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Sonnabend, den 2. Oktober 1886.
III. Jahrg.
Berliner Volksblatt.
Organ für die Interessen der Arbeiter.
Das„ Berliner Volksblatt"
erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mart. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit der illustrirten Beilage 10 Pf. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.)
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Das Berliner Volksblatt" fucht seine fich geftellte Mufgabe burch fachliche Behandlung der großen sozialpolitischen als auch der Tagesfragen zu erfüllen. Die gleichen Grundsäge Telten uns bei der Besprechung unserer städtischen Angelegen
betten.
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Das Berliner Volksblatt" darf nicht nur allein der Freund des Bolles bleiben, sondern das Boll muß auch der Freund des Berliner Boltsblatt" sein. Die Aeußerung und Bethätigung dieser wechselseitigen Freundschaft ift in Wahrheit [ 710 bie Erreichung und Verwirklichung des uns vorgesteckten Bieles.
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Eine ernste Antwort.
Jahr für Jahr vergeht, ohne daß die sogenannte von ben Bundesregierungen inaugurirte Sozialreform vom Flede tommt. Die Kranken- und Unfallversicherungsgef: he find bies leugnet jetzt kein verfiändiger Mensch mehr-mehr ober weniger verfehlte Schöpfungen. Die Versuche, welche gemacht werden sollen, diefelben zu verschönern, zu vers beffern und zu erweitern, nennt man Ausbildung und Fortsetzung der Sozialreform", während die in der bekannten taiserlichen Botschaft so energisch betonte Alters- und In validenversorgung der Arbeiter immer mehr von der Bild. fläche verschwindet.
Die herrschenden Klassen und die Regierungen, welche mit fo großem Pomp an die Sozialreform gingen"," um bie berechtigten Wünsche der Arbeiterklaffe zu befriedigen", die berechtigten Wünsche der Arbeiterklasse zu befriedigen", wiffen selbst nicht mehr ein, noch aus. Die ersteren des halb nicht, weil fie, nichts miffen" wollen, bie letteren beshalb nicht, weil sie beeinflußt von den herrschenden Klaffen, diefem Drud nachgeben müssen und somit nichts wiffen" tönnen.
Das wiffen" hat hier bie Bebeutung von wollen. Rathlofigkeit überall in der sozialen Frage. Selbst bie beutschen Professoren, welche mit großer Dünkelhaftigkeit vor mehreren Jahren noch auf ihren Rathebersosialisten Rongreffen die fojiale Frage vollständig lößten", haben sich auf ihr Altentheil" zurüdgezogen, indem sie sich wieder um bas Pünktchen über dem i herumftreiten.
Die Arbeiter find es allein, die noch an die endliche Erlösung aus unseren sozialen Nöthen glauben. Erlösung aus unseren sozialen Nöthen glauben. Aber fte glauben nicht mehr daran, daß sie bei ihren Bemühungen Unterfügung von anderen Klaffen haben würden. Dieser Glaube ist ihnen verloren gegangen burch bas mehr als fühle Verhalten der herrschenden Klaffen bei allen Bersuchen, das Loos ber arbeitenden Klaffen zu verbessern.
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Reiche haben vielfach das Bertrauen ber arbeitenden Klaffen Aber auch die übrigen machthabenden Gewalten im verfcherst. Statt einer gesundeu volksthümlichen Sozial reform hat man ihnen polizeiliche Verfolgungen geboten. Statt baß der Deutsche Reichstag weld' ein Bolzer Name! der großen Masse des deutschen Bolles- bie Hand hätte reichen sollen zur Befreiung aus der Roth , gab er dieser Maffe ein Ausnahmegefet, welches fie abhält, aus eigener Rraft fich emporzuraffen, welches dem Rapital im Kampfe gegen die Arbeit freie Hand läßt und umgekehrt der Arbeit im Rampfe gegen bas Rapital Hinderniß auf Hinderniß in den Weg legt.
Wo foll bet folchen Zuständen das Vertrauen ber Arbeiterklassen zu den in Staat und Reich herrschenden
Daß die vorsichtige Art, in welcher er fich seiner Neuigkeit entlebigt hatte, sehr wohl am Plage gewefen war, [ 14 erwies fich nun auf das Deutlichste; benn Else war auch nach seiner schonenden Vorbereitung jetzt noch einer Ohn macht nahe, unb Minuten vergingen, ehe fie wieber Kraft genug gewonnen hatte, um zu sprechen. Thränen schimmerten in ihren Augen, als sie den Dottor bat, ihr bie glüd. felige Botschaft noch einmal zu wiederholen, und es sie bann von ihm zu wiffen begehrte, wie es zugegangen fei, baß sich in dem harten Herzen ihres Vaters eine so felt fame Wandlung vollzogen habe, und warum Bernhard nicht felbft gekommen fet, fie aus ihrem Schmerz und ihrer Ver zweiflung zu befreien.
Kriminalnovelle von Ferdinand Herrmann. Hartwig hatte fie ruhig ausreben lassen, denn er wußte, baß jebe Unterbrechung nur darnach angethan fein würde, ihre nervöse Aufregung zu steigern. Als sie nun aber er föpft innehielt, fagte er in liebevollem und zugleich ein bringlichem Tone:
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Sie find im Irrthum, mein Rind, denn nicht diese Bebingung ist es, welche Ihr Vater Ihnen ftellt. Er ver langt nur das feierliche Versprechen, daß Sie ihm wegen der Dinge, bie fich vor Ihrer Flucht in seinem Hanfe auge tragen, feinen Groll bewahren wollen und daß Sie ihm diesmal Ihre unbedingte Bustimmung zu der Wahl bes Gatten geben, ben er für Sie bestimmt hat. Ich hoffe aber, es wird Ihnen kein Opfer und feine Selbstüber winbung foften, biese beiden einzigen Bedingungen zu er füllen."
Auf diese Fragen blieb ihr Hartwig nun freilich die Antwort schuldig, benn er konnte ihr unmöglich schildern, wie schwere Rämpfe er mit dem ehemaligen Schlächter meister zu bestehen gehabt, ehe derselbe sich seinen Wünschen geneigt zeigte, und wie es ihm endlich nur dadurch gelungen fei, den hartnädigen Widerstand deffelben zu brechen, daß er ihm erklärt hatte, er werde Bernhard aboptiren und ihn zum Erben seines ganzen großen Vermögens machen. Einer so ver lodenben Aussicht hatte der Herr Stadtverorbuete allerdings nicht widerstehen können, und wenn er sich auch noch für eine gute Weile den Anschein gegeben hatte, als ob es ihm sehr schwer würde, seiner Tochter zu vergeben, so war er boch im Grunde mit dieser neuen Wendung der hatte ben Dektor gebeten, feiner Tochter in seinem Namen die betreffende Mittheilung zu machen; denn er selber sagte fich wohl, daß er dabei immerhin in einer ziemlich unbe haglichen Situation sein würde. Gern und widerspruchslos batte Hartwig biefem Ersuchen Folge geleistet, benn die Freude, in bas umbüsterte Gemüth des jungen Mädchens wieber die ersten Strahlen des Glüdes fallen zu leben, war ja ber einzige Lohn und die einzige Genugthuung, beren er fich für seine aufopfernbe Thätigkeit im Jutereffe bes jungen Baares und für den felbflofen Verzicht auf sein eigenes Lebensglück zu erfreuen hatte.
Er hielt einen Augenblid inne, benn er wußte, daß auch ein Uebermaß an Freude einem so geschwächten Rörper gefährlich werden könne, und daß ihrem Gemüth Zeit gelaffen werden müsse, sich an den Gebanken des herr lichsten Glüdes zu gewöhnen. Erst als er fab, wie fich all- Dinge fofort vollkommen einverstanden gewesen. Aber er mälig ber Ausbrud einer freubigen Spannung über ihre 3üge breitete, wie ein Strahl feliger Hoffnung aus ihren Augen brach, entschloß er sich, das bedeutungsschwere Wort auszusprechen und sagte:
Es find seit Ihrer Flucht aus dem Vaterhause Er eigniffe eingetreten, welche Threm Vater eine andere Mei nung von jenem jungen Manne beigebracht haben, dem Ihre Liebe gehört, und den er anfänglich so falich und ungerecht beurtheilt hatte. Er hat nichts mehr gegen Ihre Verbindung mit Herrn Bernhard v. Römer einzuwenden, und er ist vielmehr von dem bringenden Wunsche erfüllt, daß Ihre Vermählung Bimmer Ratifinden möge, sobalb Ihr Gesundheitszustand es geftatten
wird."
Als er das Krankenzimmer verlassen, traten die beiden Merzte, welche Elfe behandelten, an das Bett der Leidenden.
Mächten, wo aber vor allen Dingen zu der Gesetzgebung herkommen? Sollen die Arbeiter etwa noch die Hand küssen, welche
fie schlägt?
The man Vertrauen verlangen kann, muß man es auch zu erwerben verstehen!
Wie kommt nun das Ranglerblatt bazu, uns bes. halb anzugreifen, weil wir gleichfalls zum Deutschen Reichstage fein Vertrauen haben, daß er die Lage der Ars beiter verbessern wolle ober auch in seiner jeßigen 3usammensetzung auch nur sie zu verbessern im Stande wäre?
Und weil dies so ist, beshalb halten wir es für felbstverständlich, daß eine Partei, welche im Reichstage bie genügende Unterstügung zu wahrhafter sozialer Reform nicht findet, innerhalb und außerhalb des Reichstags agitatorisch und aufklärend fach in unserem Blatte betont haben Dabei bleiben wir auch.
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wie wir mehr fich thätig zeige.
Die Norbb. Allg. 3tg." bat nämlich in ihrer Abente Von den ausgabe Nr. 452 unferem jüngsten Artikel: Gegnern tann man lernen" einer großen Beachtung ge würdigt". Die von uns in dem Artikel näher präzifirte Taktik der Arbeitervertreter im Reichstage und der Arbeiter partei überhaupt hat das Blatt bes mächtigen Ranglers in aroße Aufregung verfeßt, so daß es fich gar zu folgender Denunziation hinreißen läßt:
Für die Beurtheilung der sozialdemokratischen Anges Legenheiten aber und für das Verhältniß der übrigen Pars teien zur Sozialdemokratie tann es gewiß nicht unbeachtet bleiben, daß iron des Sosialisten gefetes biefe Lehre unbeanstandet in dem Organe der Berliner Soziale
demokratie verkündet werden konnte."
Vielleicht hat diese Auslaffung des Ranglerblattes nur bazu dienen sollen, den bürgerlichen Parteien die milde" Proris des Puttkamer's hen Regiments zu Gemüthe zu führen und manche Bedenken zu beschwichtigen, die neuer Sozialistengefeges gegen die Ausführung desselben aufge bings selbst bei offenen und verschämten Freunden des taught find. Sollte bie Norbb. Allg. 3tg. aber andere Abfichten verfolgen, so wird fie fich hoffentlich die Tragweite ihrer Des nunziation genügend flar gemacht haben. Wir haben von unseren Worten so wenig etwas zurüdnehmen, als wir etwas zu beren Rechtfertigung hinzuzusehen haben. Aber bie Nordb. Allg. 3ig." täuscht sich, wenn fie glaubt, daß die Leser unseres Blattes und die sozialdemokratischen Wähler in Berlin und in den Provinzen in diesem Punkte von uns abweichen könnten.
Im Gegentheil, die Maffen haben, wie wir oben schon ausgeführt, die Hoffnung auf die praktischen" Erfolge im Reichstage schon längst aufgegeben und benken nicht im
Sie hatten dem Ausgang ber langen Unterredung doch nicht ganz ohne einige Besorgniß entgegen gefehen und es ge währte ihnen nun einige Befriedigung, zu sehen, daß fich der Bustand ihrer Patientin nicht zur nicht verschlechtert habe, fondern daß in demselben sogar eine deutlich wahr nehmbare Befferung eingetreten fei, die sich besonders in einer wesentlichen Steigerung der Kräfte und einer stetig wachsenden 3unahme der Geistesfrische äußerte.
Unter folchen Umständen konnten sie den Doktor Hartwig mit der Versicherung entlassen, daß in etwa acht Tagen einem Besuch des jungen Herrn von Römer nichts mehr entgegen stehen würde, ba fich bie Patientin nach Ablauf diefer Frist unzweifelhaft bereits im Zustande der Nekon valeszenz befinden würde.
Und ihre Voraussicht erfüllte fich in der That. Else's Genesung machte sehr schnelle Fortschritte, und schon viers zehn Tage nach diesem ersten Besuch des Doktor Hartwig konnte sie in seiner und Bernhard's Begleitung die Heim reise nach M. antreten. Herr Nikolaus Hofferichter selbst hatte sich nicht entschließen können, noch einmal nach der Hafenftabt au fahren; aber er nahm seine Tochter am Bahnhofe in Empfang und war aufrichtig bemüht, seinem Geficht einen möglichst freundlichen und wohlwollenden Aus brud zu geben, als er sie bei der Begrüßung in seine Arme schloß. Else kehrte natürlich zunächst in das Vaters haus zurüd, in welches Bernhard jetzt ungehindert 3utritt ben mit allem Eifer betrieben, denn die Hochzeit sollte schon hatte; aber bie Vorbereitungen zu ihrer Vermählung wurs nach Ablauf von wenigen Wochen erfolgen. Außer dem Doktor Hartwig wurde während dieser Beit kein einziger frember Besucher in dem Hofferichter'schen Hause empfangen, so sehr auch die Neugierigsten unter den Bekannten darauf brannten, aus bem Munde bes jungen Mädchens felbft Näheres über ihre Erlebnisse zu hören. Aber ihr noch immer recht angegriffener nnd ber Schonung jebenfalls recht bebürftiger 3uftand bot eine vollkommen genügende Eatfchuldigung für die strenge b gefchloffenheit, in welcher fie fich hielt, und welche auch bis zu ihrem Hochzeitstage nicht durchbrochen wurde. Bernhard hatte natürlich, hatte natürlich, sobald er es bei ihrem Kräfteguftanb