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Sonntag, den 26. August 1888.

5. Jahrg

Berliner Volksblatt.

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für die Interessen der

Das Berliner Volksblatt"

rschwund scheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Postabonnement 4 Mart. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 f. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1888 unter Nr. 849.)

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Redaktion: Beuthstraße 2.

Der heutigen Nummer liegt für unsere Abonnenten . 48 besonntags- Blatt" bet.

Wilhelm Liebknecht .

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Am nächsten Donnerstag werden die Wähler des iefigen VI. Wahlkreises an die Wahlurne schreiten, um an Stelle des unglücklichen Hasenclever einen neuen Vertreter sten Bür den Reichstag zu wählen.

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Von der sozialdemokratischen Arbeiterpartei ist Wilhelm Liebknecht als Kandidat aufgestellt, und täuscht nicht alles, wird derselbe auch als Sieger aus dem Wahlkampf her­borgehen. Auf Grund des kleinen Belagerungszustandes aus Berlin ausgewiesen, fann Liebknecht sich seinen Wählern icht selbst vorstellen, doch sein Name ist ein Programm, wohl keiner der Wähler, der am nächsten Donnerstag Stimmzettel mit dem Namen des sozialdemokratischen entian Führers in die Urne legt, wird im 3weifel darüber sein, Luftf bas der Mann ist und zu welchen Grundsäßen er sich and fid befennt cher Lang

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So bekannt aber die politische Thätigkeit des in allen en in Lebenslagen erprobten und seinen Grundsätzen allzeit getreu gebliebenen Vorfämpfers der deutschen Arbeiterbewegung ist, dürfte es doch manchen unter den Hunderttausenden Deutscher Proletarier, welche mit Spannung dem Resultat am nächsten Donnerstag entgegen sehen, willkommen sein, en fleines Bild über den Lebensgang des Mannes zu er halten, deffen Name im Laufe dieser Woche auf Millionen Das Dhweben wird. don Lippen in und außerhalb der deutschen Grenzen

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Arbeiter.

Insertionsgebühr

beträgt für die 4 gespaltete Petitzeile oder deren Raum 25 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen.

Expedition: Bimmerstraße 44.

St. Simons gewidmet hatte, bald, daß er für die Tret­mühle des Beamtenlebens nicht geschaffen sei, und nachdem er die Ueberzeugung gewonnen, daß auch sein Plan, an irgend einer der kleinen deutschen Universitäten fich als Privat- Dozent niederzulassen, sich nicht ver­wirklichen ließe, wenn er nicht geneigt sei, feine Grundfäße aufzugeben, faßte er im Jahre 1847, seine Grundfäße aufzugeben, faßte er im Jahre 1847, also 21 Jahre alt, den Entschluß, nach Amerika auszu­wandern.

Schon befand sich Liebknecht auf der Reise nach Ham­ burg , als er im Poftwagen einen schweizer Lehrer kennen lernte, der den jungen Feuerkopf bestimmte, sein Reiseziel zu ändern und nach der Schweiz zu gehen und dort die in Deutschland unvermeidlich gewordenen Umwälzungen abzu­warten. Liebknecht folgte dem Rath und ging nach Zürich , wo er das Bürgerrecht erwerben und sich der Advokatens farrière widmen wollte.

Im deutschen Arbeitervereni in 3ürich hatte Liebknecht zum ersten Male Gelegenheit, die Arbeiter selbst über ihre Wünsche, Hoffnungen und Bestrebungen sich aussprechen zu hören. Auf deutschem Boden gab es damals noch keine Arbeitervereine, die deutschen Arbeiter aber, die sich in der Schweiz aufhielten, thaten dies ohne hohe polizeiliche Er­laubniß, denn das Reisen in Frankreich , Belgien und der Schweiz " war den deutschen Handwerksburschen verboten, eine Bestimmung, die für einzelne deutsche Staaten, so z. B. Bayern, noch bis in die sechsziger Jahre herein Geltung hatte, aber von niemand mehr beachtet wurde.

3.

"

Noch bevor Liebknecht es zum schweizer Bürger gebracht hatte, traf aus Paris am 23. Februar 1848 die Nachricht vom Ausbruch der Revolution ein. 3wei Stunden nach Eintreffen dieser Nachricht befand sich 2. auf dem Wege

-

baß der Staatsanwalt gleich bei Beginn der Verhandlung gegen 2. und Genossen deren Freisprechung beantragte, die auch erfolgte. Liebknecht machte darauf die Reichsverfassungs: Kampagne mit und flüchtete nach der Niederlage des Badisch- Pfälzis schen Aufstandes nach der Schweiz . Unter den Opfern, die infolge auswärtigen Druces schließlich aus der Schweiz ausgewiesen wurden, befand sich auch L. Derselbe hatte unter den damals sehr zahlreichen deutschen Arbeitervereinen in der Schweiz für ein gemeinschaftliches Zusammengehen und für die Verbreitung fozialdemokratischer Grundsäge agis tirt. Die Folge davon war, daß er im April 1850 an die

französische Grenze gebracht wurde, wo er mit einem 3wangspaß versehen nach Londen geschickt wurde. Dort lernte 2. Mary kennen, nachdem er mit Engels bereits in Genf bekannt geworden war. Dreizehn Jahre lang lebte 2. in London , sich als Journalist und Sprachlehrer knapp durchschlagend. Das Elend des Emigrantenlebens hat er gründlich kennen gelernt.

August Braß, der Dichter von

Wir färben echt, wir färben gut, Wir färben mit Tyrannenblut, war schuld daran, daß 2. wieder nach Deutschland zurück­fehrte, was ihm nach der zu Beginn der sechziger Jahre ers lassenen Amnestie möglich war. Braß hatte die Nords deutsche Allgemeine Beitung" gegründet, deren Programm lautete: Bekämpfung des Bonapartismus nach Außen und des falschen und des falschen Bourgeoisliberalismus nach Innen, im Sinne der Demokratie und bes Republikanismus.

"

Liebknecht trat im August 1862 in die Redaktion der ,, Nordd. Allg. 3tg." ein, gegen Ende September kam der Reichskanzler, damals Herr von Bismarck , ans Ruder. Es dauerte nicht lange und Liebknecht merkte, daß es mit dem

Braß gekauft war, trat er aus der Redaktion aus.

Gewiß ist es unmöglich, im Rahmen eines Beitungs­artitels ein erschöpfendes Bild von dem Schaffen und Wirken des Mannes zu geben, der seit seinem 20. Lebens- entschieden. Der Bürgerfönig" Louis Philipp war feige bestellt sei; als 2. die Beweise in der Hand hatte, daß ausgefniffen, nachdem er die dem Lande gestohlenen Millionen der mit der Waffe wie mit der Feder, auf dem Schlachts bereits vorher nach London in Sicherheit gebracht hatte. Der Dichter Herwegh organisirte damals seinen später Der Antlagebant für seine Grundsäge von jeher mit rück- so vielfach und mit belachten 3ug belachten Bug hichtslofer Energie und aufopfernder Hingebung eingetreten nach Deutschland . Die in Paris lebenden Deutschen wollten Was wir im Nachstehenden geben können, ist deshalb die Grenze überschreiten und auf deutschem Boden die Re­rein schwaches Bild von dem Wirken und Schaffen publik proklamiren. Liebknecht schloß sich Herwegh an, doch Liebknecht's, aber es wird den Lesern zeigen, daß sie es in erkrankte er und mußte in Paris zurückbleiben. Die Kata­mit einem ganzen, feiner Sache voll ergebenen Manne strophe, welche die schlecht organisirte und wenig geschickt geführte Herwegh'sche Kolonne bei Doffenbach ereilte, hat er also nicht mitgemacht. Nach seiner Gesundung begab er sich wieder nach Zürich , um sich dann im Herbst dem Struves schen Aufstand anzuschließen. Nach der Niederlage desselben wurde Liebknecht gefangen genommen und nachdem er durch

die

Bu thun haben. Wilhelm Liebknecht ist am 29. März 1826 als Sohn eines Beamten in Gießen geboren, woselbst er auch das Gymnasium besuchte. Mit 16 Jahren bestand Liebknecht bas Abiturientenexamen mit der Note I, worauf er die Universität bezog. Von seinen Angehörigen ebenfalls für 3ufall dem Standrecht entronnen war, drei Vierteljahre in hd bereits auf dem Gymnaſium dem Studium der Schriften der Militäraufstand ausgebrochen, eine Folge davon war,

Feuilleton.

Magbrut verboten.]

Ihre Tochter.

[ 71

Weshalb denn merkwürdig? Der Baron wohnt, wie Sie wissen, in der Rue de Cardinal Lemoine und er fam vom Bahnhof de Sceaux ..."

-

Es ist bezeichnend für die Mittel, mit denen in der Politik gearbeitet wird, daß Braß Liebknecht carte blanche in seinem Departement, auswärtige Politik, gab, zu schreiben, wie es ihm beliebe. Auch später noch nach dem Aus­tritt wurde 2. die Nordd. Allg. 3tg." für Artikel extrem sozialistischer und kommunistischer Richtung zur Ver­fügung gestellt. Es war das die 3eit, wo Herr Lothar Bucher Karl Marx einlud, für den Preußischen Staats­anzeiger" zu schreiben. Liebknecht wie Marg lehnten freilich schroff ab, sich bei der Hatz auf die liberale Bourgeoisie als sozialistische Treiber verwenden zu lassen, interessant ist es aber immerhin, zu beobachten, was alles möglich war.

Mittlerweile hatte Lassalle seine Arbeiteragitation bes gonnen, und L. schloß sich ihr an. Nach Lassalle's Tod be= den Dienst der Reaktion zu stellen, was ja später unter

fämpfte 2. das Bestreben, die junge Arbeiterbewegung in

In den letzten drei Viertelstunden hatte er mehr Neuig­feiten gehört, als während der ganzen Woche, wo er allein gegrübelt hatte.

Rriminal- Roman nach dem Französischen von R. Detring. Fräulein Valdieu ihn zum Gatten erwählt hat," fügte auf so sonderbare Weise kennen gelernt hatte.

bantbar, wenn Sie mir sagen wollten, feit wann der Feind Ich zweifle nicht daran. Ich wäre Ihnen aber sehr der Frau Valdieu die Waffen niedergelegt hat." Ihnen und Fräulein Valdieu herbeigeführt."

" Seit dem Tage, wo er den endgiltigen Bruch zwischen

Das war also sein einziger 3weck!" rief der Baron . Welches Interesse hatte er daran, mich daran zu verhindern,

Therese zu heirathen?"

" Sie störten ihn vermuthlich."

,, Und Herr von Randal stört ihn nicht!"

" So liegt die Sache denn doch nicht," erwiderte der

Major mit einem leisen Anflug von Ungeduld. ,, Sie ver balt fich vielmehr gerade umgekehrt. Der Schuft hat eben

11

Also Dank diefer glücklichen Begegnung konnte er sich vorstellen und wurde dann genöthigt, bei Frau Baldieu einzutreten? Ich wundere mich gar nicht darüber, daß Andreas ironisch hinzu. Ich würde aber an ihrer Stelle denn doch einem Retter nicht allzu sehr trauen, der sich so im richtigen Augenblick cingestellt hat."

Wollen Sie denn behaupten, daß er den Angriff auf Therese selber veranlaßt hat, um sich den Verdienst zu fichern, ihr zu Hilfe gekommen zu sein 8"

Ich behaupte nichts, aber ich finde die Geschichte sehr Die Angriffe gegen Mutter und Tochter hören auffällig. auf, seitdem Herr von Randal erschienen ist, er schlägt die Banditen in die Flucht...

Er brauchte sein Leben nicht aufs Spiel zu setzen, um Eintritt in das Haus der Frau Valdieu zu finden. Ich selber wollte ihn dort vorstellen... wir hatten das schon

.

Jegt wußte er, daß der Gatte, den man für Fräulein Valdieu erkoren hatte, jener Baron von Randal sein sollte, den den Major seit etwa acht Tagen kannte, und den er Und Fräulein Valdieu sollte ihre Zustimmung zu dieser Heirath gegeben haben, sie, die ihm geschworen hatte, nies mals einen anderen als nur ihn zu heirathen!

Das war schrecklich, war unerklärlich.

Wie konnte sich ihr Herz so rasch ändern? Welchen Drud hatte man auf sie ausgeübt, oder welche Lügen hatte man erfunden, um sie zu bewegen, mit Andreas zu brechen, ohne daß man ihm auch nur die Möglichkeit gewährt hätte, fich zu rechtfertigen?

erprobt, daß es nicht gut ist, sich an Herrn von Randal abgemacht und wenn es übrigens auch nicht schwer fällt, mühte, das vermochte er nicht zu verstehen. beranzuwagen, und deshalb ist er nicht mehr wieder- Burschen zu finden, die gefälschte Briefe besorgen, so ist es

Thun bekommen?"

Daß das Bufammentreffen mit Martine Ferrette fie empfindlich hatte beleidigen müffen, sah Andreas sehr wohl ein, daß sie sich aber dabei beruhigte und nicht den wahren Zusammenhang der Szene aufzuklären sich be= Er begann zu vermuthen, daß Herr von Arbois , statt doch nicht leicht, einen Hallunken zu finden, der sich frei seine Vertheidigung zu führen, vielleicht gar zu verstehen " Snwiefern hat er es denn mit Herrn von Raudal zu willig den Kopf entzwei schlagen läßt. Einen der Banditen, gegeben hätte, daß er schuldig sei, nur um ihn unwideruf­hat Herr von Randal nämlich beinahe getödtet. Schließlich von Therese zu trennen. Der Major wollte nicht, daß sie ihn heirathen sollte, lieber Freund, aber ich will es doch thun; Sie sollen zeugen, mein Lieber, und ich verzichte darauf. Glauben " Darauf brauchte ich Ihnen wirklich nicht zu antworten, lich ist es auch nicht meine Aufgabe, Sie zu über­aber weshalb begünstigte er dann Herrn von Nandal? ganz flar sehen. Bernehmen Sie also, daß Therese am Abend bes Sonntags, an dem sie die Unflugheit beging,

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aufzusuchen, noch eine viel schlimmere hinzufügte. In

Sie und thun Sie, was Sie wollen, lassen wir es aber hiermit bewenden. Ich hoffte, Sie zu vernünftigeren Ideen zu bringen. Sie sind aber augenscheinlich nicht aufgelegt, Bernunft anzunehmen, reden wir also nicht weiter. Er Und ohne Andreas Antwort abzuwarten, wendete der

Und weshalb lag diesem Herrn so viel daran, der Schwiegersohn der Frau von Lorris zu werden?

gleitung; zwei Banditen fielen fie an und es wäre ihr sehr lauben Sie mir, daß ich Sie Ihren Gedanken überlasse." entgegengehalten haben, der adlig, reich und wohlangesehen abel ergangen, wenn nicht Herr von Randal zufällig hinzu­

gelommen und die Burschen durch Stockschläge vertrieben Major ärgerlich sein Pferd und setzte ihm die Sporen ein.

Schreie..."

bertheidigte, ohne sie zu fennen. Er kam zufällig zu zusammenzutreffen. Tagen den Boulevard d'Italie entlang.... er hörte

Dieselben Gründe, die Guntram gegen seine Vermäh lung mit Theresen anführte, mußte er doch auch dem Baron war, und Herr von Randal hätte doch ebenfalls ihr Gewicht empfinden müssen. Er war doch nicht in Theresen leiden=

batte. Und sein Verdienst ist um so größer, als er Therese Vielleicht ritt er nach Paris , um dort mit Herrn von Randal schaftlich verliebt, er konnte es ja gar nicht in seinem Alter

Ein merkwürdiger Bufall!"

Andreas fah ihn ohne Bedauern scheiden. Was er fo= eben gehört, regte ihn auf das Tieffte auf, und es war ihm recht, allein zu sein und seine Gedanken zu ordnen.

und mit seiner Erfahrung sein.

"

Wenn es diesem Manne so gleichgiltig ist, daß er die Tochter einer Lorette heirathet, so muß er entweder nicht sein, was er zu sein scheint, muß sein Titel unecht sein,