Kr. 187.

Freitag, de« 9. Juli 1886.

m. Jahrg.

((liiurMsWI Krgan für die Interesftn der Arbeiter.

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FmmWmueii.

E» vergeht wohl kein Tag, ohne daß verschiedene Zeiwngeu die Ferienkolonien anpreisen, deren treffliche Wirkungen auf die Gesundheit der Kinder betone» und die t;eude der Kinder, welche das Glück habe», an dieser ommerfrische Theil nehme« könne», schon im Borau» in lebhafte» Farbe» schildern. Und wer freute RA nicht über die Freude der Kinder. wer nicht über ihr Wohlergehen in de» Ferienkolonien? Auch wir gehöre» zu denen, die sich freue» und die der Uederzeuguog find, daß de» Ferienkolonie» ei» richtiger Gedanke zu Grunde liegt. Aber andern« theil» muß auch betont werde», daß die Bedeutung der Ferienkolonie» ungemein überschätzt wird. So lasen wir neulich in einer liberale« Zeitung, daß die Ferienkolonie» ei» Bewei» dafür seien, daß eine richtig organifirte Selbsthilfe ohne Gesetz, ohne neue Steuer», ohne revolutionäre Agitation die unschätzbare WohUhat der Ferienkolonien in Volkskreise gebracht habe, welche tau« daran gedacht hätten, dieselbe für ihre« Nach« wuch« zu verlange». Alle, sei freiwilliger Entschluß von einigen«ohlthätige« Männer« und Frauen gewesen, dem fich immer neue WohIthSter anschlöffen.So arbeitet die ganze Nation an ihrer Erhebung au» Elend, Schmutz und Gemeinheit. Den unschuldigen Kindern wendet sich da» Mitgefühl zu, die für die Schuld an dem Unglück ihrer Vorfahre« büßen." Die Ferienkolonien streben darnach, der Zukunft ei» gesundere«, ftischere» und leistungsfähigere« Geschlecht entgegenzuführev. Hier wollen wir zunächst Halt mache« und über solche Tiraden, welche einer guten Sache nur Schade« zufügen, einige Worte äußer». Zunächst möge man einige Zahle« betrachten. Die Zahl der Schulkinder in ganz Deutschland beläuft fich auf Millionen, die Zahl derer aber, die in Folge mangelhafter Ernährung«, und anderer Existenzbedingungen de« Auf» enthalte« in Ferienkolonien benöthigt find, beträgt mindesten» eine volle Million. Diese Schätzung ist eher zu niedrig als zu hoch gegriffen. Und wie viele Kinder genieße» jetzt die Wohlthate« de» Znflitut« der Ferienkolonien? Im Herbste wird wahr» scheinlich eine Statistik herausgegeben werde«, in der wir die genaue Zahl vorfinde» werde«. Wir unterschätzen sicherlich nicht, wenn wir die Zahl, die sich im vorigen Zahr« auf zirka 20 000 belief, in diesem Jahre auf 25000 Kinder angebe«. Dann kommt auf 40 hilfsbedürftig« Kinder ein unterstützte«. Und da« ist die Frucht einer mehr als jehnjährigen Thätigkeit. Allem An« schein« nach aber wird die ganze Thätigkeit nicht weit über

IeuMeton. M«e Mutter.

Roman von KZrtedrich 8 e r ft ä ckle r. (Fortsetzung.) Ob er'wa« haben wollte? Nein; er schien unruhig, aber die alte Frau auch keine Person, gegen die er sich ausspreche» konnte. Er schüttelte mit dem Kopf und horchte nur immer hoch auf, wen« fich unte» im Hause etwa» regte. Immer heftiger wurde dabei sei» Fieber, und da» vorher so bleiche Gesicht flammte jetzt ordentlich in wilder Gluth. Dt« Roste war wieder einmal hinunter gegange«, um etwa» zu besorge», al» fie plötzlich rasch die Treppe herauf kam und mit ängstlicher Stimme sagte: Herr Du meine Güte, die gnädigste Frau Gräfin i selber unten und will heraufkomme«- die Ehre! U wie'» hier auSfieht-«a. die wird schön schauen! Aber wer hat daran mich gedacht?" Und dabei schob fie hastig Alle« au» dem Wege, wa» fich«be»«icht gut zeige» ließ, und wischte«och mit ihrer Schürze de« eine« dem Bett gegenüber stehende« Stuhl ab, auf dem fie gewöhnlich saß, al« die Thür schon aufging und die höh«, stattliche Gestalt der Gräfin auf der Schwelle stand. Da« kleine Gemach hatte vielleicht«och«i« so ärmlich ausgesehen, al« in dem Augenblick, wo die elegante Gestalt ver Dame in ihrem schwarze«, rauschende» Seidenkleide

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umher«, & Äuge schon fragend und forsche? auf dem»atlitz de» Kranken, der, al» er ihre« Schritt auf der ......." war. vom "sank und ttiederstartte. ...«an, versteinert über die.hohe Ehre" stand indessen die Roste in der Ecke und knlxte nur einmal»ach dem

das jetzt schon erlangte Resultat hinauskommen. Doch da» ist eine Annahme, die wir beute»och nicht beweise» könne«, die aber ihre« Grund in der Abnahme aller Modesache«

hat. Und die Unterfiützungssache« find meist Modesachen. Man denke nur an die Vereine gegen Verarmung und Bettelei, die gegen die Verarmung absolut nicht» und gegen die Bettelei nur herzlich wenig ausgerichtet habe» »nv die in letzter Zeit auch au» der Mode gekommen sind. Wir wollen also bei den Thatsache» bleiben. Danach können gegenwärtig 975 000 hilfsbedürftige Kinder nicht in die Ferienkolonie« geschickt werden. Und mit den 25 000, welch« dieser Wohlihat theilhaftig werde», will man ei» ge» sundere», leistungsfähigeres Geschlecht erziehe»! Das heißt doch den Mund allzu voll zu nehme«! Und wenn man da» bei das Eingreifen de» Staates oder der Gemeinden in dieser an und für fich so eminent wichtigen Frage verwirft, so glaube» wir, daß mau dann durch die Privatkolonie« auf die Dauer mehr Unheil al« Segen schafft. Die kleine Minorität der zu Ferienkolonie« herange» zogen«« Kinder gleicht de« Glückliche», welche in der Lot» terie«in gute« Loo« ziehe«, während die Masse der Kinder, welche unberücksichtigt bleiben, die Niete« gezogen habe«. Da« Schlimmste aber dabei ist, daß Zufall und Willkür bei der Au«wahl entscheide» und Verbitterung in die Herzen der zahlreiche«Uebriggebliebenen" bringe». Um so unzutreffender ist e«,daß nicht» unwidersteh» licher die in de» Arbeitergemüthern angesammelte Verbitte» rung««»lösche, al« wen« fie die Thcilnahme gewahre«, welche die Veranstalter der Ferienkoloaien für ihre unglück» liche« Kleine» empfinden". Gerade dieArbeitergemüther" fühlen, daß die Privat-Ferienkolonie« zunächst ganz unge» «ügend find, für die unglückliche« Kleinen zu sorge» und daß dann bei der Auswahl derselbe« allerlei Rücksichte» und Anschauungen maßgebend sind, welche vielfach die Verbitte» rung in de« ArbeitSgemüthern erhöhen müffe». Bei der Auswahl der Kinder wird oft genug auf die moralische Haltung, ja auf die religiös« oder politisthe Stel» lung der Elter» Rückficht aenommen und de« Kinder«

diese Stellung entgolten.Den unglückliche» Kinder« wen» det fich da» Mitgefühlab", die für die Schuld oder da» Unglück ihrer Vorfahre« büßen."--- Aber was hat schließlich die Schuld oder da» Unglück der Vorfahre» überhaupt mit dieser Frage zu schaffen? Die aanze» soziale» Zustände find derart, daß von Schuld und Unglück des Einzelnen kaum mehr die Rede sei« kann: die ganze arbeitende Klaffe befindet fich in der Lage, daß fie für Kinderpflege und Kindererziehung viel zu wenig leiste» kann, daß fich also fast sämmtlich« Kinder der Arbeiterklasse andern, um dem vornehme» Besuch ihre Ehrfurcht zu er» weise«. Aber die Gräfin, deren Blick nur über fie hinglitt, sagte leise:.Geh'» Sie hinunter, gut« Frau, ich habe mit dem Kranke« et»a« zu sprechen." Zu Befehl, Frau Gräsia." .Und komme» Sie nicht eher wieder herauf, bi» ich Sie selber rufe." Zu Befehl, Frau Gräfin." Die Alte war seelenftoh, da oben weg zu komme«, und wie ihr die Gräfin nur so viel Raum an der Thür ließ, daß fie hindurch konnte, ohne ihr auf da» Kleid zu treten, schoß fie die Treppe hinab. Die Gräfin war mit dem Maulwurstfänger allein; aber noch immer sprach fie kein Wort,«och immer haftet« ihr Blick wie ftagend und ungewiß auf de» eingefallene« Zügen de» vor ihr Liegende», und erst al» dieser keine Miene machte, fie anzureden, und nur wie krampfhaft in die Decke griff, sagte fie leise: Sie habe« mich zu spreche« verlangt. Wa« kann ich für Sie thun?" Der Maulwurfsfänger drehte langsam de» Kopf«ach ihr um, den« selbst diese Bewegung that ihm weh; dann aber flüsterte er, daß die Worte kaum zu dem Ohr der Gräfin drangen und trotzdem wie mtt einem Schlage da» Blut au« ihre« Wange» jagten: Also hast Du de« Ring wiedergekannt, Ottilie? Bist Du wirklich gekomme», um mir Lebewohl zu sagen?" Heiliger, allmächtiger Gott!" stöhnte die Gräfin und faßte ihr Herz mtt beide» Händen, al» ob sie e« festhalten wolle in der Brust.Wäre e» denn möglich wäre e» den» wahr...?" E« ist wahr, Frau Gräfin," sagte der Alte, indem ei« bittere« Lächeln um sein« Lippen spielte,die Jammergefiatt hier auf dem Bett, zerschossen und von Krankheit nnd Alter gebrochen, eigentlich auch schon halb verfault, mit dem schleichende« Tod in de» Glieder«, ist Alle«, wa» von dem einst so lebentlustiaen und gefeierte» Friedrich von Eitropp übrig gebliebe«. Wenig, nicht wahr? Verdammt wenig und da« Wenige selbst verstümmelt und mißhandelt I"

in der Lage befinde», dieunschätzbare Wohlthat" der Fe«

rienkolonien für fich in Anspruch zu nehme«. rch eben wttd die Gefahr heraufbef Privatferienkolonie« mehrVerbttterung in denArbeiter gemw her»

Dadurch eben wttd die Gefahr heraufbeschworen, daß die

erzeugen, weil fie unzulänglich find, weil die Gabe» un» gleich vertheilt werde», weil die Auswahl der Kinder nicht »ach Prinzipien, sonder» nach Willkür und vielfach auch»ach Voreingenommenhett erfolgt. Da aber in de« Ferienkolonie» an fich ei» gesunder Gedanke liegt, de« auch mir mit Freude» begrüße«, dethalb sollte die gesammte Gesellschaft, repräsentttt im Staate, der ja auch der Letter de» Schulwesen« überhaupt ist, fich diese« Gedanken» annehmen, sollte ihn auf die Höhe de« Rechte« und der Gerechtigkeit hinaufführe« und da«, wa» jetzt Privatwohlthat und Almosen ist, zur S t a a t» s a ch e mache«, zur Staat» Pflicht erheben. Dan» erst würde» die Ferienkolonie» ei« Anrecht habe« auf die Lobe»hhm»en, die ihnen jetzt in einige» Blätter» gesungen werde«, dann aber auch mtt Recht und in vollem Maße._ fit llmmlmische UolkZmrWch md dieomklikllllifchellArdkilttirzalliflltiiiiieil. IV. (Veral. Nr. 150, 151, 165.) § Der allmälige Ersatz der Fachvereint durch allgemeine ArbeiterverbLnd« ist in dm Vereinigten Staaten unter ver« schiedenen Formen erfolgt. Da bei einem Streik nicht die Konkurren, au» allen anderen veruf»jweigen in gleicher Weise zu befürchten ist, da z. B. so gut wie ntemal» ein schwächlicher Weber die Stell« eine» robusten Maurer» fich aneignm wird, so mußte man zuerst daran dmken, wenigstens die verwandten Be- rufSzwetge in eine einheitliche Organisation zusammm»

diejenigen Genossen in einm"Verband�' zu�mtinl wctche bei der Herstellung desselben Produkte» thätig sind. Bettachten wtt ,.». vre Ziganenfadrikation. In der- seldm find nach WalterSbauien vier Arten vn« 9irhrH*m beschäftil machet und Zigarren pack«. Nebmen wir an. die BerufSaenoffen

machet und Zigarrerpacker. Nehmen wir an, die je einer Ablheilung feien in einer Gewerkschaft vereinigt. S« ist nun klar, daß. wenn um die vier Verbindungen ein gemein- same» Band aejchlungm ist, fie dem Unternehmerthum eine gewicht, ger« Macht entgegenstellen können, al» wenn jede Gr-

Die Frau stand, da» Gesicht in dm Händen bergend. mitte« in der Stube; kein Laut kam über ihre Lippen, aber die ganze Gestalt zitterte und bebte, und des Alten Blick haftet« fast wehmüthig und mitleidsvoll an ihr..Setz' Dich, OMlie, etwa» näher zu mir; ich kann nich: so laut sprechm und fühle, daß ich auch«icht mehr lange sprechen werde. Ich weiß Alle«, wa« Du fragen möchtest. ich will Dir Alle« mit wenige» Worte« sagen. Aber dann mußt Du mtt auch eine Frage beantworten nur eine einzige Frage, die mtt lange Jahre am Lebm ge- ftessm hat und die ich-«och vor meinem Tode gelöst habe« möchte. Setz' Dich, die Zeit vergeht und die Se- künde» fangen an kostbar zu werden." Die Gräfin machte eine Bewegung gegen da» Bett. und der Spitz, der bi« jetzt nur leise und fast unhörbar ge. knurrt hatte, schlug laut an. Der Maulwurstfänger pfiff leise durch die Zähne und sagte dann:Ruhig, Spitz. ist vorbei; Du wirst jetzt abgelöst von Deinem Posten. Sei ruhig, mein Hund, ich bin'« ja auch; hörst Du Da« kleine treue Thier knurrte zwar»och leise, aber e« kauerte sich wieder unter dem Bett zusammen und win­selte nur»och ei« wenig, al» die Gräfin fast mechanisch nach dem Stuhl griff und sich darauf niederließ. Dan» lag er ganz still, schob die Schnauze wieder in seine langen Haare und blieb regungslos liegen, hielt aber immer»och

die klein« blitzend«, schwarzen Auge» mißtrauisch auf da» Kleid de» ftemdartigen Besuch« geheftet. Auch der Kranke schim sich erst von der ungewohnt» Anstrengung de« Red»« zu erbol»; dann fuhr er lang- sa« fort: Die Geschichte ist sehr kurz. Mein Vermöge» brachte ich durch im Spiel; arbeit» konnte und wollte ich nicht; in Frankreich , wohin ich flüchtete, fälschte ich ew» Wechsel, um Geld zu bekomm», und wurde eingekerkert. Ich saß lange Jahre und kehrte,»Wich freigelassen,«ach Deutsch­ land zurück; aber d» Baron hatte ich im französische» Ge- fängniß oder vielmehr schon vor dessen Thür gelass», lebe» mußte ich, Geld hatte ich kein«, da» Einzige, wa« ich verstand, war da» Spiel und die Jagd; Kroupier macht"