Reſtaurant

emüthlichte straße 161. Reſtaura agt" Aben

hten.

46.

46.

Donnerstag, den 23. Februar 1888.

5. Jahrg.

Berliner Volksblatt.

Tekes w Berlin die eft I. Re fest aus Bruppe Bardour S Kreishaupt ler!" mit lebe die S Dresden.

nzausschuß

M. fest. Ferats zu, Cill. M. un

Mill. M.

Organ für die Interessen der Arbeiter.

Das Berliner Volksblatt"

Verbraucht täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei aus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 f. ( Eingetragen in der Boftzeitungspreisliste für 1888 unter Nr. 849.)

Beitungen Gelegenheit wahrscheinli frife fomme

llen sollte.

perche

reau.)

t, Bormi

r, Vormitta und Ausw

Fonds und

Innern

er

Redaktion: Beuthstraße 2. 2.­

beseitigt das Sozialisten-| gesetz?

Minister Das Sozialistengesetz ist also glücklich auf weitere zwei verlängert und wenn die Nordd. Allg. 3tg." sich Kammer ni Spaß erlaubt und darüber" jammert, daß das Gesetz auf längere Beit gesichert worden ist, da man nicht Der heutigen könne, wie der Nachfolger des jebigen Reichstags enoffen wuu einer neuen Verlängerung stellen wird, so wird atsächliche alle Welt darüber klar sein, was von diesem Gerede beffelben erhalten ist. Ob das Gesetz auf ein Jahr oder auf fünf and feine e verlängert worden wäre, ist für die Frage der Er­Cieben habe. ung ganz gleichgiltig.

dakti

ktion -8 hr gbeizufügen.

leifer

tereffe

R

Insertionsgebühr

beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 25 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bf. Bet größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaug, ohne Erhöhung des Preises, angenommen.

Expedition: Zimmerstraße 44.

macht wehren zu können, für deſſen Ohren find die Stöcker'ſchen| liſtengefeßes in das Strafgeſetzbuch Aufnahme fänden. Ein

Heyreden gegen das Judenthum melodische Flötentöne.

Umgekehrt fürchtet Herr Bamberger den Streik und die Koalition der Arbeiter nicht, da er den Kapitalismus für

fest genug begründet hält, daß er mit den Arbeitern allein fertig wird. Dagegen graut ihm vor den staatssozialistischen Allüren, die sich an den Universitäten breit machen und er verdammt Stöcker's Treiben, weil durch dasselbe die niedrigsten Triebe der Massen", Haß und Neid, gegen die besitzenden Klassen erregt werden.

Für Herrn von Kleist ist Stöder der zweite Luther, für Herrn Bamberger dagegen der im Schmuh wühlende Demagog, gegen den der überzeugte sozialistische Agitator ein Gentleman an Gesinnung und Manieren ist.

nftige Reichstag wird das Gesetz wieder erneuern, und wird das so lange gethan, bis die Arbeiter zu einem mächtigen Faftor in unserem Staatsleben geworden sein en, daß man eine gewaltsame Unterdrückung ihrer Be­ungen nicht mehr wagen darf, weil man sie nicht mehr zusehen vermag. Erst wenn es dahin gekommen ist, Regierung ausgeht. Aenßerungen wie Hungerlöhne, Aus­

Dieser Sympathien und Antipathien gegen politische und soziale Bestrebungen kann sich nun die Regierung so wenig entziehen, als der einzelne Privatmann.

auch nur erst dann, wird das Ausnahmegese vers

inben.

Möglich ist es dabei freilich, daß man vorher noch den uch machen wird, von dem man ja jetzt so en anzuzrebet, das Ausnahmegesetz durch einer Reihe Aufnahme neuer Strafbestimmungen in das gemeine zu ersehen.

tigleit

coller

he den einzugehe

Daß dies aber nichts weiter sein kann als eine Schein ache weißt, versteht sich von selbst. Die Bestimmungen des dem Schen die sozialistisch denkenden Massen zu richten, daß man ialistengefeges hören dadurch nicht auf, sich ausschließlich emeinen Recht einverleibt. Sogar die Befürchtung

bem

Dieselbe Handlung wird eine verschiedene Beurtheilung finden, ob sie von einem Freunde oder einem Gegner der

beutung, tapitalistische Produktionsweise 2c. genügen in dem Munde eines sozialdemokratischen Versammlungsredners, um die Versammlung zur Auflösung zu bringen, und doch sind alle diese Ausdrücke schon des öfteren auch vom Bundes­rathstisch aus gefallen. Von Hungerlöhnen der Arbeiter hat Herr von Puttkamer sogar während der Sozialisten­debatte erst wieder gesprochen.

solcher Plazwechsel der Ausnahmebestimmungen würde also für die Arbeiter gar keine Bedeutung haben und die Herren Nationalliberalen mögen deshalb ihr Bemühen, entsprechende Bestimmungen für das Strafgesetzbuch auszuhecken, nur ein­stellen, es wird ihnen Niemand und am wenigsten die Ars beiter dafür dankbar sein.

Ob die Ausnahmebestimmungen im gemeinen Recht oder in einem Extrageses vorhanden sind, ist für die, gegen welche fie angewendet werden, sehr gleichgiltig. Diese haben nur ein Interesse daran, daß diese Bestimmungen überhaupt vers schwinden.

-

Dies wird aber nur erreicht werden auf zweierlei Weise: entweder diejenigen, gegen welche sich die Ausnahmebestim mungen richten in unserem Falle also die Sozialdemokraten - verschwinden, oder aber sie werden zu einem so mächs tigen politischen Faktor, daß die herrschende Gewalt mit ihnen rechnen muß und es zu einem Gebot der politischen Klugheit wird, den Unterdrückungsmaßnahmen Einhalt zu thun. Daß die Arbeiterbewegung aber aus den europäischen Kulturstaaten verschwinden werde, darauf weist absolut fein Beichen, wohl aber sind alle Anzeichen dafür vorhanden, daß dieselbe immer noch mächtiger anschwellen wird. Spe ziell in Deutschland ist die Arbeiterbewegung in dem letzten Jahrzehnt, trotz des Ausnahmegesezes, mächtig angewachsen und aller Voraussicht nach wird dieses Wachsthum ein noch Je mehr aber die auf Jahre hinaus andauerndes sein. Arbeiterbewegung sich ausdehnt, desto mehr werden die Ar= beiterstimmen bei den Reichstagswahlen ins Gewicht fallen, desto mehr aber auch wird die Antwort, welche die Reichs­tagskandidaten auf die Frage geben: Wie stellst Du Dich zum Ausnahmegeset? ausschlaggebend für den Ausgang der

Wie leicht es aber ist, auch bei der Anwendung des sogenannten gemeinen Rechtes sich denjenigen, gegen den man es anwenden will, vorher genau anzusehen, das sehen wir doch aus der praktischen Anwendung des Vereins- und Versammlungsrechtes. Wie viele Vereins- und Parteiorga fönnten denn bestehen, wenn die betreffenden Gesegesbestim mungen gegen fie mit derselben Rigorofität wie gegen die im Verdacht der sozialdemokratischen Gesinnung stehenden r. 29 bei zu jeder Zeit in der Hand haben, die politische Arbeiterverbindungen angewendet würden? Wir behaupten, nicht ein einziger politischer Partei­ausgebreitete wirthschaftliche Arbeitgebervereinigung würde vor dem Strafrichter Stand halten, wenn sich ein Ankläger

nfichten feht hinfällig, daß, wenn solche Bestimmungen dem gemeinen nisationen, sowohl der liberalen als konservativen Parteien, Wahlen sein.

= Sie es arteien darunter leiden werden. So lange das Anklage= nopol der Staatsanwaltschaft besteht, wird es jede Re­

Aufnahme

folgung zu dirigiren und mißliebige Parteien um Hand­

St bekannt gen willen mit Prozessen zu verfolgen, die Angehörige verband und nicht eine einzige über ein größeres Territorium utter den erer Parteien ungenirt ausüben dürfen.

Beitpunkt vorden, fof

Shnen ausi

Dieser Ankläger findet sich aber eben nicht, weil die

Das politische Vergehen unterscheidet sich eben von den utter event ten Bergehen dadurch, daß es nicht verabscheuungswürdig fände. allen Umständen ist, sondern lobens oder tadelns­Sweisen fön erscheint, je nachdem man es von einem politischen Regierung von den gesetzlichen Bestimmungen feinen Ge­andpuntt aus betrachtet, oder auch je nachdem es von dem brauch machen will. Was aber auf dem Gebiet des Ver­en oder Anderen begangen wird. 2. Die om, der nicht genug Pfeilejaus dem Köcher seiner Beredtsam­

r den Schi eschrieben, jezige Ver mmung eit des Ge

#.

der

lafchen

3 Mark

auszustellen

che unbefugt

Bahnhof

[ 412

at VI

abschießen fann gegen

Derselbe Herr von Kleist­

aldemokratischen Agitatoren, welche die Arbeiter auffordern, zu organisireu, um sich gegen die kapitalistische Ueber­

das ,, verbrecherische Treiben" der

Feuilleton.

Reste vorbehalten.)

Der Erbe.

( Radbrud verboten.)

eins- und Versammlungswesens bereits Uebung ist, daß man dessen Bestimmungen strenge gegen die Oppositions­parteien und ganz und gar lax gegen die Regierungspar­teien anwendet, das würde sich auch durchführen lassen und würde durchgeführt, wenn die Bestimmungen des Sozia­

Worte milderte, stand ihm in der That genau so gegenüber, als ob er sie auf das tödtlichste beleidigt hätte. Ihm selber [ 44 stieg jetzt das Blut in die Stirn, denn er schämte sich der Rolle, die er hier spielte, obgleich er in der ehrlichsten Ab­ficht hergekommen. Das war nicht die Tochter ihres Vaters, bas war die Tochter ihrer Mutter, und wie er nur fühlte, daß hier jedes weitere Wort vergeblich sei, ja seine Lage nur unangenehmer machen konnte, sagte er artig, aber jetzt

Roman von Friedrich Gerstäder. Baumann erschrat wirklich über die Blässe, die plöglich ebenfalls nur falt und höflich: Farbe aus ihren Wangen trieb, nur ihre Augen hatten brud war nicht mehr so freundlich, als vorher. Das Ihrem Herzen über den Ropf gewachsen war. ganz merkwürdigen Glanz angenommen, aber ihr

den jedoch, während sie sich mit der Hand an dem en Eisch stüßte, fuhr mit immer fester, werdender

me fort:

Fräulein Ottilie, ich muß Sie um Verzeihung bitten, ich wußte nicht, daß Ihr Verstand schon so vollständig Ich

bin mir jegt unserer beiderseitigen Stellung bewußt, und seien Sie versichert, ich werde Ihnen nie wieder lästig fallen." Ottilie wurde blutroth. Das flang wie ein Vorwurf,

Gewiß, die 3eit, daß eine sozialistische Majorität in den Deutschen Reichstag einzieht, die mag noch in grauer Ferne liegen, die Beit aber, daß der Wille der deutschen Arbeiterwählerschaft vom Deutschen Reichstag nicht mehr ignorirt werden kann, die scheint uns nicht mehr zu weit zu sein.

Es ist das Schicksal aller Ausnahmegesetze, daß sie, um wirksam zu bleiben, immer weitere Kreise treffen müssen. Das Sozialistengesetz ist diesem Fatum ebenfalls nicht ent= gangen. Wo sich Arbeiter zusammenthun, sind auch Sozia listen darunter. Soll das Gesetz aber seinen 3wed erfüllen, dann muß es die Sozialisten überall treffen. So ist es denn glücklich dahin gekommen, daß Arbeiterkindtaufen, Pfeifens Klubs und Spaziergänge unter polizeilicher Ueberwachung stehen. Je größer aber der Kreis der Verfolgten wird, desto größer wird auch die Zahl der mit Unrecht Behelligten und desto mehr wächst der Unmuth über dieses System.

So schritt er über die Straße hinüber, so die Bahn entlang nach seines Vaters Hause, und erst als er dort auf der Schwelle stand, zögerte er wieder, denn er schämte sich, dem alten Mann unter die Augen zu treten. Hatte der es ihm nicht vorausgesagt? Aber das konnte er nicht wissen; kein Mensch konnte hinter so lieben, treuen Augen solche Eitelfeit, eine solche herzlose Brust vermuthen. Und wie würde jetzt das überſtolze Mädchen auf ihn herabsehen, wenn sie ihm je wieder begegnete! Und konnte er sie denn hassen? Er schüttelte traurig vor sich hin den Kopf. Ach, zu lange hatte er jenes felige Gefühl der Liebe mit fich herumgetragen, um es jetzt so rasch und plötzlich gegen Haß umzutauschen! Aber da war er an der Schwelle, ja er stand in der Werkstatt, ehe er es selber recht wußte. Und sollte er hin= ein gehen? Die Stube öffnete sich, und Madame Müller, die ins Vater begleitete sie an die Thür.

Ich danke Ihnen für das Vertrauen, das Sie in zu sehen scheinen. Man sagt ja, daß ein jeder und während sie vielleicht fühlte, daß sie ihn verdient hatte, alb nicht getränkt dadurch fühlen. Was aber Ihre Antrag ein junges Mädchen ehrt, und ich darf mich empörte fich doch auch wieder ihre Eitelkeit dagegen, auch dessen die ganze Beit hier gesessen hatte, kam heraus. Sein

Dern!"

e betrifft, so thut es mir leid ich kann sie nicht er­

Ottilie!"

-

nur Aehnliches von dem Handwerker zu ertragen. Friz Baumann ließ ihr aber feine 3eit, zu irgend einem Ent schluß zu kommen. Er verbeugte sich faltsein Hut stand neben ihm auf dem Tisch-, und wenige Sekunden später

Es ist nothwendig, daß wir offen gegen einander sind," schloß sich die Thür hinter ihm. haltenem Born, schon deshalb nothwendig, um jedes Sungfrau fort, und ihr Auge blitte dabei wie in

Friz Baumann dachte nicht daran, den Staats­anwalt wieder aufzusuchen. Er konnte ihn jest nicht

Sie können gar nicht fehleu, Madame," sagte er; links gehen Sie hinunter, und dann biegen Sie rechts hinein in die erste Straße. Es muß etwa das sechste oder fiebente Haus sein; Sie sehen schon das kleine Porzellan­Staatsanwalt Witte". Wenn fchild an der Thür unten: Sie es denn nun einmal nicht anders haben wollen; aber Holla, Friz, schon wieder da? Junge, das ist schnell gegangen, fast ein bischen zu schnell," feßte er langsamer hinzu. Na, komm nur herein; es ist beinahe, als ob ich heute meinen Amboß gar nicht wieder warm friegen sollte."

Boerständniß für die Zukunft zu vermeiden; nehmen Sie sprechen, denn die Thränen standen ihm in den Augen, ich an Ihrer Stelle...

bie Versicherung, daß ich niemals Ihre Gattin werden

und will.

Unb weshalb nicht, Ottilie?" ge Mädchen mit eisiger Rälte. Sie haben fein Recht zu dieser Frage," erwiderte das Unterschied fannte, der uns von einander trennt, so darf

Wenn ich als Rind nicht

bas bem Rinde wohl verzeihen. Sie werden mir ge ten, daß ich mich jetzt in die Schranken, die mir von der ellschaft geboten sind, zurückziehe." Baumann sah das junge, wirklich selbst in ihrem Born

Das war

liebes, fanftes Herz, wie er es sich in dieser Brust ge t; das war nichts als eitler Stolz und Hochmuth, der fe Worte sprach, und die Jungfrau, wenn sie auch ihre

und Hals und Kehle waren ihm wie zugeschnürt. Aber nicht der Schmerz um eine verlorene Geliebte trieb ihm das Wasser zwischen die Wimpern, sondern weit mehr verlegtes Ehrgefühl.

Ditilie verachtete in ihm den Handwerker, der es ge= wagt hatte, zu ihr, der vornehmen Dame, die Augen zu er­heben, und was war fie? Eines Advokaten Tochter, eines Bürgers der Stadt, wie sein alter, braver, von allen ge­achteter Vater ebenfalls Bürger war. Er biß die Zähne zusammen und stieg langsam die Treppe hinab.

" 1

-

Ein Korb," murmelte er dabei, ein Korb in aller Form, und wie ertheilt so höhnisch, so falt, so herzlos! Was war ihr der Jugendgespiele, was die Liebe, die er für sie im Herzen trug!"

Madame Müller grüßte, griff ihren; indeß vollständig abgelaufenen Regenschirm wieder auf und verließ das Haus, während Frizz langsam dem Vater in die Stube folgte. ,, Wo ist die Mutter, Vater?"

" Ich weiß nicht, was sie vorhin angewandelt," sage der Alte; sie wurde auf einmal unwohl und hat sich auf ihr Bett gelegt. Ach, das geht rasch vorüber! Wenn man in die Jahre kommt, packt einen manchmal so' was ganz plöglich, dauert aber gewöhnlich nicht lange. Mir wurde auch neulich einmal sehr schlecht, wie ich den drei