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Freitag, den 6. August 1886.

II. Jahrg.

Berliner Volksblatt.

Organ für die Interessen der Arbeiter.

Das Berliner Volksblatt"

heint täglich Morgens außer nach Sonn- und Fefttagen. Abonnementspreis für Berlin frei w's Caus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 tart, wöchentlich 35 Bf. Boftabonnement Mart. Eingeine Nummer 5 Bf. Sonntags- Nummer mit der illuftrirten Beilage 10 Bf. ( Eingetragen in der Boltzeitungspreislifte für 1886 unter Nr. 769.)

Redaktion: Beuthstraße 2.

Hand an die Wurzel!

Durch die Seitungen geht eine Betrachtung des Sau. eflaften overfchen Courier" über einen Todtschlag, der bei Gele genheit eines Ballvergnügens an einem Schuhmann verübt worben ist. Es soll nach dem Bericht des genannten Blattes eine mit Batten und Rütteln bewaffnete Stotte halb. begangen hat.

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Insertionsgebühr

beträgt für bie 4 gespaltete Betitzeile oder deren Haum 40 Bf. Arbeitsmarkt 10 Pfennige Bei größeren Aufträgen buber Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bimmerftraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaux , ohne Erhöhung des Preises, angenommen.

Expedition: Zimmerstraße 44.

und Entfittlichung in der Weise zu verheimlichen, wie dies vielfach bei ben besser fituirten Ständen geschieht.-

et ber Buchfiger Burschen" gewesen sein, welche das Verbrechen üben tönnen. Betrachtet man nun noch die jammervollen Blätter vom Untraut beim Jäten abbrach und seinen

Rinber, wenn fie in die Schule tamen, vielfach schon ver roht und entfiitlicht. Spricht man aber mit ben armen Eltern, so fagen biefe: wir selbst find auch nicht beffer er 30 zen worden, außerdem aber müssen wir fern von der Wohnung den ganzen Tag angestrengt arbeiten, um für uns und unsere Rinder das tägliche Brot zu erwerben, so daß wir auf die Erziehung der Kinder feinen Einfluß aus Wohnungsverhältnisse der ärmeren Leute, welche schaaren weis ohne bes Waterschied Alters und des Geschlechtes zufammenleben müssen, dann möge der fich und beugen nicht leichthin von verrohten und entsittlichten Burschen reden. Wir sind der Meinung, daß auch der Verfasser des augezogenen Ar tikels und auch diejenigen, welche denselben ohne Weiteres als beachtenswerth abbruckten, wenn fie dieselbe Erziehung

Der Hannoversche Courier" schlägt eine weitere Be farantung ber öffentlichen Tanzluftbarkeiten vor, um der Geschlechtes 1,25 artige Erjeffe mehr und mehr zu verhüten; der Tanzboden Pharisäerstolz tenftboten fei eine Hanptzuchtstätte für Rohheit und Unfittlichkeit.

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Wir wissen nun nicht, ob der Verfaffer jenes Bor flags ben Tanzboden überhaupt meint, also auch den Kangboben, welchen die sogenannten gebildeten Stände be

ber Bevölkerung besucht wird.

Aber gerade weil solche brutalen Vorgänge so unge mein bebauernswerth find, behalb muß man sich nicht scheuen, die Ursachen zu ergraden und dort die bessernbe Hand anlegen. Der Vorschlag des Hannoverschen Courier" gemahnt uns an ben faulen Gärtnerburschen, ber blos bie Meister dadurch in den Glauben verfette, er sei ein fleißiger Mensch.

Nach einigen Wochen aber schoß das Unkraut schlimmer beun je wieber hervor.

Erziehung in der Schule, Erziehung in der Familie, bas thut ben Rindern noth. Damit aber vorzugsweise das lettere möglich wird, dazu gehört- und wir müssen unser ceterum censeo, und wenn wir's auch hundertmal in bieren neuem laut rufen-:

augen, oder ob er fich lediglich mit demjenigen beschäftigt, genossen hätten wie jene Burschen, wahrscheinlich genau so Blättern schon ausgesprochen haben, immer wieder von be in der Hauptsache von ben sogenannten unteren Klassen fich repräsentirt haben würden.

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Man glaube aber nicht, daß wir nicht ebenso empört fonen finden, welche dem Hannoverschen Courier" ernsthaft Blatt! Auch glaube man nicht, daß wir uns für die zahl 3 das erstere der Fall, so werden sich andere Per- wären über die Unthat, wie bas genannte nationalliberale gujeßen, ist das Lettere aber der Fall, was wir nach bem reichen öffentlichen Tanzvergnügungen, wie sie jetzt ftatt

welchem der ganze Artikel gehalten ift, annehmen

finden, erwärmen fönnten!

Im Gegentheil! Diese Tänzereien halten die jungen

Wir haben nämlich die Ueberzeugung, daß der Langboben Leute von ernsthafter Beschäftigung ab, fie verhindern, tn und für fich auch bei bew genannten unteren Bolts.

baß die jungen Leute in die für ihre Erziehung so wichtigen Arbeitervereinigungen treten

-

Mäbchen nachlaufen, das halten wir sicherlich für verderb lich, aber die Beschränkung der Tanzbeluftigungen dürfte nach dieser Richtung bem Beelzebub gleichen, mit welchem man ben Teufel auszutreiben versucht.­

-

eine vollsthümliche Sozialreform.

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-

baben wir oft genug erklärt, daß es fich hier viel weniger um bie gewiß bedauerlichen Schicksalsschläge für die einzelne Berfon, als um den unerhörten Buftand handelt, wie er durch das Fortbestehen der Geseze von 1842 gefchaffen wird. Wir, und mit uns die gesammte Bresse, so weit fte noch einen Funten von liberaler Gefinnung befigt, protestiren gegen die

Haffen teinerlei Rohheit und Unfittlichfeit erzeugt, daß viel­no burde die im Bolte noch vorhandene Rohheit und Unfittlich und das ist sehr schlimm für die Jugend des Arbeiterstandes. Durchbrechung des Freizügigkeitsrechtes, wie fie durch veraltete let, wenn sie nicht auf den Tanzböden oder nach den Tanz Daß halbe Knaben noch, die jugendlichen Arbeiter ben polizeißtaatliche Bestimmungen jeder Beit eintreten tann und bluftigungen in bie Erscheinung treten, bei anderen Ges legenheiten hervorbrechen. Schließt man die Tanzböden, so abbie Schenken vorhanden, schließt man biefe, so wirb Branntwein gemeinsam zu Hause, auf der Straße ober Freien getrunken; und Burschen und Mädchen, wenn e zufammen fein wollen, finden sich immer zusammen.- Wir wissen ein anderes Mittel, um Rohheiten und Unftttlichkeiten zu verhüten, als bie Tanzböden zu ließen: bie Schulbildung muß mehr als jetzt gepflegt Derben. Nicht, daß wir allein exaktes Rechnen,

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Wir haben oben bie Ursachen bezeichnet, welche in dem Bolte Rohheit und Unfitlichkeit hervorzurufen geeignet sind; diesen Ursachen muß man entgegentreten burch Besserung der Arbeitsverhältnisse, auf daß die Frau des Arbeiters und die Kinder desselben der Familie und der Erziehung er

gerade politisch Migliebigen gegenüber oft genug wirklich ein fritt. Weiter vermochten wir, nachdem unsere Gegner alle vorher bekannten Vorftrafen des Herrn Keßler aus den Bolizet aften ausgegraben hatten, auch dann noch nicht zuzugestehen, daß ber Thäter fich als einen für die öffentliche Sicherheit oder Moralitat gefährlichen Menschen darftellt." Wir vermögen das heute noch weniger, nachdem wir Genaueres über das Vorleben beftand die vorfägliche Körperverlegung vom Jahre 1867 in des Regierungsbaumeisters Kegler erfahren baben. Darnach einer Dhrfeige, die einen unglücklichen Stura im Gefolge hatte, burch den der Betroffene verlegt wurde. Ueber die beiden feine au

Lefen und Schreiben verlangen, nicht, daß noch mehr halten werden biblische Geschichte gelehrt und Gesangbuchsverse auswendig fittlichung die Wurzeln aus, die übrigens in der heutigen so daß nur noch Hufflärung zu geben bliebe über die Be lernt werben, nein, die Schule muß sich auf die ganze 3eit auch bei den Leuten, die im Ueberfluß leben, weit um Menschenerziehung werfen und so einen gefütteten Menschen sich greifen. Noth unb Ueberfluß find bekanntlich bie Fattoren, welche Lafter und Verbrechen fördern. Da aber unendlich mehr Menschen Noth leiben, als im Ueberfluß

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häufig vor, daß die Eltern es verhinderten,

ftrafung wegen versuchten Betruges." Darüber schreibt Herr Regler: Jm Jahre 1871 tam ich als einer der ersten Beamten nach Elfaß- Lothringen und erhielt bei Drganisation des Dienstes eine Wafferbau- Ingenieurstelle zu Saargemünd . Die deutschen Besi amten dort glaubten mit Recht oder Unrecht, das soll nicht übervortheilt würden, auch die Waaren nicht so erhielten, wie

ben Boltsschulen tlagen, daß fie von der Familie nicht leben, so erblickt man auch Lafter und Verbrechen, Nohheit und Doch das ist in der That nicht leicht. Die Lehrer in ntent würben in ihren Bestrebungen. Im Gegentheil Entfittlichung bei den ersteren in größerer Anzahl. Und da auch untersucht werden daß fie von den franzöfifchen Händlern baß ihre Rinder zur Schule gingen, weil sie diefelben zur Folge des Umganges und der Erziehung, so find dieselben

die Bildung, wenn auch nur die äußere, bei diesen mangelt in

-

Aufficht und häuslichen Arbeit gebrauchten. Auch seien die auch nicht so vorsichtig und nicht in der Lage, Herzensrohheit amtentreise einen Ronfumverein zu gründen. Dbgleich ich zu

brudt verboten.

Feuilleton.

Spuren im Sande.

Roman von Ewald Auguft König.

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let, er war heute der liebenswürdigfte Kavalier; der Stolz, Baron Friedrich erzählte Anekdoten aus seiner Reiter hit bem er auf seinen reichen Sohn blickte, und das Bes

Fagen.

, mochten wohl viel zu dieser gehobenen Stimmung bei

"

fchweifte; man glaubts nicht, daß er diese abenteuerliche Vergangenheit hinter fich hat, wenn man's nicht weiß."

Und wenn man's weiß, ist man versucht zu glauben, baß er jetzt noch Romödiant ist," erwiderte Abba. Er wandte fich haftig um und fah ihr betroffen ins Antlig.

"

I bas Scherz ober Ernst?" sagte er. " Mein voller Eraft!"

aus eigener Erfahrung fönnte ich Beispiele anführen, in benen dieses Urtheil nicht zutraf."

Und ich sage Dir, Kurt, Werner hat triftige Gründe, fich nicht in die Augen fehen zu lassen, denn aus ihnen schaut ein böses Gewissen."

Thorheit, Abba!"

Es sollte mir lieb sein für ihn und für uns alle, wenn ich mich irrte, aber ich glaube es nicht. Der Blid,

Bußtsein, nun ftets über eine volle Börse gebieten zu kön begreife ich nicht, ich muß gestehen, daß ich in meinen Er feine Seele schauen, der Himmel mag wissen, welche Schulb

bauern scheiben, es leuchtete sogar eine unverkennbare Dennoch sahen alle ihn und seinen Sohn ohne Be Befriedigung aus den Augen Abbas, als der Wagen, ber bie beiben Herren gebracht hatte, wieber mit ihnen von

bannen tollie.

gleitung rechnen?"

wartungen angenehm enttäuscht worden bin. Ich fann mich der Ansicht nicht verschließen, daß er brüben viel gelernt hat, und wenn auch in manchen Punkten unsere Anschau ungen auseinander gehen, so hat er sich doch meine volle Achtung erworben."

"

Wer ben Schwächen der Menschen zu huldigen ver fteht, ber fann fie rasch gewinnen," sagte Abba mit Leifem leiſem

auf ihm ruht.

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Der Ernst, mit dem Abba das gesagt hatte, blieb nicht ohne Eindruck auf ihren Bruder, er stand am Fenster under wiegte gebankenvoll das Haupt. Wenn Du berücksichtigen willst, unter welchem Gefindel Werner in den letzten Jahren gelebt hat, mit welchen Gest fahren er fämpfen mußte und wie oft er sich gezwungen

wanbie fie fich zu ihrem Bruder, darf ich auf Deine Be Musterwirthschaft in Deinem Departement zu loben, so hat theidigen, dann wird Dich jener Blid wohl nicht mehr be­

3h werde noch einen Spazierritt in den Wald machen," Spott; man braucht ja nur unser schönes Vieh und die fah, seiner Umgebung au mißtrauen, ja, fein Leben zu ver

sicht lange mehr auf sich warten­wir ihn nach dem heutigen Tage erwarten dürfen, hat auch So spät ist es noch nicht und ein Herbstabend, wie alle diese Dinge!"

eht noch?" fragte er befrembet. Der Abend läßt rasch herausfinden."

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feine Schönheiten.

3 bebaure wirklich, Deinen Wunsch nicht erfüllen

man Dich mit Leib und Seele, das fonnte Werner sehr Aber er felbft fprach mit wirklicher Sachkenntniß über Vielleicht war's nur Phrase, was Du für Sachfennt niß hielteft!" Das würde ich wohl herausgefunden haben." Ein guter Schauspieler sorgt immer dafür, daß er hatte Beit genug, feine Stolle einzuftubiren.

"

Ju lönnen, Briefe, deren Beantwortung ich nicht länger nicht aus der Stolle fallen fann; Werner fannte uns, er Sinausschieben barf, warten auf mich, und in der kommenden Bode werbe ich teine freie Stunde finden."

Dann reite ich allein."

Johann laun Dich begleiten!"

ozu? Ich bebarf bes Dieners nicht."

Du urtheilft sehr scharf," sagte Rurt farkastisch, und ein Schatten bes Unwillens glitt babei leicht über sein Ant­lik, wie paßt das zu Deiner Erklärung, daß Du über­

Abba hatte bereits an ber Blodenschuur gezogen, fie hanpt über Andere nicht urtheilen wolleft?"

ferb, bas für fie gefattelt werben sollte.

bem Diener jetzt ihre Befehle und bezeichnete bas

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oberen Räume zurückgezogen.

Baufe,

I glaube nicht, auch Dir gegenüber biefe Surüd haltung beobachten zu müssen," erwiderte Abba. Haft Du läßt

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fremben," erwiderte er nach einer Weile. Es mag ja auch fein, daß die Mittel, durch die er feinen Reichthum erwarb, nicht immer ganz ehrlich waren, aber man darf darum boch nicht gleich das Schlimmste vermuthen."

Ich thue bas auch nicht," erwiderte Abba rubig, ich spreche nur von dem ersten Einbrud, den Werner auf mich gemacht hat, und auch dies nur in der Absicht, Dich zu warnen. Damit verließ fie das 3immer, um ihr Reitkleid anzus legen, und eine Viertelftunde später ritt fie auf einer ziers lichen Fuchsstute dem nahen Walde zu.

Der Eindruck, ben Werner auf fie gemacht hatte, war balb vergessen, der Better intereffirte sie zu wenig; mochten bie Uebrigen fehen, wie sie mit ihm zurechtkamen, fie selbst wollte ihn fich fern halten.

Die beiben waren allein, ihre Eltern hatten sich in die nicht bemerkt, daß Werner sich nicht in die Augen bliden das Pferd plöglich scheute, und eine rauhe Stimme fie aus

Bie gefällt Dir Werner?" fragte Rurt nach einer

Und welchen Schluß willst Du baraus ziehen? Ich

Sie war schon weit in den Wald hineingeritten, als ihrem Sinnen auffchredte.

e, während sein Blid finnend in ben Garten hinaus weiß wohl, wie man im allgemeinen darüber urtheilt, aber trogiger Haltung ein Bagabund, fie erschral, als sie ihm