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Sonnabend, den 30. Oktober 1886.
IIL. Jahrs.
Berliner Volksblatt.
Organ für die Interessen der Arbeiter.
Das„ Berliner Boltsblatt"
richeint täglich Morgens außer nach Sonn- und Fefttagen. Abonnementspreis für Berlin fret in's baus vierteljabrlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Bf. Bostabonnement 4 Mart. Einzelne Nummer 5 Bf. Sonntags- Nummer mit der illuftrirten Beilage 10 Bf. ( Eingetragen in der Boftzeitungspreisliste für 1886 unter Nr. 769.)
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des Berliner Volksblatt".
Wieder einmal Herr Alexander Meyer.
wirthschaft" scheint uns dieser Sat denn doch des An remp Ins werth.
Nach Herrn Meyer leben wir in der besten Welt; es ift bewiesen, daß wir höhere Ansprüche an das Leben machen, weil wir dieselben befriedigen können.
Da kommt es nun darauf an, zu untersuchen, wer benn eigentlich die wir" find.
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Rönnen bie Milliones, welche alle Werthe schaffen, die höheren afprüche an das Leben, welche fie allerdings ftellen und im Jnteresse der Gesundheit und der Erhaltung ihrer Familie ftellen müffen, befriedigen?
Sind unsere wirthschaftlichen Zustände berartig, daß man, ohne der Wah heit in's Geficht zu schlagen, das Recht hat, einen Satz aufzustellen, nach welchem der Konsument es fich in immer steigendem Maße geßatten darf, größeren Aufwand zu machen?
Nein und tausendmal nein. Jeber, ber mit flarem Auge die Verhältnisse im Volte anfteht, wird erschreden vor ber ftets steigenden Verarmung ber Maffen, bie eine nothwendige Folae bes ,, Manchesterthums" ift.
Herr Alexander Meyer tann also nur mit seinem„ wir" bie winzige, aber durch den Befit aller modernen Machtmittel sehr traftvolle Minoritat unseres Volles gemeint haben und in diesem Fall hat er vollkommen Recht.
Jawohl können diese Handvoll Menschen höhere Au
fprüche an das Leben befriedigen, aber warum? Dienste bes Rapitals und des liberalen Mansterthums fich Aufreibenden nur der notbbürftigste Lebensunterhalt gewährt Verdienst erreicht wird. wird und in zahllosen Fällen auch noch nicht einmal dieser
Weil die Majorität für fie arbeitet, weil ben Millionen im
Warum wir uns eigentlich so häufix mit biefem Herrn beschäftigen, werden vielleicht unfere Leser fragen. Die Antwort in leicht: weil Alerander Meyer neben Ludwig Bamberger ber hervorragenbfte Vertreter des reinen Manchefterthums ift, bem wir, als der Duelle unseres wirthschaftlichen Elends, den Krieg geschworen haben; weil in Herrn Meyer sich die Raltherzigkeit dieses Pinzips vers törpert; weil mit einem Wort di ser Rämpfer für die beren Behntausend" stets als der Rufer im Streit" für St. Manchester" fiuurirt. In Nc. 3 der Wochenschrift Die Nation" vom 16. Oktober fiaben wir neben der geistreichen machen keinen Einzelnen dafür verant Abhandlung Dret Sozialisten. Prozesse" von A. Mundel, fequens ber kapitalistischen Prebuktionsweise, wortlich; es ift, wie gefagt, bie loatsche Ron. welde unsere Befer theilweise tennen, auch einen Artikel biele Sustände bis zur schließlichen Unmöglichkeit entwidein welche Don Alexander Meyer über Das naffe Berlin ". wird. Aber die Vertheidiger dieses Eystems follten wenig ftens so viel Achtung vor ihren Ernäh ern" haben, daß fie fügen, ber barin liegt, daß fie die Welt glauben machen, zu der wirthschaftlichen Mifère nicht noch den Hohn hinzu Beseüschaft, gelte auch für die Arbeiter. bas wir" des Herrn Alexander Meyer umfaffe die ganze
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Natü.lich fann der geistreichelnde Freihändler damit nur ben Bie fonfum" meinen und da ihm zu ernsten Arbeiten wah fheinlich keine Beit bleibt, so benugt er die Form ber Rauferie, um für seine wirthschaftliche ficht eine Large zu brechen. Wenn nun Herr Alexander Meyer fich begnügt hätte, seine Weisheit dem Kreise der Kneipgenoffen zum Besten zu geben und diesen Gleichgesinnten und Gleich geftellten zu erzählen, daß wir beshalb höhere Ansprüche an das Leben Bellen, weil wir uns bewußt find, höhere Anfprüche befriedigen zu können."
Der Artikel handelt u. A. von der Thatsache, daß trok höherer Preise viel sogenanntes echtes" Bier in Berlin getrunken wirb. Es brauchte uns dieser„ tiefsinnige Ausspruch" nicht zu fümmern, aber in einer Wochenschrift für Bolts
Radbrud verboten.]
Feuilleton.
Im Hause des Verderbens.
Kriminalroman.
Von Reinhold Ortmann.
Wir
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zur Befriedigung derfelben ebenfalls; aber lettere Die Ansprüche an das Leben find ba; die Möglichkeit bleiben, so lange bas„ Manchesterthum", welches identisch ist Befriedigung nämlich wird so lange ein fremmer Wunsch mit bem Freihändler" des Herrn Alexander Meyer, regiert, so large nicht die sozialen Menberungen eingeführt sind, welche die„ beutschfreisinnige Partei" unter Borantritt ber Herren Bamberger und Meyer so lebhaft bekämpft.
Also, Heir Meyer, brechen Sie mit Ihrem Wirthschafts.
geftiegen waren, schwanden mehr und mehr und allerlei füße Hoffnungsträume und lodenbe Bukunftsbilder waren es, bie [ 13 allmälig ihre Seele erfüllten. So lehnte sie sich an die Brüstung des effenen Fenfers, und es gewährte ihr sogar ein gewiff Behagen, als ber hinter den Bäumen empor Steigenbe Monde mit seinen falten Strahlen übergoß. Daran, daß sie beobachtet werden lonnte, bachte fie feinen Augenblid, denn wer sollte um diese Stunde noch draußen fein? Die dunklen Umrisse der männlichen Gestalt, die gerabe unter ihren Füßen am Stamm einer Buche lehnte, konnte fie bei der Finsterniß, welche diesen Theil des Parkes lonnte fie bei der Finsterniß, welche biefen Theil des Parkes noch bebedte, nicht wahrnehmen, und sie bachte auch gar nicht baran, ihre Blide da unten suchend umberschweifen zu Taffen.
Mir scheint, daß ich hier jetzt überflüffig bin!" fuhr Ramfelb fort, nachdem er den Rianten noch einige Sekunden
fo fönnen Sie mich ja rufen lassen! barauf, daß diefe Glassplitter hier forgfältig entfernt werben." Damit ging er und wieder trat diefelbe unheimliche Stille im Krankenzimmer ein, bie Elsbeth schon vorhin be Der Mann, der wie feßgewurzelt neben bem mächtigen Baume Rand, schaute unverwandt zu der lichtum floffenen au und gefunden Schlaf gefunden zu sein, und der alte Diener weiblichen Gestalt in die Höhe, und feine blaffen Lippen in ber Ede hatte der immer gewaltiger auf ihn herein bewegten sich, als wolle er ihren Namen rufen, obwohl in bringenben Müdigkeit auch nicht mehr widerstehen können. Wirklichkeit tein Laut aus seinem Munde fam. Seine tiefen Athemzüge verriethen den festen Schlummer. Elsbeth fagte fich, daß sie ist wohl unter allen Bewohnern des Schloſſes bie einzige Wachenbe sei. Aber auch fe The fühlte, baß ihre Augenliber schwer und immer jawerer wurden. Die Maschen der Handarbeit, die ohnehin bei ber in einander zu verschwimmen, unwitürlich sanken ihr die Bänbe
Er war
Der Lautcher war Curt von Brandenftein. nach dem legten Gepräch mit Ramfeld auf sein 3immer gafürgt; aber ber schwere Wein, von bem er eine beruhi gende oder wenigftens betäubende Wirkung erwartet hatte; war ihm nur mit neuem Feuer ins Gehirn gestiegen und hatte ihn balb wieber hinausgetrieben aus bem engen, bes
diüdenden Raum. Draußen im Freien, im Duskeln, wo er
ficher vor fremben Augen war, mußte ihm beffer werben und mit unhörbaren Schritten ging er barum bie Treppe Luft im Simmer erſchien ihr if her unb bildenb; te binunter in ben Bart. Auf dem üble des erßten Stod. fühlte, daß fie unter dem bleiernen Druck derselben nicht werfs trennte ihn nur ein einziges Simmer von dem Schlaf mehr etuum im Rebenzimmer ein Fenster ufen und so farem und beiben panten an bas Geländer flammernb unb einige Minnten die kühle Nachtluft um die Schläfe wehen ein nervöses Buden ging burch seinen Rörper. ihm, als habe er Ramfeld's Stimme vernommen. War diefer vielleicht gerade jetzt bei ber Ausführung fetnes furchtbaren Wertes? War es nicht noch Zeit, Alles zu verhindern, wenn er hinein fürzte und ihn gewaltsam zurüdriß von dem
nicht, und es wurde ihr auch wieder freier und leichter um's Der frische Hauch verfehlte seine belebende Wirkung Herz, als fie ftatt der düsteren Zopeten die leise schaufeln den Baumkronen und den gestirnten Himmel vor fi fah. Bette des Kranten?
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Es war
Aber bann? Was sollte dann weiter geschehen?-
Bern aus allen Eden und Winkeln ihres Herzens empor- War er nicht morgen schon ein verlorener Mensch, wenn
| system; forgen Sie mit dafür, daß der Ertrag ber Arbeit auch dem Erzeuger derfelben zukommt, dann wollen wir mit Ihnen sagen, daß wir höhere Ansprüche an das Leben ftellen, weil wir uns bewußt find, höhere Ansprüche befrie bigen zu können.
So lange jedoch diefes Biel nicht erreicht ist, bleibt Ihr Sah nichts als der Versuch, bem Bolte Sand in die Augen zu freuen, nichts als eine
liberale manchesterliche Heugelei."
Etwas von den Berufskrankheiten.
In den neuesten Fabrilinspektorenbericien für 1885, bie burch hervorragende fozialpolitische Mangelbaftigtelt fi un Dorthet hafi aus eichnen, find in dem A schnitte: Gesundheits schädliche Einflüff:( a. a. D. 6. 91 ff.) eine Anzahl Arbeiter frantbeiten aufgezählt.
Wir benugen die Gelegenheit, um aus dieser rein amt licher Quelle zu schöpfen, die doch ficherlich nicht in den Berdacht oppoftuoneller Färbung tommen wird.
Da haben wir:
1. Bhospho: Netrofe, Rieferknochenfraß, ein Leiden, deffen verbeerenden Wistungen die in der Bandbo'sfabrikation be schäftigten Arbeiter zum Opfer fallen. Es find nur rob ganz wenige Fälle vorgelommen," beißt es im Bericht. Das ist durchaus inforrett. Es müßte beißen zur Kenntniß der mit Arbeit überbäuften Beamten, deren Bestrle viel au groß find, ge tommen." Ferner steht es feft, baß die eblen Bündbolsfabri
tanten, sobald ein Arbeiter an N trofe zu erkranten beginnt, denselben entlaffen. Es mußte bod feltfam zugeben, wenn beseitigt ist, die Retrose plöglich aus dieser Industrie verschwinden plöglich, ohne daß die Ursache, die schädliche Arbeitsmethode,
follte.
2. Bleivergiftung. Fälle häufiger. Natürlich find nach Auffaffung des Berichts, der unter Inspiration der Ropita liften abgefaßi ift, bie Arbeiter meistens felbft daran Schuld. Mangel an Bo ficht!" Wirum find die Arbeiter auch so unvor fi btig, in folden Betrieben zu schaffen!
3. Quedfilbertrantheiten. Annehmlichkeit z. B. ber Spiegel beleganstalten. Bringen die Arbeiter in ein frühes Grab, vergiften den Rörper, erzeugen die Bitterkrankheit, ert ümmte Steder, tödten das Rind im Mutterleib. Viele Frauen find in der Spiegelindustrie beschäftigt. Von 100 Geburten ber felben find 95 Fiübgeburten; das Qudstiber befördert das bortiren.
4. Ryanose unter den Arbeitern der Drybirkammern von Anilin Swarsfärbereten.
5 Wilsbrand in den Roßbaarspinnereien. Uebertragung ber Milzbrandbasillen aus den Haaren tanter Thiere.
6. Augenertranfungen and anbere tranthafte& scheinungen in der Quifabritation. Der aur Denaturirung des Weingelstes bienende Methyl Alfobol( 5.) ruinirt die Augen. Der Allobol wird bei der Arbeit mit Lad öfung benüßt.
7. Staubinhalations Rrantbetten, Leiden der Athmungs
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ber Alte genas? Er ftöhnie laut auf und erschrat boch im nächsten Augenblid wieber vor dem bumpfen Laut, ber aus seiner Bruft tam. Dine bas Treppengeläaber fabren zu laffen, schwankte er weiter, hinunter auf bie Terraffe und hinein in ben büßteren Part, beffen undurchbringliche Finsterniß ihn anzog and ihn doch wieder mit Schauber und Grauen erfüllte.
Schon zwischen den ersten Bäumen blieb er flehen. Seine Wangen brannten und die Augen lagen heiß und glühend in ihren Höhlen, während ein Föftela feine Blte ber schüttelte. Er fühlte, daß sein Sprit unsicher war, boß er straucheln und fallen würde, wenn er sich nicht an einen der Bäume lehnte; ber Wein und die Aufregung be gannen, einen Nebel um feine Sinne zu legen. Da hörte er bas Dffnen eines Fensters über seinem Haupe und bligartig schoß es ihm burch den Ropf:„ Es ist alles ent bedt!" Stieren Auges blidte er empor." Jeßt mußte es ja ertönen das furchtbare Geschrei Mörber! Mörber" Und jest mußten fie ja fommen, ihn zu ergreifen und ihn vor bas Bett des sterbenden Onkels zu schleppen.
Aber es blieb Alles still. Eine helle Gestalt, bie er
dem die Ge
nicht erkennen fonnte, stand regungslos in bem geöffneten Fenster. Er brängte fich fefter an den schüßenden Baum, aber feine Blide hingen wie gebannt an dem einen Punkt bes büßteren Gebäudes. Da tam der Mond über den Baum wipfel empor, und ein schmaler Streifen feines Licht& fiel gerade auf jenes Fenfter. Nun erkannte Curt Geficht, und in feinem fiebernben Gehirn, in bebeth's banken toll und wild burch einander leiften und sprangen, gewann uplöglich die 2.ibenfchaft für sie Gewalt über alle Regungen, die ihn bis zu diesem Augenblick beherrscht hatten. Wie schön, wie verführerisch fab fie in der eigenthümlichen magifchen Beleuchtung aus, wie tlar zeichneten sich bie Daten threr feinen schmiegiamen 3.stalt auf bem dunklen intergrunde ab, und welch einen füß findlichen, unfchulb= vollen Ausdruck hatte ihr Antlik jeht, ba fie fich völlig un beachtet glaubte.
Dem Untenstehenben war als sei allmälig Ent tomme fie ihm
fernung zwischen ihnen geschwunden, ale romia bit