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Mittwoch, den 19. Dezember 1888.

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5. Jahrs.

Berliner Volksblatt.

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Organ für die Interessen der

Das Berliner Volksblatt"

efcheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's baus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Bf. Bostabonnement 4 Mart. Einzelne Nummer 5 Bf. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Bf. ( Eingetragen in der Bostzeitungspreisliste für 1888 unter Nr. 849.)

Redaktion: Beuthstraße 2.

Industrieverträge.

In die Agitation für internationale Regelung des Arbeiterschutzes ist ein ein neuer Vorschlag gekommen, von dem schon aus praktischen Gründen Kenntniß zu nehmen ist. Das Zentralfomitee des schweizerischen Grütlivereins hat vor einiger Zeit durch seinen Präsidenten, Herrn Scherrer in St. Gallen , an den Bundesrath in Bern eine Eingabe richten lassen, welche den 3weck verfolgt, auf dem Gebiete der internationalen Arbeiterschutzgesetz gebung endlich vorwärts zu fommen oder mindestens doch einmal einen Anfang zu machen. Diese Eingabe ist so intereffant, daß wir sie zum Theil hier wiedergeben wollen. Das Wort macht die Sache", heißt es in der Eingabe. Spricht man von Fabrikgesetz und Arbeiterschutz, so fommt natürlich überall die Meinung auf, man wolle speziell nur ausschließlich im Interesse der Arbeiter Verein barungen schließen, und diese falsche Auffassung kann schon ganze Boltsklassen, die sich nicht ernstlich mit der Frage befaffen, und wohl auch Regierungen der Sache abgeneigt machen. Es liegen aber diese Bestrebungen ebenso sehr im Interesse des Industrietapitals wie der Arbeiter ( Beseitigung der die Waarenpreise schädigenden Ueberpro­buftion was einzig durch internationale Abmachungen zu erreichen ist), man gebe also dem Rinde den rechten Namen, damit jedermann weiß, daß es sich bei der Sache um die Interessen aller bei der Industrie betheiligten Kräfte handelt, nicht etwa ausschließlich um den Schuß ber Arbeiter.

-

Ueber die Art, wie die Sache praktisch in die Hand genommen werden soll, läßt sich die Eingabe in sehr be­herkenswerther Weise aus. Das Programm Decur. tius wird ungefähr richtig fein bezüglich der Punkte, über welche internationale Uebereinkommen denkbar sind. Es lönnen nur Punkte in's Programm aufgenommen wer den, bei denen ein Interesse an der internationalen Regelung vorhanden, wo vermöge der gleichmäßigen Ents widelung der Gesetzgebung und der Uebereinstimmung zwischen den Betheiligten und den Vertretern der Wissen­fchaft ein Resultat denkbar ist, und wo es sich um Uebel­stände handelt, die auf nationalem Boden nicht zu beseitigen find. Ein bescheidenes Programm ist gut; aber auch dieses bescheidene Programm wird nicht auf einmal verwirklicht werden; es giebt feinen internationalen Gesetz­geber.

Bon diesem Gesichtspunkte aus wird befürwortet, durch den futzessiven Abschluß von Verträgen, die nur ein­zelne Punkte regeln, also Schritt um Schritt, die Frage ihrer Lösung zuzuführen. Ein Vertrag zwischen mehreren Staaten über Einschränkung der Sonntagsarbeit und Frei­gabe des Sonnabend Nachmittags für die Frauen scheint uns denkbar. Man sollte mit der leichtesten Aufgabe

agend carbs.]

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Feuilleton.

Raskolnikow.

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Roman von F. M. Dostojewsti. Aus dem Ruffischen überseht von Wilh. Hendel Hören Sie' mal, Herr Rasumichin, Sie vergessen .. begann Pulcheria Alexandrowna. Ja, ja, Sie haben recht, ich habe mich vergessen fchäme mich! fiel Rasumichin bereuend ein,

ich

aber

-

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aber

...

Sie dürfen mir nicht böse sein, daß ich so spreche!

-

Ipomo

Arbeiter.

Insertionsgebühr

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beträgt für die 4 gespaltete Betitzeile oder deren Raum 25 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bf. Bet größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaur, one Erhöhung des Preises, angenommen.

Expedition: Zimmerstraße 44.

reicht wäre. Aehnlich ließe sich der Uebergang mit Bezug auf den Arbeitstag gestalten u. f. f. Je mehr man die Härten im Vertrag mildert, desto sichere Aussicht auf Annahme wird derselbe gewinnen, ohne daß doch das ganze Unter­nehmen dadurch nennenswerthen Schaden litte.

beginnen. Der eventuelle Erfolg wird zu weiteren Schritten| den, bis der Altersansatz des internationalen Vertrages er anspornen. Auch das internationale Verbot einzelner fleiner aber gesundheitsschädlich wirkender Industrien oder Prozesse und Verfahren( gelber Phosphor) dürfte nicht besonders schwer halten. Mit den einschneidenden Reformen darf man nicht beginnen, weil ein Fiasko zu befürchten wäre, starte Opposition sich bildete und zwar trotzdem, daß die Fabritgefeßgebung fast überall mit dem Rinderschutze begonnen hat. Vielleicht zuletzt wird die dringendste Frage zur Lösung kommen, die des internationalen Arbeiter tages.

In Bezug auf den Sonntag follte es wohl möglich fein, den breitesten Schichten der Bevölkerung die Sonntagsruhe zu gewähren. Das Verbot gesundheitsschäd­licher Industrien bewahrt nur die engsten betheiligten Kreise; ein internationaler Arbeitstag ließe sich vielleicht einmal bei einem bereits organisirten Industriezweig, wie der Stickerei( Stickereiverband) versuchen; der internationale Staatsvertrag träte hier lediglich ergänzend zum inter nationalen Privatvertrag hinzu. Ganz unthunlich scheint dagegen dem Sentralfomitee ein Einbeziehen des Gewerbes unter die internationalen Vereinbarungen und auch die ausindustrie sollte man vorderhand außer der Sache lassen. Für internationale Verträge fehlt bei solchen Gewerbsleuten noch ganz das Verständniß; auch tönnten Verträge ihre Ronkurrenzfähigkeit gegenüber der Großindustrie nur noch weiter herabfeßen.

Es scheint uns gegeben zu sein, heißt es in der Ein gabe ferner, daß Induftrieverträge, wo es sich um Alters. grenzen oder Arbeitsstunden handelt, nur Marimal. oder Minimal grenzen aufstellen, nicht feste Sagungen machen. Es soll 8. B. ein Minimalalter von Rindern, die in Fabriken arbeiten dürfen, ein Marimalarbeitstag für Minderjährige und ebenso für Erwachsene aufgestellt wer ben, innerhalb dieser Grenzen aber nur der Gefeßgebung der einzelnen Staaten vollkommen freier Spiels raum verbleiben. Vielleicht will ja ein Staat die Arbeits­zeit noch weiter herabsetzen, die Kinder bis zu einem höheren Alter schüßen u. s. w. in England und Amerika existirt vielfach schon der beständige Arbeitstag, den man nicht wird aufgeben wollen, der aber um so beffer durchgeführt werden kann, wenn ein internationaler allgemeiner Industriearbeits­tag von 10-11 Stunden besteht.

Sodann dürfe es sich empfehlen, denjenigen Staaten, welche durch Vertrag gezwungen werden, den Arbeitstag abzukürzen, Rinder nur noch in einem höheren Alter in die Fabriken gehen zu lassen u. s. w., eine Uebergangs. zeit zu bewilligen. Von vornherein müßte man Rinder, welche schon in Fabriken arbeiten, fortarbeiten laffen,(?) nachdem sich einmal die Eltern auf diesen Erwerb einge richtet haben. Das Minimalalter könnte periodisch um ein halbes oder ganzes Jahr( England z. B.) herabgesetzt wer­

alles vergeben. Haben Sie mir auch vergeben? Ja?... Nun, dann kommen Ste. Diesen Korridor kenne ich, hier war ich schon; grade hier, in Nummer brei, war ein Standal... Nun, wo ist Ihre Stube, welche Nummer haben Ste? Acht? So, verriegeln Sie sich, lassen Sie niemand herein. In einer Viertelstunde bringe ich Bericht, und dann, nach einer halben Stunde, komme ich nochmal, mit Soffimow; Sie werden sehen, ich eile, adieu!

Mein Gott, Dunetschta, was wird daraus noch werden? sagte Pulcheria Alexandrowna, aufgeregt und ängst lich sich an die Tochter wendend.

Beruhigen Sie sich, Mütterchen, antwortete Dunja, Hut und Mantille ablegend, Gott felbft hat uns diesen Mann geschickt, ich versichere Sie, man fann ihm vertrauen, obschon er eben erst von einem Gelage hat...

Des ferneren bespricht die Eingabe das hervorragende Interesse der Schweiz am Bustandekommen solcher Industrie verträge, wobei fie besonders auf das zollpolitische Moment aufmerksam macht.

Die Schweiz ist nicht nur das Industrieland mit dem fortgeschrittenften Arbeiterschutz, sondern auch das durch die Bölle der Rachbarstaaten am schwersten geschädigte Land. Die Nachbarn wollten durch den Schutzzoll( neben der in­direkten Absicht auf vermehrte Staatseinnahmen) die eigene Industrie heben durch Wahrung des Marktes. Sie haben das Biel nicht erreicht, sondern lediglich die inländi­che Ronfurrenz großgezogen. Während der Schutzoll so das Erträgniß des Industriekapitals nicht be­rührt hat, so müssen dagegen die internationalen Industrie­verträge den Erfolg haben, den Werth der Arbeit wie bes Rapitals zu heben und die Rauf= traft zu fördern. Sie realisiren das Biel, das man mit den Schutzöllen vergeblich angestrebt; fie fördern, um im Bilde zu sprechen, den Blutumlauf im sozialen Körper und beseitigen bie Unregelmäßigkeiten des Stoffwechsels.

Dringt diese Erkenntniß bei den Völkern durch, dann wird sich auch der Sturm gegen die Schuh­8ölle erheben( so schwer fie abzuschaffen find, nachdem man fich auf die neuen Einnahmen eingerichtet hat). Diese Erkenntniß wird aber gerade gefördert durch die Arbeit für internationale Induftrieverträge. Die Schweiz fann faum eine beffere Waffe finden, um gegen den Schutzzoll anzu fämpfen und ihn allmälig zum Falle zu bringen, als wie die Bestrebungen für internationale Industrieverträge ihr bieten."

Dabei empfiehlt aber die Eingabe, nicht die Meinung aufkommen zu lassen, als ob die Schweiz folche Verträge wünsche, weil sie sich durch ihr Fabritgefet be engt fühle und aus der Klemme kommen möchte; es ist bas nicht richtig, das Fabrikgesez hat sich eingelebt und war der Großindustrie entschieden förderlich. Man muß allseitig überzeugt sein, daß die Schweiz durch solche Verträge im gleichen Maße, wie das eigene, so auch das Intereffe der vertraglich verbundenen Staaten schüßen und heben will."

An die Befürchtung einzelner Professoren, es tomme bei der ganzen Sache nichts heraus, glaubt die Eingabe nicht: Die Frage und die Erkenntniß ihrer Bedeutung hat in allen betheiligten Kreisen große Fortschritte gemacht, ebenso die Fabrikgesetzgebung in den einzelnen Ländern; die verschiebenen intereffirten Staaten böten kaum größere Ber

fürchtete von dieser Angelegenheit ausführlicher zu sprechen. Dunja umarmte und füßte fie, die Mutter drückte fie schweigend und innig an ihr Herz. Dann, Nasumichin's Rückkehr unruhig erwartend, setzte sie sich nieder und ver folgte mit schüchternen Blicken die Tochter, welche in Ge­banken versunken und die Arme gefreugt auf und ab_ging. Dies gedankenvolle Hin und Hergehen war eine Eigens thümlichkeit Awdotja Romanownas und ihre Mutter hütete fich wohl, fie in ihrem Nachdenken zu stören.

Denn ich spreche aufrichtig, und nicht etwa weil... hm!. das wäre gemein; mit einem Wort, nicht deshalb, weil ich kommt. Und was er schon alles für den Bruder gethan Schönheit

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meine Damen,

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Thränen traten in ihre Augen.

Nein, es ist nicht das, Mütterchen; Sie haben ihn nur nicht genau beobachtet, Sie weinten ja immer. Er ist von der schweren Krankheit noch sehr angegriffen und nervös,

- das ist alles!

Rafumichin war mit seiner plöglichen, in der Trunken­heit entbrannten Leidenschaft für Awdoija Romanowna nas türlich lächerlich, betrachtete man aber diese lettere, wie fie jest fummervoll und finnend auf und ab schritt, so konnte man ihm, von seinem exaltirten Bustand ganz abgesehen, wohl verzeihen. Awbotja Romanowna war eine auffallende groß, wundervoll gewachsen, kräftig und selbst= bewußt, was sich in jeder ihrer Bewegungen ausprägte, denselben aber durchaus nicht Weichheit und Grazie raubte. Ihr Gesicht war dem des Bruders ähnlich, man fonnte sie ber Bruder, bunkelbraunes, nur ein wenig helleres Haar, ihre Augen waren fast schwarz, feurig, stolz, aber zuweilen, auf Momente, boch äußerst gutmüthig; obschon bleich, fah fie doch nichts weniger als tränklich aus; im Gegentheil, ihr Geficht strahlte von Frische und Gesundheit. Ihr Mund war etwas flein , ihre untere, frische und rothe Lippe stand ein wenig hervor, ebenso auch ihr Rinn, die einzige Un regelmäßigkeit in diesem schönen Gesicht, die ihm aber einen besonderen Charakter, etwas wie Hochmuth, verlieh. Der Gesichtsausbrud war nachdenklich und mehr ernst als heiter; aber wie gut fland diesem Gesicht ein Lächeln oder ein heiß jugendlich- heiteres, unbefangenes Lachen. Daß der blutige, offene, einfache, ehrliche, redenhaft mächtige trunkene Rasumichin, der nie etwas ähnliches gesehen hatte, beim ersten Anblide den Kopf verlor, war leicht erklärlich. Dazu tam noch der Umstand, daß er sie in dem schönen das mit dem Bruber

Sie... hm, nun, ich will es meinetwegen nicht sagen Ach, Dunetschka, weiß Gott , ob er wieder kommt! eshalb, ich getraue mir nicht... Aber, wir alle fühlten Dorbin, als er eintrat, daß er nicht zu unserem Kreise gehöre. Wie konnte ich mich nur überreden lassen, fortzugehen!... Nicht etwa deshalb, weil er sich beim Roiffeur hatte frisiren Daß ich ihn so wieder finden würde, konnte ich mir doch mit Fug und Recht eine Schönheit nennen. Sie hatte, wie allen, nicht deshalb, weil er sich beeilte, seinen Verstand gar, gar nicht denken! Wie er mürrisch war, grab' als ob Leuchten zu laffen, sondern deshalb, weil er ein Laurer, ein ihm unsere Ankunft ungelegen sei... Spetulant ift; weil er ein Jude, ein Heuchler ist; man sieht es ihm ja an. Sie glauben wohl, er sei geschickt? Nein, ein Narr ist er, ein ausgemachter Narr! Und das sollte ein Mann für Sie sein? oh! mein Gott!... Sehen Sie, - er blieb auf der Treppe stehen, an genommen alle, die da jetzt bei mir zu Hause fizzen, find betrunken, aber sie sind wenigstens alle ehrlich; und wenn fo lügen wir uns endlich doch zur Wahrheit hindurch, denn bir auch vielerlei zusammenlügen, denn ich lüge auch mit, nicht auf bem eblen Weg. Obschon ich jene vorhin tüchtig gefchimpft habe beshalb aber achte ich fie bennoch; sogar Sametom, ben ich zwar nicht achte, aber doch liebe, benn­rift noch ein junger Röter! Dieses Rindvich sogar, Sof

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Oh, diese Krankheit! Was daraus nur noch werden mag!... und wie er mit Dir gesprochen hat, Dunja! fagte die Mutter, der Tochter schüchtern in die Augen blickend, um deren Gedanken zu errathen; sie war übrigens zum Theil schon dadurch getröstet, daß Dunja felbft den Bender in Schuß genommen, folglich ihm schon vergeben hatte. Ich bin überzeugt, er besinnt sich morgen anders," fügte fie hinzu, um die Tochter noch mehr auszuforschen.

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Ich jedoch bin überzeugt, daß er morgen das näm

fimom, benn er ist auch ehrlich und kennt sein Fach... Doch lich sagen wird... von jenem;

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genug, was ich auch alles gesagt haben mag, Sie haben mir nowna; und daran hatte die Mutter genug, denn sie erblickt hatte. Später sah er dann, wie ihre Unterlippe bei