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Arbeit

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erftr.

Mr. 185.

Mittwoch, den 11. August 1886.

III. Jahrg.

Berliner Volksblatt.

Organ für die Interessen der Arbeiter.

Das Berliner Volksblatt"

eint täglich Morgens außer nach Sonn- und Feftiagen. Abonnementspreis für Berlin fret t's Caus viertelfährlich 4 Mart, monatli 1,35 Mart, wöchentlich 35 Bf. Boftabonnement 4 Bart. Einzelne Nummer 5 Bf. Sonntags- Nummer mit der illuftrirten Bellage 10 Bf. ( Eingetragen in ber Boftzeltungspreislifie für 1886 unter Str. 769.)

Redaktion: Benthstraße 2.

Insertionsgebühr

beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bfennige. Bei größeren Aufträgen huber Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bimmerftraße 44, sowie von allen Annoncen Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen.

Expedition: Zimmerstraße 44.

Eine alte, neu aufgetischte Unmahrheit.| Iläge von den Sozialdemokraten wurden vom Reichstag | tönnen und man beshalb annehmen muß, daß fie auf Rofßten

Wenn es in Defterreich eine nationalliberale Partei gabe, so würde die in Wien erscheinende Neue Freie Preffe" biefer Partei angehören. Sie steht mit einem Beine mitten in ber Realtion, mit dem anderen im verwässerten Liberalis mus. Dies Blatt wird nun von konservativen Beitungen in Berlin um Hilfe angerufen gegen die bösen Sozial demokraten mit der besonderen Betonung, daß die Neue Freie Preffe" nicht reaktionär fet.

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atzeptirt.

Ferner beantragten die Sozialdemokraten im Jahre 1869 bie Anstellung von Fabrilinspektoren. Dieser Antrag wurde von der Regierung bekämpft und vom Reichs­tage mit gewaltiger Majorität gegen 14 Stimmen, fage und schreibe vierzehn Stimmen, verworfen. Die winzige Minorität bestand aus 7 Sozialbemokraten und 7 Hochkonservativen, unter denen fich der verstorbene Generalfeldmarschall von Steinmez befand.

Also Alles das find keine Anträge und Vorschläge?! Doch weiter.

Die Vorwürfe, welche das genannte Blatt den deutschen Sozialdemokraten macht, gipfeln in bem einen Sage: Die fechtundzwanzig es find bekanntlich fünfundzwanzig ozialbemokratischen Abgeordneten des Deutschen Reichstags haben im Parlament volle Rebefreiheit. Wo aber find bre Forderungen, ihre Borschläge? Siefelben. heben teine, sondern hüllen sich in das Geheimniß ihrer Organisation.

Diese Weisheit hätten wahrlich unsere konservativen offigiösen Blätter nicht erst aus Wien zu holen brauchen, ben fie feit Jahren oft genug selbst ausgesprochen, find of genug wiberlegt worben und haben endlich geschmiegen,

weil sie die Unhaltbarkeit gerade eines solchen Vorwurfs einsehen mußten, da die nackten Thatsachen Zeugniß wider fie ablegten.

Aber da ein ein nicht reaktionäres" Blatt bie alte unwahrheit wieder auftischt, so glauben unsere teaktionären Blätter bie 3eit wieber gekommen, bas alte Märchen im neuen Gewande vorführen zu müssen.

Die Seit ist ja günftig dazu. Außer einigen hoch politischen Enten, welche die herrschende Presse jest ab und u auffliegen läßt, hat sie ja nichts besonderes au thun und fie muß in der That ben Sozialdemokraten Dank fagen, daß diefelben ihr Gelegenheit geben, bie Spalten füllen zu

tönnen.

Aber auch wir nehmen die Gelegenheit wahr, um noch einmal, wenn auch in aller Kürze, bas in Wien neuerdings aufgetischte Märchen zu widerlegen.

Schon bei Berathung der Gewerbeordnung im Jahre 1869 im Norddeutschen Reichstage betheiligten die Sozial­bemokraten fich in lebhafter Weise durch Anträge und Vorschläge.

So wurden Anträge gestellt in Bezug auf Beschränkung Der Frauenarbeit, der Regelung der Gefängnißarbeit, auf Verbot er Rinderarbeit und der Sonntagsarbeit. Diese Anträge rben sämmtlich verworfen. Daran aber hatten doch die Sozialdemokraten nicht schuld!

Dann stellten dieselben Anträge und machten Vorschläge ba Bezug auf die Fabrikordnungen und was ja höchst mert würbig, aber auch erfreulich if: einige lleine Bor­

Radbrud verboten.

Feuilleton.

Spuren im Sande.

Roman von Ewald Auguft König.

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h, Sie find ber Schauspieler, von dem die Wittwe

Lampe mir erzählte?"

Von der deutschen Reichsregierung wurde der Vorschlag. und Antrag der Sozialdemokraten, Fabrikinspektoren anzu­ftellen, aufgenommen und der Reichstag stimmte für ben

Das Fabrikinspektorat ist jetzt ein allgemein

geachtetes, fegensreiches Institut- aber bie Herren Realtio­näre erinnern fich nicht daran, daß biejenigen, welche dieses Juftitut zuerst für Deutschland angeregt haben und eine dahin zielende Forderung" erhoben, Sozialdemokraten

waren.

Bei der Abänderung der Gewerbeordnung im Deutschen Reichstage betheiligten fich wiederum bie Sozialbemokraten in lebhafter Weise. Eine große Anzahl Amendements wurden vorzugsweise dahin gestellt, die Kündigungs bie Kündigungs bedingungen ber Arbeiter ebenso günftig zu gestalten, als biejenigen der Unternehmer. Wenn die Sozialdemokraten nicht durchbrangen, so war es wiederum nicht ihre Schuld.

Dann aber hat die sozialdemokratische Fraktion des Reichstags schon dreimal, und zwar zweimal in wesentlich veränderter Gestalt, ein Arbeiterschutzgesetz eingebracht, welches eine so große Menge von Forderungen und Vorschlägen enthält, baß dem Artikelschreiber bes nicht reaktionären" Wiener Blattes der arme Schäbel brummen würde, wenn er dieselben sämmtlich gewissenhaft prüfen sollte.

Doch genug davon. Die Forderungen und Vorschläge zum Nußen und Heil der deutschen Arbeiter, wie sie in dem genannten Arbeiterschußgefez enthalten find, fie find männig. lich bekannt und was jedenfalls für die Antragsteller nicht unangenehm ist, diese Vorschläge sind von dem bei Weitem größten Theile der gewerblichen und industriellen Arbeiter Deutschlands mit Freuben aufgenommen worden, wie bie zahlreichen Betitionen und Unterschriften, bie an ben Reichs tag gelangten, zur Genüge beweisen.

Dies Alles tonnte der Wiener Naseweis nicht wissen, Aber Seitungen, die in Deutschland erscheinen, ja, in bes Deutschen Reiches Hauptftabt, welche den Reichstagsverhand lungen der 3eit von 1867-1886 gefolgt sein müffen, fie follten fich boch nicht als die Nachbeter eines Wiener Nichis wissers hinstellen, da ste ihre Unwissenheit nicht entschuldigen

fland wie mancher Mensch, so wird er auch jetzt für seine auffallende Unruhe gute Grünbe haben.

Werner war rasch in das Schlafzimmer eingetreten, bas lose Brett fnarrte unter seinen Füßen, er blieb stehen, um es aufmerksam zu betrachten, im nächsten Augenblick Lachte er. Wenn ich auf dieses Brett trete und ben Inarrenben Ton höre, bann tauchen vor meinem geiftigen Auge Bilder

der Wahrheit ihrem grenzenloseu Haß gegen eine andere Partei die Bügel schießen lassen.

Schön ist das nicht! Aber was fümmert sich unsere reaktionäre Preffe barum. Sie wird nach wie vor weiter entstellen und verdächtigen.

Dies zu verhindern, haben wir Borstehendes nigt geschrieben, sondern lediglich deshalb, um weiteren Rreifen ob solchen Gebahrens die Augen zu öffnen.

Politische Uebersicht.

Der Gipfel aller Janungsanmaßungen wurde wohl auf dem deutschen Tischlermeistertongres erreicht, der soeben in Berlin tagt. Daß die Meifter für ihren Jnnungs verband Korporationsrechte verlangen, wollen wir ihnen am Ende nicht verbenten. Dann sollten fie aber auch den Fach vereinen ihrer Arbeiter das Recht, fich untereinander zu vers binden und forporative Rechte zu erwerben, zuerkennen. Statt deffen fordern fie in ihrer chriftlichen Nächstenliebe die Polizei auf, den Arbeitervereinen vollends den Garaus zu machen. Tischlermeister Hermann aus Königsberg sprach noch halbwegs rüdfichtsvoll: Die Fachvereine wollten die soziale Lage der Ge

fellen beben und deshalb felen fie fo lange exiflensberechtigt, als die Meifter nicht durch Handlungen bethätigten, daß fte auch das Wohl der Gesellen im Auge hätten. Dann trat aber fofort Herr Nieß aus Dresden mit der Forderung ber Schließung der Fachvereine auf und dieses Lofungswort zündete, ein Meifter überbot nunmehr immer den anderen in der Denunziation der verbaßten Bewert schaften. Obermeister Brandes bemerkte sofort, der Vorschlag des Vorrebners bebinge eine schärfere Anwendung des Sosialistengesetes. In Berlin geschehe dies ja bereits seit einiger Belt, es fet jedoch zu wün ichen, daß diese schärfere Anwendung des Sosialistengefeßes überall Blas greife. Der Vorftgende des deutschen Schmiedes Innungsverbandes, Schmiede- Obermeifter Gandom( Berlin ), theilte alsdann mit, daß der gegenwärtige Schmiedestreit in Hamburg in Folge der begereien" des dortigen Schmiede Fachvereins nicht beigelegt werden tönne. Es sei hohe Belit, fchloffen werden. Und Tischlermeister Simon( Stettin ) varliste Dafür zu wirken, daß die Fachvereine von den Behörden ge bas einmal angeschlagene Thema in seiner Weise weiter: Er bezweifle, daß das Eingreifen der Polizei dauernde Abhilfe schaffen tönne. Wenn man die Fachvereine schließt, dann dürf ten die Gesellen sehr bald andere Wege der Vereinigung finden. Dauernde Abhilfe lönne nur geschaffen werden, wenn die Meister eine sogenannte ich warze Lifte von allen Fach

pereinsmitgliedern anfertigen und fich auf Ehrenwort verpflich ten, Fachvereinsmitglieder nicht in Arbeit zu nehmen. In Bielefeld werde jedem Lehrling bei der Gesellenprüfung Tischlermeister Borderbrügge( Bielefeld ) führte endlich aus: das Ehrenwort abgenommen, daß er niemals eine 10zialdemokratische Versammlung besuchen und niemals Mitglied eines Fachvereins werden wolle. Diese

Ich war es," erwiderte Werner, über beffen Antlitz und Gestalten auf, bie ich längst vergessen wähnte, sagte mehrere Prisen rasch nacheinander nahm, bie Sicherheit, ein spöttischer Bug glitt, ich war damals ein armer Schluder er, mit der Hand durch seinen blonden Bart fahrend, ich

und die Erinnerungen an solche Seiten find angenehm, wenn man inzwischen reich geworden tft."

erinnere mich ber Personen, bie täglich mich besuchten, der Freunde, die ihren legten Groschen mit mir theilten, und ber Gläubiger, bie mir mit einem ganzen Arsenal voller 3wangsmaßregeln drohten."

Das ist mir unverständlich," sagte der Rentner in fartaftischem Tone, bie Erinnerung an Noth und Sorgen fann niemals angenehm sein. Welches Zimmer bewohnten fragte Gottschall.

Dasjenige, welches neben diesem Raume liegt."

Rein Schlafzimmer?"

gimmer"

Frau Sampe fagte mir, es fei jetzt Ihr Schlaf­

bie Einrichtung ist eine ganz andere, ich habe selbst die Woh Sie werden in ihm keine Erinnerungen mehr finden,

Also war auch zu Ihrer Beit dieses Brett schon lose?"

Seit bem ersten Tage, an dem ich das Bimmer bezog. Anfangs war es mir unangenehm, später gewöhnte ich mich

baran, und schließlich hätte ich es nicht ändern mögen.

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" So erging es mir auch," nickte der alte Herr, aber mitunter wird bas Rnarren boch unangenehm, und demnächst werbe ich das Brett wieber befestigen laffen.

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Schloß im Handumdrehen, aus ihm wird einmal ein tüchti ger Meister werben." " Der Einbruch ist wohl mißlungen?" fragte Ferdinand. ,, Hat man keine Spuren entdeckt, die auf den Thäter schließen laffen?" Nur den Ausbrud eines verkrüppelten Fußes." Das genügt ja," sagte Werner, während sein stechen der Blid erwartungsvoll auf dem alten Herrn ruhte, ber daß er in " Ich gebe das alles zu," unterbrach Gottschalk ihn, aber ein Verdacht ist leicht ausgesprochen, er fann einen Schuldlosen treffen" Das zu untersuchen ist Sache des Gerichtes," erwiberte Ferdinand rasch. Willst Du keine Anzeige machen?" Nein."

mit ber der Täter zu Merle ging, läßt erfenie,

diesem Hause bekannt ist"

11

Aber es ist Deine Pflicht, Onkel!"

aung möblirt. Aber wozu?" fragte Werner rasch. Die Sache hat auch ihre gute Seite, träte in der Nacht ein Dieb in dieses Gineinwerfen zu laffen." Dennoch möchte ich Sie bitten, mich nur einen Blid Simmer, so würde bas Rnarren des losen Brettes Sie ftohlen."

Der alte Herr war von seinem Sig in der Sophaede

weden."

aufgeftanden, er og den Schlafrod fester über seinen Hüften sucht, bei Dir einzubrechen!" schaltete Ferdinand ein.

Es ist völlig zmedlos," fagte er spöttisch, aber wenn

bie Erfüllung dieses Wunsches Sie glüdlich machen kann,

fo will ich Ihnen ben Gefallen erzeigen."

bie Thüre zufchritt.

Apropos, Onkel, man hat ja vor einigen Tagen ver

Woher weißt Du das?" erwiderte der Rentner, ihm einen mißtrauischen Blick zuwerfend.

Mein Freund, Baron Bergau sprach davon." Sie?" wandte ber alte Herr fich mit scharfer Be

Er trat an die Thür und öffnete fie; der Rabe, der tonung zu Werner, den diese Bemerkung unangenehm an nicht von seiner Schulter wich, frächste laut, als Werner auf berühren schien.

Ich erfuhr es zufällig burch den Schlosser, ben Sie

Dein Jalob fann zu Seiten sehr unangenehm werben," rufen ließen," fagte Werner achselzuckenb. Der Mann war

Meine Pflicht? Wer entschädigt mich für alle die Un annehmlichkeiten, wenn ich bem Gericht hier alles öffnen und dem Untersuchungsrichter hier jeben Augenblick zur Ber fügung stehen muß? Ich hab' teine Luft, mich diesen Scherereten auszusehen, und im Grunde genommen habe ich auch keine Veranlassung bazu, man hat mir ja nichts ge Unannehmlichkeiten würden Ihnen allerdings nicht er fpart bleiben, fagte Werner, ich glaube auch, Sie thun flug, wenn Sie die Anzeige unterlassen."

Er war, während er dies fagte, aus Fenster getreten, und nachdem er einige Sekunden lang hinausgeschaut hatte, ließ er noch einmal seinen Blick durch das Bimmer schweifen.

Der Rentner beobachtete ihn scharf und unverwandt, ein beleidigendes Mißtrauen fpiegelte fich in den Bliden, die jede Bewegung Werners verfolgten.

nahm ber Referendar bas Wort, meine Schwestern be mit mir brüben in Ralifornien, wir sind dort miteinander Schweigen, wenn auch die Einrichtung eine andere gewor fchweren fich auch über ihn, so oft fie hier gewesen find." bekannt geworden." Ich weiß nicht, was bas Thier heute hat," erwiberte

H

Ein sehr gefchidter Mensch," nickte der Rentner, er

" Ich bante Ihnen," brach ber lettere endlich bas ben ist, fo erinnert mich hier boch manches an die längst vergangene Beit. Wenn Sie mir gestatten wollten, hier

ber Reniner ruhig, aber glaube mir, Jakob hat mehr Ver öffnet mit einem unscheinbaren Werkzeug bas komplizirteste eine Stunde allein und ungestört zu weilen, so würden Sie