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ngsbungemak luni 5. Jahrg,

Berliner Volksblatt

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Organ

für die

Interessen der Arbeiter.

Das Berliner Boltsblatt"

cat täglich Morgens aufer nach Sonn- und Festtagen. Abonnement@ gris für Berlin fret b's baus vierteljabrlich 4 art, monatli 1,35 Mart, wichentlich 25 f. Beftabonnement Mart. Einzcine Nummer 5 1. Sonntag Remmer mit dem Somniegt- Blatt 10 T. ( Eingetragen in der Bofzeitungspreise für 1883 under. 849.)

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Für den Monat Dezember eröffnen wir ein neues Abonne- scher Freiheit.

nebst dem wöchentlich erscheinenden Sonntagsblatt.

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Expedition: Zimmerstraße 44.

Verständniß haben, und wollen auch dafür angesehen wer ben, als seien fie empfänglich für die Forderung politi­

Freilich, wenn eine solche Partei nach so langem Be­ftande noch bestrebt sein muß, sich erst in den Ruf wirk­

Berliner Volksblatt" lider Freifinnigkeit zu bringen, dann ist es schon übel obachtet werden. Sehr ſchön! Bisher haben die Herren

Das Berliner Volksblatt" vertritt in jeder Beziehung ble intereffen der wertthätigen Bevölkerung. Jest, wo hoch wichtige Reichstagsverhandlungen, die das Intereffe der Arbeiter höchsten Grade berühren, vor der Thür stehen, ist es Pflicht eines Jeden, dem das Wohl der Arbeiter am Herzen liegt, ein Degan der sozialdemokratischen Arbeiterpartei zu lesen.

Nicht die Organe spekulativer Kapitalisten werden die Ar

beiter über ihre eigentliche, jammervolle Klaffenlage auftlären,-

Begentheil, fte haben ein ausgesprochenes Inter fe daran, cabe das arbeitende Boll in der Gleichgiltigkeit zu erhalten. Sur unwiffende Leute find willige Objekte der Ausbeutung und Scofitfucht unserer Gegner.

Darum, Arbeiter Berlins , fort mit den Bourgeoisblättern, benen Ihr täglich beschimpft und verspottet werdet, schaart

Guch in der bewegten Belt, die nahe bevorsteht, um Euer Organ, welches Euch nun schon seit Jahren treu zur Seite steht, welches entwegt eintritt für die Freiheit und Emanzipation des erlthätigen Bolles!

Im Feuilleton unseres Blattes veröffentlichen wir den be mten Roman des russischen Realisten Dostojewsti:

Raskolnikow.

Neu hinzutretenden Abonnenten wird der bisher erschienene Theil des Romans gratis nachgeliefert.

Der Abonnementspreis beträgt frei ins Haus monatlich Mark 35 r., wöchentlich 35 Pf. Bei Selbstabholung njerer Expedition, Bimmerstraße 44,

1 Mark pro Monat. Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren,

Begengenommen.

mit ihr bestellt und sie kann bei denkenden Leuten auf kein Vertrauen mehr rechnen. Aber die Frei­sinnigen sind auch schlechte Musikanten, denn die Kund gebung, durch welche fie ihre Aufrichtigkeit betheuern wollen, ift so ungeschickt abgefaßt, daß man ohne Mühe erkennen kann, wie der Partei es nur um den Schein volksthüm licher und freisinniger Tendenzen zu thun ist.

Es find drei Refolutionen, welche die Freifinnigen im Reichstage eingebracht haben. Die erste verlangt Ge werbegerichte, gewählt zu gleichen Theilen aus Ar­beitgebern und Arbeitnehmern in geheimer und gleicher Ab­stimmung. Gut; damit sind wir gewiß einverstanden. Die zweite Resolution verlangt einen Nachtrag zur Gewerbeord. nung ,, behufs Ausbildung der Arbeiterschuh­gefeßgebung in Ansehung der Frauen und Kinderarbeit". Hier beginnt schon die Heuche lei, wie wir zeigen wollen.

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Trugbild des Freisinns" völlig entschleiert. Die freisinnige Resolution verlangt, der Reichskanzler solle darauf hins wirken, daß die verbündeten Regierungen ihre Behörden mit Instruktionen versehen, dahin gehend, daß die§§ 9 und 28 des Sozialistengefeges in Bukunft genau bes Freifinnigen immer den Glauben zu erwecken gesucht, sie feien Gegner des Sozialistengesetzes; nun wollen sie auf einmal dasselbe genau ausgeführt haben. den fagen, daß fie damit bewirken wollen, daß die Behörden die ihnen vom Sozialistens gesetz verliehenen Befugnisse nicht zu weit ausdehnen. Allein man weiß, daß das Charakteristische des Sozialistengesetes eben gerade darin besteht, daß es den Behörden in gewiffen Dingen fast unbeschränkte Befugnisse giebt. Das Ausnahmegesez fann in seinem Geiste" nach allen Richtungen interpretirt werden. Wir wollen nur den anges zogenen§ 28 herausgreifen. Derselbe handelt von der Verhängung des sogenannten fleinen Belagerungszustandes und seine Hauptbestimmung ist, daß Personen, von denen eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu besorgen ist", der Aufenthalt in den Orten versagt werden kann, wo der § 28 zur Anwendung kommt. Daraus geht denn doch ganz klar hervor, daß es ganz allein der Behörde zukommt, darüber zu bes finden, von welchen Personen eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" zu besorgen ist, und es kann gegen eine solche Maßregel auch keine höhere Instanz ans gerufen werden. Es will also gar nichts heißen, wenn man die Behörden auf genaue Beobachtang dieser gesetzlichen Vor­schriften verweift, denn diese laffen den Behörden völlig freien Spielraum. Sonach ist die fortschrittliche refp, frei finnige Resolution nur eine armselige Spiegelfechterei, die fogar ein indirektes 3ugeständniß an das Sozialistengesetz enthält. Die Freisinnigen kommen, wie es scheint, noch hinter die Nationalliberalen zurück. Denn diese verlangten vor mungen, die Freifinnigen aber wünschen, daß sie genau ausgeführt werden. Auch eine neue Art von Freifinnigs keit", mit welcher die ,, Kreuz- 3eitung" völlig eins verstanden sein dürfte.

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Tomie von der Expedition unseres Blattes, Simmerstraße 44, ent punkt die Regierung in der Frage der Arbeiterschutzgesetz einiger Zeit die Aufhebung der Ausweisungsbestim

für den Monat Dezember gegen Bahlung von 1 M. 34 Pf. an. Für außerhalb nehmen sämmtliche Bostanstalten Bestellungen die Redaktion und Expedition des

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Berliner Volksblatt".

Politische Heuchelet.

Bekanntlich hat sich in der freisinnigen Partei eine fleine Gruppe gebildet, welche den groben Manchesterlehren entfagen will. Die erste Probe der freifinnigen Sozial politik zeigt nun schon, mit welchem Widerwillen die Partei an diese Fragen geht. Mit dem Ausdruck Arbeiterschutz­gefeßgebung" ist nicht viel gesagt, seitdem die Parteien ihn der Sozialdemokratie entnommen und ihn als Schlagwort so sehr gemißbraucht haben. Aber die Freifinnigen fagen nicht einmal, welcher Ar die Maßregeln fein sollen, welche sie in Bezug auf die Frauen und Kinderarbeit er­greifen wollen. Sie machen es sich bequem und überlassen es der Regierung, Vorschläge zu machen. Dabei stellen sie als wüßten fie gar nicht, gar nicht, welchen Stand­sich, gebung einnimmt. Und doch wissen sie so gut wie wir, baß die Norddeutsche Allgemeine 3eitung" schon wiederholt den Standpunkt der Regierung in dieser Frage präzisirt hat. Die Regierung hat keinen 3weifel darüber gelassen, daß sie sich vorläufig zur weiteren Aus bildung der Arbeiterschußgefeßgebung ablehnend vers hält. Wenn man also auf diesem Gebiete ernsthaft vor­gehen will, so muß man selber Vorschläge machen und muß durch die Initiative des Parlaments die Regierung vor­wärts zu treiben suchen, wennschon wir glauben, daß auch auf diesem Wege nur wenig zu erreichen ist. Aber bie Art, wie die Freisinnigen ihre Resolution formulirt haben, be­Schein zu erwecken, als neigten sie zu weiterer Ausbildung

Die Herren Freisinnigen haben wieder einmal and Rauschen des Beitgeistes etwas verspüren. Sie wollen weist, daß es ihnen nur darum zu thun ist, den bieber einmal das Bolt glauben machen, ihre Partei vers

wirklich den Namen, den sie ihr beigelegt haben.

Sie wollen beweisen, daß fie für die Arbeiterfraged In Bezug auf das Sozialistengeset wird das

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Regent serbaton.]

Feuilleton.

Raskolnikow.

Roman von F. M. Dostojewsti.

Aus dem Nuffischen übersetzt von Wilh. Hendel

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Stunden lang war er also gewandert. Welche Wege er

er heim fam, war es schon Abend; sechs

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und her!... Aber weshalb denn, wofür denn und mit welchem Recht?" wiederholt er fich und glaubt verrückt zu werden. Aber nein, er hört es ja deutlich! Also wird man gewiß auch gleich zu ihm kommen, denn, das ist doch für das von gestern. gewiß nur dafür Herr Gott !" Er will die Thür zuhaken, kann aber den Arm nicht erheben... und dann wäre es ja auch nuglos gewesen. Die Angst lag wie ein Eisblod auf seiner Endlich Seele, hatte ihn erbrüdt, erstarrt... Ende... nach und nach wurde es ruhiger, etwa zehn Minuten lang mochte es gewährt haben. Die Wirthin

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Mit diesen Refolutionen werden die Freifinnigen das Gegentheil von dem erreichen, was sie davon erhoffen. Sie wollen sich mit den drei Resolutionen wie mit einem oppositionellen, demokratisch- liberalen Mäntelchen drapiren und in Sozialpolitik machen. Das Mäntelchen ist aber so fadenscheinig, daß es nichts verbergen kann, und man sieht beutlich wieder die politische Heuchelei, die sich unter dem Mäntelchen hat verstecken wollen.

Die Arbeiter werden über solches Gebahren mit nicht mißzuverstehenden Geberden zur Tagesordnung über gehen.

Tatiq bir nol

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Wer soll denn die Wirthin gefchlagen haben? Vorhin, vor einer halben Stunde, auf der Treppe, Ilja Petrowitsch, der Gehilfe des Polizeiauffehers. .. weshalb ist er Weshalb hat er fie so geprügelt und gekommen? Nastaßja runzelte die Stirn und fah ihn lange schwei­gend an. Dies Anftarren wurde ihm unangenehm und ängstlich. Naftaßja, weshalb schweigst Du denn? fragte er schüchtern und mit schwacher Stimme.

genommen hatte, wußte er nicht mehr. Er entfleidete sich, ächzte und stöhnte, Ilja Petrowitsch drohte und schimpfte wie mit sich selbst sprechend. bebedte fich mit seinem Ueberrod und verfiel der Bewußts mehr; sollte er fort gegangen sein? Herr Goit! Legte ich, zitternd wie ein abgehettes Pferd, auf's Sopha, noch. Endlich ist auch er still geworden, man hört ihn nicht

wieber

Ein fürchterliches Geschrei brachte ihn plöglich u fich. Gott , was war das für ein Geschrei! Solch

Ja, auch die Wirthin entfernt fich, noch immer stöhnend und weinend... jezt wird bei ihr die Thür zugeschlagen. weinend... Die Menge zerstreut sich man hört noch ächzen, ftreiten,

annatürliche Zone, solch Geheul, Geftöhn, Geknirsche, Weinen, zurufen, theils schreiend, theils flüsternd. Es müssen sehr Schläge und Schimpfworte hatte er noch nie gehört. Er viele dagewesen sein; das ganze Has war zufammen gelaufen. Lonnte fich ein solches viehisches Treiben gar nicht denken.

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Aber, um Gotteswillen, ist denn das möglich!... und

In fürchterlicher Angst richtete er sich empor und setzte sich weshalb, weshalb geschah es!" auf; er litt unbeschreiblich. Das Prügeln, Schreien und Fluchen wurde immer ärger. Plöglich unterschied er, zu feinem größten Erstaunen, die Stimme seiner Hauswirthin. Sie heulte, winfelte und betete hastig, verschluckte die Worte, lo baß man nichts verstehen konnte, aufhören möchte sie zu schlagen; denn es schien, als ob fie

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flehte, daß man doch

Raskolnikom fiel entfräftet auf das Sopha nieder, fonnte aber die Augen nicht mehr schließen; eine halbe Stunde etwa lag er in solch einem Zustand, in solch einem Gefühl des unausstehlichsten, grenzenlofesten Schreckens, wie Plöglich wurde es hell er ihn noch nie empfunden hatte. in seiner Stube, Najtaßja fam mit einem Licht und einem

auf der Treppe unbarmherzig geprügelt würde. Die Stimme Teller voll Suppe herein. Nachdem sie ihn aufmerksam be

Buth. Plötzlich erkannte Raskolnikow diese Stimme, es war Slja Petrowitschs. Ilja Petrowitsch war da und prügelte den Tisch.

Das ist das Blut... sagte sie endlich leise und Blut?... was für Blut?... murmelte er, ers bleichend an die Wand rückend.

Naftaßja fuhr fort, ihn zu firiren. 07

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Es hat niemand die Wirthin geschlagen, sagte fie endlich streng und mit entschiedenem Ton. Er blidte fie an und athmete kaum.

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Ich hörte es doch.... schlief nicht... ich saß auf, sagte er noch schüchterner. Ich habe lange gehorcht. Der Gehilfe des Polizeiaufsehers war es... Auf der Treppe find alle zufammen gelaufen

Es ist niemand dagewesen! Das ist das Blut, welches bei Dir rumort. Wenn es keinen Ausweg hat und flockt, dann kommt einem solcher Unsinn ins Gehirn. Wirst Du nun etwas essen?

bes Brügelnden war heiser und schrecklich vor 3orn und trachtet und gesehen hatte, daß er noch wach sei, ftellte te Sie ging hinunter und brachte ihm Waffer; weiter

ber

-

Die Hauswirthin, Ropf auf die Stufen am Beftöhn, an den Schlägen! Was ist das! geht die Welt unter? Man hört die Menschen aus allen Stockwerken, von tonen; man läuft, flopft, schlägt die Thüren zu, rennt hin ganzen Treppe zusammenlaufen, Stimmen, Ausrufe ers

er stößt sie mit Füßen, schlägt ihren

- das ist llar, man hört es am Ton

das Licht hin und stellte Brot, Salz, Teller und Löffel auf

Du hast gewiß wieder seit gestern nichts gegeffen, und Dich den ganzen Tag umhergetrieben, während Dich das Fieber schüttelte.

-

schlagen!

Nastasja. weshalb hat man die Wirthin ge

Sie schaute ihn aufmerksam an.

Er antwortete nicht. Nastaßja stand noch eine Weile da und schaute ihn an. Trinken. Nastaßjuschka.

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-

fonnte er sich an nichts mehr erinnern. Nur daß er einen Schluck genommen und fich dabei begoffen hatte. Dann verlor er wieder das Bewußtsein.

III.

Während seiner Krankheit war er nicht immer be­finnungslos, es war ein fieberhafter Bustand, der mit De­lirien und theilweisem Bewußtsein abwechselte. Manches