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Mittwoch, den 12. Mai 1886.
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Berliner Volksblatt.
Organ für die Interessen der Arbeiter.
ini täglich Morgens außer nach Sonn- und Fefttagen. Abonnementspreis für Berlin fret ' Baus vierteljährlich 4 Dart, monatlich 1,86 Mart, wöchentlich 65 3. Botabonnement Bari Einzelne Rummer Bf. Sonntags- Nummer mit tuftritter Bellage 10 f. ( Eingetragen in der Boksettungsreislifte für 1886 unter Rr. 769.)
Redaktion: Benthtraße 2.
Das Ende des Kulturkampfes. Was Marchem vor kurzer Zeit noch unglaublich ers fcheinen konnte, hat sich rasch vor unseren Augen abgespielt: bie Maigefeßgebung ist beseitigt, ber vollständige Friebe mit Rom ist gemacht und die Bentrumspartet ist aus der Opposition verschwunden. Es läßt sich heute noch nicht Alles abfehen, was aus diesen Thatsachen folgen muß; baß aber die ganze innere Polinit nunmehr ein anderes Gesicht annehmen wird, das ist völlig klar.
Das ist also das Resultat eines Rampfes gegen den römischen Stuhl, ben die mächtigste Regierung auf dem Rontinent Europa's etwa anderthalb Jahrzehnte lang mit aller Kraft geführt hat. Da muß benn boch bet bem gläubigen Ratholiten bas Gefühl erwedt werden, daß der Stuhl Petri immer noch ein unüberwindlicher Fels it, wenn er ben Bapst, einen Herrscher ohne äußerlich sichtbare Macht, und eine parlamentarische Partei über das friegerische und ge wappnete Preußen triumphiren sieht.
Insertionsgebühr
beträgt für die 4 gespaltete Betitzelle oder deren Naum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bfennige. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 lips Rachmittags in der Expedition, Berlin SW., Simmerstraße 44, sowie von allen Innene Bureauz, ohne Erböbung des Preises, angenommen.
Expedition: Bimmerftraße 44.
Wir haben gesehen, wie die römische Hierarchie den Angriff Preußens abgewehrt hat.
Es ftab die sonderbarsten Erklärungen für die ganze merkwürdige Erscheinung, die Beendigung des Kulturkampfes, gegeben worden und namentlich die Nationalliberalen, bie die lächerlichste politische Rolle spielen, bie jett man fich überhaupt denken fann, haben behauptet- wenigstens in einzelnen ihrer Blätter der Reichskanzler habe sich angesichts der drohenden Lage in Europa und bei ber Eventualität eines Rrieges veranlaßt gesehen, alle deutschen Elemente, auch die Ultramontanen, zu versöhnen und zusammenzufassen, damit Deutschland einer etwaigen Ratastrophe innerlich gestärkt gegenüberstehe. Das ist denn boch eine sehr gewaltsame Deutung. Einmal ist es denn doch noch nicht so weit, daß Deutschland von einem Kriege bebroht ift, und zweitens find, wenn es zum Schlagen kommt, die Ultramontanen keine Bundesgenossen, die schwer in's Gewicht fallen. Da wiegt ber bekannte pommersche Grenadier" schwerer als ein ultramontaner Staatsmann. Die Nationalliberalen suchen mit solchen Behauptungen wohl nur ihre Blöße zu verdecken und den Spott ihrer
Run, wir halten den Stuhl Petri nicht für unübers windlich; er hat fogar alle Mühe, fich gegenüber den modernen Anschauungen aufrecht zu erhalten. Aber er ist Feinde von fich abzulenken. auf's neue gefräftigt und gefestigt worden durch den unges chidten und verfehlten Angriff, den man als Kulturtampf" bezeichnet hat.
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bis das ganze Volt, auch das katholische, soweit es sich nicht ganz in den Händen seiner Geistlichkeit befindet, fich über bie wahre Natur der Bentrumspartei flar ist. Dann fracht diese Partei auseinander.
Politische Uebersicht.
Verminderung des Branniweingenuffes durch höhere Befteuerung des Schnapses, das ist die Hoffnung, welche otele Widerstrehende den neuen Finanzplänen der Regierung geneigt macht. Die Regierung bläst zwar auch gelegentlich zum Kampf gegen den Alloholismus, die Anfäße aber für den Er trag der vorgeschlagenen Konsumsteuer beweisen aur Senüae, daß fie leinen Rückgang des Konsums, sondern lediglich 200 Millionen Mehreinnahme erstrebt. In der That wurzelt auch
der Allobolismus so feft in gewiffen Ernährungs- und Lebens verhältnissen der Bevölkerung, daß er durch eine noch so starke Bertheuerung des Schnapses unmöglich auszurotten ist. So ift in Frankreich der Branntweingenuß fort nährend gestiegen, trosdem die darauf gelegte Steuer von 37 rcs.( 1850) auf 60 ( 1855), 90( 1860) bis schließlich 156( 1872) Franten erhöht wurde. Bei der legten Erhöhung wurde ganz besonders be tont, daß durch dieselbe eine Verminderung des Branntwein genuffes aus Gründen der Sittlichkeit und Gesundheit bezweckt 940 000 beltoliter Allobol im Lande erzeugt, 1885 dagegen werde. Aber das Gegentheil ist eingetreten. 1850 wurden 1865 000. E tamen demnach 1855 1,46 Liter, 1885 dagegen 3,86 auf den Kopf der Bevölkerung. Die Steigerung des Ver brauches ist indeffen noch viel stä ter. 1873 betrug die Einfuhr 47 250 hektoliter, die Ausfuhr 531 000. Bis 1883 war die Einfuhr schon auf 262 000 Seftoliter gestiegen, die Ausfuhr auf 307 000 gefallen. Legtere ift seither ungefähr auf derfelben Biffer fteben geblieben, während die Einfuhr 600 000 to liter überschritten hat. Nur ein kleiner Theil dieser Bunahme des Alloholverbrauches entfällt auf die gewerbliche Bermen bung. Eine höhere Branntweinsteuer bedeutet also keine b nahme des Branntweingenuffes, sondern lediglich eine enorme finanzielle Stärfung der Regierung das balte man allen benen entgegen, die scheinbar im Dienste der Sittlichkeit auf der Seite der Regierung fämpfen.
Da hat doch die Auffassung mehr für sich, welche dahin geht, der Reichskanzler wolle alle sozialen Mächte zufammenfaffen, um mit ihnen gemeinschaftlich eine Lösung der ökonomischen Fragen dieser Beit zu versuchen oder anzubahnen. Die katholische Kirche ist eine soziale Macht, aber eine veraltete. Es ist eine ungeheure Täuschung, wenn man glaubt, nach christlich sozialem Rezept die ökonomischen Gegenfäge unserer Beit ausgleichen zu können. Das ist gerade, wie wenn man die nationalökonomischen Theorien der Kirchen väter auf unsere Zeit mit Maschinenbetrieb und Eisenbahnen anwenden wollte. Und in dem Kreise der sozialen Mächte, bie der Kanzler um sich vereinigt, werben die Arbeiter ficherlich fehlen, wenigstens soweit sie selbstständig zu Die aufge
bie ber Ranzler um sich vereinigt, werben Die Arbeiter
Wir waren immer Gegner der Maigefeße, einmal weil wir bie Gleichheit vor dem Gesez prinzipiell auf recht erhalten wissen wollen, und dann, weil wir wußten, baß man auf diesem Wege und mit diesen Mitteln die römische Hierarchie nur stärken würde. Man hat wieber einmal gefehen, welchen Erfolg es hat, wenn man sich im Rampfe gegen eine Idee, mag fie nun auf einem Irrthum beruhen oder nicht, sich des Gendarmen bebient. Der Inftitution sein zur Sicherung ihres Eigenthums; aber es benten und aufzufaffen im Stanbe find. Bebeutung beilegen, wenn man ihn als paſſendes und braugh flärten Arbeiter erwarten vom 3entrum so wenig wie bares Werkzeug im Rampfe gegen Ideen betrachten will. Eine einzige Schrift von Ludwig Feuerbach , eine einzige unendlich mehr Abbruch, als die Thätigkeit von ehntausend preußischen Gendarmen. Aber ba liegt eben der Hafe im Pfeffer. Die Philosophie und Naturwissen bie ihr nun wieber eingeräumte Macht unbenugt laffen fchaft verwundet mit ihren Resultaten alle Ronfeffionen werde; bas hat fie bisher noch nie gethan. Es wird an Rirchenthum gleich schwer. Wenn eine Regierung fonach ralen Jnftitutionen haben. Es ist wenig, aber immer noch a trifft römisches, protestantisches, griechisches unb jüdisches ein Aufräumen gehen mit allem, was wir an wittlich liber nicht soweit gehen will, die Verquidung von Kirche und etwas. 3ivilehe und was drum und dran hängt, wird aufzuheben und die firchlichen Bereinigungen den wahrscheinlich zum Opfer fallen, besonders da niemand der anderen gleichzustellen, so findet sich die jeweilig angegriffene Urheber dieser Institution sein will. Kirchengemeinschaft immer in einer sehr günstigen Position.
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Feuilleton.
Eine Mutter.
Stoman von Friedrich Gerstäder.
( Fortsetzung)
von Herrn Stöder.
Doch alle diese Dinge werben für die römische Hierarchie und ihre Parteigänger nur Nebensache sein. Hauptfache find dieser Vereinigung immer ihre eigenen Intereffen. Uns scheint nicht, als ob die römische Hierarchie
Lange Zeit wird dann allerdings nicht erforderlich sein,
Und die Gräfin?
Felix hatte mit den beiben Grafen Monford an der Terrasse gestanden, über das Land hinausgesehen und das Treiben in der unter ihnen liegenden Stadt beobachtet. Jest wandte er sich wieder der Gräfin zu und ertappte fie gerabe, wie ihr Blid ernst und forschenb, aber ohne bas geringfle 3eichen innerer Bewegung an Helenen hing. Raum fühlte sie aber, daß des jungen Grafen Auge auf ihr haftete, als fie fich diesem zuwandte und, mit zu der Terraffe tretend,
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Die deutsche Arbeiterbewegung unterscheidet fich besonders von der in den benachbarten slavischen Ländern dadurch, daß fie nur äußerst felten Gewaltthaten zu Tage fördert. Die Gründe dafür find unseren Lesern bekannt. Gine langjährige Organisation, Erkenntniß der eigenen Lage, Kampf mit dem Stimmzettel, Arbeitervereinigungen zur Auf flärung
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den Arbeitern in Bolen, Böhmen 2. alle diese Borbebingungen
zu einer gefunden Entwickelung der Arbeiterklaffe noch faft sänglich feblen. Deshalb finden wir auch dort bei den Be wegungen unter den allerdings über alle Maßen gedrückten Arbeitern Brutalität und Gewaltthätigkeiten vorherrschend. So meldeten wir gestern wieder nach dem Berl. Tabl." aus Nimburg in Böhmen von blutigen Zbaten, welche Arbeiter gegen einander verübt baben. Die Mehrzahl der bei der Mrlina- Regulirung beschäftigten Arbeiter forderte Lohnerhöhung
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Sie weiß es?" tief Helene erschreckt.
" Ich habe ihr den Namen jener Frau genannt."
Und doch so kalt, doch so hart!"
-
" Beruhige Dich darüber, Helene," sagte Felix freund lich;" Anderes konnten wir für diese erfte Busammenkunft faum erwarten. Die Ueberraschung war zu groß ich fah ihr an, daß sie Mühe hatte, ihre Fassung zu bewahren, was fie allerdings mit einer mir selber unerklärlichen Seelenftärke möglich machte. Laß ihr jetzt 3eit, das Gehörte still und benken. Laß fie erst mit sich selber in's Reine kommen, und fte felber wirb Dich dann aufsuchen fie muß es ja thun, wenn sie nicht jedes Gefühles bar sein sollte!"
Fremden gewiffermaßen allein im 3immer befand, nicht uns ihn in ihrer gewöhnlichen ruhigen Weise auf die einzelnen allein, und von keinen äußeren Eindrücken gestört, zu über benutzt vorübergehen lassen, und sich, schon im Begriff, auf Schönheiten der Szenerie aufmerksam machte. bie Terraffe zu gehen, noch einmal zu dem jungen Mann wenbend, fagte fie mit so gleichgiltigem Ton, als möglich: Wie hieß die Rolonie, wo Sie gewohnt haben, Herr Santa Clara, gnädige Gräfin," erwiderte Felix, fich leicht verbeugend; meine Helene ist die Tochter der bort zeigt, und Graf Rottad tonnte und wollte seinen Besuch anfäffigen Gräfin Baulen.""
treten?"
In der
That?" hauchte die Gräfin und blieb einen
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Reine Spur von Befangenheit war babei in ihr zu entdecken, kein Beichen einer inneren, heftigen Bewegung, wie eine solche Entdeckung, als die eben gemachte, fie eigent lich boch hervorgerufen haben sollte. Sie war vornehm wie immer, wenn auch gesprächiger, als sie sich bis jetzt ge auch nicht über die gewöhnliche Beit hinausdehnen. Der Same war jebenfalls geworfen und das Rorn mußte nun Nicht lange danach empfahlen fich die jungen Leute ber
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Und wenn sie es nicht thut, Felig?"
" Wozu uns jetzt mit einer Unmöglichkeit absorgen? Sie wird es sicherlich, mein Kind."
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Und wenn fie es nicht thut?"
Moment mit der Hand auf den Stuhl geftüßt, an dem sie Früchte treiben. eben vorüber wollte, stehen; aber es war auch nur ein Mo. ment. Ah, da tommen meine Rinder," sagte fte; bitte, gräflichen Familie, wobei der alte Herr noch den Wunsch im Stande, Dir zu widerstehen, deß bin ich fest überzeugt. Herr Graf, wollen Sie nicht mit hinaus auf die Terrasse aussprach, daß fie öfter zusammenkommen möchten; die junge Liegst Du erst einmal an ihrem Herzen, dann läßt fie
Frau hatte jedenfalls einen sehr günstigen Einbrud auf ihn Sie ging langfam voran hinaus, und Rottad ließ the gemacht, wie sie sich im Sturm schon Paula's Hers erobert. Der Wagen fuhr vor, und balb rollte das leichte Fuhr
hier abfichtlich Seit, um fich vollständig zu sammeln, indem
Paula vorgestellt wurde und sich freundlich mit ihnen unter
-
er vorher dem jungen Grafen George und beffen Schwester werk mit ihnen wieder in die Stadt zurück.
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war benn auch schon in
Fräulein Bassini.
neben einander im Wagen. Es war ordentlich, als ob fich
" Dann versuchen wir das Lezte, bann forbere ich für Dich eine Unterredung mit ihr eine Ausrede, dem alten Herrn gegenüber, ist bald gefunden und die kann und
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Dich auch nicht wieber, noch dazu, wenn sie erfährt, daß ihr Geheimniß in sicheren und treuen Händen ruht; daß Du nichts, nichts auf der weiten Gotteswelt von ihr verlangt, als ihre Liebe...." Der Wagen hatte indessen die kurze Entfernung zurüd gelegt, und während er in den Garten einfuhr und vor dem und mittlerweile mit den Rindern beschäftigt hatte. Er
Und Selene Stand Paula gegenüber, die mit ihren Eine lange Beile faßen die beiden Gatten schweigend Hause hielt, saben sie, daß sich Jeremias schon eingefunden gern hätte sie das liebe, holbe Rind an fich gezogen, feft, beibe scheuten, ein Gespräch zu beginnen. Endlich sagte doch spielte Rutsche und Pferd mit ihnen, und während er die fest in ihre Arme, und mit dem theuren, noch nie gebrauch Helene mit leiser Stimme: ten Schwefternamen genannt! Wie lieb und gut fte aussah, und wie traurig doch und ernst biefes junge Herz die Sorge, ber Rummer eingelehrt? Sie vermochte auch nicht, es hier bei der talten üblichen Form au laffen, und auf das junge, fich schüchtern vor der hohen, eblen Beftalt neigenbe Mädchen zugehend, schloß fie Paula halb in die Arme und füßte fte auf die Stirn.
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Sie ist eine recht, recht folge Frau o, es wird schwer halten, dieses Herz zu bezwingen!" Meine arme Helene!"
Ob sie nicht ahnte, daß ich ihr näher stehen könnte, als fie erfugr, daß wir aus Brafilien tämen?"
Liebes Her," sagte Felix leise, fie weiß jest, daß Du ihre Tochter bift..."
vor Vergnügen appelnde fleine Helene auf dem Arme trug und dabei den Riesweg entlang galoppirte, hatte ihn Günther hinten an beiden Rodschößen und rief Jüh! und Hoh! und fuchte ihn balb linke und balb rechts einzulenten.
Nur wie die Eltern in den Garten einfuhren, ließ der Kleine los und sprang dem Portale zu, um der erste zu sein, der fte begrüßte, und Helene streckte ihnen ebenfalls, in lautem Jubel auftreischend, die Nermchen entgegen, so