer Ton herrschte, wie denn auch vor Allem hier die Regel
" Bah," rief einer der Maler, als erster Liebhaber schönen Welt von Haßburg für das Modejournal ber Stabt."
Ach was ba, Mobejournal," Inurrte Pfeffer, der unten
Dieser Erfolg des Augenblides übt aber auch natürlich zu nehmen. Schon über der Thür stand auch auf einer find's, und damit er den Leuten Sand in die Augen ftreut,
galt, nichts, und wäre es der bitterfte Scherz gewesen, übel großen, fchwarzen Tafel mit dicen, goldenen, altdeutschen Wer hier in diese Stuben kombt ein, Laß allen Merger und Haber baheim.
wächst mit ihm und theilt fich feinem ganzen Charakter Buchstaben der etwas ungelente Vers: mit; bie Bergangenheit exiflirt nicht für ihn, was anders i fie auch, als eine abgespielte Romödie anft Eine neue brillante Rolle kann ihm die rosig genug
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und die Bu
hängt er den Blunder um sich her; Efel, wenn sie sich da von blenden laffen." Nein, Hösten hat recht," rief aber auch Berthel, es muß etwas anderes dahinter steden Schulden, bah!
Und gerade dieses laisser aller der Gesellschaft hatte Wenn ein Mensch erst einmal so viel Schulden hat, daß er