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Freitag, den 23. August 1889.

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Berliner Volksblatt.

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Organ für die Interessen der Arbeiter.

deint täglich Morgens außer nach Sonn- und Fefttagen. Abonnementspreis für Berlin frei Haus vierteljährlich 4 Mart, nonatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Pf. Bei Abholung aus unserer pedition Simmerstraße 44 1 Mart pro Monat. Postabonnement 4 Mart pro Quartal. Sie das Ausland: Täglich unter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mart pro Monat. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1889 unter Nr. 866.)

Das Berliner Volksblatt"

Redaktion: Beuthffraße 2.

Unsere Industrie.

Mit Recht rühmt man die Wunder, welche die moderne uftrie geschaffen, und wenn man den Großbetrieb der

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Insertionsgebühr

beträgt für die 4 gefpaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs­Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3-7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. Fernspredjer: Amt VI. Nr. 4106.

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Expedition: Bimmerffrahe 44.

daran denkt der oberflächliche Beobachter nicht oder will nicht baran denken.

Besonders in Entzücken verfällt das Philisterthum, wenn

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fahrt zu Theil wurde, verbirgt sich das Elend, welches die Bergarbeiter zum Massenstreit trieb. Da soll man den Mund nicht so voll nehmen!

die Bewunderung, die der deutschen Industrie von einem Franzosen zu Theil wird, so wenig Werth legen. Das mögen sie immerhin. Aber sie werden uns nicht davon ab­halten, die Dinge zu nehmen wie ſie ſind, unb to werbent

Neuzeit mit den Bergbetrieben des Mittelalters vergleicht, Lob und sein Erstaunen zollt. Man beachtet nicht, daß, je treiben, werden es sehr unpatriotisch" finden, daß wir auf wird man den ungeheuren Fortschritt erkennen, den die großartiger diese Industrie sich nach Außen entfaltet, desto ilifute Welt in den letzten Jahrhunderten gemacht hat fläglicher die inneren Zustände derselben werden. unaufhaltsam ist trotz aller rückläufigen Strömungen haben schon oft darauf hingewiesen, an welcher inneren anderen Gebieten. Aber gerade die ureigenſten Söhne Fäulniß gerade die deutsche Industrie leidet, indem sie ihre Butter als Stieffinder behandelt. Sie müssen nicht nur diese Siege zu Niederlagen machen. Diese Industrie drückt Siege" auf dem Weltmarkte mit Mitteln erfämpft, welche Produktionsprozesse den Mehrwerth abgeben; auch von im eigenen Lande die Lebenshaltung der Arbeiter aufs Lobe und der Anerkennung, die der modernen In- Außerste herab und fördert den Mangel an Konsumtionsfähig- garantirt. Rehrwerth" ein. Man erinnert sich ganz zuletzt an die Umstand, daß einige Unternehmer durch raschen Absatz ihrer keit, wogegen die Nation einen Schutz finden soll in dem Daar, ohne gen Hände, welche die Wunderwerke der Industrie ge- Waaren auf dem Weltmarkt sich bereichert haben. Wir affen; man denkt nicht an die Leiden und Entbehrungen ngeblich ein Anstrengungen der Arbeiter; man spricht lieber von

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glauben nicht an die Herrlichkeit und Großartigkeit einer Industrie, so lange sie nicht im Stande ist, dem Arbeiter ein freies und menschenwürdiges Dasein zu gewähren und zu Die Siege" auf dem Weltmarkt sind ein

mielen, indem fie dieselbe in Beschäftigung nahmen, und schlechter Trost für das Elend daheim, wenn man bedenkt, on bem Gewinn, den sie erzielt. Gegenüber der technischen daß sie mit diesem Elend erkauft werden. lasts silh Beinung schlägt man den Fleiß des Arbeiters gering an. Dies geht so weit, daß man nicht einmal auf Ausstellungen Aufgabe hat, den Launen der oberen Behntausend" und gern von den Leistungen der Arbeiter spricht. Man erzählt

Aber was fümmert das die Tagespresse, welche die den Gewohnheiten des Philisterthums gerecht zu werden! Mit kindischem Behagen drucken deshalb die Blätter den

wir auch der Industrie den 3oll der Bewunderung erst dann entrichten, wenn sie die Form gefunden haben wird, die dem Arbeiter ein menschenwürdiges Dasein

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Das alte Lied vom Sparen.

lung ein aufrichtig liberaler Regierungsrath beim Fest- Aufsatz eines Franzosen ab, der auf seiner Reise durch den Organen der Bourgeoisie immer wieder von Neuem auf

daß vor Jahren auf einer bayerischen Industrie- Aus­bantett einen Toaft auf die Arbeiter ausbrachte und dadurch ben 3orn eines einflußreichen Staatsmannes so sehr erregte, begeistert hat. Der Franzose sagt: bug dieser ihm zurief:" Sie sind Regierungsa rath und bleiben Regierungsrath." aufrichtig liberale Mann ist in der That bis heute nicht be­

Deutschland sich an dem Aufschwung der deutschen Industrie

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So ist es der Brauch, die ,, Herrlichkeiten" der modernen Industrie nur äußerlich zu beurtheilen und sorgfältig die Augen zu verhüllen, wenn die Kehrseite der Medaille" m Vorschein fommt. Man sieht dies schon beim Bau der abritftabte nach englischem Muster, deren Front gewöhn­Arbeit und der Armuth dem Auge des Beschauers entzogen die Industriepaläfte zeigt, durch welche die Hütten der

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Dem gewöhnlichen Philister kann man kein größeres Bergnügen bereiten, als durch eine oberflächliche Verherr­dung der Industrie, mobei die laterna magica der mo­men Nationalötonomie die lachendsten und glücklichsten Silber an bie Wand zaubert. Sieht man nur recht viele briffchlöte rauchen, wirb nur Tag und Nacht gehämmert, Mobelt, gegraben, genäht und gewirkt, dann geberdet sich Philifter, als ob Alles im Glück schwimme und ein un­

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Vom industriellen Standpunkt wüßte ich nichts Charakte= ristischeres als die Nachtfahrt von Köln nach Hannover . Das Ferne in Flammen zn Land scheint in der stehen. Die von den Fabriken gegen den Nachthimmel entsandten Feuerströme erweden die Vorstellung einer Höllengegend. Man hat ordentlich das Gefühl, als müsse das fließende Eisen sich über die Fluren ergießen und als führe der dahineilende Bug uns durch die Staaten Vul­fans. Ueberall wird geschmiedet, gehämmert, gegossen, und die Erde scheint Feuer auszuhauchen. Man mache diese Nachtfahrt, ohne zu schlafen. Auf mich hat sie einen noch tieferen Eindruck gemacht, als selbst eine deutsche Truppen­schau."

Nun, die Höllengegend" war das Ruhrkohlen= revier, wo unlängst der große Streit stattgefunden hat, und mancher blaffe Bergmann wird zu dem Wort Höllen gegend bedenklich mit dem Kepfe nicen. Der Franzose fonnte natürlich nicht wissen, was es mit den Staaten Bultans" für eine weitere Bewandtniß habe aber unsere Philifter könnten es wissen. Nühmt man sich denn noch haben, während allüberall die Parlamente beschäftigt sind, der Groß­

Es ist von jeher das Bestreben der Unternehmer und über­haupt das der besißenden Klassen gewesen, den Arbeitern in erster Linie immer das Sparen zu empfehlen. Troßdem schon hundert und tausendmal von kompetenter Seite nachgewiesen worden ist, daß es unter den heutigen wirthschaftlichen Ver hältnissen unter hundert Arbeitern faum Einem möglich ist irgend eine nennenswerthe Summe zu sparen, wenn er über= haupt den heutigen Kulturbedürfnissen angemessen menschen würdig leben will, so wird doch das alte Lied vom Sparen in getischt und Pfaffheit und Unternehmerthum wird nicht müde, biese wunderbare Sparmelodie in allen möglichen Variationen stets von Neuem vorzusingen und damit zu versuchen, die Ars beiter von ernsthaften Bestrebungen zur Verbefferung ihrer Lage abzuhalten.

So leistete fich unter Anderem vor Kurzem die Eisen. Zeitung", das Organ des Unternehmerthums der Eisenbranche, unter der Spiẞmarte Streit- Sparsamfeit" einen sich mit dieser Materie beschäftigenden Artikel, den wir im Nachstehenden in einigen Theiien einer etwas näheren Beleuchtung unterziehen wollen.

Wenn zunächst das edle Fabrikantenorgan seinem geift. reichen" Artikel als Motto den Ausspruch Franklin's voran­fegt: Jeder, der den Arbeitern fagt, daß sie durch andere Mittel als durch Fleiß und Sparsamfeit etwas erreichen föns nen, ist ein Verführer des Volts", so müssen wir zunächst be merken, daß ein solcher Ausspruch eines vor hundert Jahren lebenden Mannes auf die heutigen Verhältnisse paßt, wie die Faust aufs Auge. Die Eisen- Zeitung" wird uns gefälligst zugeben, daß zu der Zeit, als Franklin lebte, noch Niemand eine Ahnung hatte von der heutigen Entwickelung der In­dustrie und der Technik, daß damals noch hauptsächlich der handwerkmäßige Betrieb in allen Gewerben eristirte, von einer Großinduſtrie im heutigen Sinne erst die An fänge vorhanden waren, und infolge dessen sich auch noch die gegenwärtige Scheidung der Bevölkerung in eine Anzahl von Fabrikanten und Unternehmer und in Millionen besigloser Proletarier vollzogen hatte, auch von einer

blicher Reichthum sich über Land und Leute ergösse. Daß damit, daß es so viele Leute giebt, die feine Nachtrihe nicht Satung ber Ronkurrenz ist, welche die Löhne schmälert,

Arbeitszeit verlängert und Tausende brotles macht, artigkeit des Anblics, der dem Franzosen auf seiner Nacht- Arbeiterbewegung, von Arbeiterorganisationen im heutigen Sinne

Feuilleton.

Babbrut verboten.]

Ein Goldmensch.

Michael

Roman von Maurus 36fai.

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[ 466

Ich bleibe heute und bleibe auch morgen, wenn Sie mir etwas zu thun geben, wobei ich Ihnen behilflich sein fann. So lange Sie mir Beschäftigung geben, so lange bleibe ich."

O, dann können Sie die ganze Woche hier bleiben," rief Noemi dazwischen, denn ich werde Ihnen genug zu thun geben."

Was für eine Beschäftigung wüßtest Du denn Herrn Noemi behilflich, den Inhalt des Timar zu geben, Du Närrchen?" sagte Frau Therese lachend. das war ein Duft, Ei, die Rosenblätter zerstampfen!" dup " Ach, vielleicht wüßte er nicht einmal, wie er das anzu­

in dem man schwelgen und sich berauschen

Noemi legte ihr Köpfchen auf den weichen Rosen- fangen hat." erbügel und fagte: Das müßte herrlich sein, einmal feiner solchen Rosenstreu zu schlafen." gige Duara biefem Schlaf nicht mehr erwachen, der Rosenduft würde

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Du möchtest mich hier allein lassen, Du

Nein, nein," rief Noemi, ihre Mutter mit Küssen um­Sch Dich verlassen, mein theures, liebes, einziges

Wie sollte ich mich nicht darauf verstehen?" sagte Timar; ich habe im elterlichen Hause oft genug meiner Mutter dabei geholfen."

,, Nicht wahr, Ihre Mutter war auch eine sehr gute Frau?" de und

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Sie war eine sehr gute Frau."

Und Sie haben sie auch sehr lieb gehabt?" din ,, Sehr lieb."

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Lebt sie noch?"

Sie ist schon lange todt."

Also haben Sie jetzt Niemanden mehr Welt?"

Warum also treibst Du solchen Scherz mit mir? war, Herr Timar, es schickt sich nicht für ein traurig sein Haupt: Niemand." ges Mädchen, sich mit seiner Mutter einen solchen Scherz sprochen. erlauben für ein so junges kleines Mädchen, das gestern mit der Puppe spielte." , daß es unter allen Umständen nicht zu ents Sulbigen, wenn ein junges Mädchen seiner Mutter sagt, es irgend eine Todesart schön finde. Nun, jetzt bleibe

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Noemi blickte mit inniger Theilnahme Michael ins Auge. ,, Ich habe Niemanden auf dieser Welt das ist ein trauriges Wort."

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in meinem Tornister, man braucht nur den Tisch dafür zu decken; wir werden alle daran genug haben." Aber wer hat denn so gut für Sie gesorgt und Sie mit Reiseproviant so reichlich versehen?" fragte Noëmi.

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,, Wer anders, als unser Herr Johann Fabula." ,, Ah, der wackere Steuermann. Ist der auch hier?" Er läßt am jenseitigen Ufer das Schiff be frachten." Therese hatte Timars Gedanken errathen; aber fie wollte nicht hinter ihm zurückbleiben in zarter Rücksicht Sie wollte ihm beweisen, daß sie kein Bedenken trage Noëmi mit ihm allein zu lassen. Nein, ich habe mich anders besonnen. Ich werde sowohl in der Küche, als auch hier beim Kessel das Nöthige verrichten. Du, Noëmi, tannst inzwischen Herrn Timar auf die Insel hinausführen und ihm zeigen, was sich alles verändert hat, seit er nicht hier war."

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Noemi war eine gehorsame Tochter; sie pflegte ohne Widerrede zu thun, was ihr von der Mutter geheißen wurde. Sie band sich ihr buntes türkisches Seidentuch um den Kopf, das ihr Gesicht so hübsch einrahmte. Timar erkannte darin das Tuch, welches er ihr als Geschenk zurückgelassen hatte. ola

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Timar dachte eine Weile nach und senkte dann Auf Wiedersehen, Herzliebste!" Auf Wiedersehen," Er hatte wahr gesagten Mutter und Tochter zu einander, indem sie sich füßten. Wie es scheint, pflegen sie, so oft Eines von ihnen sich vom Haus entfernt, stets so von einander Abschied zu nehmen, als würden sie eine weite Reise antreten, und wenn sie dann nach einer Stunde wieder zusammenkamen, sich so zu um­armen und zu küssen, als wären sie Jahre lang von einander ge­trennt gewesen. Die Armen haben ja nur sich beide auf dieser Welt. Noëmi warf ihrer Mutter noch einen fragenden Blick zu; Therese antwortete mit einem Ropfniden, das so viel bedeutete als: ,, Geh nur!"

Michael bemerkte, daß Frau Therese noch immer in der Thüür stand, unschlüssig, ob sie gehen solle oder nicht. Wissen Sie was, Mutter Therese," sagte er, sich rasch be­

bie Rüche, unserem Gaft eine gute Mahlzeit zu kochen. finnend, gehen Sie jetzt nicht in die Küche, um mein et­

Sie bleiben ja den ganzen Tag bei uns?"

wegen noch etwas zu kochen. Ich habe allerlei Eßwaaren