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Nr. 253, mag
Freitag, den 29. Oktober 1886.
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Berliner Volksblatt
Drgan für die Interessen der Arbeiter.
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Die Redaktion und Erpedition
„ Schöppenstedterei."
Endlich ist das richtige Wort gefunden, welches die politische Aktion der herrschenden Parteien im Deutschen Reiche treffend bezeichnet.
Daß ein tonfervatives Blatt, ja bas leitende Blatt ber beutsch- tonservativen Partei, die Ronf. Rorrefp.", bas treff. liche Wort auf den Schild erhoben hat, thut nichts zur Sache, ja, es wird sogar der Werth desselben dadurch noch erhöht.
Das Wort foll hier bebeuten, daß die einzelnen Par telen über ihre speziellen spießbürgerlichen und junkerlichen Sonberintereffen das große Ganze aus dem Auge ließen, und sich gegenseitig befehbeten. Das Blatt hat speziell da bei die beiden tonservativen und die nationalliberale Partei im Auge, und es hat in der That so recht.
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Haben benn diese Parteien ein Sonderegistenzrecht? Wahrlich nein! Es ist eine einzige graue Rouleur nur bab bie Ronservativen etwas mehr ins Schwärzliche, die Nationalliberalen etwas mehr ins Waßliche schimmern. Gräulich find fie beibe.
Deshalb ist es in der That nichts als Schöppenstedterei, wenn diese Parteien sich nicht schon längst au gemeinfamem reaktionären Handeln verschmolzen haben,
"
Die Rons. Rorrefp." verlangt aber diese Verfchmelzung nicht einmal birekt. Sie verlangt nur ein vor
reaktionären Fraktionen zur gegenseitigen Unterfiügung ver
binden sollen.
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Beinen werden die Nationalliberalen ins Septennat, und Mit beiden 1) Sicherstellung unseres Heerwesens. Mit beiden
Radboud verboten.]
Feuilleton.
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Im Hause des Verderbens.
Kriminalroman.
Bon Reinhold Ortmann.
wenns gewünscht wird, auch ins eternat" hineinspringen, und zur höheren Ehre der Reaktion werben die Herren Hammerstein und v. Benda einen Rantan auf den Trümmern bes Parlamentarismus tanzen.
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nt 2) Fefter 3ufammenschluß gegen bie Sozialdemokratie. Ist derfelbe noch nicht feft genug zwischen ben brei ge nannten Parteien? Wollten boch verschiebene National liberale fchon bei der jüngsten Verlängerung eine füaf jährige Dauer besselben; erklärten einige sogar, für ein fortwährendes Ausnahmegesetz stimmen zu wollen. Und bennoch immer eine völlige Einigung mit kleift Reßow und Stöder. Das ist allerdings die ausgeprägtefte„ Schöppen stedterei"!
fan 3) Positive Sozialreform" bis jetzt haben bie Nationalliberalen immer mit ben Ronservativen für dieses zweifelhafte, zweifelhafte, noch niemals noch niemals richtig be flairte Ding Ding geftimmt. But wäre es einmal, wenn von fonfervartiver oder Regierungsseite beut lich und tlar mitgetheilt würde, was man benn eigentlich unter pofitiver Sozialreform" versteht. It bies erflärende Wort einmal gesprochen, so wird man finden, baß fonfervatio unb nationalliberal auch nach biefer Richtung hin baffelbe bedeuten und daß nur schöppenfteb ische Untennt niß ben einen oder den andern Theil von vollständig ge mein famer, auf dem Stöder'schen Boden bes praktischen Christenthums stehender Handlung abgehalten hat.
Angemessene Branntwein- oder Rohfpiritusbesteuerung. Sinb es doch gerade die Nationalliberalen gewesen, welche biese Art Besteuerung fofort anregten, als das Monopol gefallen war! Sie sind ja längst mit der Reaktion hierin ein Herz und eine Seele und haben auch neuerdings noch auf einem ihrer Parteitage ausbrüdlich erklärt, daß der Branntwein um weitere 80 Millionen Mart jährlich Bluien müffe.
Was will man benn nun von loafervativer Seite mehr von den nationalliberalen Bundesbrüdern? Sie sollen feine Schöppenstedterei" treiben, fte follen teine Sonderfchrullen baben. Dieses Verlangen ist auch ganz in der Ordnung. Ist doch schon die Beilegung des Namens: nationalLiberal seitens dieser Partel die reine Schöppen ftebterei". Die Ronservativen haben ein Recht barauf, zu verlangen, baß bie Nationalliberalen biefen gleis ßenben, unwahren Namen endlich ablegen und fich offen auch für das ausgeben, was fi: find.
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Im Uebrigen aber hat die Confero. Correfp." mit ber Schöppenstedterei" recht, die wohl die Nationalliberalen am scharfften, doch auch die anderen Parteien, vorzüglich die Ronservativen, gleichfalls trifft. Was ist denn eigentlich Schöppenfledterei"? Wenn man über kleinen, egoistischen Dingen bie Allgemeinheit, das allgemeine Wohl hin en anfett! Man kann diese Politik auch Parteiki chthurmpolitik nennen..
Strebt benn bie tonservative Partei mit ihren Schnapt Steuervorschlägen, mit ihren Getreidezöllen, mit ihren Sped und Schmalzzöllen w. f. w. für das allgemeine Wohl? Mit nichten! Es leuchtet aus allen ihren Theilen die direkte Fürsorge für den Großgrundbefizer hervor.
Und das Zentrum? St. Peterspolitik treibt baffelbe, also eine etwas höhere Rirchthurmpolitit. Das allgemeine Wohl wird auch hier unter diese Allerwelts Schöpp mstedterei gebeugt.
Mit den Nationalliberalen ftab wir schon fertig. Die fleineren übrigen Parteien: Welfen, Polen , Elfaffer u s. w. find sämmtlich in ihren speziellen Vorurtheilen und Verhält niffen befangen, daß man von denselben gar keine Politi für das allgemeine Wohl verlangen tann.
Bliebe nur noch die freifinnige Partei übrig. Daß dies felbe gleichsfalls einseitige Intereffen verfolgt, ist in unserem Blatte schon oftmals auseinandergesetzt worden. Daß thr anerkannter Führers besonders ganz spezielle Parteipolitik treibt, wiffen unsere Leser auch. Daß ein weiterer, und der flugfte Führer der Partei auch heute noch bie gegenwärtigen wirthschaftlichen und fozialen 3ustände für gut und nothwendig erachtet, haben wir noch vor nicht langer Beit hier nachgewiesen; daraus geht hervor, daß wir es hier erst recht mit einer Partei zu thun haben, welche aus egoistisch fleinlichen Gründen bas Wohl der Gesammtheit vernachläfftgt.
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Die Partet, der wir angehören, die Arbeiterpartet, wollen wir hier nicht weiter loben. Sie steht über ber Schöppenftebierei", fie fümmert sich nicht viel um fleinliche
Fragen, fie strebt die Verbesserung der Lage der großen Maffe des Boltes an, fie will fomit bas Algemeinwohl, bas Woblergehen Aller. " Schöppen Wohlergehen Aller. Sie wird auch über die politische „ Schöppenftebterei" ben endgiltigen Sieg davon tragen, das verbürgt schon die allgemeine Ralturentwidlung, welche mit festem Schritte über sämmtliche Kleinliche und egoistische Bes ftrebungen bahingeht.-
Aber fouft toanen boch die Ronservativen mit ihren
Bundesbrüdern völlig zufrieden sein. Sie bücken fich vor bem Fürsten Bismard faft noch tiefer, als selbst die Ron fervativen; fie begeifern die oppofitionellen Elemente im Reiche noch mehr und renegateneifriger, als die Roafers vativen. Mein Liebchen, was willst du noch mehr?"
Der sich unterthänigst für die freundliche Rücksicht nahme bebankt!" erschallte eine zornige, polterabe Stimme, [ 12 und die hohe Gestalt des alten Oberförßers stand vor dem erfchrodenen Liebespaar. Wer ist denn das, der fich ba untersteht, in einem solchen Tone zu meiner Tochter zu reben
"
Ein rechtschaffener Mans, ber es von Herzen bebauert, Ihnen gerade so zuerst gegenüber treten zu müssen," ant wortete der Obergärtner bes Herrn von Brandenftein mit
Daß ein fonservatives Blatt für solche Bestrebungen ein so hübsches allgemeines Wort erfunden hat, ist nur zu loben:
" Söppenstebteret."
Mein Verhalten hat Tabel verdient; aber es rechtfertigt teine Beschimpfung!"
Durch all' ben Ingrimm, mit welchem der alte Mann ben fühnen Sprecher betrachtete, schimmerte es wie Er ftaunen und sogar Bewunderung hinburch. Er ließ ihn bis zu Ende reben und sagte dann mit wirklich gemilberter Heftigkeit:
Ihre Schlagfertigkeit läßt in der That nichts zu wünschen, mein Herr Meter ober Müller, und wenn es
Bat es mir doch selbst der Papa, obwohl er noch nie eine unwahrheit aus meinem Munde gehört hatte, in der bescheidener aber fefter Stimme. Er war wohl etwas bloß wahr ist, was mir das thörichte Ding ba sagt, daß Sie es
elen fet, folche Helbenthat vollbringen fönnte. einzelner Mann, ber nicht Stallmeister ober etwas Derartiges
Baltung nur noch bewuß er und männlicher als zuvor, und fein Auge richtete fich ohne Furcht auf das zornglühende Gesicht des alten Herrn.
ch, Nikolaus, wie glüdlich bin ich, daß ich, einer buntles, unbestimmten Eingebung folgend, ihn damals mit allen Kräften davon abhielt, nach dem unbekannten Retter u forschen, ber mir selbst entschwunden war, noch ehe ich will wissen, wer Sie find in meiner Bestürzung 3eit gefunden hatte, ihm zu danken und ihn um feinen Namen zu befragen! Ich wußte ja, daß ich ihn wiedersehen würde s
an
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Bum Teufel, Herr," polterte biefer, ein rechtschaffener bas fagen- Rebensarten! Ich was Sie hier treiben- was Sie zu Ihrer Bertheidigung zu fagen haben!" Er ist der muthige Mann, der mir das Leben gerettet hatte, Papa!" tam ihm Helene mit schmeichelnder Stimme
Auvor, indem fie einen allerdings ziemlich barsch zurückge
wiesenen Bersuch machte, ihre Arme um ben Bale bes Baters zu legen. Wenn Du mich lieb haft, solltest Du ihn
So?" meinte der Oberförster mit lang gezogenem Ges
und ich wollte nicht, daß mein Vater den Versuch machte, ihn Sache abzuthun, bie meiner Ueberzeugung nach nie abgethan werben fonnte. Habe ich da nicht in all' meiner Thorheit boch etwas freundlicher behandeln." tim entscheibenden Augenblick immer noch die Erinnerung ficht." Dentt man sich auf diese Weise bafür bezahlt zu a bie untilgbare Danlesschulb gegen Dich in die Wagschale machen! Aber barf ich nun endlich erfahren, mit wem werfen tann? Darauf habe ich jest meine größten und ftol ich eigentlich das Vergnügen habe?" Ich heiße Nikolans Werner und bin gegenwärtig ber Obergärtner des Herrn von Brandenstein Wie was? Ich habe mich doch wohl verhört? fagen Sie und Gärtner? Und Sie bes fizen wirklich die unglaubliche Unverschämtheit
geften Hoffnungen gefett!"
er schüttelte eraft bas Haupt.
Ihre Zuversicht ging nicht auf ihren Begleiter über und
Nicht einem Sufall will ich Deinen Befit verbanken, Dein Vater von jenem Borgange niemals etwas zu erfahren! Selene, fonbern meinem eigenen Werth. Darum brauch Banbe abgekommen. Du mußt Dich an den Gebanken ge
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Werner
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Halten Sie ein, Herr von Ruggenhagen!" unterbrach ihn ber junge Mann mit rubiger Figkeit. Ich bestreite Ihnen nicht das Recht, über mein Einbringen an diesen Det urgehalten zu fein und mir deshalb Vorwürfe zu machen; aber ich bitte Sie bringend, fich burch die Aufregung dieses fammenführt. Ich schulde das schwere Opfer Dir und Deinem Augenblicks nicht zu Beleidigungen hinreißen zu lassen, bie
Bater."
nicht nur mich, sondern auch das Haupt Ihres Kindes treffen.
beweisen, baß ein Goelmann einen ihm geleisteten Dienst weit über die Gebühr zu belohnen weiß. Ich will Sie unbehelligt aus meinem Garten gehen lassen, will Ihnen morgen durch meinen Bedienten eine entsprechende Geldent schädigung senden und will Ihnen die Strafe, bie jeben Anberen auf der Stelle getroffen hätte, erst für den Fall in Aussicht stellen, daß Sie es jemals wagen sollten, Ihre wahawigigen Annäherungsversuche an meine Tochter zu wieberholen!"
Jeht antwortete Werner nicht sogleich. Man fab es
ihm an, wie schwer und gewaltig er mit seiner inneren Ecregung fämpfte und wie nahe er baran war, mit heftigen
Worten aufzubrausen.
Helene, die fich bis dahin ganz fill zur Seite gehalten
batte, ohne aber einen Blick von Werner's Gesicht zu wenden,
bemerkte diese Gefahr sehr wohl, unb fuchte berselben zuvor zukommen, indem fie fich an ihren Bater wandie.
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Papa! Du behandelst diesen Herrn in einer Weise, bie er wirklich nicht verdient! Wenn in unserem Beisam mensein an diesem Orte etwas Strafwürdiges liegt, so trage ich allein die Schuld und-
Schweig," unterbrach ste der Oberförster kurz und barsch. Du bist ein hörichtes Kind, bas mit seiner Freiheit nichts anzufangen gewußt hat, und das ich fortan unter trengere Aufsicht nehmen will. Die Geschichte ist zu albern, als baß man ein ernsthaftes Wort darüber verlieren follte; aber hüte Dich, mich noch einmal mit einer einzigen Silbe an diese Rtaberei zu erinnern!*
Mit flammenben Augen hatte Werner zugehört; jeht
Ball