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Sonntag, den 11. November 1888.

5. Jahrs,

Berliner Volksblatt.

Organ für die Interessen

Berliner

Goetscheint täglich Morgens aufer nach Conn- und Feiltagen. Abonnementspreis für Berlin fret in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Bostabonnement Mart. Einzelne Numme: 5 Pf. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10. ( Eingetragen in der Bostzeitungspreisliste für 1888 unter Nr. 849.)

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rmittags 10 tr. 33:

Redaktion: Beuthstraße 2.-

Nr. 59 besonntage- Blatt" bet.

Der heutigen Nummer liegt für unsere Abonnenten

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der Arbeiter.

Insertionsgebühr

beträgt für die 4 gespaltete Betitzeile oder deren Naum 25 Pf. Arbeitsmarkt 10 f. Bet größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen.

Expedition: Zimmerstraße 44.

Also, eine so hohe Sache, wie das Wohl des Reiches oder eines Bundesstaates, müßte nach dem Gefeße auf dem Spiele stehen, wenn ein Jhring- Mahlow vom Amtsgeheimniß nicht entbunden werden solle. Und nun frage man sich, ob es wirklich das Wohl des Reichs oder eines Bundesstaates gefährdet, wenn die Welt erfährt, daß Subjekte à la Fürst die vertrauenswürdigen" Quellen sind, auf deren Denuns ziationen hin die Gehret, Thring- Mahlow, Engel u. f. w. ihre Angaben unter Beugeneid vor den Gerichten machen? Gewiß, das Wohl jener schuftigen Denunzianten à la Fürst dürfte gefährdet sein, ihr schmutziges Handwert ihnen gelegt werden, wenn das Amisgeheimniß der Polizeibeamten fie nicht wehr decken würde. Was aber hat das Wohl des dem Wohle des bayerischen Staates zu thun? In diesem einen Falle hat ja zwar die Polizei ihre eine zum Schuße des Beschuldigten in dem Geseze festge- genug, sich um Leiber steht aber der Fall, daß durch die Praxis Duelle genannt. Die Polizei war eben unvorsichtig Belle Bestimmung unbeachtet bleibt, durchaus nicht vers das Vorleben des Fürst nicht zu einzelt ba, sondern die Auslegefunft unserer Juristen fümmern, und das Verbrechen gegen die 12 jährige

Und sie spielen eine Rolle, die Aussagen dieser Fürst und Ronsorten, denn nur Subjekte dieser Art geben sich dazu her, unbescholtene Mitbürger zu denunziren und ganz unschuldige Vorgänge in geheimnißvolle und mit dem Strafgesetz tollidirende Thaten umzulügen. Braucht doch keiner dieser dunklen Hintermänner mit seiner Person für seine Aussagen einzustehen, deckt ihn ja doch der zeugende Beamte, den selbst aber wieder das Amtsgeheimniß vor jeder Fährlichkeit schützt.

Bir haben vor etlichen Tagen im Anschluß an einen in Offenburg fich abspielenden Prozeß eine Besprechung der t und Weise, wie in Deutschland über Beschuldigte die widerleglich gezeigt, daß die von Richtern und Staats, anwälten auf diesem Gebiete geübte Praris in direktem Widerspruch mit den gesetzlichen Vorschriften steht, wie sie Nothuchtsverbrechers, Betrügers und Schwindlers Fürst mit Beugen tennen. der§ 112 der Strafprozeßordnung enthäkt.

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aus, so legt Ihr unter" hat es fertig gebracht, ganze Reihe anderer, ebenso flarer Bestimmungen des

Gefeßes so ziemlich in ihr Gegentheil zu verkehren. Einer

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Das ist ein Bustand, wie er unleidlicher gar nicht gedacht werden kann. Jeder Verbrecher, mag ihn nun ein Vatermord schänden, oder er ber Morbbrennerei be­schuldigt sein, er lernt die gegen ihn auftretenden Aug in Auge fann er sich gegen die erhobenen Beschuldigungen vertheidigen. Was aber dem gemeinsten Verbrecher das Gesetz gewährt und sichert, das hat eine wunderbare Auslegungskunst dem wegen angeb­licher Bugehörigkeit zu einem Geheimbund angeschuldigten sozialdemokratischen Arbeiter entzogen, sobald es oberen ihre unteren Organe ihre Informationen ziehen, den Schleier zu ziehen.

Tochter feiner Logisfrau beging er erst, als die Anklage Polizeibehörden beliebt, über die Quellen, aus denen the

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gegen die Geheimbündler" schon erhoben war und der Name des Fürst bereits neben den Zeugen Gehret, Auer u. f. w. auf der 3eugenliste stand. Die Duelle war also bereits aufgedeckt, sie konnte hinter dem Amtsgeheimniß

der schlimmsten Fälle dieser Art ist nun die heute bei nicht mehr in Sicherheit gebracht werden.

häufigen Sozialisten- und Geheimbundss

legten Behörden,

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als 3eugen auftretenden,

Und diefe Deutung der Bestimmungen der Strafprozeß

steht, der öffentlichen Meinung zu denunziren, die ja hoffent lich auch bei uns noch einmal die Kraft finden wird, dieſes wie fo manches andere Uebel in unserem öffentlichen Leben zu beseitigen.

Wir würden die Frage aufwerfen, ob es nicht Auf­gabe des Reichstags wäre, durch eine authentische Inter­pretation des Abfates 2 des§ 53 der R.-St.-Pr.-D. der Progeffen ganz allgemein übliche Weigerung der vor Wer aber steht dafür gut, daß die Quellen, aus denen jetzt beliebten Auslegung dieser Bestimmung ein Ende zu anderwärts geschöpft wird, reiner und besser sind als die, machen. Aber wer wird von dem jeßigen Reichstag einen tergeordneten Polizeiorgane in Bezug auf ihre Be- schöpft hat? Und um solche Dinge zu ermöglichen, um Leute kommen? Es bleibt deshalb nichts anderes übrig, als diesen aus denen der Polizeikommissar Gehret in München ge solchen Schritt erwarten? Was tann von Nazareth Gutes hungen oder die Quellen, aus denen sie ihre Angaben à la Fürst als Gewährsmänner verwenden zu können, da so ungeheuerlichen Bustand, der außerhalb der deutschen pfen, vom Amtsgeheimniß zu entbinden. Erst in dem giebt man dem§ 53 der St.-Pr.-D. die Auslegung, daß Grenzen, in der ganzen gefitteten Welt ohne Beispiel da­ten, vielbesprochenen Münchener Geheimbundsprozeß fam das Wohl des Reichs oder eines Bundesstaats gefährdet werwall olizeibirektion wahrscheinlich aus Vergeßlichkeit ursprüng woher er seine Wissenschaft hat!- werden könnte, wenn ein Gehret oder Engel sagen müßte, lich die fonft allgemein übliche und beliebte Einschränkungs terbekaformel nicht in Anwendung brachte, der zu vernehmende ordnung fommt nicht etwa von irgend einem obsturen Se Bolizeibeamte Gehret sich aber trotzdem weigerte, seine richt her, sondern sie beruht auf Entscheidungen des Reichs­zu nennen, und die Richter sich schließlich herbei gerichts, welches gerade aus Anlaß von Prozessen, in denen Ibends 8s bindend für den 3eugen anzuerkennen. Es ist dies vertrauenswürdigen" Hintermännern und wohl eine der ungeheuerlichsten Vorgänge, die jemals vor finem deutschen Gerichte gespielt haben. In seiner ganzen daß die Berufung auf§ 53 Absatz 2 der Strafprozeß Tragweite wird man ihn aber erst erfassen, wenn man weiß, ordnung zu Recht angewendet sei. Sollten die Er­Wen Behörden überhaupt des Recht einräumt, ihren haben, daß das Einschränkungsrecht, das die Strafprozeß- welche die Chriftliche Seidenwebergesellschaft in Lyon vertreten welchen Voraussetzungen der Gesetzgeber den vor= Beamten Amtsverschwiegenheit aufzuerlegen. Diese Vorsordnung in ihrem§ 53 für Beugenaussagen von Beamten unb diefer lautet in seinem hier ausschließlich in Betracht habe, unter der nachgerade die Sicherheit und Ruhe der chungen find in dem§ 53 der R.-St.-P.-O. niedergelegt zuläßt, eine viel zu weit gehende Anwendung gefunden entpuppen, müssen den Kongreß verlaffen. Andere Mandate

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Lammenben zweiten Absatz:

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Schuße des Amtsgeheimnisses eine Rolle spielte, entschied,

fahrungen der legten Beit nicht zu der Erkenntniß geführt

Der internationale Gewerkschafts- Kongreß

in London .

2. Verhandlungstag( 7. November). Borfigender Shipton, Stellvertreter n feele, Gent . Die Geschäftsordnungs Rommiffion berichtet über die Brüs fung der Mandate. Die Herren Villaret und Ginge, und die fich als Sweaters"( b. h. ausbeutende Mittelsmänner) find noch unter Berathung. Vor dem Eintritt in die Tages ordnung richtet Anseele an das Parlamentarische Komitee

Bürger des Reiches zu leiden beginnt? Mit Recht fragt der T. U. die Anfrage, warum man Deutschland , Genehmigung darf nur versagt werden, das führende Organ ber bayrisch patriotischen Partei:" Desterreich und Rukland vom Kongres ausge wenn die Ablegung des Beugnisses dem Wohle welchen Händen ruht Glück und Ehre so vieler Männer schlossen habe. Die Versammlung hätte durch die Bethel und Familien, wenn die Aussagen eines Fürst eine Rolle ltgung der Deutschen nicht bloß in Bezug auf ihren internatio in politischen Prozessen zu spielen vermögen?" nalen Charakter, sondern überhaupt an Intereffe gewonnen.

eines Bundess

Raates Nachtheil bereiten würde."

Feuilleton.

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Raskolnikow .

Aus dem Russischen übersetzt von Wilh. Hendel.

Roman von F. M. Dostojewski.

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lachte fast unhörbar, wackelte aber mit dem ganzen Körper, bis ihr fast übel wurde.

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Hast Du Dir schon viel Geld ausgedacht? konnte 17 fie endlich hervorbringen. [ 7

Ohne Stiefel tann man nicht gehen Unterricht er­theilen, übrigens spude ich drauf.

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da haft Du Deine drei Kopeken, nun packe Dich ges schwind!

Der Brief zitterte in seinen Händen; er wollte ihn nicht in ihrer Gegenwart öffnen, er wollte mit diesem Briefe allein sein. Als Nastaßja hinausgegangen war, führte er den Brief an seine Lippen und füßte ihn; dann liebäugelte er noch lange mit der Handschrift der Adresse, dieser ihm so bekannten und lieben, feinen, schrägliegenden Handschrift Fürs Unterrichten wird mit Kupfergeld bezahlt. feiner Mutter, die ihn vor Seiten lesen und schreiben ge

Spude Du nicht in den Brunnen!")

fuhr er

Als die Robljuppe gebracht war und er sich darüber nachlässig fort, gleichsam seine eigenen Gedanken be lehrt hatte. Er zögerte, es schien fast, als ob er etwas machte, fette fich Naftaßja zu ihm auf's Sopha und fing antwortend. A plaubern. Sie war vom Dorfe und eine große

Prastowja Pawlowna will Dich bei der Polizei

berklagen, fagte fie. Er schnitt eine Grimaffe.

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Bei der Polizei? Was will sie denn? Du zahlst teine Miethe und ziehst auch nicht aus.

Begreiflich, was sie will.

Bum Teufel, das fehlte auch noch! brummte er Intrschte mit den 3ähnen;

nicht.

nein, das paßt mir jetzt

be heute zu ihr gehen und mit ihr sprechen. Eine dumme Gans ist fie, fügte er laut hinzu. Ich

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fürchte. Endlich öffnete er ihn; es war ein großer, dicker,

Ah, Du möchtest lieber ein ganzes Rapital auf zwei Loth schwerer Brief; zwei große Briefbogen waren mit feiner Schrift und rund herum vollgeschrieben. einmal haben?

Er schaute fie ganz eigenthümlich an.

-

Ja, ein ganzes Rapital auf einmal, antwortete er nach kurzem Schweigen mit fefter Stimme.

Nun, nur nicht so higig, fonft muß man sich ja fürchten! Soll ich Dir jetzt eine Semmel holen?

-

Wie Du willst.

"

Mein lieber Rodja")", schrieb die Mutter, es sind schon zwei Monate verflossen, seit ich mich mit Dir zulett brieflich unterhielt; ich habe selbst barunter gelitten und manche Nacht vor lauter Nachdenken nicht schlafen können. Du wirst mich aber wegen meines unwillkürlichen Schweigens gewiß nicht verdammen. Du weißt ja, wie ich Dich liebe, wir haben ja nur Dich, ich und Dunja**), Du bist unser

Ach, fast hätt' ich's vergessen! Gestern, während alles, unsere Hoffnung, unsere Zuversicht. Was habe ich Du fort warst, tam ein Brief für Dich an.

-

Ein Brief, für mich! von wem?

Von wem er ist, weiß ich nicht. Ich habe drei

Dumm ist sie, das mag schon wahr sein, ebenso Ropeken für den Briefträger ausgelegt; wirst Du sie mir Einkünfte aufgehört hatten. Wie hätte ich Dir auch mit

gar nichts mehr?

So bring' ihn doch, um Gottes willen, bring' ihn

Du Kindern Unterricht ertheilt, weshalb thuft Du denn her! rief er in voller Aufregung, Herr, Gott !

unwillig.

-Ich thue was... brummte Raskolnikow bars aus dem R- schen Gouvernement.

Was thust Du denn? Eine Arbeit. Was für eine Arbeit? Ich bente!... antwortete er ernsthaft.

-

Der Brief erschien; er war wirklich von der Mutter, Als er ihn empfing, wurde er sogar blaß. Lange schon hatte er feine Nach richten von Hause erhalten, jest aber schnürte ihm plötzlich noch etwas anderes das Herz zusammen.

Raftagja wollte fast vor Lachen plagen. Sie war eine b Berfchiedenen, die man leicht zum Lachen bringen kann; fiel müffen;

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Naftapja, um Gottes willen, geh' jett fort;

*) Spude nicht in den Brunnen- Du wirst daraus trinken - ein ruifisches Sprichwort.

ausgestanden, als ich erfuhr, daß Du schon seit einigen Monaten die Universität verlassen haft, weil Du keine Existenzmittel mehr hatteft und Deine Stunden und übrigen meiner Penfion von jährlich hundertzwanzig Rubel helfen können? Die fünfzehn Rubel, welche ich Dir vor vier Monaten schickte, hatte ich, wie Du selbst weißt, in Rech nung dieser Penfion bei unserem hiesigen Kaufmann Waffilij Iwanowitsch Wachruschin geborgt. Er ist ein guter Mensch und war noch ein Freund Deines Vaters. Aber nachdem

ich ihm das Recht auf den Empfang meiner Pension über­tragen hatte, mußte ich warten, bis meine Schulb getilgt war, und das ist erst jetzt geschehen, so daß ich Dir während

*) Rodja- Schmeichelform für Rodion. Dunia, Dunetschta, Schmeichelform für Awdotja( Eudoria).